Am 16. März startet die neue Staffel der Filmreihe „Film & Kunst“, die gemeinschaftlich von der Kunsthalle Mannheim und dem kommunalen Kino Cinema Quadrat veranstaltet wird. Als Auftakt beschäftigt sich HIERONYMUS BOSCH – SCHÖPFER DER TEUFEL mit dem bedeutenden flämischen Maler, mit seinem komplexen Kunstschaffen und mit den aufwändigen Arbeiten für Restauratoren und Kuratoren im Vorfeld einer großen Werkretrospektive.

Film ist Kunst. Und kann als Kunst von Kunst erzählen, kann Kunst dokumentieren, kann Kunst (be)greifbar machen. Der Film und die Bildende Kunst befruchten sich schon immer gegenseitig, und schon immer können beide Kunstgattungen voneinander profitieren. Das Kino nimmt Bezug auf die Bildwelten der Kunstgeschichte; und in der zeitgenössischen Kunst ist das Einbeziehen von Fotographie und Film längst selbstverständlich geworden.

Bereits seit 2008 Jahren kooperieren die Kunsthalle Mannheim und das Cinema Quadrat mit der Veranstaltungsreihe „Film & Kunst“ – und natürlich läuft die Filmreihe im Cinema Quadrat trotz Kunsthalle-Umbau weiter. Für die Monate März bis Juli 2017 haben beide Kultureinrichtungen fünf Filme ausgewählt, die sich mit der Kunst, mit Leben oder Werk von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten beschäftigen. Im Fokus steht der Dialog zwischen Kunst und Film.

Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim arbeiten die Berührungspunkte zwischen dem künstlerischen Werk der Hauptfiguren und der filmischen Bearbeitung des Themas heraus. In Einführungsvorträgen vor den Filmvorführungen werden die Verbindungen beider Gattungen erläutert.

Die Eintrittspreise sind, soweit nicht anders angegeben:
8,00 € regulär, 6,00 € ermäßigt, 5,00 € für Mitglieder von Cinema Quadrat/Förderkreis Kunsthalle
*Bei Filmen mit Überlänge wird ein Aufschlag von jeweils 1,50 € erhoben.

Hieronymus Bosch – Schöpfer der Teufel

Hieronymus Bosch - Schöpfer der Teufel

(Jheronimus Bosch, Touched by the Devil)
NLD 2015. R: Pieter van Huystee. Dokumentarfilm. 89 Min. OmdtU. FSK: 6

Engel und Teufel, Menschen und Tiere, Heiligenfiguren und groteske Phantasiewesen bevölkern die Gemälde des bedeutenden flämischen Malers Hieronymus Bosch (um 1450–1516). Seine komplexen Werke verweigern sich jeder einfachen Deutung und dennoch – oder gerade deshalb – ziehen sie Kunstexperten wie Laien in ihren Bann. Anlässlich seines 500. Todesjahres 2016 richtete man in seiner niederländischen Heimatstadt Herzogenbosch die bisher umfangreichste Schau der noch erhaltenen Werke des Künstlers aus. Der Film dokumentiert die aufwändigen Vorarbeiten zur Jubiläumsausstellung: Über einen Zeitraum von fünf Jahren begleiteten die Filmemacher ein internationales Expertenteam auf ihren Reisen zu den in aller Welt verstreuten Kunstwerken, die mit Hilfe modernster Technologie analysiert wurden. Der Zuschauer blickt den Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit über die Schulter und taucht ein in die rätselhaft-phantastischen, oft unheimlichen Bildwelten des schon zu Lebzeiten berühmten Malers; zugleich ermöglichen moderne bildgebende Verfahren das sehende Durchdringen der schichtenweise aufgetragenen Farbsubstanzen selbst. Einige neue Erkenntnisse stellen auch manche bisherige Annahme zum Werk des Hieronymus Bosch in Zweifel und bringen Erkenntnisse zur spannenden Frage nach der Eigenhändigkeit seiner weltberühmten Gemälde.

