Im Rahmen des Filmseminars zeigen wir die folgenden Filme:

Chocolat – Verbotene Sehnsucht

Film 1

Chocolat – Verbotene Sehnsucht

(Chocolat)
FRA/DEU/CMR 1988. R: Claire Denis. D: Isaach de Bankolé, Giulia Boschi, François Cluzet, Mireille Perrier. 109 Min. MehrsprOmenglU. FSK: 12

Nach Jahren kehrt die Französin France nach Kamerun zurück, wo sie ihre Kindheit verbracht hatte. Dort hatte sie als Tochter eines Kolonialbeamten in den 1950ern unbeschwerte Jahre verlebt, ohne zu bemerken, wie sehr ihre Umfeld von rassistischen Spannungen geprägt war, und sich mit dem schwarzen „Boy“ Protée angefreundet. Diese Zuneigung haben sich die beiden nie eingestanden – doch ihr damaliges Denken und Fühlen, Handeln und Unterlassen hat ihr Leben bis heute geprägt.

Claire Denis war selbst in den afrikanischen Kolonien Kamerun, Burkina Faso und Dschibuti aufgewachsen und schöpfte für ihren Debütfilm aus biografischen Erfahrungen – ohne dass die Filmhandlung ihr eigenes Leben erzählen würde: Der Film speist sich aus ihren emotionalen Erinnerungen und wird dadurch authentisch in seiner Beschreibung von Kolonialismus und Rassismus. Der – laut Filmdienst – „in klaren Bildern und ruhigen Einstellungen einfühlsam erzählte Film“ ist eine melancholisch-sinnliche Untersuchung der französisch-afrikanischen Erfahrungen und der beschränkten Wahrnehmung der heranwachsenden Protagonistin.

Fr. 06.05.2022, 19:30 Uhr

(Un beau soleil intérieur

Film 2

Meine schöne innere Sonne

(Un beau soleil intérieur)
FRA/BEL 2017. R: Claire Denis. D: Juliette Binoche, Xavier Beauvois, Philippe Katerine, Josiane Balasko, Bruno Polydès, Gérard Depardieu. 95 Min. FrzOmdtU. FSK: 12

Die Künstlerin Isabelle lebt in Paris, ist von Freunden und Bekannten umgeben, erntet für ihr Schaffen Anerkennung und Erfolg. Doch sie ist allein, denn in Liebesdingen hat sie Ansprüche, die kein Kandidat erfüllen kann. Die Affären, die sie eingeht, lassen sie unbefriedigt zurück – ein Bankier will für sie seine Familie nicht verlassen, ein Schauspieler ergeht sich nach einer gemeinsamen Nacht in Selbstvorwürfen, ihr Ex-Mann passt nicht mehr zu ihrem Leben. Und weitere Beziehungen ersticken in Isabelles Selbstzweifeln.

Claire Denis inszeniert eine romantische Komödie – auf ihre Art: Ein Film der inneren Gefühle, die sich im Handeln ihrer Protagonistin ausdrücken, eine Dramaturgie des Rhythmus, die den Reigen an Liebhabern choreografiert. Juliette Binoche lässt in der Darstellung der Isabelle Verletzlichkeit ebenso wie Eigenständigkeit spüren: „Es gibt keinen Film der letzten Jahre, in dem sie schöner, verspielter, nachdenklicher, selbstironischer, wütender, verzweifelter, lustiger und trauriger, kurz: faszinierender gewesen ist als hier.“ (FAZ)

Fr. 06.05.2022, 21:30 Uhr

Trouble Every Day

Film 3

Trouble Every Day

FRA/DEU/JAP 2001. R: Claire Denis. D: Vincent Gallo, Tricia Vessey, Béatrice Dalle, Alex Descas, Florence Loiret, Nicolas Duvauchelle. 101 Min. FrzOmdtU. FSK: 16

Dr. Shane Brown und seine Frau June reisen aus Amerika nach Paris: Es sind ihre Flitterwochen, aber eigentlich will Dr. Brown einen Kollegen, den Neurowissenschaftler Dr. Léo Sémeneau, und dessen Frau Coré aufsuchen – für sie hat er einmal geschwärmt. Dr. Sémeneau hat seine große Karriere aufgegeben, um nun möglichst unauffällig zu praktizieren – er hat sich in einem Haus am Stadtrand verbarrikadiert, wo er Coré täglich einsperrt. Doch gelegentlich gelingt ihr ein Ausbruch, dann sucht sie Männer für Sex – um sie anschließend zu töten.

Claire Denis erzählt von Obsessionen und Trieben, denen ihre Protagonisten ausgeliefert sind: Blutdurst und Sexuallust treffen auf unerbittliche, unerschütterliche Liebe in diesem Vampirfilm der ganz eigenen Art: Horror in reduziert-betörender Bildsprache, erotisch-sinnliches Psychodrama zur Musik der Tindersticks. Denis erzählt von Liebes- und Todestrieb, von Verführung und Zerstörung – ihr Film hat im Lauf der Jahre als Genreklassiker Kultstatus erreicht und nun, über 20 Jahre nach seiner Cannes-Premiere, erstmals einen deutschen Kinostart erhalten.

