Im Rahmen des Filmseminars zeigen wir die folgenden Filme:

Die Außenseiterbande

Vorblick - Film 1

Die Außenseiterbande

(Bande à part)

FRA 1964 R: Jean-Luc Godard. D: Anna Karina, Sami Frey, Claude Brasseur. 96 Min. DF. FSK: 12

Franz, Arthur und Odile wollen Geld stehlen: Odile, die als Au-Pair-Mädchen arbeitet, weiß, wo das Bargeld ihres Hausherrn versteckt ist. Arthur macht sich an Odile ran, zu Dritt genießen sie Paris, brausen im Cabrio umher und rennen in Recordzeit durch den Louvre – um dann, wenn es ernst wird, an einer verschlossenen Tür zu scheitern. Und an einem ziemlich guten Versteck für das Geld.

In dieser Pop-Ballade über das Abenteuer der Jugend und des jungen Lebens widmet sich Godard parodistisch der amerikanischen Pulp-Kultur und dem B-Film: Auf Grundlage eines Trivialromans übersetzt er die simple Geschichte in ironisches Kino, mit einer Fülle visueller, akustischer und erzählerischer Gags. „Eine sehr einfallsreiche Komödie, zugleich wohl Godards heiterstes und am leichtesten zugängliches Werk.“ (Lexikon des internationalen Films)

So. 19.01.2020, 19:30 Uhr

Außer Atem

Film 2

Außer Atem

(À bout de souffle)
FRA 1960. R: Jean-Luc Godard. D: Jean Seberg, Jean-Paul Belmondo, Daniel Boulanger, Jean-Pierre Melville.
90 Min. DF. FSK: 16

Jean-Paul Belmondo spielt den Kleinkriminellen Michel, der mit einem gestohlenen Auto in eine Verkehrskontrolle gerät, seine Pistole zieht und einen Polizisten erschießt. In Paris findet er bei der Zeitungsverkäuferin Patricia Unterschlupf, eine von Jean Seberg gespielte Amerikanerin in Paris. Belmondos Michel und Sebergs Patricia verlieben sich, versuchen, cool zu bleiben, doch die Polizei ist ihm dicht auf den Fersen…

Mit seiner Hommage an den Film Noir – ursprünglich nach einem Drehbuchentwurf von François Truffaut – drehte Jean-Luc Godard einen der ersten Filme der Nouvelle Vague. Godard bricht dabei mit allen erdenklichen Regeln des Filmemachens: Achsensprünge und Jump Cuts sind hier keine Fehler, sondern Grundlage der filmischen Ästhetik, mit der Godard seine ironischen Verweise auf das Genre des Kriminalfilms in die filmische Moderne überführt: „Ein Film, in dem Godard die narrativen Instrumente des amerikanischen Gangsterfilms der 30er, 40er und 50er Jahre testet und zugleich über sie reflektiert. Er prüft den Kanon des realistischen Erzählens im Kino und kommt zu einem ambivalenten Ergebnis.“ (Klaus Kreimeier)

Fr. 24.01.2020, 19:30 Uhr

Alphavillw

Film 3

Lemmy Caution gegen Alpha 60

(Alphaville, une étrange aventure de Lemmy Caution)
FRA 1965 R: Jean-Luc Godard. D: Eddie Constantine, Anna Karina, Michel Delahaye, Howard Vernon. 95 Min. DF. FSK: 16

Zukunftsvision in den 1960ern: Geheimagent Lemmy Caution kommt 1990 als Reporter getarnt in die totalitäre Metropole Alphaville, um einen vermissten Agenten aufzuspüren. Die Stadt steht unter der Kontrolle von Professor von Braun. Dieser hat den Computer Alpha 60 entwickelt, der Ideen wie Gefühle oder Bewusstsein konsequent – und tödlich – der Logik unterordnet. Caution verliebt sich in von Brauns Tochter. Ihre Gespräche über Poesie und Liebe verwirren Alpha 60...

