Ein Trickfilm für Cinema Quadrat

Unsere Mitarbeiterin Monika Hamryszak hat uns zum Abschied einen tollen Trickfilm-Trailer hinterlassen, den wir schon im Kino gezeigt haben. Auch unseren Homepage-Besuchern wollen wir ihn nicht vorenthalten.

Monika Hamryszak hat im Jahr 2013/2014 ein Freiwilliges Kulturelles Jahr bei uns absolviert. Sie ist künstlerisch tätig und arbeitet vor allem als Fotografin. Hier geht es zu ihrer Facebook-Seite.

23.12.2013

Mit Filmkunst ins Stadtzentrum

Der Mannheimer Morgen berichtete am 12. Dezember 2013 über unseren neuen Projektor und die weiteren Perspektiven von Cinema Quadrat.

 

»Ein wenig Stolz ist schon herauszuhören, zu Recht, hat sich das kommunale Kino Cinema Quadrat doch dieses Jahr die Voraussetzungen erarbeitet, um sich „Mannheims kleinstes Kino mit der höchsten Bildqualität“ zu nennen. An der Digitalisierung führt ja auch in Sachen Film kein Weg mehr vorbei. Kinos, die nicht entsprechend um- und aufrüsten, verspielen die Möglichkeit, aktuelle Filme zu zeigen. Nicht so das Cinema Quadrat im Collini-Center: Hier kann jetzt von 99 Plätzen aus „internationaler Kinostandard“ erlebt werden, wie Geschäftsführerin Verena Schlossarek betont.

Für das Kino stand das zu Ende gehende Jahr im Zeichen des Umbaus – der Umrüstung auf digitalen Projektionsstandard; die Projektoren zum Abspielen von 35- und 16-Millimeter-Filmen bleiben indes verfügbar. Das kommende Jahr könnte nun im Zeichen des Umzugs stehen oder jedenfalls die Voraussetzungen dafür schaffen, wenn auch nicht ganz freiwillig, denn das sogenannte technische Rathaus, in dem das Kino im Erdgeschoss seine Räume unterhält, muss saniert werden. Somit ist entweder nur auf Zeit eine andere Bleibe zu suchen oder gar auf Dauer, Letzteres wohl auch für den Fall, dass das Gebäude verkauft würde, schließlich verrechnet die Stadt ihre Zuschüsse zum Betrieb des traditionsreichen Kinos zum Gutteil bevorzugt mit sich selbst, indem sie eigene Räume zur Verfügung stellt. Das Kinoteam wäre über einen Umzug nicht mal traurig, denn die Lage in dem nüchternen Gebäudekomplex am Neckarufer ist durchaus schwierig: Laufkundschaft gibt es hier nicht, man muss das Kino schon gezielt ansteuern, um dorthin zu gelangen. Deshalb leidet man hier auch noch immer unter einem Bekanntheitsdefizit, was der schmale Werbeetat der Einrichtung nicht zu kompensieren vermag.

Vielfache Kooperation

Am Programm kann’s jedenfalls kaum liegen: Dieses Jahr hat das Cinema Quadrat zur Würdigung seiner Programmqualität bereits zum vierten Mal den Preis des Kinemathekenverbands erhalten. Und seit sie in Mannheim vor knapp vier Jahren anfing hat die Geschäftsführerin – das Open-Air-Kino im Jungbusch und den in der Alten Feuerwache stattfindenden Kurzfilmwettbewerb „Zum Goldenen Hirsch“ mitgerechnet – die Zuschauerzahlen von 7000 auf 14 000 pro Jahr verdoppeln können.

Die Filmreihe „Cine Latino“ ist mittlerweile nicht nur in Heidelberg, sondern auch im Cinema Quadrat zu sehen. Gemeinsam mit weiteren Einrichtungen wie dem Kulturamt und dem Jugendkulturzentrum Forum veranstaltet das Filmtheater die „Agenda“-Themenwoche. Nicht zuletzt wendet sich das Kino jetzt verstärkt an Schüler. Man ist gewissermaßen vom Rand her ins gesellschaftliche Zentrum gerückt, das kleine Quadrat-Team hielte es deshalb für angemessen, künftig auch buchstäblich zentraler angesiedelt zu sein – idealerweise in der Mannheimer Innenstadt.

