Ein Trickfilm für Cinema Quadrat

Unsere Mitarbeiterin Monika Hamryszak hat uns zum Abschied einen tollen Trickfilm-Trailer hinterlassen, den wir schon im Kino gezeigt haben. Auch unseren Homepage-Besuchern wollen wir ihn nicht vorenthalten.

Monika Hamryszak hat im Jahr 2013/2014 ein Freiwilliges Kulturelles Jahr bei uns absolviert. Sie ist künstlerisch tätig und arbeitet vor allem als Fotografin. Hier geht es zu ihrer Facebook-Seite.

23.06.2014

Mauer des Schweigens in Werk aus Polen

Am 20.06.2014 kündigte der Mannheimer Morgen den im Cinema Quadrat gezeigten Film "Ida" an:

 

»Die Bilder von Pawel Pawlikowskis neuem Film „Ida“ sind in ein graues, melancholisches Schwarzweiß getaucht. Im Polen zu Beginn der 1960er Jahre sieht es fast so aus, als wäre die Zeit stehengeblieben. Das ärmliche, düstere Leben ist von Fassaden umschlossen, deren Verputz abbröckelt. Räumliche Enge und innere Verstocktheit bestimmen die realistische, sehr genau eingefangene Atmosphäre einer Gesellschaft, die sich noch unter den ideologischen Nachwehen der stalinistischen Ära duckt.

„Ida“ ist ein leiser, nüchterner Film, der eine starke Stimmung entfaltet und die individuellen Dramen fast unausgesprochen lässt. Die Schatten der Vergangenheit sowie die schmerzhaften Geburtswehen einer noch unsicheren Identität dominieren die Figuren. So erfährt die junge Novizin Anna (Agata Trzebuchowska), die seit frühester Kindheit in einem Kloster lebt und sich gerade auf ihr Gelübde vorbereitet, von ihrer einzigen Verwandten, dass sie als Jüdin geboren wurde und eigentlich Ida Lebenstein heißt. Ihre Tante Wanda Gruz (Agata Kulesza), die Schwester ihrer Mutter, ist eine ehemalige Widerstandskämpferin, die als kompromisslose Staatsanwältin sogenannte Volksfeinde zum Tode verurteilte und jetzt ihren Dienst als Richterin versieht.

Die Gegensätze zwischen der desillusionierten Altkommunistin und dem frommen Mädchen befördern ihre Beziehung, die trotz aller Unterschiede eine intime Nähe besitzt. Ida entdeckt ihre Gefühle zu einem jungen Jazzmusiker. Im Zentrum des beeindruckenden Films steht die Spurensuche der beiden ungleichen Frauen nach ihren Angehörigen, deren Schicksal eine Mauer des Schweigens umschließt.«

Wolfgang Nierlin

19.05.2014

Sinfonien des Scheiterns

Am 15.05.2014 druckte die Rheinpfalz eine ausführliche Nachlese auf das Filmseminar über die Coen-Brüder.

 

»Jetzt sind die US-Amerikaner an der Reihe. Diesmal waren es gleich zwei: Seit zwölf Jahren veranstaltet das Mannheimer Cinema Quadrat in Zusammenarbeit mit psychoanalytischen Instituten in Mannheim und Heidelberg die Seminare „Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie“.

Einmal im Jahr kommen aus ganz Deutschland interessierte Psychoanalytiker und Filmwissenschaftler zusammen, umsich ein intensives Wochenende lang mit dem Werk ausgewählter Filmregisseure zu befassen. Im ersten Jahrzehnt der Veranstaltungsreihe standen besonders europäische Filmemacher im Blickpunkt, Namen wie Polanski, Buñuel, Bergman oder Antonioni. Der US-Amerikaner David Lynch und der gebürtige Brite Alfred Hitchcock, der später die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, blieben die Ausnahmen. Mittlerweile gehen den Analytikern die europäischen Regiepersönlichkeiten jedoch aus, und die Amerikaner holen auf. Nach dem New Yorker Darren Aronofsky und dem Kanadier David Cronenberg in den beiden vergangenen Jahren rückten nun die Brüder Joel und Ethan Coen aus dem Mittleren Westen der USA ins Zentrumder Betrachtung.