Eddie Constantine war als Lemmy Caution Star einer Reihe von Spionagefilmen der 1960er – Godard macht sich diese Groschenroman-Figur zunutze, um Thriller- und Science-Fiction-Stereotype zu unterlaufen und mit der Zeitkritik der Nouvelle Vague zu verbinden. Auf intelligente Weise mischt Godard Science-Fiction- und „Film-noir“-Motive, ohne Spezialeffekte zu nutzen: Er filmte in den modernen Vierteln von Paris mit ihren Glas- und Betonfassaden und ihren Neonreklamen, verfremdet mit Licht und Schatten – bereits die Gegenwart ist voller Schrecken, da die Maschine den Menschen immer mehr zurückdrängt. Für diese formal wie gedanklich eindrucksvolle filmische Reflexion, die eine mögliche Befreiung durch die Liebe und die Poesie zeigt, gewann Godard den goldenen Berlinale-Bären.

Fr. 24.01.2020, 21:30 Uhr

Bildbuch

Film 4

Bildbuch

(Le livre d'image)
CHE/FRA 2018. R: Jean-Luc Godard.
Essayfilm. 85 Min. Von Godard eingesprochene deutsche Fassung. FSK: 12

Poetisch, melancholisch, universell gültig und gleichzeitig sehr persönlich: Auf experimentelle Weise wühlt sich Godard durch Bildwelten, um auf die Urgründe von Kino, Politik, Geschichte, Freiheit zu kommen. Zusammengehalten von philosophischem Gedankenfluss montiert er reale und fiktive Bilder, gefundene Schnipsel und eigenes Material, Fake News und Syrienkrieg, Atomexplosionen und den Weißen Hai, Ironie und Agitation. Jean-Luc Godard setzt mit seinem neuesten Film sein sich alle Freiheiten nehmendes Spätwerk fort. Ein rauschhafter Gedankenfluss, eine assoziative Collage in fünf Kapiteln. Die Sehnsucht nach Freiheit. Die Abgründe der Menschheit. Die Schönheit des Kinos. Zeit und Geschichte, gedehnt und verdichtet.

"BILDBUCH ist eine fünfteilige orpheische Reise zu den Bildern des Kinos. Dabei kann man sich Godard als den mythischen Helden vorstellen, der in die Unterwelt hinabsteigt und die Kinobilder dem Vergessen entreißt.“ (Spiegel online)

Erstmals vergab das Festival von Cannes für diesen Film eine Spezial-Palme; und erstmals hat Godard persönlich für einen seiner Filme eine deutsche Tonfassung produziert und gesprochen.

Mit Einführung von Joachim Danckwardt

Sa. 25.01.2020, 14:00 Uhr

Vorname Carmen

Film 5

Vorname Carmen

(Prénom Carmen)
FRA 1983. R: Jean-Luc Godard. D: Maruschka Detmers, Jacques Bonnaffé, Myriem Roussel, Jean-Luc Godard. 81 Min. DF. FSK: 16

Jean-Luc Godard spielt Jean-Luc Godard: Einen einstmals großen Regisseur, der nun in der Psychiatrie sitzt und von einem großen Beethoven-Film träumt. Seine Nichte Carmen luchst ihm den Schlüssel für sein Haus am Meer ab, angeblich für ein Filmprojekt, tatsächlich für einen Überfall. Der geht schief, Carmen verliebt sich ein einen Polizisten und hat einen neuen Coup vor: Entführung getarnt als Filmdreh im Luxushotel. Onkel Jeanot, der Carmen begehrt, soll (scheinbar) Regie führen…

Entlang von Beethoven-Streichquartetten und lose angelegt an den „Carmen“-Stoff konstruiert Godard eine wilde Story um terroristische Verbrechen, amour fou, erotische Fantasien, vorgetäuschte Dreharbeiten; und fügt ein selbstironisches Statement zur Stellung des Künstlers als alter Mann hinzu. Ab 1968 hatte sich Godard dem Anti-Film verschrieben, in den 1970ern mit dem neuen Video-Medium experimentiert, Anfang der 1980er kehrte er – erfolgreich – zum Kino zurück: „Widerstands-Werke eines Monomanen, der zertrümmern muss, um hervorzubringen, eines Puritaners, der dem am tiefsten misstraut, was ihn am stärksten fasziniert, den Bildern und Wörtern.“ (Urs Jenny im Spiegel, 1984). VORNAME CARMEN erhielt den Goldenen Löwen von Venedig.