Dr. Sebastian Baden, Kunsthalle Mannheim, führt mit einem kurzen Vortrag zu Hieronymus Boschs Leben und Werk in den Film ein.

Do. 16.03.2017, 19:30 Uhr

Mapplethorp - Look at the Pictures

Mapplethorpe – Look at the Pictures

USA/DEU 2016. R: Fenton Bailey, Randy Barbato. Dokumentarfilm. 108 Min. OmdtU. FSK: 16

Als ein Senator im amerikanischen Kongress 1989 ausruft: „Look at the Pictures!“, war das Ausdruck seiner Empörung über die provokanten Bilder des Fotografen Robert Mapplethorpe (1946–1989). Diesen Ausruf haben die Macher des gleichnamigen Films wörtlich genommen: Sie lassen die Fotografien Mapplethorpes zu sprechenden Bildern werden, die vom Leben ihres Erschaffers erzählen. Aber auch andere Stimmen kommen im Film zu Wort: Mapplethorpes Geschwister, frühere Nachbarn, Freunde und Geliebte. Die wichtigste Stimme jedoch ist die des Künstlers selbst: In einem erst kürzlich wiederentdeckten Interview spricht er offen über sein Leben, seine Lieben und natürlich über seine Bilder. Im Zusammenklang der verschiedenen Stimmen gelingt eine lebendige Erzählung von Mapplethorpes Biographie – seine Entwicklung vom schüchternen Jungen, der sich nicht traute, seine Homosexualität zu bekennen, zum gefragtesten Fotografen seiner Zeit, der ohne Scheu und mit großem ästhetischen Feingefühl (homo-)erotische und sogar offen pornografische Themen zum Gegenstand seiner Kunst erhob. Mapplethorpe, der mit seinen Bildern nicht nur bewusst provozierte, sondern auch einen entscheidenden Beitrag zur Anerkennung der Fotografie als Kunstform leistete, gilt heute als einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Dr. Claude Sui, Leiter Forum Internationale Photographie der rem-Museen, gibt vorab einen Einblick in das Werk Robert Mapplethorpes.

Do, 20.04.2017, 19:30 Uhr

Meine Zeit mit Cézanne

Meine Zeit mit Cézanne

(Cézanne et moi)
FRA 2016. R: Danièle Thompson. D: Guillaume Gallienne, Guillaume Canet, Alice Pol, Déborah François. 114 Min. DF. FSK: 0

Der Maler Paul Cézanne (1839–1906) und der Schriftsteller Émile Zola (1840–1902) zählen zu den bedeutendsten Vertretern der französischen Kunst und Literatur des 19. Jahrhunderts. Zu Lebzeiten allerdings war künstlerischer Ruhm und finanzieller Erfolg zunächst nur einem von beiden vergönnt: Emile Zola, der als Kind armer italienischer Einwanderer zeitlebens nach materieller Sicherheit suchte. Cézanne hingegen – Sohn eines reichen Bankiers – lehnte das Streben nach Wohlstand ab. Lange Zeit blieb er der jugendliche Rebell, der von einem maßlosen Selbstanspruch an sein Schaffen getrieben wurde, seine Umwelt brüskierte und viele seiner Bilder aus Unzufriedenheit zerstörte. Erst in den letzten zehn Jahren seines Lebens erhielt er Anerkennung für sein künstlerisches Werk. Was viele nicht wissen: Seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in Aix-en-Provence verband die beiden so verschiedenen Künstler eine innige, wenn auch turbulente Freundschaft.

In detailgetreuen Bildern, gedreht an Originalschauplätzen, begleitet der Film Paul Cézanne und Emile Zola durch die Jahrzehnte ihres regen geistigen Austausches und gegenseitiger Bewunderung und zeigt auch ihre hitziger Auseinandersetzungen und die jeweils vehemente Kritik am Werk des anderen. Eingebettet ist dieses filmische Doppelporträt in grandiose Landschaftsaufnahmen, die die Provence, den gemeinsamen Sehnsuchtsort beider Künstler, in satten Farben auf der Leinwand erstrahlen lassen.