Immerhin steht auch die Programmauswahl im Zeichen der Mitte. Dem filmischen Erbe fühlt sich das zweitälteste kommunale Kino Deutschlands ebenso verpflichtet wie der Gegenwart. Unter den neuen, bundesweit anlaufenden Filmen sind es zumeist die kleineren, die man hier präsentiert. Die publikumsträchtigen teuren Produktionen zeigen die größeren, kommerziellen Kinos, mit denen man weder konkurrieren kann noch will – schließlich sind die kleineren Filme ohnehin oft die interessanteren. Es gibt einen „Filmklassiker des Monats“ und Programmschwerpunkte, wobei aktuell das international viel beachtete österreichische Kino im Fokus steht.

Weil diese Filme überdurchschnittlich realitätsnah sind, passt die Auswahl auch zur Ausrichtung des Cinema Quadrat. Verena Schlossarek möchte verstärkt junge Menschen als Zuschauer gewinnen. Selbst ein Kino, das sich als einzige hiesige Institution auch um den filmischen Blick zurück bemüht, muss nach vorn schauen. Dass sich das an einer zentralen, auffälligen Lage am ehesten verwirklichen ließe, sieht man leicht ein.

Thomas Groß

03.12.2013

Cinema Quadrat mit neuem 4K-Digitalprojektor

Es ist die wohl größte Investition in unser Kino, die seit dem Einzug ins Collinicenter im Jahr 1990 getätigt wurde. Seit letzter Woche steht ein nagelneuer Digitalprojektor nach dem DCI-Kinostandard in unserem Vorführraum.

 

Die digitale Filmprojektion spielt in unserem Kino seit über zehn Jahren eine wachsende Rolle. Dabei wurden bisher - mit recht gutem Erfolg - immer wieder verbesserte Digital-Beamer eingesetzt. Echte digitale Kinoprojektoren waren das allerdings noch nicht. Dank der Förderung durch die Filmförderungsanstalt FFA,den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Land Baden-Württemberg und die Stadt Mannheim konnte nune ein topakuteller Digitalprojektor angeschafft werden, der uns für viele Jahre auf einen hohen Stand der Technik setzen wird. Der speziell für kleine und mittlere Kinos entwickelte Sony SRX-R515 projiziert mit der höchsten derzeit vom DCI-Standard vorgesehenen Auflösung von 4K (4.096 x 2.160 Pixel) und kann auch künftige High-Frame-Rates von bis zu 60 Bildern pro Sekunde unterstützen. Ein schäferes Kinobild dürfte zur Zeit kaum erreichbar sein. Mit dem passenden Doppelobjektiv werden im nächsten Jahr auch 3D-Projektionen möglich sein.

Der Einbau war nicht ohne Abenteuer. Um Platz für das Objektiv zu schaffen, musste das Projektionfenster mit einem selbstgebauten Holzaufsatz um einige Zentimeter verlegt werden. Die Lieferung verzögerte sich durch Probleme des Lieferfahrzeugs und warf die Planung zünftig über den Haufen. Dennoch konnte unser Vorsitzender Ernst Gramberg mit einem Tag Verspätung - noch im Arbeitsanzug - dem eintreffenden Publikum spontan den neuen Projektor präsentieren und die Kinovorstellung dann pünktlich beginnen lassen. Auch wenn in den kommenden Wochen noch viele Nachfolgearbeiten nötig werden, ist der Einbau ohne Unterbrechung des Spielbetriebs eine außerordentliche Leistung, für die allen Beteiligten Dank gebührt. 

20.10.2013

Dunkles im Dahner Felsenland

Der Mannheimer Morgen berichtete am 15. Oktober über das 28. Mannheimer Filmsymposium

 

»Dieser Film hatte bis jetzt 12 769 Zuschauer. Das ist zwar nicht besonders viel, aber auch nicht besonders ungerecht. Er nennt sich „Lost Place“, und sein Regisseur heißt Thorsten Klein. Er führt ins Dahner Felsenland, tief in den dunklen Pfälzerwald, wo irgendetwas Finsteres geschieht und ein geheimnisvoller Funkturm, rot erleuchtet, negative Vibrationen auslöst. Hier wird nicht am kleinen Rad gedreht: Neue, extrateure Kameras, die Peter Jackson für die „Hobbit“-Trilogie verwendete, kommen zum Einsatz. Und die neueste Surround-Sound-Technik. Noch mehr Tonspuren für noch mehr Lautsprecher. Das Hollywood- Syndrom hat diesen deutschen Film erfasst.

