Ein Trickfilm für Cinema Quadrat

Unsere Mitarbeiterin Monika Hamryszak hat uns zum Abschied einen tollen Trickfilm-Trailer hinterlassen, den wir schon im Kino gezeigt haben. Auch unseren Homepage-Besuchern wollen wir ihn nicht vorenthalten.

Monika Hamryszak hat im Jahr 2013/2014 ein Freiwilliges Kulturelles Jahr bei uns absolviert. Sie ist künstlerisch tätig und arbeitet vor allem als Fotografin. Hier geht es zu ihrer Facebook-Seite.

19.07.2017

Neue Spielstätte für Cinema Quadrat: Hauptausschuss beschließt Unterstützung des Umzugs und bewilligt einmaligen Investitionszuschuss

Presseinformation der Stadt Mannheim vom 19.07.2017

 

Ein neuer, attraktiver Standort für das kommunale Kino und eine Bereicherung für die Breite Straße – Ein Umzug von Cinema Quadrat e.V. vom bisherigen Standort im Collini-Center ins Quadrat K 1 ist sowohl kulturpolitisch als auch aus Sicht der Stadtentwicklung ein Gewinn. Darin sind sich auch die Mitglieder des Hauptausschusses einig und haben am Dienstag, 18. Juli, in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, den Umzug mit einem einmaligen Investitionszuschuss in Höhe von 250.200 Euro zu unterstützen. Die Gesamtkosten für Anschaffungen wie Leinwand, Licht- und Lautsprecheranlagen sowie Bestuhlung werden auf 400.000 Euro geschätzt. Die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH will sich zu einem Drittel beteiligen.

„Seit 46 Jahren ist Cinema Quadrat fester Bestandteil des Mannheimer Kulturlebens. Mannheim gehört damit zu den Orten, an denen nicht nur die aktuelle, sondern auch die kunstgeschichtliche Auseinandersetzung mit Film einen anerkannten institutionellen Rahmen hat. Mit der Ansiedlung dieser wichtigen Kulturinstitution in K 1 wird ihr eine attraktive Spielstätte geboten, gleichzeitig wird die Breite Straße aufgewertet. Zudem ergeben sich unmittelbare Kooperationsmöglichkeiten mit Atlantis und Abendakademie“, so Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz.

Die K 1 Immobilien GmbH wird das ehemalige Mömax-Gebäude in der Breiten Straße als Investor sanieren, umbauen und einer neuen Nutzung – einem Mix aus Einzelhandel, Gastronomie und Fitnessstudio – zuführen. Ein Teil des dritten Obergeschosses kann für Cinema Quadrat ausgebaut werden. Die Nutzfläche lässt sich dann von derzeit noch 400 Quadratmeter im Collini Center auf 500 Quadratmeter vergrößern, die Zuschauerplätze würden von 99 auf 120 erhöht und die Kinoleinwand von 5 x 2,6 Meter auf 8 x 4 Meter vergrößert werden. Zudem wird es Platz für Büro- und Lagerräume sowie ein Foyer geben, der barrierefreie Zugang kann verbessert und der Betriebsablauf insgesamt optimiert werden

„Ich freue mich, dass es nach langer und intensiver Suche gelungen ist, einen attraktiven Standort für Cinema Quadrat, der unweit von der jetzigen Spielstätte liegt, gefunden zu haben. Damit verbunden sehe ich eine Verbesserung für Betreiber und Besucher des kommunalen Kinos“, zeigt sich auch Kulturbürgermeister Michael Grötsch vom neuen Standort überzeugt.

Bisher konnte Cinema Quadrat die städtischen Räume im Collini Center miet- und nebenkostenfrei nutzen. Am neuen Standort werden diese Kosten anfallen. Daher wird der Zuschuss, den die Stadt Mannheim jährlich an den Verein zahlt, erhöht werden müssen. Wenn der endgültige Mietvertrag vorliegt und damit die genauen Kosten feststehen, werden die Mitglieder von Kultur- und Hauptausschuss im Herbst über eine entsprechende Erhöhung des institutionellen Zuschusses beraten und entscheiden.

„Wir danken den Gemeinderäten für die Bewilligung des Investitionszuschusses, der für das Fortbestehen und die Weiterentwicklung von Cinema Quadrat als kommunales Kino in Mannheim notwendig, ja unerlässlich ist. Zugleich ist die Bewilligung auch eine Anerkennung für ein seit 46 Jahren kontinuierlich weiterentwickeltes bürgerschaftliches Engagement in Sachen Film. Programmatisch wird weiterhin ein Arthouse-Programm geboten, das mit Einführungen, Vorträgen und Seminaren die Präsentation von Filmen ergänzt und so das kulturelle Angebot der Stadt bereichert“, gibt Dr. Peter Bär, Vorstandsmitglied von Cinema Quadrat, einen ersten Ausblick.

