Slogan der Filmwirtschaft: „Kino – dafür werden Filme gemacht.“ Nun ja, vielleicht nicht alle Filme – aber sicherlich diese Filme, die in der Reihe „Großes Kino“ laufen. Zwischen Youtube und Binge-Viewing gibt es sie noch, die gute alte Kinoleinwand. Und es gibt noch die guten alten (und neuen) Filme, die diese Kinoleinwand unbedingt brauchen, um so richtig, richtig wirken zu können. Und es gibt sie noch, die Zuschauer, die das Kino als perfekte Präsentationsform zu schätzen wissen. Und es werden immer mehr: Wir sind sehr glücklich, dass sich für diese 2016 gestarteten Reihe so etwas wie ein Stammpublikum entwickelt hat!

Da steht ein Piano einsam auf dem tropischen Sandstrand. Da folgen Menschenmassen einem Messias mit Sandale und Flasche; und über der Wüste geht die Sonne auf. Aus einem blauen Kästchen stürmt ein keifendes Seniorenpaar, durch Hotelflure saust ein kleiner Junge auf seinem Dreirad. Gangster unterhalten sich über Burger. Und Mafiosi gehen angeln, aber nur einer kehrt zurück...

Das Piano

Das Piano

(The Piano)
AUS/NZL/FRA 1993. R: Jane Campion. D: Holly Hunter, Harvey Keitel, Sam Neill, Anna Paquin. 121 Min. OmdtU. FSK: 12

Ein großes poetisches Melodram um Selbstfindung und Selbstbefreiung einer Frau: Mitte des 19. Jahrhundert wird die stumme Witwe Ada von Schottland nach Neuseeland verheiratet. Zusammen mit ihrer neunjährigen Tochter und ihrem Klavier kommt sie bei dem ihr unbekannten neuen Ehemann an, der sich als besitzergreifender Pragmatiker entpuppt. Sein Nachbar dagegen, der Analphabet Baines, interessiert sich für Adas Klavierspiel. Und für Ada selbst. Ada, gefangen in einem stummen Körper, findet sich in einem verhängnisvollen Dreiecksbeziehung wieder zwischen zwei Männern, zwischen Leidenschaft und Pflicht, zwischen Empfindsamkeit und Ruppigkeit, zwischen Pianomusik und Urwald. Die Bilder, die Musik, die Darstellung: „Alle Komponenten wirken zusammen, damit atmosphärische Dichte, Intimität mit den Personen und ihren Verwicklungen und ein suggestiver Fluss der Erzählung entstehen.“ (Filmdienst) DAS PIANO wurde unter anderem mit der Goldenen Palme und drei Oscars ausgezeichnet.

Mo. 11.09.2017, 19:30 Uhr

Das Leben des Brian

Das Leben des Brian

(Monty Python’s Life of Brian)
GBR 1979. R: Terry Jones. D: Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin. 94 Min. OmdtU. FSK: 12 "Lasst den chönen Pernhard frei!" oder "Welease Woger!" – die Entscheidung, welche Sprachfassung von Monty Pythons Bibelfilmfarce wir zeigen sollen, fiel uns nicht leicht. Der Gedanke, dass der geneigte Fan (und der interessierte Laie) sich an der – sehr gelungenen – deutschen Synchro bereits zur Genüge ergötzt habe, lässt uns zum Original greifen: Brian, wie er leibt, lebt und englisch spricht auf seinem Weg von der Krippe zum Kreuz.

Monty Python, die allerlustigste Komiktruppe der Weltgeschichte, brachte mit DAS LEBEN DES BRIAN so treffende wie urkomische Kommentare auf fanatischen Dogmatismus und menschliche Egozentrik auf den Punkt, dass sich bei religiös Übereifrigen heftiger Unmut regte. Dabei enthält der Film kluge Ratschläge fürs Leben: "Ihr seid alle Individuen!" – "Ja, wir sind alle Individuen!" – "Ich nicht!"

Mo. 16.10.2017, 19:30 Uh

Mulholland Drive

Mulholland Drive - Straße der Finsternis

(Mulholland Drive)
USA/FRA 2001. R: David Lynch. D: Naomi Watts, Laura Harring, Robert Forster, Justin Theroux. 141 Min. OmdtU. FSK 16

Ein Gangster, ein Unfall und eine Frau mit Gedächtnisverlust. Eine Jungschauspielerin, die in Hollywood zum Star werden will. Auftragskiller und Mafia. Ein überrealer „Cowboy“, der einem Regisseur die weibliche Hauptrolle vorschreibt. Zwei Frauen und die wahre Liebe. Ein merkwürdiges Cabaret, in dem nichts echt ist. Figuren mit mehreren Namen und mehreren Identitäten, ein blaues Kästchen, das in verschiedenen Parallelwelten auftaucht. David Lynch hat den metaphysischen Welten von BLUE VELVET, TWIN PEAKS oder LOST HIGHWAY noch eins draufgesetzt: MULHOLLAND DRIVE ist der Mysterienfilm par excellence, ein virtuoses Spiel mit Filmgenres und Hollywoodmythen, ein betörendes und verstörendes Phantasiegebilde der Träume und Alpträume, faszinierend und unvergesslich – Regiepreis in Cannes und laut BBC der beste Film dieses Millenniums.

