Psychoanalytiker aus der Region beleuchten einzelne Filme renommierter Regisseure und reflektieren dabei Themen, Motive und Strukturen unter der Oberfläche der filmischen Erzählung. Die Referenten stellen ihre Sichtweisen zur Diskussion und treten mit dem Publikum in einen Dialog. Unser Dank geht an Dr. Gerhard Schneider für die Konzeption und die Filmauswahl in Kooperation mit den Referenten.

Das 16. Mannheimer Filmseminar "Psychoanalyse und Fimtheorie im Dialog" findet vom 19.01. - 21.01.2017 statt.
Am Sontag, den 14.01.2017 gibt es eine Vorabsichtung von Filmen, die thematisch zum Seminar gehören.

The Big Lebowski

The Big Lebowski

USA/GBR 1998. R: Joel Coen, Ethan Coen. D: Jeff Bridges, John Goodman, Steve Buscemi, Julianne Moore, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, John Turturro. 117 Min. DF. FSK: 12

Bademantel und White Russian, Kiffen und Bowlen – das charakterisiert eine der eindrücklichsten und wahnwitzigsten Filmfiguren überhaupt. Jeffrey Lebowski, genannt Der Dude, hat ein Lebenshobby: Rumhängen. Doch aus seiner selbstgewählten Trägheit wird er herausgerissen wegen Namensgleichheit mit einem Millionär. Das führt zu gewaltsamen Drohungen und einem ruinierten (sprich: urinierten) Teppich. Der Beginn einer typischen Coen-Irrfahrt durch Entführungen und Verführungen, Avantgarde-Theater und Nihilisten-Musik, die den Film trotz ursprünglich eher mäßigem Erfolg an den Kinokassen zum Kultfilmklassiker werden ließen. Joel Coen: „Wir wollten eine Chandler-ähnliche Geschichte erzählen – und wir wollten gleichfalls eine hoffnungslos komplexe Handlung, die am Ende doch unwichtig ist.“

Einführung: Mechthild Zeul

So. 17.09.2017, 19:30 Uhr

Von Caligari zu Hitler

Von Caligari zu Hitler

DEU 2015. R: Rüdiger Suchsland. Dokumentarfilm. 119 Min. FSK: 0

Caligari, Mabuse, Nosferatu: Die dämonische Leinwand der Weimarer Republik war voller so unheimlicher wie faszinierender Gestalten. Siegfried Kracauer baute an ihnen eine These auf: dass diese Leinwandfiguren psychologisch den Weg zu Hitler bereiteten - „Da Deutschland so verwirklichte, was in seinen Filmen von Anfang an bereits angelegt war, nahmen die Leinwandgestalten tatsächlich Leben an.“ Für den Filmkritiker Rüdiger Suchsland ist Siegfried Kracauer der ideale Reisebegleiter auf einer Tour durch das Kino der Weimarer Zeit: Eine Epoche der Moderne, in der die deutsche Filmkunst die größte der Welt war und in der zugleich die Zerrissenheit der Gesellschaft im Kern schon angelegt war. Mit vielen Filmausschnitten geht Suchsland der historisch-gesellschaftlichen Frage nach: „Was weiß das Kino, das wir nicht wissen?“

Einführung: Eva Berberich

So. 29.10.2017, 19:30 Uhr

Fritz Lang

Fritz Lang

DEU 2015 R: Gordian Maugg. D: Heino Ferch, Johanna Gastdorf, Thomas Thieme, Samuel Finzi. 104 Min. FSK: 12

Fritz Lang recherchiert für seinen ersten Tonfilm und fährt 1930 nach Düsseldorf. Dort verfolgt er interessiert die polizeilichen Ermittlungen des bekannten Kriminalrats Gennat, der gerade den Taten des brutalen Serienmörders Peter Kürten auf der Spur ist. Bei der Ideenfindung zu seinem neuen Film aber wird Lang von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt: Seine erste Ehefrau Elisabeth Rosenthal war 1920 durch einen Schuss aus Langs Browning gestorben...

