Film ist Kunst. Und kann als Kunst von Kunst erzählen, kann Kunst dokumentieren, kann Kunst (be)greifbar machen. Der Film und die Bildende Kunst befruchten sich schon immer gegenseitig, und schon immer können beide Kunstgattungen voneinander profitieren. Das Kino nimmt Bezug auf die Bildwelten der Kunstgeschichte; und in der zeitgenössischen Kunst ist das Einbeziehen von Fotographie und Film längst selbstverständlich geworden.

Bereits seit 2008 kooperieren die Kunsthalle Mannheim und das Cinema Quadrat mit der Veranstaltungsreihe „Film & Kunst“. Beide Kultureinrichtungen haben wieder gemeinsam Filme ausgewählt, die sich mit der Kunst, mit dem Leben und Werk von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten beschäftigen. Im Fokus steht der Dialog zwischen Kunst und Film. Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim arbeiten die Berührungspunkte zwischen dem künstlerischen Werk der Protagonisten und der filmischen Bearbeitung des Themas heraus.

In Kurzvorträgen vor den Filmvorführungen werden die Verbindungen beider Gattungen deutlich. Die Filme werden immer im Cinema Quadrat und immer in optimaler digitaler Form präsentiert.

Christo – Walking on Water

Christo: Walking on Water

(Walking on Water)
USA/ITA 2018. R: Andrey Paunov. Dokumentarfilm. 105 Min. EnglOmdtU. FSK: 0

Über das Wasser gehen – diese Idee hatten Christo (*1935) und seine Frau Jean-Claude (1935-2009) schon im Jahr 1969, doch realisieren ließ sich das Projekt erst im Juni 2016, als die schwimmenden Stege (genannt „Floating Piers“) aus leuchtend gelben Stoffbahnen im norditalienischen Lago d‘Iseo endlich für die Besucher frei gegeben wurden. Die phantasievolle Verwirklichung eines Künstler-Traums im südlichen Licht einer beeindruckenden Landschaft aus Bergmassiven und Wasser ließ Zehntausende zu Spaziergängern auf dem Wasser werden. Christo und Jean-Claude haben über Jahrzehnte hinweg gemeinsam immer wieder beeindruckende, riesige Landschafts-Installationen geschaffen – ausschließlich temporär, ausschließlich selbst finanziert durch den Verkauf von Skizzen und Fotografien. Die besondere Ansatz der künstlerischen Arbeit von Christo und Jean-Claude lässt sich durchaus als (so der Kunsthistoriker Werner Spies) „ökologische Ästhetik“ verstehen, die dem Flüchtigen und Vergänglichen ihren Tribut zolle, indem sie in eine bereits vollgestopfte Welt nicht noch weitere Kunstwerke einbringen will.

 Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

Ort: Cinema Quadrat, Collini-Center

Do 19.09.2019, 19.30 Uhr

Robert Doisneau – Das Auge von Paris

Robert Doisneau – Das Auge von Paris

(Robert Doisneau, le révolté du merveilleux)
FRA 2017. R: Clémentine Deroudille. Dokumentarfilm. 77 Min. DF. FSK: 0

Eine Mischung aus nüchternen Fakten und sehr persönlichen Anekdoten bestimmen den Film über den französischen Fotografen Robert Doisneau (1912-1994), den seine Enkeltochter über ihren berühmten Großvater gedreht hat.

Doisneau, der seit den 1930er Jahren als Fotojournalist arbeitete, dokumentierte u.a. die Besetzung und Befreiung von Paris. Von 1949 bis 1952 arbeitete er für die Zeitschrift Vogue, später fotografierte er für die Magazine Life und Paris Match und porträtierte die Künstlerpersönlichkeiten seiner Zeit, z. B. Pablo Picasso und Fernand Léger. Seine unaufgeregte, dennoch pointierte Bildsprache zeigt immer wieder den Alltag der Menschen in Paris, in den Cafés, auf dem Markt, auf der Straße. Berühmt wurde der beobachtende Flaneur Doisneau 1950 mit einer Foto-Reportage über Liebespaare in Paris im Auftrag von Life. Weil es damals aber nicht üblich war, sich auf offener Straße zu küssen, engagierte der Fotograf zwei Schauspielstudenten und ließ sie das bekannteste Foto der Serie, eine leidenschaftliche Kuss-Szene, sehr überzeugend posieren. Das dabei entstandene charismatische Foto war noch 2005 einem Sammler 155.000 Euro wert.

Einführung: Prof. Dr. Claude W. Sui, Leiter Forum Internationale Photographie, Reiss-Engelhorn-Museen

Ort: Cinema Quadrat, Collini-Center

Do 10.10.2019, 19.30 Uhr

Richard Deacon – In Between

Richard Deacon – In Between

DEU 2013. R: Claudia Schmid. Dokumentarfilm. 87 Min. EnglOmdtU. FSK: 0

Der in 1949 in Wales geborene Bildhauer Richard Deacon überrascht seit Jahrzehnten die Kunstwelt mit ungegenständlichen skulpturalen Raumzeichen z. B. aus Holz, Stein oder Metall. Oftmals filigrane Strukturen in höchster Präzision bilden weit ausgreifende, elegante Bewegungen aus geometrischen und organischen Formen ab, die durch ihre pure Schönheit und zugleich rätselhafte Gestalt erstaunen. Deacon interessiert sich nicht für die Darstellung vorhandener Sachverhalte, sondern experimentiert mit den grundsätzlichen Fragenstellungen bildhauerischer Arbeit: Wie lässt sich das Tragen, das Lasten, die Drehung, die Bewegung, das Verhältnis von Volumen und Leere, von Linie und Fläche sowie das Miteinander von Gesamt- und Binnenformen in verschiedenen Materialien fassen, formen, sinnlich begreifbar machen? Die Filmemacherin Claudia Schmid hat den medienscheuen und dennoch international bekannten Künstler zwei Jahre lang bei seiner kreativen Arbeit begleitet und daraus eine sehenswerte Dokumentation über einen der eigenwilligsten zeitgenössischen Bildhauer gemacht.