26.06.2017

Künstliche Welten entdecken

Am 22.06.2017 berichtete der Mannheimer Morgen über das Gastspiel des Videokünstlers Peter Burr im Cinema Quadrat.

 

Von Susanne Käppele

Vielfältige Muster in strengem Schwarz-Weiß, unterlegt mit elektronischer Musik, ab und an lösen sich die pixeligen Formen auf, verschwinden in der schwarzen Nacht der Leinwand. „Allein mit dem Monde“ nennt der Künstler Peter Burr seine Arbeit, die aus vier verschiedenen Kurzfilmen aus den letzten Jahren besteht. Darunter „Pattern Language“ (2016), hypnotisch wirkend und in ein endlos mutierendes, verpixeltes Labyrinth führend.

Das Werk Burrs – 1980 geboren und in Brooklyn, New York, lebend – wurde schon in vielen internationalen Museen wie im MoMA, im Centre Pompidou und im Museo Reina Sofia in Madrid präsentiert. Es können einfache digitale Muster entstehen, aber auch animierte Personen, die sich sehr ungewohnt bewegen. Wie der Künstler im Cinema Quadrat erklärt, wo er in der Kunsthallen- Reihe „On the Move“gastiert, trägt er dann einen speziellen Datenanzug, der die Bewegungen und Farben in die zweite Dimension transformiert. Dabei können sehr ästhetische Effekte entstehen: Farbfilmschnipsel kreuzen sich mit digitalen Mustern, aus der Abstraktion schält sich immer wieder Figürliches heraus.

Erlebnisse mit der Datenbrille

Im Gespräch teilt Peter Burr mit, der gerade auf dem Weg nach Athen ist, um sein Werk auf der documenta 14 zu zeigen, dass er eigentlich vom Gaming kommt, sprich die Technik der Videospiele nutzt. Es gelingen ihm so ganz und gar großartige Bilder, wenn sich etwa in das eigentliche Videobild Schriftlinien wie von selbst einfügen und praktisch die normale, visuelle Ebene aufzulösen scheinen.

Der absolute Höhepunkt ist dann eine spezielle Datenbrille, so dass die Besucher mit ihrem Handy (nach dem Herunterladen einer App) Burrs Filme mit Kopfhörer anschauen können: Da ist sie dann absolut da, die dritte Dimension, in der der Betrachter wie umherlaufen kann, unterwegs sein kann in den Welten des Künstlers.

28.05.2017

Cinema Quadrat zieht ins K 1 Karree

Am 12. 05.2017 berichtete die Rhein-Neckar-Zeitung über die Pläne für einen Umzug von Cinema Quadrat

 

Von Gerhard Bühler

Als einer der letzten Mieter hält das Cinema Quadrat die Stellung im maroden Teil des Collini-Centers. Seit bekannt ist, dass das Hochaus am Neckarufer baufällig ist und nicht saniert werden kann, sucht Mannheims Kommunales Kino nach einer neuen Bleibe - jetzt zeichnet sich eine Lösung ab. Wie gestern im Kulturausschuss bekannt wurde, zieht das Kino in das ehemalige Mömax-Gebäude im Quadrat K 1 an der Breiten Straße. Der Umzug soll 2018 stattfinden. "Wir haben nun eine neue Lösung", teilte Kulturbürgermeister Michael Grötsch gestern den überraschten Stadträten mit. Gemeinderäte verschiedener Fraktionen begrüßten die Ankündigung. Das Kino erhält damit eine Zukunftsperspektive.

Das "Cinema Quadrat" in Mannheim gilt als das älteste kommunale Kino Baden-Württembergs. Im Jahr 1971 wurde es von den Machern des Internationalen Filmfestivals, damals noch "Mannheimer Filmwoche", und Mitstreitern aus Politik und Bürgerschaft gegründet. Es ist als Verein organisiert und verfolgt bis heute ein nicht-kommerzielles Programmkonzept. Die Stadt fördert diese Kulturarbeit derzeit mit einem jährlichen Zuschuss von 36.000 Euro.

Seit 1990 hat es seinen Standort im Foyer des Collini-Centers neben dem Technischen Rathaus der Stadt. Schon seit einiger Zeit war klar, dass das Kino hier nicht bleiben kann. Denn der Sanierungsbedarf für das 1974 mit viel Beton und Stahl gebaute Hochhaus ist so groß, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht vertretbar wäre. Ein Abriss scheint unvermeidlich. Seit 2013 laufen die Bemühungen der Stadt Mannheim für den Verkauf des Büroturms.

