Ein Trickfilm für Cinema Quadrat

Unsere Mitarbeiterin Monika Hamryszak hat uns zum Abschied einen tollen Trickfilm-Trailer hinterlassen, den wir schon im Kino gezeigt haben. Auch unseren Homepage-Besuchern wollen wir ihn nicht vorenthalten.

Monika Hamryszak hat im Jahr 2013/2014 ein Freiwilliges Kulturelles Jahr bei uns absolviert. Sie ist künstlerisch tätig und arbeitet vor allem als Fotografin. Hier geht es zu ihrer Facebook-Seite.

22.10.2014

Die Augen fühlen das Gewicht

Am 21. Oktober berichtete der Mannheimer Morgen über das 29. Mannheimer Filmsymposium:

 

»Marlon Brando ist entschuldigt – er starb leider schon 2004. Auch, dass Naomi Watts, wie Brando einer der im Filmsymposium angeführten Stars, nicht selbst im Cinema Quadrat vorbeischaut, kann kaum überraschen. Aber Michelle Pfeiffer ist vor Ort, „die deutsche Michelle Pfeiffer“ jedenfalls: Catherine Flemming. Joseph Vilsmaier hat ihr das Ehrenprädikat verliehen, und sie hat ihre Zerbrechlichkeit in Filmen wie „Der alte Affe Angst“ (von Oskar Roehler) oder „Cuba Libre“ (Christian Petzold) so unaufdringlich wie effektvoll eingesetzt.#

Der letztgenannte Streifen wird in Mannheim auch noch einmal im Begleitprogramm des mittlerweile 29. Symposiums mit dem Titel „Schauspielen im Film“ gezeigt. Er stammt von 1996. Flemming hatte damals ihren ersten großen Auftritt, und auch für den Regisseur war es ein frühes Werk. Aber die Kunst und Künstlichkeit des Christian Petzold ist schon voll entwickelt. „Ich war damals noch sehr unsicher“, gibt Flemming zu. Die manierierte, stilisierte Redeweise der Akteure habe sie zunächst verwirrt: „Ich habe die Figur verstanden, doch nicht ihre Sprache.“ Sie sei eher fürs „Authentische“, so problematisch dieses Wort auch sein möge.

Die Kunst der Improvisation

„In Frankreich ist der Drehbuchautor immer mit am Set – da hat man Zeit, da kann man Fragen stellen“, findet Flemming. Hierzulande sei das leider eher selten. Doch bei „Cuba Libre“, einer Aussteigergeschichte, sei zumindest Christian Petzold immer bestens präpariert gewesen – keiner dieser Regisseure, die nur sagen: „Mach mal.“ Also keiner mit Konsumhaltung. Im Übrigen verstehe sie sich auch auf Improvisation. In dieser Hinsicht helfe es, wenn man im „Osten“ aufgewachsen sei, in Chemnitz.

Später ging es freilich an die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Diese Berliner Einrichtung war für ihr strenges Regiment bekannt und dafür, dass man hier die jungen Leute erst mal auseinandernahm, bevor man sie als Schauspieler wieder zusammensetzte. Eine Ausbildung als riesiges Disziplinarverfahren.

Flemming ließ sich freilich ihre Sensibilität nicht nehmen, und wenn sie für eine Rolle ein paar Pfunde zulegt, ändert das auch ihren Blick: „Ich kann in meinen Augen mein Gewicht fühlen.“ Ansonsten sehe sie „wahnsinnig gerne“ Filme, deshalb sitze sie so oft in Jurys. Demnächst auch beim Mannheim-Heidelberger Filmfest.

Hintergründe als Bereicherung

Flemming gibt sich beim Symposium nahbar, locker und ironisch. Ihre Jungkollegin Helen Woigk, bei der man viel Verletzlichkeit bemerkt, ist da natürlich weniger erfahren. „Referentin“ ist die Rolle, die sie noch nicht kennt. Ganz ungeschützt erteilt sie Auskunft, über ihr Geburtsdatum und ihre Sinti-Wurzeln, die ihr reizvoll „fremdländisches“ Aussehen vielleicht begünstigt haben. Türkinnen, Rumäninnen und Inderinnen spielt sie oft, noch sieht sie das Erforschen unbekannter ethnischer und kultureller Hintergründe als Bereicherung. Doch irgendwann will sie sich davon lösen. „Schauspielen ist nichts für Feiglinge“, heißt ihr Bericht, und das ist eine Anspielung auf einen ihrer Filme.