Drei Tage mit vier Diskussionsrunden, fünf Filmen und sechs Vorträgen brachten insgesamt ein recht umfassendes Bild der Regisseure, Produzenten und Autoren hervor, die 1954 (Joel) beziehungsweise 1957 in Minneapolis, Minnesota geboren wurden.

Der erste Film, den die Coens gemeinsam schrieben und drehten, war 1984 der Neo-Noir-Thriller „Blood Simple – Eine mörderische Nacht“. Ihr „Barton Fink“, eine zynische Abrechnung mit der noch zynischeren Skrupellosigkeit im klassischen Hollywood, gewann 1991 als bislang einziger Film alle drei Hauptpreise der Filmfestspiele in Cannes. Für den schwarzhumorigen Schnee-Thriller „Fargo“ erhielten die stets zusammenarbeitenden Brüder 1997 den Oscar für das beste Originaldrehbuch, Frances McDormand, Joel Coens Frau, bekam ihn als beste Hauptdarstellerin. Im Moment sendet der USSender FX erstmals eine neue gleichnamige TV-Mini-Serie, die auf „Fargo“ basiert.

Mit „The Big Lebowski“ drehten die Coens dann einen der meist beachteten Filme der 90er Jahre. Es folgten die Mississippi- Odyssee „O Brother, Where Art Thou?“ mit George Clooney und das Alec-Guinness-Remake „Ladykillers“ mit Tom Hanks. 2008 erhielten die Brüder den Regie-Oscar für „No Country for Old Men“ und konnten mit „True Grit“, ihrem bislang erfolgreichsten Film, Einspielergebnisse jenseits der 100-Millionen- Dollar-Marke erzielen und das Mainstream-Publikum rund um die Welt für sich gewinnen.

„Blood Simple“ und „True Grit“ waren schon vorab in Mannheims kommunalem Kino zu sehen, am Seminarwochenende selbst liefen „Barton Fink“, „Fargo“, „No Country for Old Men“, „The Man Who Wasn't There“ (alternativer Titel: „Der unauffällige Mr. Crane“) und – der Brüder neuester Streich - die folk-musikalische Tragikomödie „Inside LlewynDavis“, die im Dezember in den Kinos war.

Der Frankfurter Filmwissenschaftler Manfred Riepe bescheinigte Joel und Ethan Coen angesichts ihrer Filmografie eine erstaunliche künstlerische Konstanz und den langen Atem, den so häufig auch ihre Filmfiguren an den Tag legen. Das sind allerdings oftmals Prügelknaben und Verlierer, die mit Eigensinn und der Zeit alles nur noch schlimmer machen. Man denke einmal an den schweigsamen, schießfreudigen Kleinganoven Gaear Grimsrud (Peter Stormare) in „Fargo“. Andere typische Coen-Figuren wie Musiker Llewyn Davis (Oscar Isaac) treffen geradezu passgenau die falschen Entscheidungen oder werden wie Professor Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) in „A Serious Man“ förmlich vom Unglück verfolgt. Besonders die Filmdramen der Brüder beschrieb Riepe als Sinfonien des Scheiterns mit destruktiv absurden Handlungsketten. Die Herren Coen zeigen ihre männlichen Protagonisten anders als die weiblichen in Teufelskreisen und zwangsneurotischen Dilemmata gefangen. Figuren wie der naive Autohändler Jerry Lundegaard (William H. Macy) in „Fargo“ proben den verspäteten Aufstand gegen omnipotente Vaterfiguren, andere, wie der „Dude“ Lebowski (Jeff Bridges), weigern sich, überhaupt erwachsen zu werden. Zum Vergleich zog Riepe Sigmund Freuds „Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose“ heran, die Krankengeschichte des ab 1907 behandelten Patienten, der Freud-Kennern als „Rattenmann“ geläufig ist.