Mo. 06.11.2017, 19.30 Uhr

Lawrence von Arabien

Lawrence von Arabien

(Lawrence of Arabia)
GB 1962. R: David Lean. D: Peter O’Toole, Alec Guiness, Anthony Quinn, Jack Hawkins, Omar Sharif, Claude Rains. 227 Min. OmdtU. FSK: 12

In keinem anderen Film spielt die Wüste eine dermaßen prominente Hauptrolle: Eine Wüste, in die sich der Zuschauer wie auch Thomas Edward Lawrence verlieben. T. E. Lawrence, entsandt von der britischen Armee, soll während des Ersten Weltkrieges die arabischen Stämme vereint in den Kampf gegen das Osmanische Reich führen, eine schillernde Figur, die sich vom Führer zum Freund der Araber entwickelt, gekleidet in Beduinenkleidung, genannt „El ’awrence“. David Lean schafft aus diesem Stoff den einen der gewaltigsten Filme, den man sich auf der Kinoleinwand vorstellen kann.Ein Epos aller Epen, in dem Kampf und Psychologie und Historie sich zu einem packenden Abenteuerfilm vereinen, den man erlebt haben muss.

LAWRENCE VON ARABIEN erhielt unter anderem sieben Oscars und gehört nach Listen des American Film Institute und des British Film Institute zu den besten Filmen aller Zeiten.

Mo. 11.12.2017, 19.30 Uhr

Shining

Shining

(The Shining)
GBR/USA 1980. R: Stanley Kubrick. D: Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Scatman Crothers. 119 Min. OmdtU. FSK: 16

Stephen King-Verfilmungen sind allgemein eher so lala. Außer, wenn ein Meister auf dem Regiestuhl sitzt, der sich den Stoff vollkommen aneignet: Stanley Kubrick fügte mit THE SHINING seinem Œuvre nicht nur ein weiteres Meisterwerk hinzu, sondern schuf einen ikonischen Horrorfilm, in dem das Erschreckende mit unheimlicher Atmosphäre und unvergesslichen Bildern einhergeht. Jack Torrance – Nicholson in einer Glanzrolle – versorgt mit seiner Familie als Hausmeister das über den Winter geschlossene, abgelegene Overlook Hotel und will einen Roman schreiben. Doch aus Visionen und Halluzinationen, aus den Sünden der Vergangenheit und der Langeweile von heute erwächst in ihm eine mörderische Wut...

Kaum ein anderer Film wurde so auf geheime Botschaften hin analysiert und interpretiert wie dieser.

Mo. 08.01.2017, 19:30 Uhr

 

Pulp Fiction

Pulp Fiction

USA 1994. R: Quentin Tarantino. D: John Travolta, Samuel L. Jackson, Uma Thurman, Bruce Willis, Harvey Keitel. 154 Min. OmdtU. FSK: 16

Zwei Killer, die ihren Job erledigen müssen, ein Boxer, der einen Kampf verschieben soll,  der Gangster, der für die Abendunterhaltung der Frau seines Bosses abgestellt wird: Es sind drei „Pulp“-Stories, Geschichten der Trivialliteratur, die Quentin Tarantino in einer Weise erzählt, wie es sie bis dahin im Kino noch nicht gegeben hat. Chronologisch durchgeschüttelt, popkulturgetränkt, brutal und komisch: PULP FICTION ist ein Kultfilm, der zum Klassiker wurde. Der das amerikanische Independent-Kino auf eine neue Stufe stellte. Der eine ganze Welle von Epigonen nach sich zog. Und der aus Quentin Tarantino einen der größten Regie-Stars der Gegenwart machte. Wer diese Gangstergroteske kennt, wird ihn mit Freuden auf der Leinwand noch einmal sehen wollen – im Original mit Untertiteln! –, wem der Film bisher nicht untergekommen ist, muss ihn ohnehin nachholen.

Mo. 05.02.2017, 19.30 Uhr

Der Pate 2

Der Pate - Teil II

(The Godfather Part II)
USA 1974.
R: Francis Ford Coppola. D: Al Pacino, Robert De Niro, Diane Keaton, John Casale, Robert Duvall. 201 Min. OmdtU. FSK: 16

DER PATE – TEIL II steht seinem Vorgänger in nichts nach: Francis Ford Coppola gelang das Kunststück, seinem erfolgreichen Meisterwerk DER PATE eine ebenso spannende Fortsetzung zu bescheren – die unter anderem sechs Oscars gewann, drei mehr als der erste Teil...

Coppola schreibt die Geschichte von Michael Corleone weiter, der im ersten Teil zum Mafiapaten aufgestiegen war. Und er schildert in einem zweiten Handlungsstrang die Jugend seines Vaters Vito: Robert De Niro spielt die junge Version von Marlon Brando.  So spinnt sich die Gangster-Saga um die Corleone-Familie weiter, ein Film vom Gewinn der Macht und dem Verlust der Menschlichkeit,  eine Spiegelung der Gesellschaft im kriminellen Untergrund – brillant inszeniert, exzellent gespielt, grandios erzählt.

So grandios, dass er auch ohne Kenntnis des ersten Teiles – den wir im Januar 2017 in der Reihe „Großes Kino“ gezeigt haben – als eigenständiges Werk betrachtet werden kann.

Mo. 12.03.2017, 19.30 Uhr