Je greller die Effekte im Verlauf der Handlung werden, desto unglaubwürdiger erscheinen sie. Dafür verkümmert anderes: Die Dialoge etwa evozieren bei den Zuschauern im Cinema Quadrat nicht selten Kichern. Hölzern sind sie, unfreiwillig komisch. Dass „Lost Place“ im Rahmen des – inzwischen 28. – Mannheimer Filmsymposiums aufgeführt wird, das sich der „Dramaturgie der Spannung“ annimmt, leuchtet durchaus ein. Denn auch aus Fehlern lässt sich Vieles ablesen. Der Medienwissenschaftler Norbert Maass, der oft als dramaturgischer Berater arbeitet, stellt eine ganze Mängelliste auf. Obwohl er offenkundig selbst an „Lost Place“ mitgewirkt hat. Zu den größten Ungeschicklichkeiten rechnet er, dass die wohl spannendste Figur, ein rätselhafter Mann im Schutzanzug, nach zehn Minuten Aufenthalt im Film wieder entsorgt werde. Und dass die „böse Kraft“ vom roten Funkturm nie konkret Gestalt annehme. Was bei solchen Genrefilmen allerdings recht oft der Fall ist.

Vieles wird nur angedeutet

Welches Genre wird hier überhaupt bedient? Horror, Mystery oder ein Mix aus beiden? Solche Fragen sind das Element von Marcus Stiglegger (er lehrt an der Universität in Siegen). Nah am Material berühmter Filme will er die Begriffstrias „Suspense – Schock – Thrill“ erläutern, unter dem Aspekt ihrer Funktion, die Spannung anzuheizen. Bei „Suspense“ spielt eine längere Erwartungsspannung eine Rolle, wie sie Meister Alfred Hitchcock definiert und vielfach angewandt hat, auch in „Psycho“. Vieles wird dabei nur angedeutet oder bleibt ganz ausgespart. Aber die Zeiten ändern sich, und auch der späte Hitchcock wurde drastischer, etwa in „Frenzy“ (1971) mit dem gnadenlos direkten Zeigen einer Vergewaltigung. Da ist das Schockerlebnis nicht mehr weit. Bereits von William Friedkins Film „Der Exorzist“ ist überliefert, dass es eine Frau im Publikum gab, die eine Fehlgeburt erlitt. „Moment der maximalen Überraschung“, Marcus Stigleggers „Schock“-Definition, klingt da fast verharmlosend. Konfrontationsästhetik ist es eher. „Thrill“, der süße Schauer, scheint nach immer höheren Gewaltdosen zu lechzen.

Dieses Thema spielt auch eine große Rolle in den Diskussionen. Sie begleiten in bewährter Weise Vorträge und Filmvorführungen, da haben Peter Bär und seine Mitstreiter vom Cinema Quadrat nichts ändern müssen. Marcus Stiglegger, übrigens ein scharfer Gegner jeder Filmzensur, erklärt: „Gewalt ist Kommunikation. Wenn auch nicht angenehme.“ Warum aber wird es damit immer mehr, warum hat das „performative“ Schockeffekte-Kino das „erzählende“ schon fast besiegt? Da ist natürlich auch ein Psychoanalytiker gefragt: Andreas Hamburger ist ebenfalls Symposiums-Teilnehmer - und glaubt, eine gewisse Saturiertheit der Gesellschaft sei ein wesentlicher Grund. Da widerspricht ihm Kerstin Stutterheim (Autorin, Filmemacherin und Medienwissenschaftlerin): Die „Überzeichnung der Gewalt“ sei eine Antwort auf eine Gesellschaft, die schon selbst voller Gewaltsamkeiten sei, bis hin zur Macht der großen Banken.

Viele Filme allerdings sieht Stutterheim in ihren Büchern immer noch von alten, seit Jahrhunderten bewährten dramaturgischen Konzepten angetrieben. Spannung lässt sich damit immer noch erzeugen, selbst in Hollywood, wo die bewährten „positiven“ Helden ja geradezu zu Sieg und Happy End verdammt sind.

Hans-Günter Fischer

17.09.2013

Cinema Quadrat erneut ausgezeichnet

Zum vierzehnten Mal wurde am vergangenen Freitag der Kinopreis des Kinematheksverbundes in Berlin vergeben. Cinema Quadrat wurde dieses Jahr mit dem dritten Preis in der Kategorie "Konzepte zur Programmgestaltung" ausgezeichnet.