Sonst verläuft das 29. Symposium an drei Tagen in bewährten Bahnen. Peter Bär und seine Mitarbeiter haben nur insofern kleine Änderungen und Verbesserungen vorgenommen, als die Formen Interview und Werkstattbericht ein größeres Gewicht bekommen sollen. Filmkundlich fundierte Vorträge gibt es auch weiterhin, wie den von Marcus Stiglegger zum „Method Acting“ in Amerika, das die Erinnerung des Schauspielers an eigene Erlebnisse zur Basis hat. Nicht nur der große Marlon Brando kommt aus dieser Ecke. Auch Naomi Watts ist noch davon beeinflusst, allerdings nicht nur, wie Stiglegger erläutert: In der Casting-Szene aus „Mulholland Drive“ von David Lynch beherrscht sie auch das schnelle und spontane „Acting and Reacting“ virtuos. Das ist wieder eine andere, vom bekannten Lehrer Sanford Meisner propagierte Schauspielweise. Oder nur Watts’ Talent.«

Hans-Günter Fischer

13.10.2014

Turkfilmfestivali zu Gast beim Cinema Quadrat

Das 23. Türkfilmfestivali Mannheim bespielt dieses Jahr das Cinema Quadrat. Filme im Oktober, November und Dezember.

 

Es ist ein Ereignis, das auch für uns überraschend kam. Kurzfristig fragte das traditionsreiche Türkische Filmfestival Mannheim, das dieses Jahr schon in der 23. Ausgabe stattfindet, bei uns an, in diesem Jahr unser Kino zu bespielen. Deshalb gibt es beginnend mit dieser Woche türkische Filme im Cinema Quadrat. Den Anfang macht am 15.10.2014 umd 21:30 Uhr "Araf - Somewhere in Between" der bekannten Filmemacherin Yesim Ustaoglu (deren Film "Reise zur Sonne" schon in unserem normalen Programm lief). Am Tag darauf, am 16.10.2014 wird im Rahmen des Festivals um 17:00 Uhr "Bizim büyük carisizlimiz" gezeigt.

Das Türkfilmfestivali findet in diesem Jahr über einen längeren Zeitraum statt. Weitere Termine im November und Dezember sind geplant und werden u. a. auf unserer Webeite bekanntgegeben.

Alles zum 23. Türkfilmfestivali Mannheim finden Sie auf der Festivalhomepage.

01.10.2014

Kinopreis 2014 - Lobende Erwähnung für Cinema Quadrat

Am vergangenen Freitag, dem 29.09.2014, wurde das Cinema Quadrat vom Kinematheksverbund mit einer lobenden Erwähnung und einem Sachpreis für sein Jahresprogramm 2013 bedacht.

 

Mit dem Kinopreis des Kinematheksverbundes werden alljährlich Kinos für ihre herausragenden Programme und ihr kontinuierliches Engagement für eine anspruchsvolle und vielfältige Kinokultur in Deutschland gewürdigt. Aus der Jury-Begründung: Lobende Erwähnung wurde dem Cinema Quadrat "für den Blick auf aktuelle Themen, wie dies die Reihe 'Blicke auf Palästina' bietet" ausgesprochen. Die lobenden Erwähnungen sollen besonders das Engagement der Kinos vor Ort hervorheben und ihnen damit zu einer weiteren öffentlichen Anerkennung verhelfen.

"Einfach unglaublich! Im fünften Jahr in Folge sind wir unter den Preisträgern",- freut sich Verena Schlossarek, Geschäftsführerin vom Cinema Quadrat.

16.09.2014

Leichen füllen die Leinwand

Die Rheinpfalz kündigte am 13.09.2014 unsere Shakespeare-Filmreihe an:

 

»Zum 450. Geburtstag William Shakespeares in diesem Jahr ehrt das Mannheimer Cinema Quadrat den elisabethanischen Dramatiker ab Montag mit der fünfteiligen Filmreihe „Shakespeare lebt!“.

Shakespeares Stücke, besonders die bekanntesten, gehören bis heute nichtnur zum festenBestand der Theaterspielpläne, sondern auch der Kinoprogramme. Schon in den ersten Jahren des neuen Mediums Film wurden, freilich stumm, einzelne Szenen und pantomimische Interpretationen seiner Dramen auf Zelluloid gebannt. So sind mittlerweile rund 500 Filme nach seinen Stücken entstanden. Shakespeare ist damit der Dramatiker, dessen Werk weltweit am häufigsten verfilmt wurde. Entsprechend vielfältig sind die Filme, die das Cinema Quadrat zeigt.

„Hamlet Goes Business“ siedelt Shakespeares Klassiker um den Prinzen von Dänemark in Finnland an. Hamlets Vater war hier ein Großindustrieller, Hamlet selbst ist der Haupterbe des Konzerns. Thronfolger Klaus möchte den Betrieb auf die Produktion von Quietsche-Entchen umstellen. Der getötete Boss erscheint seinem Sohn als Geist und bittet ihn um Rache. Alsdann purzeln die Leichen nur so über die Leinwand. Shakespeares Drama wird hier zum Film noir. Eine düstere bis aberwitzige Kapitalismuskritik von Aki Kaurismäki (am 25. und 26. September).