Anne-Sophie Pieper, Kunsthalle Mannheim, leitet mit einem kurzen Vortrag in den Filmabend ein.

Do. 18.05.2017, 19:30 Uhr

Marina Abramović: The Artist Is Present

USA 2012. R: Matthew Akers. Dokumentarfilm. 106 Min. OmdtU. FSK: 12

Die Künstlerin Marina Abramović, 1946 als Tochter serbischer Partisanen geboren, fasziniert und schockiert ihr Publikum seit mittlerweile 40 Jahren mit ihren Performances, die körperliche und psychische Grenzgänge sind. Ihrem eigenen Körper, der stets sowohl Medium als auch Subjekt ihrer Kunst ist, tut sie dabei oft Gewalt an oder setzt ihn extremen Anstrengungen aus. So auch 2010 im Rahmen einer großen Retrospektive ihrer Arbeiten im New Yorker Museum of Modern Art: Inmitten von früheren Abramović-Performances, die durch Studenten nachgestellt wurden, stellte sich auch die Künstlerin in einer eigenen Darbietung dem Publikum vor. Unter dem Titel „The Artist is Present“ saß Abramovic während der gesamten Ausstellungdauer, drei Monate lang, sechs Tage die Woche und sieben Stunden am Tag, nahezu regungslos auf einem Stuhl. Die Ausstellungsbesucher konnten ihr gegenüber auf einem zweiten Stuhl Platz nehmen, der Künstlerin so lange sie wollten direkt in die Augen schauen und so in einen stillen Dialog mit ihr treten.

Der Film begleitet Marina Abramović vor, während und nach der Ausstellung, zeigt sie im Umgang mit ihren Studenten, mit Kuratoren und Galeristen sowie mit ihrem langjährigen Partner, den Künstler Ulay.

Vorab führt Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim, in das Werk Abramovićs ein, die als „Mutter“ der Performance-Kunst gilt.

Do, 22.06.2017, 19:30 Uhr

Peggy Guggenheim - Ein Leben für die Kunst

Peggy Guggenheim – Ein Leben für die Kunst

(Peggy Guggenheim: Art Addict)
USA/GBR/ITA 2015. R: Lisa Immordino Vreeland. Dokumentarfilm. 96 Min. DF. FSK: 0

„Die Männer gingen, die Kunst blieb“ – so titelt Spiegel Online eine kurze Filmbesprechung, die neugierig macht auf die Darstellung der sicherlich berühmtesten Sammlerin zeitgenössischer Kunst des 20. Jahrhunderts. Als wohlhabende Erbin einer jüdischen Familie von Geschäftsleuten in New York, zu der auch ihr Onkel Solomon R. Guggenheim mit seiner eigenen Sammlung moderner Kunst gehört, machte sich Peggy Guggenheim (1898–1979) als junge Frau von 23 Jahren auf den Weg nach Paris und tauchte ein in das Leben der intellektuellen und künstlerischen Bohème. Samuel Beckett, mit dem sie ein kurze, aber intensive Affäre hatte, bestärkte sie 1937 darin, Kunst von jenen Künstlern zu kaufen, die die Nazis gerade als entartet brandmarkten, und Marcel Duchamp beriet sie bei ihren Ausflügen in die Galerien und die Ateliers.

Der Film bettet in gelungener Weise die biografischen Details ihres Lebens als Muse, Sammlerin und Liebhaberin in die künstlerische, gesellschaftliche und politische Entwicklung des 20. Jahrhunderts ein und zeichnet ein sehr differenziertes Bild einer als exzentrisch geltenden Frau, die als Mäzenin für Künstler von Max Ernst bis Jackson Pollock eine ganz besondere Rolle spielte. „Ich bin nicht gesellig. Ich bin ein einsamer Wolf“, sagt die Sammlerin im Film, „es gab viele Enttäuschungen in meinem Leben, es war sehr unglücklich.“ Und doch war es ein einzigartiges Leben für die Kunst.

Christiane Wichmann, Kunsthalle Mannheim, führt mit einem kurzen Vortrag in den Film ein.

Do. 20.07.2017, 19.30 Uhr