Im Rahmen des Filmseminars zeigen wir die folgenden Filme:

The Bling Ring

Vorblick:

The Bling Ring

USA 2013. R: Sofia Coppola. D: Emma Watson, Katie Chang, Israel Broussard, Claire Julien, Taissa Farmiga, Georgia Rock, Leslie Mann. 91 Min. DF. FSK: 12

Paris Hilton, Lindsay Lohan, Megan Fox, Orlando Bloom: Ihr Lebensstil macht süchtig. Weshalb eine Gruppe gelangweilter Upper Class-Jugendlicher sich diesen way of life aneignet: Das Internet gibt nur zu gerne Auskunft über den Aufenthaltsort der Stars, in deren Luxusdomizilen die Kids dann einbrechen. Designerkleider, Schmuck, Schuhe, Sonnenbrillen: Das Glitzern der Oberfläche ist faszinierend in einer übersättigten Überflussgesellschaft. Tatsächlich basiert der Film auf dem richtigen Leben: Der „Bling Ring“, eine Clique von Jugendlichen, eroberte sich Markenware im Wert von über 3 Millionen Dollar von den Celebrities der Hollywood Hills. Das Posieren auf Facebook mit der Beute wurde ihnen zum Verhängnis...

Sofia Coppola blickt klarsichtig auf die wertlosen Werte, nach denen ihre Protagonisten streben: Ihre Schilderung des Lebensgefühls einer auf ihre ganz eigene Weise verlorenen Generation drehte sie teilweise in Paris Hiltons Villa.

So. 13.01.2019, 19:30 Uhr

The Virgin Suicides

The Virgin Suicides

USA 1999. R: Sofia Coppola. D: Kirsten Dunst, James Woods, Kathleen Turner, Hanna R. Hall, Josh Hartnett, Danny DeVito. 97 Min. DF. FSK: 12

Cecilia, Lux, Bonnie, Mary und Therese: Fünf Schwestern zwischen 13 und 17 Jahren, streng behütet aufgewachsen unter der liebevoll gemeinten Kontrolle durch ihre Eltern, die den Umgang der Mädchen mit gleichaltrigen Jungs streng reglementieren. Bis Cecilia versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Auf Anraten eines Psychologen erlauben die Eltern den Töchtern eine Party, um den normalen Umgang mit männlichen Altersgenossen zu ermöglichen. Doch bei dieser Party gelingt ein erneuter Suizidversuch Cecilias. Damit beginnt das „Jahr der Selbstmorde“: Die Eltern verschärfen die Regeln drastisch, doch ein Nachbarjunge verliebt sich in die 14jährige Lux...

In ihrem Filmdebüt porträtiert Sofia Coppola zart und subtil, in hellen, heiteren Farben eine düstere Kleinstadttragödie, ein irritierendes Teenagerdrama, angesiedelt in den 1970er Jahren. Schulball und das Erste Mal, Verliebtheit und Schwermut: Die Marksteine der Pubertät werden zu einem schroffen, unüberwindlichen Gebirge, in dem der Absturz sicher scheint.

Fr. 18.01.2019, 19:30 Uhr

Somwhere

Somewhere

USA 2010. R: Sofia Coppola. D: Stephen Dorff, Elle Fanning, Michelle Monaghan, Chris Pontius. 98 Min. DF. FSK: 12

Johnny Marco ist ein Schauspielstar, er residiert zwischen den Engagements im Chateau Marmont in L.A. Kuriert eine kleinere Armverletzung aus, ergibt sich dem Alkohol, schläft bei der Darbietung zweier ins Hotelzimmer bestellter Stripteasetänzerinnen ein. Er hat Geld, er hat Ruhm, aber er hat nichts zu tun. Bis sich plötzlich seine elfjährige Tochter Cleo bei ihm einstellt. Marco muss sich kümmern. Muss die Tochter in seinen Lebensstil einfügen. Und muss seinem Leben Struktur geben.

Sofia Coppola, als Tochter von Francis Ford zu einem Gutteil in Hotelzimmern aufgewachsen, schließt thematisch an ihren ersten Erfolgsfilm LOST IN TRANSLATION an: Ennui und Einsamkeit von Hotelzimmern wurde selten so zwingend in eine filmische Form gebannt. Coppola packt Langeweile in ihren Film und gibt dem Stillstand Raum – und kreiert ein kurzweiliges, satirisches, existentielles Drama. Gewinner des Goldenen Löwen von Venedig.

Fr. 18.01.2019, 21:30 Uhr

Lost in Translation

Somewhere

Lost in Translation

USA 2003. R: Sofia Coppola. D: Bill Murray, Scarlett Johansson, Giovanni Ribisi, Anna Faris. 102 Min. DF. FSK: 6

Whisky-Werbung in Japan: Das Refugium alternder US-Filmstars, die sich auf einfache Art was dazuverdienen. Bob Harris wohnt eine Woche im Hotel in Tokio, für die Zeit des Werbedrehs. Und er langweilt sich zu Tode. Bis er die Amerikanerin Charlotte kennenlern, jung, lebendig, frisch verheiratet mit einem Boulevardfotografen. Während ihr Mann tagsüber arbeitet, sitzt sie allein im Hotel; und die beiden Verlorenen in einem fremden Land finden einander, werden zu Komplizen in ihrer Einsamkeit...