„Viel Lärm um nichts“ ist ein kleiner Film des erfolgreichen Regisseurs Joss Whedon. Es handelt sich um eine schlichte bis amüsante Fingerübung, die der New Yorker Serienspezialist nach den ungleich aufwendigeren Dreharbeiten zu „Marvel's The Avengers“ eingeschoben hat. Gedreht wurde die Komödie um die Suche nach der wahren Liebe in nur zwölf Tagen in Whedons Privathaus, geschnitten wurde der Film in den Mittagspausen und am Wochenende (19. bis 22. September).

Mit „Cäsar muss sterben“ ist sogar eine Dokumentation im Programm, die viel shakespearesches Drama enthält. Insassen des Hochsicherheitstraktes eines römischen Gefängnisses studieren die Tragödie „Julius Caesar“ ein. Zu sehen ist in Ausschnitten das Casting, die Proben und die Aufführung. Karg in der Bildsprache, reich an Emotionen, gewann das italienische Dokudrama der Brüder Taviani den Goldenen Bären bei der Berlinale 2012 (vom 25. bis 27. September).

Die beiden übrigen Beiträge der Filmreihe sind so bekannt, dass eine Beschreibung sich erübrigt. Es handelt sich um Baz Luhrmanns „William Shakespeares Romeo + Julia“mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes (29. September bis 1. Oktober) und um „Shakespeare in Love“ mit Joseph Fiennes als Dichter und Gwyneth Paltrow in der Rolle der Lady Viola (15. bis 17. September).«

05.09.2014

Vorhang auf, Film ab! - Innovative Festivals geben cineastische Impulse

"Die Festivals", das Magazin des Kulturbüros der Metropolregion Rein-Neckar berichtet in seiner neuesten Ausgabe über "Den Goldenen Hirsch" und andere lokale Filmfestivals:

 

Auch wenn Venedig, Cannes und Berlin weit weg sind: In der Metropolregion Rhein-Neckar bewegt sich einiges in Sachen Film. Frische Festivals wie der „Goldene Hirsch“, das Projekt „Girls Go Movie“ oder das „Europäische Filmfestival der Generationen“ sprießen und gedeihen. Das ein oder andere hat schon Kultstatus.

Ein Mittwochabend in Heidelberg: Eine Menge schiebt sich durch den Eingang des Karlstorkinos. Wenn heute die neue Ausgabe des Kurz!lmfestivals „Goldener Hirsch“ startet, bleibt kein Samtsessel frei. Auf der Leinwand prangt ein Klassiker des Kitsches: der röhrende Hirsch vor alpiner Kulisse. „Das ist natürlich ironisch gemeint“, sagt Mitbegründer Thomas Oberlies schmunzelnd. „Wir spielen ein bisschen mit dem Lokalprovinziellen.“ Später wird der Gewinner des Festivals das Brunfttier als vergoldete Trophäe aus Plastik überreicht bekommen.

Doch bevor es so weit ist, präsentieren die Filmemacher ihre Werke. „Wir haben immer eine bunte Mischung – vom Abiturienten aus der Youtube-Ecke über den Filmhochschüler bis hin zum Arzt“, erklärt Oberlies. Das gilt auch für die zehn Beiträge von heute. So stellt die Schauspielerin Carla Weingarten mit „Scharrie und Nane“ eine abgründige Geschichte um einen Revolver vor. Und der 19-jährige Marco Hein hat einen Parcours!lm mit einer akrobatischen Verfolgungsjagd über Mauern, Zäune und Autos gedreht. Alle Teilnehmer stehen dem Publikum nach der Vorführung ihres Films Rede und Antwort, ganz unprätentiös moderiert von Oberlies.

Um den Pokal hat sich ein kleiner Hype entwickelt. Lange Teilnehmerlisten, volle Kinosäle und eine Qualität, die sich sehen lassen kann, sprechen für sich. Dabei betreiben die Macher konsequente Basisarbeit. „Unser einziges Kriterium ist, dass der Film einen Bezug zur Metropolregion haben muss“, erläutert Mitveranstalter Oliver Krause. Das Organisationsteam besteht aus vier ehrenamtlichen Mitarbeitern: Neben Krause und Oberlies gehören Matthias Vogel und der Videokünstler Benjamin Jantzen dazu. Der Wettbewerb wird abwechselnd in der Mannheimer Feuerwache und im Karlstorkino ausgetragen, sechs Mal im Jahr. Alle zwei Jahre vergibt eine Fachjury im Rahmen der gleichnamigen Veranstaltung den „Endhirsch“ unter allen Gewinnern. Wer heute im Karlstorkino das güldene Tier mit nach Hause nehmen darf, entscheidet ausschließlich das Publikum. „Der Goldene Hirsch ist zwar nicht kuratiert, funktioniert aber gerade aufgrund seines lockeren, improvisierten Rahmens wunderbar“, sagt Thomas Kraus, Leiter des Kulturbüros der Metropolregion Rhein-Neckar. „Die Filmemacher werden ermuntert, etwas auszuprobieren und die Filme haben eine erstaunliche Qualität. Der Goldene Hirsch ist Kult und Einstiegsdroge ins Filmemachen.“