 

Zur Begründung schrieb die Jury:

Das Cinema Quadrat kämpft nicht nur gegen die großen Säle der Konkurrenz, auch gegen Wasserschäden in den maroden Wänden des teilweise leerstehenden Hochhauses. Es ist das wohl einzige Kino in Deutschland mit einer Wasserrinne im Vorführraum, die gravierende Schäden an der technischen Einrichtung verhindern soll. Doch dies sagt nichts über die Vitalität in diesem seltsam verloren wirkenden Ort in der Arbeiterstadt Mannheim aus. Denn hier wird großes Kino gezeigt, werden thematische Schwerpunkte gesetzt, Symposien organisiert und filmtheoretische/psychoanalytische Publikationen erarbeitet. Das Cinema Quadrat beweist Mut zur Filmkunst, Mut zur ernsthaften Auseinandersetzung. Dies kann nicht hoch genug bewertet werden. Die Mannheimer dürfen sich geehrt fühlen, ein solches kulturelles Schwergewicht in ihrer Mitte zu wissen.

10.07.2013

Abenteuer im Schneideraum

Am 9.7. berichete der Mannheimer Morgen über den "Endhirsch", das finale des ganzhährigen Kurzfilmfestivals "Zum Goldenen Hirsch"

 

»Henri Langlois, der berüchtigte Gründer der Cinémathèque Française, vertrat die Ansicht, der Allerweltsfilm sei filmgeschichtlich, kulturgeschichtlich und überhaupt in jeder Hinsicht aufschlussreicher als das vereinzelte große Kunstwerk. Eine steile These, die im Kern eine sympathische Idee mit sich trägt, die auch das Kurzfilmfestival „Zum Goldenen Hirsch“ vertritt: Beim Filmemachen und Filmeschauen darf jeder mitmachen und mitreden.

Das basisdemokratische Filmfestival, das alle zwei Jahre im großen Wettbewerbsfinale „Der Große Endhirsch“ gipfelt, hat auch mit der jüngsten Jagdsaison gezeigt, dass es ein ernst gemeintes Anliegen ist, den Filmemachern im Delta eine Plattform zu bieten. Und da haben glücklicherweise Allerweltsfilme genauso Platz wie künstlerische Großereignisse.

Dicht bepackte Abende

Wieder nahmen Feierabendfilmer, Hochschulkurbler und Hobbyregisseure aus der Region an den Vorausscheidungen teil, und die Etappensieger der vergangenen zwei Jahre starteten in der voll besetzten Alten Feuerwache an zwei dicht bepackten Filmabenden zum letzten Sprint. Der übrigens mit einem Kurzfilm aus den Jugendjahren von Oberbürgermeister Peter Kurz – außer Konkurrenz – eröffnet wurde.

Den Publikumspreis errangen Erik Schmitt und Stephan Müller mit ihrem Fünfminuten-Abenteuer „Nun sehen sie Folgendes“, in dem unter anderem eine Großmutter um ihren Kuchen gebracht wurde und ein Enkel sein Leben lassen musste. Ein flott gebautes Mini-Krimi-Stück, das mit cleveren Humorspitzen aus dem Off gesprochen die eigene Arbeit sezierte. Und auch den von der Jury (Mark Auerbach, Conny von Appen, Christoph Rainer, Maria Pazoukhine und Till Sebastian Laurent Fischer) vergebenen „großen“ Endhirsch in Empfang nehmen durfte.

„Der kleine Endhirsch“ sprang Vanessa Stachel und Sandra Kuhn in den Schoß, die mit „The Human Apocalypse“ auch noch die vom Hirsch-Komitee ausgesprochene Nominierung für den Deutschen Nachwuchsfilmpreis 2013 absahnten. Ein hohes Auszeichnungsaufkommen für einen herzhaften Zombiefilm, der die Untoten in einem absurd verdrehten Endzeitszenarium zu Gejagten macht. Und ganz nebenbei noch erklärt, wie die Mayas zu ihrem Weltuntergangstermin kamen. Alle Preise sind mit einem Preisgeld von 333,33 Euro dotiert, gestiftet von der FilmCommission Rhein-Neckar, dem Cinema Quadrat und Medienforum Heidelberg.

Mit dem Sonderpreis der Jury, dem „röhrenden Hirsch“, wurde Lisa Ferber für ihre Animationsprojekte „Bild dir deine Freiheit“ und „The english speaking Tapir“ ausgezeichnet. Den „Lucky Looser Award“ für den besten „vom Publikum in den Vorrunden verschmähten“ Film erhielt nach erneuter Zuschauerbewertung Christian Martins Klassenzimmersatire „Burnout“. Das ergab ein gut besetztes Siegertreppchen, das einmal mehr zeigte, dass die Kurzfilmaktivisten der Region und ihr ganzjähriges Festival ein mehr als ernstzunehmender Teil der hiesigen Kulturlandschaft sind.«

bema