Die Berliner Filmkritikerin Christiane Mathes befasste sich in ihrem Vortrag mit dem Friseur Ed Crane (Billy Bob Thornton) in „The Man Who Wasn't There“, einem weiteren Helden der Coen-Brüder, der sich aus verhängnisvollen Umständen zu befreien sucht und dabei die falschen Entscheidungen trifft. Der schweigsame Crane erscheint seltsam abwesend in seinem eigenen Leben, das er andere steuern lässt. Er ist ein Mann ohne Eigenschaften, ein Platzhalter für ungelebtes Leben. Er identifiziert sich nicht mit seinem Beruf, und doch scheinen allein dieser Beruf und die Angewohnheit des Rauchens das zu sein, was ihn ausmacht. Als Person ist er so ungreifbar wie der verfliegende Qualm seiner Zigaretten. Nach Jean-Paul Sartre verharrt er im Stadium der reinen Existenz ohne zur Essenz zu gelangen. So sieht Mathes „The Man Who Wasn't There“ als existenzialistischen Film über einen Menschen, der zu wählen ins Leben gerufen wurde und mit dieser Freiheit nichts anzufangen weiß.

Der schwarz-weiße Film, der in Farbe gedreht wurde, spielte ebenfalls eine Rolle in den Ausführungen des Mainzer Filmwissenschaftlers Marcus Stiglegger. Sein Vortrag befasste sich mit den vielen Bezugspunkten zum Film noir im Werk der Coens. „The Man Who Wasn't There“ zeigt sich ebenso wie „Blood Simple“ inspiriert von James M. Cain, der zur „harten“ Schule der US-Krimi- Autoren zählt und in den 1930er Jahren unter anderem die Vorlagen für die pessimistisch-düsteren Klassiker „Frau ohne Gewissen“ (Regie: Billy Wilder) und „Im Netz der Leidenschaften“ („The Postman Always Rings Twice“) schrieb. Die Coens lassen mit Zitaten und Verweisen neuartige Vexierbilder der alten Films noirs entstehen, Hommagen und Retro-Noirs wie „Miller's Crossing“ und „The Big Lebowski“. Einige ihrer Filme spielen in ebenjenen Jahren, in denen die Originale entstanden. So auch „Barton Fink“, der nach 1941 zurückführt, als die USA in den Zweiten Weltkrieg eintraten. Mit ihrer Geschichte um den jungen Autoren Fink (John Turturro) reflektieren die Coens die Hollywood-Ära des Film noir und schaffen einen Meta-Noir – und einen Alptraum: mit John Goodman als Serienmörder Carl Mundt, mit dem heruntergekommenen Hotel Earle als Pforte zur Hölle, mit schwitzenden Wänden, vampiresken Moskitos und einem großen, flammenden Inferno, in dem das alles schließlich aufgeht.«

Stefan Otto

19.05.2014

Auf der Suche nach dem Glück

Am 15. Mai berichtete der Mannheimer Morgen über das Filmfest Cine Latino.

 

»Mit etwas weniger Filmen und Vorstellungen als in den vergangenen Jahren präsentiert sich das beliebte Filmfestival Cine Latino in seiner 14. Auflage. Zwischen morgen und 25. Mai stehen wieder Filmentdeckungen aus Lateinamerika auf dem Programm des Heidelberger Karlstorkinos sowie des kooperierenden Cinema Quadrat in Mannheim. Dieses ist mit 14 aktuellen Spiel- und Dokumentarfilmen bestückt, die jeweils in der Originalversion mit Untertiteln gezeigt werden und die einen Einblick in das vielfältige Filmschaffen Süd- und Mittelamerikas gewähren.

Arbeitsmigration, die Bedrohung indigener Lebensformen, Gewalt und Drogenkriminalität sowie familiäre Konflikte sind nur einige der Themen, die behandelt werden. „Dabei steht dieses Jahr in besonderer Weise der weibliche Blick vor und hinter der Kamera im Mittelpunkt“, schreiben die Festivalleiter Michael Doh und Verena Schlossarek in ihrem Vorwort zum Programm.

Stellvertretend kann der aus Chile kommende Eröffnungsfilm „Gloria“ von Sebastián Lelio gelten, der mit feinfühligem Humor von seiner Titelheldin, einer geschiedenen Frau Ende fünfzig, erzählt, die sich auf der Suche nach Liebe und Glück gegen ihre Einsamkeit und das Vergessen-Werden stemmt. Für ihre eindrückliche Darstellung wurde die Schauspielerin Paulina García auf der Berlinale 2013 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Einen gewichtigen Länderschwerpunkt bildet in diesem Jahr das traditionsreiche Filmland Mexiko, das an fünf Produktionen des Programms beteiligt ist. Unter ihnen ragt besonders Jose Luis Valles bildmächtiger, von einem traumwandlerischen Erzählrhythmus getragener Debütfilm „Workers“ (Arbeiter) hervor, der ebenfalls von zwei älteren Menschen erzählt, die gegen ihr vermeintlich vorherbestimmtes Schicksal aufbegehren.