Einen Plot entwickeln, einen Kurzfilm drehen und schneiden, vielleicht einen Preis abräumen, darum geht es auch bei „Girls Go Movie“. Zielgruppe sind Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen zwölf und 27 Jahren. Die Experimentalfilmerin Ruth Hutter betreut dieses Projekt von Anfang an und hilft den Teilnehmerinnen, aus ihren Ideen Filme zu machen. „Ich kann die Mädchen beraten, wie ich selbst beraten wurde“, sagt die Künstlerin, die Schülerin der Performance-Ikone Marina Abramovic war. Einige von Hutters Schützlingen studieren inzwischen an Filmhochschulen oder wurden von Michael Ackermann, dem Leiter der FilmCommission der Metropolregion, für Filmproduktionen vermittelt.

In diesem Jahr feiert „Girls Go Movie“ seinen zehnten Geburtstag und gilt heute mehr denn je als Erfolgsmodell, das bundesweit Pilotcharakter hat. Zum Jubiläum haben die Veranstalterinnen die Filmakademie Baden-Württemberg ins Boot geholt: Sieben Studentinnen haben den Regienachwuchs als Mentorinnen unterstützt. Außerdem ist „Girls Go Movie“ über die Grenzen der Metropolregion hinausgewachsen: Mädchen und junge Frauen aus ganz Baden-Württemberg und Rheinland- Pfalz konnten sich anmelden. Die Preisträgerwerke sind dieses Mal sogar beim Festival des deutschen Films gelaufen. „Ein Beleg dafür, dass sich ‚Girls Go Movie‘ von einem medienpädagogischen Festival zu einem Kurz!lmfestival von Qualität entwickelt hat, ohne dass es seinen Ausbildungscharakter verloren hat“ betont Michael Ackermann.

Stehen bei „Girls Go Movie“ junge Themen im Fokus, dreht sich beim „Europäischen Filmfestival der Generationen“ alles ums Älterwerden – im Oktober !ndet es zum fünften Mal statt. Vater des Festivals ist Michael Doh. Als Gerontologe befasst sich der Heidelberger von Berufs wegen mit dem Altern, darüber hinaus ist er ein echter Cineast. Das Festival präsentiert aktuelle Filme, bei denen Kreativität im Alter genauso eine Rolle spielt wie Krankheit und Tod. „Wir versuchen den Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Kino“, sagt Doh. Neben den Filmschaffenden diskutieren auch Experten und Wissenschaftler über die Filme. Seit diesem Jahr kooperiert das Netzwerk „Regionalstrategie demografscher Wandel“ der Metropolregion mit dem Festival. Dank dieser Unterstützung konnte das Festival auf 35 Kommunen ausgeweitet werden, 2015 sollen weitere 20 hinzukommen. „Wir wollen für den Dialog der Generationen sensibilisieren. Dazu passt das Festival optimal“, betont Frank Burkard, Referent für Öentlichkeitsarbeit beim Verband Region Rhein-Neckar.

Das Festival fördert auch das Verständnis zwischen den Generationen, wie die Dokumentation „Mit dem Bauch tanzen“ von Carolin Genreith beweist. Die junge Regisseurin wollte ursprünglich die Peinlichkeiten des Älterwerdens darstellen, indem sie die Bauchtanzgruppe ihrer Mutter mit ihrer Kamera verfolgte. Doch aus dem Schenkelklopfer wurde nichts – die Best Ager präsentieren sich überraschend souverän. Beim Festival stellt Genreith ihr Projekt nun persönlich vor. Ein weiterer Gast in diesem Jahr ist Mario Adorf, der den Film „Der letzte Mentsch“im Gepäck hat, in dem er einen greisen Holocaust-Überlebenden spielt.

„Goldener Hirsch“, „Girls Go Movie“ und „Filmfestival der Generationen“ – drei Projekte, die mit frischen Ideen und originellen Konzepten die Filmkultur in der Metropolregion gründlich durchpusten und eines beweisen: Es gibt ein cineastisches Leben jenseits von Multiplex-Kinos, Online-Streaming und Roten-Teppich-Events.