Der alternde Star, dessen Ehe zerrüttet ist, die junge Frau, die am Anfang ihrer Lebenspartnerschaft steht, das fremde Land mit fremder Sprache und Kultur, die Isolation im Hotel: Aus einfachen Faktoren baut Sofia Coppola – die in den 1990ern in Tokio ein Modeunternehmen gegründet hatte – ihren großen Erfolgsfilm auf, der ihr unter anderem einen Drehbuchoscar einbrachte: Ein Kultfilm, in dem Bill Murray und Scarlett Johansson ihre Müdigkeit, ihre Sprachlosigkeit, ihre Verlorenheit zu einer platonischen Liebesromanze ausbauen.

Sa. 19.01.2019, 14:00 Uhr

Marie Antoinette

Marie Antoinette

USA 2006. R: Sofia Coppola. D: Kirsten Dunst, Jason Schwartzman, Judy Davis, Rip Torn, Rose Byrne, Asia Argento, Danny Huston Marianne Faithfull. 123 Min. DF. FSK: 0

Mit 14 Jahren muss sie ihre österreichische Identität ablegen und eine französische annehmen: Aus der Erzherzogin Maria Antonia wird Marie Antoinette, Ehefrau des französischen Thronfolgers Ludwig. Sie passt sich der engen Hof-Etikette in Versailles an und frönt dem royalen Nichtstun. Zumal ihr Gatte die ehelichen Pflichten vernachlässigt – aus Desinteresse oder Schüchternheit? –, während die Mutter Maria Theresia auf eine Schwangerschaft drängt, um die Stellung bei Hof auszubauen und das staatliche Verhältnis zwischen Österreich und Frankreich zu verbessern...

Sofia Coppola zeichnet in ihrem aufwändigen Kostümfilm – gedreht an Originalschauplätzen – Marie Antoinette als moderne Frau zwischen Lifestyle und Celebrity-Kultur, die sich in der Rokokozeit gefangen sieht:. Die Königin ist schön, vergnügungssüchtig, stilbewusst, verletzlich, eine Pop-Queen, die ihren Glamour ganz für sich hat. Bis die Massen Versailles erstürmen.

Sa. 19.01.2019, 19:30 Uhr

Betrogen

Betrogen

(The Beguiled)
USA 1971. R: Don Siegel. D: Clint Eastwood, Geraldine Page, Elizabeth Hartman, Jo Ann Harris, Mae Mercer. 105 Min. DF. FSK 16

Clint Eastwood war der ikonische Antiheld der Italowestern der 1960er; ab 1968 etablierte er sich unter der Regie von Don Siegel als Actionheld in Polizeifilmen. Doch noch bevor DIRTY HARRY im Dezember 1971 in die Kinos kam, war Eastwood als versehrter Bürgerkriegssoldat zu sehen, als Nordstaatler hilflos der Pflege von Schülerinnen und Lehrerinnen in den Südstaaten ausgeliefert. Hilflos? Immerhin haben wir es mit dem virilen Eastwood zu tun: Im Gegensatz zu DIE VERFÜHRTEN, Sofia Coppolas Remake des Stoffes, rückt Siegel in diesem buchstäblichen Geschlechterkrieg Eastwoods selbstgewisse Männlichkeit in den Focus seiner suggestiven Inszenierung.

Mit den beiden Verfilmungen des gleichen Romans 1971 und 2017 befassen sich die beiden Vorträge am Sonntag, die die verschiedenen Perspektiven von Don Siegel und Sofia Coppola vergleichen und diskutieren.

Sa. 19.01.2018, 21:45 Uhr

Die Verführten

Die Verführten

(The Beguiled)
USA 2017. R: Sofia Coppola. D: Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Elle Fanning, Oona Laurence, Angourie Rice, Emma Howard. 93 Min. DF. FSK: 12

Eine Mädchenschule in Virginia. Teil der Südstaaten, die im Bürgerkrieg gegen die Yankees kämpfen. Die Front ist nahe. Und plötzlich ist da dieser verletzte Soldat. Ein Feind, einer aus dem Norden. Die Schulleiterin entscheidet, ihn in Pflege zu nehmen – ein Mann, ein Gegner in einem Haus voller Frauen. Die Lehrerinnen und Schülerinnen buhlen alsbald um seine Aufmerksamkeit – halten ihn aber zugleich gefangen.

In ihrer ästhetisch feinfühligen Verfilmung des Romanes A Painted Devil – den Don Siegel schon 1971 mit Clint Eastwood in der Rolle des verwundeten Objektes von Begierde, Hass, Rache und Verführung verfilmt hat – betont Sofia Coppola die aktive Rolle der Frauen: In tiefe Gefühlsverwirrungen gestürzt durch die Störung des Gleichgewichtes, durch Begehren, Pflicht, Nächstenliebe und Selbsterhaltung, wird aus dem erotischen Chaos eine Geschichte von Macht und Ermächtigung.

So. 20.01.2019, 09:00 Uhr