Geschickt mischt Gordian Maugg Tatsachen und Legenden, flicht auch immer wieder zeitgenössisches Wochenschaumaterial ein, um ein packendes Porträt einer Epoche zu schaffen, eine Hommage an einen der größten deutschen Regisseure, einen spannenden Thriller – und nicht zuletzt ein augenzwinkerndes, fiktives Making-of über einen von Langs besten Filmen: M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER.

Einführung: Alexandre Métraux und Gerhard Schneider

So.19.11.2017, 19:30 Uhr

Paterson

Paterson

USA 2016. R: Jim Jarmusch. D: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Barry Shabaka Henley. 123 Min. DF. FSK: 0

PATERSON erzählt vom Busfahrer Paterson in der Stadt Paterson in New Jersey. Sein Alltag ist Routine, doch die Kleinstadt und ihre Bewohner sind Inspiration für seine Gedichte, die er Tag für Tag in der Mittagspause auf einer Parkbank verfasst. Die Gedichte schreibt er für sich, seine Frau dagegen wagt extrovertiert täglich ein neues künstlerisches Projekt, eine neue Idee, das Leben zu gestalten. Minimalistisch, liebevoll und mit dem ihm eigenen lakonischen Humor stellt Jim Jarmusch Paterson – den Protagonisten und die Stadt – dem Zuschauer vor: Eine Feier der Kreativität im Alltag. Jeder der Einwohner von Paterson hat eine ganz individuelle Eigentümlichkeit, die Paterson als stiller Chronist seiner Stadt mit seiner Poesie einfängt. Ein wunderschöner Film, in dem nichts passiert – und doch alles.

Einführung: Gabriele Witt-Schneider und Gerhard Schneider

So. 03.12.2017, 19:30 Uhr

Das Cabinet des Dr. Caligari

Das Cabinet des Dr. Caligari

DEU 1920. R: Robert Wiene. D: Werner Krauß, Conradt Veidt, Lil Dagover. 75 Min. FSK: 6

„Du musst Caligari werden!“ Mit einer großangelegten Plakataktion wurde der Film beworben – und er wurde ein Welterfolg. Der wahnsinnige Dr. Caligari versetzt mit Hilfe des Somnambulen Cesare eine Stadt in Angst und Schrecken, denn Cesare begeht des Nachts schlafwandelnd furchtbare Morde. Wie in diesem Film die Grenze zwischen Realität und Wahnsinn aufgelöst wird, wie dabei die Filmbilder selbst buchstäblich „ver-rückt“ werden, war bis dahin – und lange Zeit danach – einmalig im Kino: Mit grotesken Schrägen und bizarren Bildstaffelungen, mit riesigen Schatten und verzerrten Kulissen, die die irre Innenwelt der Protagonisten kongenial wiederspiegelt. Für Siegfried Kracauer verweisen unheimliche Tyrannenfiguren wie Caligari auf eine psychische Kollektivdisposition der Gesellschaft, die die spätere Entwicklung zur NS-Herrschaft vorwegnahm – womit „Du musst Caligari werden“ eine ganz neue Bedeutung erhält.

Einführung: Angelika Zitzelsberger-Schlez

So. 04.02.2017, 19:30 Uhr

The Salesman

The Salesman

IRN/FRA 2016. R: Asghar Farhadi. D: Shahab Hosseini, Taraneh Alidoosti, Babak Karimi. 124 Min. DF. FSK: 12

Weil ihr Haus einsturzgefährdet ist, müssen Emad und Rana in die Wohnung eines Bekannten ziehen. Die Vormieterin hatte einen zweifelhaften Ruf – und das hat schreckliche Auswirkungen, als ein Einbrecher in die Wohnung eindringt und Rana überfällt. Während sie aus Scham schweigt, sucht Emad den Täter – und kommt an seine moralischen Grenzen. Die enge Beziehung zwischen dem Ehepaar bekommt Risse, wenn es um Fragen von Scham und Schuld, Sühne und Vergebung geht. Psychothriller und Moraltragödie: Asghar Farhadi erzählt raffiniert und elegant, lebendig und authentisch – und wurde vielfach ausgezeichnet: u. a. mit dem Auslandsoscar und Cannes-Palmen für das beste Drehbuch und den besten Hauptdarsteller.

Einführung: N. N.

So. 04.03.2017, 19:30 Uhr