Einführung: Dr. Sebastian Baden, Kunsthalle Mannheim

Ort: Cinema Quadrat, Collini-Center

Do. 07.11.2019, 19.30 Uhr

Moritz Daniel Oppenheim

Moritz Daniel Oppenheim

DEU 2018. R: Isabel Gathof. Dokumentarfilm. 101 Min. FSK: 0

Wer war der Maler Moritz Daniel Oppenheim? Er traf (und porträtierte!) Goethe, bereiste die Kunst-Metropolen Europas und wurde von Kritikern als „Maler der Rothschilds und Rothschild der Maler“ gerühmt. Und doch ist diese herausragende Künstlerpersönlichkeit (1800-1882) heute kaum mehr bekannt, gilt ein Drittel seiner Bilder als verschollen. Isabel Gathof begibt sich auf Spurensuche und fragt nach – bei einer promovierten Oppenheim-Expertin, beim Leiter des Jüdischen Museums in Frankfurt, bei einem israelischen Rabbi und bei Nachfahren des Malers. Der Film präsentiert viele der erhaltenen Bilder Oppenheims – Porträts, Historiengemälde, Genreszenen – und stellt sie in den kulturellen und gesellschaftspolitischen Kontext des 19. Jahrhunderts, als es für einen Juden nicht selbstverständlich war, eine Malerkarriere mit akademischer Ausbildung anzustreben, ohne zum Christentum zu konvertieren. „Auch Juden wie Oppenheim haben Deutschland zu dem gemacht, was es heute ist“, sagt Gathof. „Mir war wichtig, ihn als eine Art Helden zu zeigen, denn zu oft wird die Geschichte des Judentums hierzulande auf die NS-Zeit reduziert.“

Einführung: Dr. Esther Graf, Protagonistin und Kunsthistorikerin. In Anwesenheit der Regisseurin

Ort: Cinema Quadrat, K1, 2

Do, 05.12.2019, 19.30 Uhr

Renzo Piano – Architekt des Lichts

Renzo Piano – Architekt des Lichts

(Renzo Piano, an Architect for Santander)
ESP 2018. R: Carlos Saura. Dokumentarfilm. 65 Min. Spanisch-italienischesOmdtU. FSK: 0

Der Dokumentarfilm des Regisseurs Carlos Saura über den italienischen Star-Architekten Renzo Piano (*1937) versucht, den langwierigen Entstehungsprozess von Architektur einzufangen, von der ersten Idee bis hin zur konkreten Bau-Ausführung. Was zeichnet die Architektur von Renzo Piano aus, worin liegt die Besonderheit seiner Modelle und fertigen Gebäude, die in aller Welt für Begeisterung und Faszination sorgen? Vor allem die Museumsbauten – z. B. die Fondation Beyeler in Basel-Riehen, das Zentrum Paul Klee in Bern oder das Whitney Museum of American Art in New York – sind Meilensteine eines besonderen Lebenswerks. Der Film entstand im Rahmen der Errichtung des Museums und Kulturzentrums „Centro Botín“ im nordspanischen Santander, das Renzo Piano entwarf und das 2017 fertiggestellt wurde. Und ganz ähnlich wie 1997 in Bilbao der spektakuläre Museumsbau des Architekten Frank Gehry die Stadt veränderte, hoffen auch die Bewohner von Santander auf einen Entwicklungsschub durch das neue Kulturzentrum für die Stadt und die Region. Einführung: Dr. Mathias Listl, Kunsthalle Mannheim

Einführung: Dr. Mathias Listl, Kunsthalle Mannheim

Ort: Cinema Quadrat, K1, 2

Do 16.01.2020, 19.30 Uhr

Francofonia

Francofonia

FRA/DEU/NLD 2016. R: Aleksandr Sokurov. Essay-Film. 88 Min. DF. FSK: 12

Bereits 1907 entstand in Den Haag ein Abkommen zum Schutz von Kunstgütern im Falle eines Krieges. Natürlich wurde gegen das Abkommen immer wieder verstoßen – auch während des Zweiten Weltkriegs. Der Film vergegenwärtigt eine komplexe historische Situation: Im wehrmachtsbesetzten Paris wird der Direktor des Louvre, Jacques Jaujard, mit dem Nazi-Beauftragten des „Kunstschutzes“ konfrontiert, dem Kunsthistoriker Graf von Wolff-Metternich. Der höflich auftretende Besatzer erweist sich für den deprimierten Franzosen aber als Glücksfall, denn der Graf verzichtet befehlswidrig darauf, die vom vorausschauenden Direktor bereits in verschiedene Loire-Schlösser ausgelagerten Museumsstücke nach Paris zurückzubeordern, weil er weiß, dass die kostbaren Kunstwerke nicht etwa vor Kriegseinwirkungen geschützt werden sollen, sondern in die Privatsammlungen führender Nazis gelangen würden.

Aleksandr Sokurov (*1951), der u.a. einen preisgekrönten Film über die Eremitage in Sankt Petersburg gedreht hat, beschäftigt sich immer wieder mit dem Verhältnis von politischer Macht und Kultur.

Einführung: Antonella Meloni, Kunsthalle Mannheim

Ort: Cinema Quadrat, K1, 2

Do 13.02.2020, 19.30 Uhr