Großes Kino für die große Leinwand: Wir gehen ins zweite Jahr mit unserer Reihe „Großes Kino“ – und Filme, die nur im Kino richtig funktionieren, gibt es wahrlich genug. Die Filmgeschichte ist heute verfügbar wie nie, ob per DVD / BluRay oder per Internet-Stream – doch manche Werke können nur im Kino richtig gesehen werden. Weil die Bilder so groß sind, die Geschichten so faszinierend, die Inszenierung so fulminant, die Stars so überlebensgroß...

Wir zeigen Klassiker des Kinos aus aller Welt, die man gesehen haben muss – die man im Kino gesehen haben muss: Ob Mafia in New York, bedrohte Bauern im Japan des 16. Jahrhunderts, Flüchtlinge in Rick's Café, gute, böse und hässliche Halunken, Revolutionäre in Russland, die Mühlen des Bürokratismus oder der Adel in Sizilien – wer diese Filme schon einmal gesehen hat, will sie wieder sehen, und wer sie noch nicht kennt, hat hier die Möglichkeit, sie so zu erleben, wie man sie erleben muss!

Der Pate

Der Pate

(The Godfather)
USA 1972. R: Francis Ford Coppola. D: Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, Robert Duvall, Diane Keaton, Talia Shire. 175 Min. OmU. FSK: 16

Die Vorlage von Mario Puzo; die Regie von Francis Ford Coppola; die Kamera von Gordon Willis; die Musik von Nino Rota; die Darstellung von Marlon Brando, Al Pacino et. al. - im PATEN fügen sich Talent und Genie auf zwingende Weise zusammen. Eine Mafiageschichte, ein Familiendrama, ein Entwicklungsroman, eine Kapitalismusparabel: Mit DER PATE gelang es Coppola, aus einer Auftragsarbeit für Paramount einen der großen Klassiker der Kinogeschichte zu schaffen, ein Filmgenre zu erneuern und den Erfolg von New Hollywood zu festigen – das weltweite Einspielergebnis rettete das Studio vor der Pleite. Auch gewann DER PATE drei Oscars für den besten Film, für das beste Drehbuch und für den besten Hauptdarsteller – wobei Marlon Brando seine Auszeichnung ablehnte aus Solidarität mit den indianischen Ureinwohnern Amerikas.

Mo. 09.01.2017, 19:30 Uhr

Die sieben Samurai

Die sieben Samurai

(Shichinin no samurai)
JAP 1954. R: Akira Kurosawa. D: Takashi Shimura, Toshirō Mifune. 201 Min. OmdtU. FSK: 12

Ein Bauerndorf wird von Banditen bedroht. Die Bewohner heuern sieben Kämpfer zu ihrem Schutz an. Die Samurai wehren den Angriff der Banditen ab. Eine einfache Geschichte, vielfach verfilmt – beispielsweise als DIE GLORREICHEN SIEBEN in Hollywood, 1960 und 2016. Akiro Kurosawa aber zeichnet für das Original verantwortlich, legt großen Wert auf das Verhältnis seiner Samurai – aus der Kriegerkaste – zur bäuerlichen Bevölkerung, beleuchtet Armut und soziale Ungerechtigkeit.

Der bis dato mit rund 20 Millionen Yen teuerste japanische Film mit über 3.000 Mitwirkenden und einer Drehzeit von einem Jahr wurde in Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet und gilt als Klassiker nicht nur des japanischen Kinos – wir zeigen die restaurierte integrale Langfassung des Film, auch als Ergänzung zu unserem Filmseminar zu Akira Kurosawa im Januar.

Mo. 06.02.2017, 19:30 Uhr

Casablanca

Casablanca

USA 1942. R: Michael Curtiz. D: Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Claude Rains, Paul Henreid, Conrad Veidt. 102 Min. OmdtU. FSK: 12

CASABLANCA gilt als Kultfilm der Kultfilme – es gehört schlicht zur Allgemeinbildung, diesen Film zu kennen. Die Geschichte des desillusionierten Humphrey Bogart in seiner Kaschemme in Casablanca, wo sich die treffen, die vor den Nazis fliehen, und seiner alten Liebe Ingrid Bergman, die er hier wiedertrifft, hat Generationen von Kinogängern berührt – und das, ohne schmalzig zu sein. Denn der Konflikt zwischen Liebe und Pflicht trifft den Kern dessen, was so gerne als Menschlichkeit bezeichnet wird.

In der ersten deutschen Synchronfassung wurden die Hinweise auf Nazis eliminiert und der Widerstandskämpfer zum Atomphysiker umdeklariert – erst 1975 kam der Film ungekürzt in Deutschland an. Wir zeigen die Originalfassung mit Untertiteln – in hilflosem Englisch radebrechende Flüchtlinge, die auf das Ticket zur großen Überfahrt hoffen.