Sa. 25.01.2020, 20:00 Uhr

Deteltive

Detective

(Détective)
FRA 1985. R: Jean-Luc Godard. D: Laurent Terzieff, Aurelle Doazan, Jean-Pierre Léaud, Nathalie Baye, Claude Brasseur, Johnny Hallyday, Alain Cuni, Emmanuelle Seigner, Julie Delpy. 94 Min. DF. FSK: 16

Wer hat den Fürsten getötet? Um das herauszufinden, beobachten Inspektor Neveau, seine Freundin Arielle und der ehemalige Hoteldetektiv Prospero die Gäste eines Pariser Grand Hotels. In dem Zimmer, in dem sie sich eingenistet haben, war Jahre zuvor der Mord geschehen; jetzt tummeln sich unter anderem ein Flugkapitän und seine entfremdete Ehefrau, ein Boxpromoter und dessen Schützling, ein Mafiaboss, eine Prinzessin der Bahamas im und um das Hotel. Und Godard hat Stoff für ein am Kriminalfilm angelegtes Panoptikum diverser Typen und Figuren. Für die griff er zurück auf Veteranen der Nouvelle Vague wie Jean-Pierre Léaud oder Claude Brasseur wie auch auf die Popkultur-Ikone Johnny Hallyday; und sogar Erich von Stroheim spielt aus dem Archiv heraus mit. Ergänzt durch Newcomer wie Emmanuelle Seigner oder Julie Delpy (de)konstruiert Godard so ein reverenzenreiches Werk, das auf die Filmgeschichte ebenso verweist wie auf Godards eigene Filmographie. Der typisch godardeske Genremix aus Mafiaballade, Krimi und Romanze führt in seiner kulturgeschichtlichen Polyphonie das kommerzielle Filmschaffen ironisch vor.

Sa. 25.01.2020, 21:45 Uhr

Die Verachtung

Film 7

Die Verachtung

(Le mépris)
ITA/FRA 1963. R: Jean-Luc Godard. D: Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Fritz Lang, Jack Palance, Giorgia Moll. 102 Min. DF. FSK: 16

Als der Krimiautor Paul Javal das lukrative Angebot bekommt, das stockende Projekt einer „Odyssee“-Verfilmung durch Fritz Lang zu überarbeiten, nimmt er die Möglichkeit eines Karriereschubs dankend an. Allerdings bahnen sich Spannungen an, sowohl gegenüber dem Filmproduzenten wie auch gegenüber seiner bildschönen Ehefrau Camille.

Der opulente, starbesetzte Film ist eine raffinierte, vielschichtige Satire auf das Filmgeschäft, mit dem legendären Regisseur Fritz Lang in der Rolle des legendären Regisseurs Fritz Lang, der von seinen Geldgebern zu künstlerischen Kompromissen gezwungen wird. Und er ist ein fast essayistisches Drama um den nahezu unversöhnlichen Konflikt zwischen ästhetischem Anspruch und künstlerischer Wahrhaftigkeit einerseits und den ökonomischen Zwängen und Abhängigkeiten andererseits, im Film wie in der Liebe zwischen Paul und Camille.

„Ein auf der Handlungsebene schlichter, beinahe belangloser Film, der seinen inszenatorischen Reichtum aber in einer Vielzahl von Zitaten und Anspielungen, Dopplungen und Brechungen offenbart und damit zu einem faszinierenden Dokument unermüdlicher (Selbst-)Reflexion wird.“ (Lexikon des internationalen Films)

So. 26.01.2020, 09:00 Uhr