Während für die Technischen Ämter ein Neubau im Glückstein-Quartier geplant ist und auch das Stadtarchiv ein neues Domizil im Ochsenpferchbunker in der Neckarstadt finden wird, verlief die Suche nach einem neuen Standort für das Kino bisher ohne Erfolg.

Nach Angaben von Grötsch seien die Gespräche weit gediehen, der Umzug in das künftige K 1 Karre "ziemlich sicher". Mit dem Wechsel des Kinos in die Breite Straße erfährt die zuletzt durch Leerstände geplagte Einkaufsmeile eine weitere Aufwertung. Das große, leer stehende Mömax-Gebäude wird derzeit von der K 1 Karree Verwaltungsgesellschaft umgebaut. Geplant ist dort ein Mix aus Einzelhandel, Gastronomie und Fitnessstudio (wir berichteten).

Das Cinema Quadrat soll 500 Quadratmeter bekommen. "Die Größe der Leinwand kann verdoppelt werden", nannte Grötsch bereits Details. Zurzeit gebe es intensive Gespräche mit den Investoren und Architekten. Auch über die Miethöhe werde noch geredet. Fällig seien Investitionskosten, auch bei den Mietkosten müsse mit jährlich 10.000 Euro mehr als derzeit gerechnet werden, kündigte er an. "Wir hoffen, hier eine langfristige Lösung für das Cinema Quadrat zu finden. Es wäre dazu ein guter Impuls für die Breite Straße", so Grötsch. Im Juli soll der Gemeinderat entscheiden.

14.05.2017

Mobilisierung durch Massenwahn

Am 11.04.2017 berichtete die Rheinpfalz über unsere Filmreihe "Propaganda im NS-Kino.

 

Von Stefan Otto

„Wir haben das Filmgedächtnis total verloren, wenn wir es je gehabt haben“, meint der Berliner Filmkritiker Rüdiger Suchsland. In der Zeit des Nationalsozialismus entstandene Filmewie „Triumph desWillens“ oder „Jud Süß“ sind aus guten Gründen nur sehr selten zu sehen. In der Reihe „Propaganda im NS-Kino“ stellt das Mannheimer Cinema Quadrat nun eine kleine Auswahl vor.

Zum Auftakt wurde in Mannheims Kommunalem Kino Suchslands neue Dokumentation „Hitlers Hollywood - Das deutsche Kino im Zeitalter der Propaganda 1933 - 1945“ vorgestellt. „Was ist Propaganda?“ fragt Suchsland in seinem Film und antwortet gleich selbst: „Propaganda ist Verzauberung, nicht Zwang. Ihr Ziel ist die Gleichschaltung der Gesellschaft und ihre Mobilisierung durch Massenwahn.“ Wer sich Nazi-Propagandafilme anschaue erfahre dabei nicht nur etwas über das Selbstbild der Nazis, sondern könne ebenso etwas über die Verführungskraft heutiger Filme lernen, erklärte er in Mannheim. Auch heute müsse man auf politische Propaganda im Kino gefasst sein. Man sehe sich nur einmal die türkische Filmbiografie „Reis“ an, die den Aufstieg Recep Tayyip Erdogans in verklärender Form schildert.

Das Cinema Quadrat präsentiert bis Juli monatlich einen NS-Propagandafilm, zu dem es jeweils eine Einführung gibt. „Ich klage an“ von Wolfgang Liebeneiner (25.Mai, 19:30 Uhr) ist vordergründig ein ergreifendes Melodram: Hanna Heyt (gespielt von Heidemarie Hatheyer) ist an multipler Sklerose erkrankt. Während ihr Mann, ein Medizinprofessor, verzweifelt an einem Heilmittel forscht, schreitet die Krankheit fort.

Schließlich bittet Hanna darum, sie zu erlösen. Ihr Mann wird angeklagt, und ein Mordprozessmuss klären, ob die Tötung ein humanitärer Akt war. Das Drama war 1941 Teil einer großangelegten Propagandaaktion, die den Weg für ein Sterbegesetz bereiten sollte, in dem die systematische Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ juristisch gefestigtwerden sollte. Es plädierte letztlich für die staatliche Entscheidungskompetenz darüber, wer leben darf und wer nicht. Der Film ist ein sogenannter Vorbehaltsfilm, der ohne historische Einführung nicht gezeigtwerden darf. Im Cinema Quadrat übernimmt dies Dominik Nagl vom Historischen Institut der UniversitätMannheim.

