Am 21. September startet die neue Staffel der Filmreihe „Film & Kunst“, die gemeinschaftlich von der Kunsthalle Mannheim und dem kommunalen Kino Cinema Quadrat veranstaltet wird.

Film ist Kunst. Und kann als Kunst von Kunst erzählen, kann Kunst dokumentieren, kann Kunst (be)greifbar machen. Der Film und die Bildende Kunst befruchten sich schon immer gegenseitig, und schon immer können beide Kunstgattungen voneinander profitieren. Das Kino nimmt Bezug auf die Bildwelten der Kunstgeschichte; und in der zeitgenössischen Kunst ist das Einbeziehen von Fotographie und Film längst selbstverständlich geworden.

Bereits seit 2008 Jahren kooperieren die Kunsthalle Mannheim und das Cinema Quadrat mit der Veranstaltungsreihe „Film & Kunst“ – und natürlich läuft die Filmreihe im Cinema Quadrat trotz Kunsthalle-Umbau weiter. Für die Monate März bis Juli 2017 haben beide Kultureinrichtungen fünf Filme ausgewählt, die sich mit der Kunst, mit Leben oder Werk von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten beschäftigen. Im Fokus steht der Dialog zwischen Kunst und Film.

Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim arbeiten die Berührungspunkte zwischen dem künstlerischen Werk der Hauptfiguren und der filmischen Bearbeitung des Themas heraus. In Einführungsvorträgen vor den Filmvorführungen werden die Verbindungen beider Gattungen erläutert.

Die Eintrittspreise sind, soweit nicht anders angegeben:
8,00 € regulär, 6,00 € ermäßigt, 5,00 € für Mitglieder von Cinema Quadrat/Förderkreis Kunsthalle
*Bei Filmen mit Überlänge wird ein Aufschlag von jeweils 1,50 € erhoben.

Beuys

Beuys

DEU 2017. R: Andres Veiel. Dokumentarfilm. 107 Min. FSK: 0

Längst ist Joseph Beuys, der Mann mit dem Hut, dem Filz und der Fett-Ecke, zur Ikone geworden. Seine Werke sind in zahlreichen Museen rund um die Welt vertreten, und seine Idee der „sozialen Plastik“ und der von ihm „erweiterte Kunstbegriff“ haben die Kunst im späten 20. Jahrhundert nachhaltig beeinflusst. Nun wagt sich der Regisseur Andres Veiel an ein filmisches Porträt des legendären Künstlers, der 1986 gestorben ist. Nach dreijähriger Recherche und Sichtung von etwa 450 Stunden bisher unerschlossenen Video- und Audiomaterials ist ihm ein ungewöhnlich eindringlicher Dokumentarfilm gelungen.

Veiel kommt überwiegend mit Archivaufnahmen aus und stellt die Ideen und Motive von Beuys‘ Wirken in den Vordergrund. Er lässt die Filmzuschauer immer wieder direkt ins Gesicht des Mannes schauen, der unentwegt diskutierte und provozierte. Dieses Gesicht zeigt Verletzlichkeit, Tatendrang und Erschöpfung, aber auch immer wieder ein herzliches, befreiendes Lachen. „Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen?“ fragt Beuys – und lacht. Lassen Sie sich anstecken von den visionären Ideen des Künstlers Joseph Beuys, die auch nach über 30 Jahren kaum aktueller sein könnten.

Einführung: Dr. Sebastian Baden

Do., 21.09.2017, 19:30 Uhr

Don’t Blink – Robert Frank

Don’t Blink – Robert Frank

USA 2015. R: Laura Israel. Dokumentarfilm. 82 Min. OmdtU. FSK: k. A.

Das dokumentarische Film-Porträt über Robert Frank ist eine temporeiche Hommage an einen der kreativsten und einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Ein bis heute nachgefragtes Foto-Buch mit 83 SW-Aufnahmen machte ihn berühmt: „The Americans“ erschien 1959 und war das Ergebnis einer jahrelangen Reise durch die USA. Robert Frank, 1924 in Zürich geboren, wo er eine Fotografen-Lehre absolvierte, gelang damit eine großangelegte Bildreportage über Amerika und die Amerikaner, für die er auf Reisen durch die Staaten zehntausende Fotos machte. Er wollte „diese bestimmte Zivilisation“ festhalten, die sich in Amerika entwickelt habe und von dort aus die Welt eroberte.