Von einem anderen, vielleicht freieren Leben träumen auch die jungen Helden der beiden bemerkenswerten kubanischen Filme: In Lucy Mulloys packendem, energiegeladenem Drama „Una Noche“ (Eine Nacht in Havanna), das mit semidokumentarischen Mitteln das pulsierende Treiben Havannas einfängt, wagen drei Jugendliche mit einem Floß die Flucht aus den bedrückenden Verhältnissen in Richtung Florida. Auch das Liebespaar aus Carlos Lechugas poetisch-melancholischer Milieustudie „Melaza“ (Melasse), die im vergangenen Jahr beim Filmfestival Mannheim-Heidelberg mit dem Hauptpreis prämiert wurde, leiden die Protagonisten unter widrigen Umständen, Armut und Perspektivlosigkeit. Lechuga vermittelt dies in ebenso authentischen wie ungewöhnlichen Bildern vom ländlichen Kuba. Und er lässt den Zuschauer daran teilhaben, wie eine starke, erfindungsreiche Liebe dem Elend trotzt.«

20.03.2014

Film-Seminar zu den Coen-Brüdern

Die Rheinpfalz druckte in der heutigen Ausgabe eine Ankündigung des 12. Mannheimer Filmseminars:

 

»„Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie“ heißen seit zwölf Jahren die Seminare, die das MannheimerCinemaQuadrat inKooperation mit psychoanalytischen Instituten veranstaltet. Diesmal werden sich die Psychoanalytiker und Filmwissenschaftler vom 21. bis 23. März mit den Filme machenden Brüdern Joel und Ethan Coen befassen.

Die Regisseure, Produzenten und Autoren wurden 1954 (Joel) und 1957 (Ethan) in Minneapolis geboren. Mit „Barton Fink“, einer zynischen Abrechnungmit demklassischen Hollywood, gewannen sie 1991 alle drei Hauptpreise in Cannes, für den schwarzhumorigen Winter-Thriller „Fargo“ 1997 einen Oscar. 2008 erhielten die Brüder den Regie-Oscar für „No Country for Old Men“ und konnten mit „True Grit“, ihrem bislang erfolgreichsten Film, Einspielergebnisse jenseits der 100-Millionen- Dollar-Marke erzielen und das Mainstream- Publikum rund um die Welt für sich gewinnen. Trotz ihres kommerziellen Erfolges stehen die Coens bis heute für den kreativen und unangepassten Hollywood-Film. Von Beginn an bis heute bestechen ihre Filme vor allem durch skurrilen Witz und absurde Figuren.

„Barton Fink“, „Fargo“ und „No Country for Old Men“ werden am Seminarwochenende in Mannheims kommunalemKino zu sehen sein, daneben der schwarz-weiße „The Man Who Wasn’t There“, abermals ein Film Noir, und – der Brüder neuester Streich – die folk-musikalische Tragikomödie „Inside Llewyn Davis“, die im Dezember in den Kinos lief. Rund um die Filmvorführungen sind sechs Vorträge und vier Diskussionsrunden angekündigt.«

(tto)

19.03.2014

Wortkarge Liebhaber und Escort-Boys

Im Februar berichtete die Rheinpfalz über die 19. Schwulen Filmtage im Cinema Quadrat.

 

»Zum 19. Mal zeigt das Mannheimer Cinema Quadrat eine sorgfältig kuratierte Auswahl aktueller Filme, in deren Mittelpunkt die Liebe zwischen Männern steht. Die Schwulen Filmtage finden vom 13. bis 19. Februar statt.

Wer gleich am13. um19 Uhr ins Kino im Collini-Center kommt, erhält zur Begrüßung ein Glas Sekt und sieht den bewegenden, tragikomischen Eröffnungsfilm „Matterhorn – Wo die Liebe hinfällt“, einen von gleich zwei niederländischen Filmen im Programm. „Matterhorn“ spielt, seinem Titel zum Trotz, kaum in den Hochalpen, sondern hauptsächlich in einem bigotten, kleinen Dorf im flachen Flandern. Hier lebt der Witwer Fred (herausragend: Ton Kas), der auch seinen Sohn verloren hat, zurückgezogen und allein, fromm, ordnungsliebend und gewissenhaft, bis der Streuner Theo bei ihm Einzug hält und Fred seine tiefe Einsamkeit erst bewusstmacht. Jeder genießt die Gesellschaft des anderen, bis sie beide in einer regnerischen Nacht in die Kirche am Ende der Dorfstraße rennen, umsich das Ja-Wort zu zu geben.