„Triumph des Willens“ (25. Juni, 19.30 Uhr) dokumentiert –mit für die Kamera inszenierten Bildern – den Reichsparteitag 1934 in Nürnberg. Mit dynamischen Kamerabewegungen, rhythmischer Montage und suggestiver Musikuntermalung feiert Regisseurin Leni Riefenstahl das Volk, das Reich und den „Führer“, der mit dem Flugzeug wie ein Erlöser vom Himmel herabkommt und von den Massen wie ein Popstar bejubelt wird. Ein künstlerisches Propagandaprodukt mit vielerlei Nachwirkungen sowohl in der Ästhetik von Film, Popkultur und Werbung als auch in der Diskussion um das Verhältnis von Kunst, Politik und Ethik. Die Einführung gibt Kilian Schultes vomHistorischen Seminar der Uni Heidelberg.

Der Agfacolor-Film „Kolberg“ (23. Juli, 19.30 Uhr) war die teuerste Filmproduktion derNS-Zeit. „Aufgabe dieses Films soll es sein, am Beispiel der Stadt, die dem Film den Titel gibt, zu zeigen, dass ein in Heimat und Front geeintes Volk jeden Gegner überwindet“, erklärte 1943 Propagandaminister Goebbels. Am30. Januar 1945, nur etwa drei Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs und der Selbsttötung von Goebbels, hatte der monumentale Kriegs- und Historienfilm von Veit Harlan Premiere. Eine Einführung gibt der Frankenthaler Kritiker und Filmbuchverleger Harald Mühlbeyer.

13.05.2017

Ästhet des langen Abschieds

Am 31.01.2017 berichtete die Rhein-Neckar-Zeitung über das 15. Mannheimer Filmseminar.

 

Von Franz Schneider

Akira Kurosawa, wer japanisch kann, weiß, schon der Name erinnert an hell und dunkel. Darum mehr Licht und Bewusstsein ins finstere Kino! Der weltberühmte japanische Regisseur war Thema der Seminarrehie "Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie", die seit 1989 im Mannheimer Cinema Quadrat stattfindet, in Kooperation mit dem Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Mannheim-Heidelbert, dem Psychoanalytischen Institut Heidelberg, der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung und dem Heidelberger Institut für Tiefenpsychologie.

So konnten man dieses Mal Akira Kurosawas (1910 - 1998) sellten gezeigte Frühwerke wie auch einige seiner Klassiker bewundern. Die Diskussionen waren wie immer hoch qualifiziert. Kurosawa (1910 - 1998) schuf Meisterwerke wie "Rashomon", "Ran" oder "Träume", aber auch eher unbekannte Werke wie "Engel der Verlorenen". Psychoanalytikerin Sabine Wollnik verdeutlichte an diesem Gängsterdrama im zerbombten Nachkriegsjapan die Verdrängung der Kriegsereignisse innerhalb der japanischen Gesellschaft und entschlüsselte libidinöse sowie kulturelle Codes. All dies im Angesicht der Yakuza in einem Vorort von Tokyo rund um einen verseuchten Tümpel. Welche Bedeutung er wohl hat? Psychoanalytiker Ralf Zwiebel reflektierte über Wahrheit und Verantwortung.

Zuvor hatte bereits Marcus Stiglegger, Filmwissenschaftler aus Berlin, das gängige Bild von Kurosawa als Humanisten korrigiert, indem er auf den pessimistischen und existenzialistischen Zug im Schaffen hinwies. Für ihn inszenierte Kurosawa eher eine Ästhetik des langen Abschieds, so der Titel einer von Stigleggers 28 Publikationen. Der Vater des Samurai-Films beeinflusste dabei Kollegen bis hin zum Plagiatsvorwurf. Inspiriert durch das Noh-Theater und die Klassiker des japanischen Rollbildes und Holzschnittes, schuf er auch dank seines früheren Kameramannes Kazuo Miyagawa ausgekügelte Bildkompositionen.Diese sind gekennzeichnet durch das Spiel aus Nähe und Distanz. hell und dunkel, Flächigkeit und Tiefe, wie Peter Bär erläuterte. Außerdem zeigt er Kurosawas Technik der Wischblende, später vor allem verwendet bei "StarWars".

Soweit, so technisch, am Ende kommt stets die Anekdote. Akira Kurosawa war ein Perfektionist, der keinen Aufwand scheute. Für seine King-Lear-Adaptation "Ran" ließ er auf die Insel mit dem Vulkan also 200 Pferde einfliegen, auf deren Rücken dann Krieger in kunstvoll angerosteter Rüstung einen Tod starben, röter als ihr Blut. Kurosawas Spätwerk besticht durch seine Farbdramaturgie, besonders wenn er träumt.

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