Sa. 07.05.2022, 14:00 Uhr

35 rhums

Film 4

35 Rum

(35 rhums)
FRA/DEU 2008. R: Claire Denis. D: Alex Descas, Mati Diop, Nicole Dogué, Grégoire Colin, Ingrid Caven. 101 Min. FrzOmdtU. FSK: 16

Witwer Lionel, Lokführer, lebt mit seiner erwachsenen Tochter Joséphine in fürsorglicher Gemeinschaft in einem Pariser Vorort. Lionel weiß, dass er sich spätestens mit dem Ende von Joséphines Studium von ihr lösen muss, sie wiederum will sich ein anderes Leben, das sie vom Vater wegführt, nicht vorstellen. Die beiden bilden das Zentrum des Films, der sich langsam eine Gruppe von Figuren erschließt: Die Nachbarin Gabrielle, die in Lionel verliebt ist, der junge Noé, der in der seit Jahrzehnten unveränderten Wohnung seiner verstorbenen Eltern haust, oder René, Lionels Arbeitskollege, der mit dem Trinkspiel „35 Rum“ in den Ruhestand verabschiedet wird. Gemeinsam bildet dieses Ensemble von Individuen ein soziales Netzwerk, das sich gerade durch Veränderung als stabil erweist.

Claire Denis blickt auf die Nebensächlichkeiten des Alltags, die die Hauptsachen des Lebens ausmachen, sie erzählt vom Loslassen und von einem Milieu von Parisern, deren Vorfahren aus ehemaligen Kolonien stammen. Ihre Kunst des beiläufigen, subtilen Erzählens erschafft eine emotionale Atmosphäre zwischen Wehmut und Lebensbejahung: „Denis’ filmischer Stil verzichtet auf das Epische zugunsten des Poetischen.“ (critic.de)

Sa. 07.05.2022, 20:00 Uhr

Film 5

Der Fremdenlegionär

(Beau travail)
FRA 1999. R: Claire Denis. D: Denis Lavant, Grégoire Colin, Michel Subor, Nicolas Dubauchelle. 90 Min. FrzOmenglU. FSK: k. A.

Ein Trupp von Fremdenlegionären ist in der Nähe von Dschibuti stationiert; die Eintönigkeit zerrt an den Nerven der Männer, doch sie sind ihrem Offizier Galoup treu ergeben. Nur der junge Soldat Sentain stört Galoups Ordnung – der Offizier sieht in ihm immer mehr einen Rivalen, den es zu beseitigen gilt. Er unterstellt Sentain einen Disziplinarverstoß und setzt ihn in der Wüste aus, ausgestattet mit einem kaputten Kompass…

Macht und Männlichkeit unter heißer Sonne: Claire Denis porträtiert einen Protagonisten, der ins Extrem verfällt, der sich in eine Besessenheit hineinsteigert. Er herrscht über die Körper seiner Männer, die immer wieder bei ritualisierten Trainingseinheiten gezeigt werden: Denis inszenierte das soldatische Exerzieren angelehnt an den modernen Tanz. Für ihren Film ließ sie sich von Herman Melvilles Erzählung „Billy Budd“ inspirieren wie auch von Jean-Luc Godards DER KLEINE SOLDAT. Für die schweizerische Zeitung Le Temps „einer der besten Filme des Jahres“, für die Zeitung Libération „der körperlichste, bildstärkste Film von Claire Denis“.

Sa. 07.05.2022, 22:00 Uhr

High Life

Film 6

High Life

FRA/DEU/USA/GBR/POL 2018. R: Claire Denis. D: Robert Pattinson, Juliette Binoche, André Benjamin, Mia Goth, Lars Eidinger. 113 Min. FrzOmdtU. FSK: 16

Weit im Weltall, jenseits unseres Sonnensystems, leben Monte und seine Tochter Willow an Bord eines Raumschiffs. Sie sind die einzigen Überlebenden einer Crew aus verurteilten Schwerverbrechern, die sich mit der Mission ohne Rückkehr von ihren Strafen freikaufen konnten – und an Bord mit Experimenten der wahnsinnigen Reproduktionswissenschaftlerin Dibs gequält wurden. Völlig losgelöst nähern sich Vater und Tochter dem ultimativen Ziel – einem Schwarzen Loch.

In ihrem ersten englischsprachigen Projekt verlegte sich Claire Denis auf das Science Fiction-Genre, in dem durch die Reise bei nahezu Lichtgeschwindigkeit nicht nur der Raum, auch die Zeit ungewohnt und unerklärlich wird. Denis erzählt in verschachtelten Rückblenden von Hoffnung und Wahnsinn und vom unbedingten Willen, fortzubestehen – ein komplex gestaltetes Kammerspiel, in dem Claire Denis Themen erforscht, die sie seit 30 Jahren begleiten, wie der Hollywood Reporter meint: „Verlangen und dessen fatalen Folgen, die Schönheit des Körpers und der Schaden, den wir ihm manchmal zufügen, das Leben von Ausgestoßenen, die am Rande unserer Welt leben, die warme und schwache Beziehung, die Eltern mit ihren Kindern haben können, Leidenschaft, Gewalt, Sex, Tod.“

So. 08.05.2022, 9:00 Uhr