Aus seinen Bildern spricht ein unverhohlener Rassismus der weißen Mehrheits-Amerikaner ebenso wie eine bemitleidenswerte Entfremdung der Menschen voneinander. Flaggen, Musikboxen, Autos und Kreuze, Fernsehgeräte, Bars, Müllhalden – die Kehrseite des ‚American Dream‘, gesehen mit den Augen eines Schweizers, der sich das Land der Freiheit ganz anders vorgestellt hatte. Robert Frank arbeitete später vielfach als Filmemacher; so begleitete er 1972 die Rolling Stones auf ihren Konzerten, woraus sein Film „Cocksucker Blues“ entstand.

Einführung: Dr. Claude Sui

Do. 19.10.2017, 19:30 Uhr

1917 – Der wahre Oktober

1917 – Der wahre Oktober

DEU/CHE 2016. R: Katrin Rothe. Animationsfilm/Dokumentarfilm. 90 Min. FSK: 0

Die Revolution in Russland schuf auf Basis der Theorie des Kommunismus eine völlig neue Gesellschaft, als 1917 die Bolschewiken unter der Führung von Lenin und Trotzki die Macht übernahmen. Der aufwändig gemachte Animations-Dokumentarfilm zeigt die wichtigsten Etappen des bewegten Revolutionsjahres 1917 sehr ernsthaft in der Sache und doch spielerisch in der Gestaltung auf. Die Geschehnisse werden aus der Sicht von fünf russischen Künstlern erzählt: Die Schriftsteller Maxim Gorki und Wladimir Majakowski, der Maler Kasimir Malewitsch, die Dichterin Sinaida Hippius und der Kunstkritiker Alexander Benois erlebten die dramatischen Ereignisse teils selbst als Akteure im politischen Geschehen, teils als Augenzeugen von den Fenstern ihrer Wohnungen aus.

Katrin Rothe animiert die Personen als Legetrick-Figuren aus Papier und Pappe; sie stellt mit Scherenschnitten meuternde Soldaten oder demonstrierende Massen dar; Siebdrucke, Zeichnungen und kolorierte Bilder dienen als Hintergründe der Szenen, die durch sparsam eingestreute Archivaufnahmen ergänzt werden. "Ich wollte den wahren Oktober finden. Gefunden habe ich Hunderte von Wahrheiten...", so Katrin Rothe über ihr faszinierendes Trickfilm-Geschichtsprojekt.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert

Do 23.11.2017, 19:30 Uhr

Neo Rauch – Gefährten und Begleiter

Neo Rauch – Gefährten und Begleiter

DEU 2017. R: Nicola Graef. Dokumentarfilm. 105 Min. FSK: 0

Er gehört zu den erfolgreichsten deutschen Malern seiner Generation – 1960 in Leipzig geboren und Bewohner der DDR bis zum Mauerfall. So wundert es nicht, dass seine farbigen, figurenreichen Gemälde vielfach von seinem Leben in der DDR geprägt sind. Die Geschichte Deutschlands als geteiltes und wieder vereintes Land ist ein zentrales Thema für den Künstler, der seit Jahren Sammler in Europa, Amerika und Asien begeistert. Die Bildlandschaften Neo Rauchs entfalten ihren Reiz dadurch, dass die Gestalten in ihnen aus ganz verschiedenen Zeit- und Wirklichkeitsstufen stammen. Der Maler setzt Nachkriegsmenschen und Minirock-Trägerinnen zusammen, stellt Bannerträger, Engel und Revolutionshelden nebeneinander, bringt Tänzer, Punker und Werktätige, Märchenfiguren, Hausfrauen und Politiker in einen einzigen Bildkontext collageartig zueinander.