Auch „Oben ist es still“, die Verfilmung des gleichnamigen erfolgreichen Romans von Gerbrand Bakker, spielt in Holland, auf einem abgeschiedenen, inmitten von Schilf und Schlamm gelegenen Hof unter wolkenverhangenem Himmel. Unten, stellt man schnell fest, ist es hier beinahe ebenso still wie oben. In dem zum großen Teil kammerspielartigen FilmvonNanouk Leopold geltenWorte noch weniger als in „Matterhorn“. Bauer Helmer, gespielt von Jeroen Willems, der 2012 bald nach den Dreharbeiten starb, schuftet und betreut seinen kranken Vater, der in einem kalten Zimmer unterm Dach liegt. Er verbirgt und verleugnet seine Homosexualität, auch vor demneuen Knecht, der sich Helmer selbst bald zaghaft annähert.

Wesentlich lebhafter und auch redefreudiger geht es in „Ich fühl’ mich Disco“ zu. Regisseur Axel Ranisch – sein „DickeMädchen“war imvergangenen Jahr zu sehen – erzählt diesmal von Teenager Florian, dessen Mutter (Christina Große) urplötzlich ins Koma fällt.Vorher kamFlorianmit ihr viel besser aus als mit seinem Vater (Heiko Pinkowski), der aus ihmgerne einen echten Mann formen möchte, während Florian doch auf Schlager steht und auf den sportlichen Rumänen Radu, den der Vater im Turmspringen trainiert. Als die Mutter nicht mehr da ist, um ihre beiden Männer voreinander zu beschützen, müssen sie lernen, miteinander klarzukommen. Ihr schwieriges Verhältnis erneuert sich zwischen Klinik und Discokugel, Rosa von Praunheim und dem Schlagersänger Christian Steiffen, der im März übrigens für ein Konzert („Arbeiter der Liebe“) inDasHaus in Ludwigshafen kommenwird.

Aus dem katholischen Polen kommt „ImNamen des ...“, ein Gewissensdrama um den Kirchenmann Adam, der weiß, dass sein Ergreifen des Priesterberufes nicht zuletzt eine Flucht vor der eigenen Sexualitätwar. In seiner neuen Gemeinde in der Provinz bleibt er standhaft gegenüber der Verführung einer blonden Ewa, verliebt sich jedoch in seinen jungen Schützling Lukasz. Der Film von Malgorzata Szumowska wurde bei der Berlinale 2013 mit dem Teddy Award ausgezeichnet.

Die einzige Dokumentation, die bei den Schwulen Filmtagen läuft, ist „Naked Opera“, eine deutsch-luxemburgische Co-Produktion der fränkischen Regisseurin Angela Christlieb. Sie folgt demLuxemburgerMarc Rollinger zu verschiedenen Inszenierungen vonMozarts „DonGiovanni“ nach Berlin, Wien und Venedig. Marc Rollinger, der bereits seit seiner Kindheit an einer unheilbaren Autoimmunerkrankung leidet, genießt in den Städten, in denen er seine Lieblingsoper sieht, die Freuden des luxuriösen Lebens. Er quartiert sich in feudalen Grand Hotels ein, ordert besten Champagner sowie gutaussehende Escort-Boys. Regelmäßig entflieht er seinem bürgerlichen Alltag, indem er ganz Europa auf der Suche nach der ultimativen „Don Giovanni“-Aufführung bereist. Er ist wohlhabend, auch intelligent und eloquent, doch alle diese Eigenschaften können ihn freilich nicht vor seiner Krankheit bewahren.

Exotischer als „Naked Opera“ sind da nur noch die erotische, israelische Dreiecksgeschichte „Liebesbriefe eines Unbekannten“ und die tragische, schwule Love-Story „La Partida - Das letzte Spiel“ aus Kuba.geben.«

Stefan Otto