Mo. 13.03.2017, 19:30 Uhr

Zwei glorreiche Halunken

Zwei glorreiche Halunken

(Il buono, il brutto, il cattivo / The Good, the Bad and the Ugly)
ITA/ESP/DEU/USA 1966. R: Sergio Leone. D: Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Eli Wallach. 178 Min. EnglOmdtU. FSK: 16

Der dritte Film von Sergio Leone mit Clint Eastwood, der als namenloser Fremder durch den wilden Westen zieht: Hatte Leone mit FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR 1964 das Italowestern-Genre erfunden und es mit FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR MEHR 1965 verfestigt, so führt er es nun zur Meisterschaft. Zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs sind drei Bösewichter – Eastwood, Van Cleef und Wallach – hinter einer mit Gold gefüllten Regimentskasse her, verbünden sich, bekämpfen einander, bis am Ende ein denkwürdiges Triell – Duell zu dritt – stehen muss.

Aus unerfindlichen Gründen machte der deutscher Verleih aus dem Guten, dem Bösen und dem Hässlichen des Originaltitels ZWEI GLORREICHE HALUNKEN – doch der Film ist ein waschechter Leone, von den Onelinern der Figuren über die den visuellen Stilwillen bis zur kongenialen Musik von Ennio Morricone.

Mo. 10.04.2017, 19:30 Uhr

Doktor Schiwago

Doktor Schiwago

(Doctor Zhivago)
USA/GBR/ITA 1965. R: David Lean. D: Omar Sharif, Julie Christie, Geraldine Chaplin, Rod Steiger, Alec Guinness. 197 Min. OmdtU. FSK: 16

Eine Liebesgeschichte, ein Zeitbild, ein episches Filmdrama, das zaristisches Russland, Weltkrieg, Oktoberrevolution, Bürgerkrieg umreißt: David Lean führte Regie, und es wurde ein David Lean-Film. DOKTOR SCHIWAGO zeigt große Landschaften, große Gefühle, große Musik: Ein Kinoerlebnis, wie man es selten findet. Nicht zuletzt eine damals hochaktuelle Literaturverfilmung: Boris Pasternaks Romanvorlage erschien 1957 nicht etwa in Russland, sondern in Italien. Den Literaturnobelpreis durfte Pasternak 1958 nicht annehmen. Die CIA ließ die russische Erstausgabe im Westen drucken und verteilte sie im Ostblock – so wurde der Roman zur gesuchten Underground-Literatur. Erst 1988 erschien das Werk offiziell in der UdSSR. Der Film aber war da schon längst ein mit fünf Oscars ausgezeichneter Welterfolg.

Mo. 08.05.2016, 19:30 Uhr

Brazil

Brazil

GBR 1985. R: Terry Gilliam. D: Jonathan Pryce, Kim Greist, Ian Holm, Robert De Niro, Michael Palin. 142 Min. OmdtU. FSK: 12

Sam Lowry, kleiner Angestellter im Informationsministerium, sucht seine Traumfrau und wird zum Terrorismus-Verdächtigten... BRAZIL vereint Kafka, Huxley und Orwell zu einer düsteren Dystopie über Informationsbeschaffung, Bürokratismus, willkürliche Verhaftungen, Unterordnung, Staatsgewalt, und ist zugleich eine pointierte Satire: Regisseur Terry Gilliam ist der geniale Kopf hinter den absurden Monty Python-Animationen. In diesem komplexen Meisterwerk liegt das Komische gleich neben dem Erschrecken, und Slapstick und Folter gehen Hand in Hand. Für den amerikanischen Verleih war das zuviel: Universal wollte starke Kürzungen und ein Happy End durchsetzen. Gilliam widerstand dem kommerziellen Zwang und konnte seine Schnittfassung retten.

Mo. 12.06.2017, 19:30 Uhr

Der Leopard

Der Leopard

(Il gattopardo)
ITA/FRA 1963. R: Luchino Visconti. D: Burt Lancaster, Claudia Cardinale, Alain Delon. 185 Min. FSK: 12

Ein großes Sittengemälde um die Beharrungskräfte des Adels und den Aufstieg des Bürgertums im 19. Jahrhundert: Während Giuseppe Garibaldi die Bevölkerung zum Aufstand anführt, versuchen die Mitglieder eines sizilianischen Adelsgeschlechts zwischen Idealismus und Opportunismus ihre Pfründe zu retten. Luchino Visconti webt ein dichtes Handlungsgeflecht vor dem Hintergrund der italienischen Einigungsbewegung und erschafft ein kinematographisches Kunstwerk. Mit den besten ihres Faches – Kamera: Giuseppe Rotunno, Musik: Nino Rota – gelingt ein aufwändig inszeniertes „bewegendes historisches und gesellschaftliches Panoramabild von faszinierender Schönheit“, so das Lexikon des internationalen Films – Gewinner der Goldene Palme von Cannes 1963.

Mo. 10.07.2017, 19:30 Uhr