Die Dokumentarfilmerin Nicola Graef wollte der geheimnisvollen Aura von Rauchs Bildern auf die Spur kommen und hat dafür viele Gespräche mit Neo Rauch selbst und mit seinen Freunden und Weggefährten aufgezeichnet. Zusammen mit ungewöhnlich langen Kameraeinstellungen auf die Gemälde bietet der Film eine sehr ruhige Annäherung an ein malerisches Werk, das inhaltlich ebenso modern wie handwerklich präzise erscheint.

Einführung: Ann-Sophie Pieper

Do. 07.12.2017, 19:30 Uhr

Birthday – Die amerikanische Malerin Dorothea Tanning

Birthday – Die amerikanische Malerin Dorothea Tanning

DEU 1995. R: Horst Mühlenbeck. Dokumentarfilm/Spielfilm. D: Ines Maak, Peter Przychodniak. 93 Min. 16mm-Projektion. FSK: k. A.

"Birthday" ist der Titel eines Bildes der amerikanischen Malerin Dorothea Tanning, den ihr Max Ernst bei ihrer ersten Begegnung 1942 vorgeschlagen hatte. Aus dem zufälligen Treffen der beiden in New York wurden 34 Jahre Lebensgemeinschaft, in der Dorothea Tanning ihre künstlerische Selbstständigkeit gegenüber Max Ernst zu behaupten wusste. Zunächst in Sedona/Arizona, später in Südfrankreich und nach dem Tod von Max Ernst wieder in New York lebend, entstand bis zu ihrem Tod ein höchst komplexes Werk. Tanning verstand sich als Surrealistin, arbeitete aber nicht nur als Malerin, sondern verfasste auch Gedichte, schuf Skulpturen und entwarf Bühnenausstattungen und Kostüme für Ballettaufführungen, u.a. für den Choreographen George Balanchine.

Der Film BIRTHDAY folgt ihren Spuren an den verschiedenen Orten ihres Lebens, lässt Freunde und Bekannte zu Wort kommen und versucht, die intensive Liebesgeschichte zwischen ihr und Max Ernst in poetischen Tanz-Szenen zu visualisieren. Dabei lässt der Film den Zuschauern viel Zeit, die geheimnisvollen Bilder kennen zu lernen, mit denen Dorothea Tanning, die 2012 im Alter im biblischen Alter von 101 Jahren verstarb, als Malerin Berühmtheit erlangte. Einführung: Christiane Wichmann

Do. 11.01.2018, 19:30 Uhr

Final Portrait

Final Portrait

GBR 2017. R: Stanley Tucci. D: Geoffrey Rush, Armie Hammer. 90 Min. DF. FSK: 0

Etwas über die konkrete Arbeitsweise eines Künstlers zu erfahren, ihm gleichsam im Atelier über die Schulter schauen zu dürfen, ist ein attraktiver Einstieg in eine Film-Biographie. Das gilt erst recht, wenn es den Maler und Bildhauer Alberto Giacometti betrifft, der für langsame, ja quälende Entstehungsprozesse seiner Werke bekannt ist. Ständig unzufrieden mit dem gerade Erreichten, immer auf der Suche nach einer noch intensiveren Formgebung, gehört Giacometti zu den großen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Seine langegezogenen, bleistiftdünnen Plastiken verweigern sich herkömmlichen Vorstellungen von Volumen und Raum und finden gerade deswegen die begeisterte Zustimmung des Publikums – bis heute. Zur Sammlung der Kunsthalle Mannheim gehört auch eine ausdrucksstarke Arbeit von Giacometti („Komposition mit drei Figuren und einem Kopf“, Bronze, 1950), die in der aktuellen Neupräsentation zu sehen ist.

Der Spielfilm mit Geoffrey Rush in der Rolle des introvertierten Bildhauers beleuchtet das künstlerische Ringen um Gestaltung und Ausdruck anlässlich eines Porträt-Auftrages durch seinen späteren Biografen, den amerikanischen Schriftsteller James Lord, der seine persönlichen Erfahrungen unter dem Titel A Giacometti Portrait 1965 veröffentlichte.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert

Do. 08.02.2018, 19:30 Uhr