Film ist Kunst. Und kann als Kunst von Kunst erzählen, kann Kunst dokumentieren, kann Kunst (be)greifbar machen. Der Film und die Bildende Kunst befruchten sich schon immer gegenseitig, und schon immer können beide Kunstgattungen voneinander profitieren. Das Kino nimmt Bezug auf die Bildwelten der Kunstgeschichte; und in der zeitgenössischen Kunst ist das Einbeziehen von Fotographie und Film längst selbstverständlich geworden. Bereits seit 2008 kooperieren die Kunsthalle Mannheim und das Cinema Quadrat mit der Veranstaltungsreihe „Film & Kunst“. Beide Kultureinrichtungen haben wieder gemeinsam fünf Filme ausgewählt, die sich mit der Kunst, mit dem Leben und Werk von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten beschäftigen.

Im Fokus steht der Dialog zwischen Kunst und Film. Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim arbeiten die Berührungspunkte zwischen dem künstlerischen Werk der Protagonisten und der filmischen Bearbeitung des Themas heraus. In Kurzvorträgen vor den Filmvorführungen werden die Verbindungen beider Gattungen deutlich. Die Filme werden im Cinema Quadrat in optimaler digitaler Form präsentiert. Zwei Termine der aktuellen Staffel finden in der Kunsthalle Mannheim im Veranstaltungssaal im Erdgeschoss des Neubaus statt.

Preise: 8 Euro regulär,  6 Euro ermäßigt (Schüler, Studenten, Rentner),  5 Euro Mitglieder Cinema Quadrat /Förderkreis Kunsthalle

Loving Vincent

Loving Vincent

POL/GBR 2017. R: Dorota Kobiela, Hugh Welchman. Animationsfilm. 95 Min. DF. FSK: 6

„Loving Vincent“ war DER Kunstfilm des Jahres 2017! Sein Thema: Der Maler Vincent van Gogh und die Umstände seines Todes. Der Film bietet eine eigenwillige Geschichte, die um einen letzten Brief des bereits verstorbenen Malers kreist, der nach seinem Tod doch noch zugestellt werden soll. Der Sohn des Postboten wird dabei zum Detektiv, der Gespräche mit Freunden, Bekannten und mit dem Arzt Dr. Gachet führt, der van Gogh in seinen letzten Lebensmonaten behandelt hat. Die biografischen Fakten gipfeln in der Frage, was den Maler veranlasst haben könnte, sich selbst die Schussverletzung zuzufügen, an der er gestorben ist. Was den Film aber abseits seiner Geschichte außergewöhnlich macht: Das ist seine Machart! Die Basis der Animation bilden 62.450 Ölgemälde im Stil und in den Farben des Malers van Gogh, die als Auftragsarbeiten von 115 Malerinnen und Maler geschaffen wurden und den besonderen optischen Effekt des Films ausmachen. Die Akteure des Films – Dr. Gachet, der Farbhändler Pêre Tanguy, der Briefträger Roulin und sein Sohn Armand – werden filmisch lebendig, so wie van Gogh sie selbst gemalt hat.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

Ort: Cinema Quadrat,

Do., 07.03.2019,  19.30 Uhr

Streetscapes [Dialogue]

Streetscapes [Dialogue]

DEU 2017. R: Heinz Emigholz. D: John Erdman, Jonathan Perel, Natja Brunckhorst. 132 Min. EnglOmdtU. FSK: 0

Es gibt Straßen, Pfade, Autobahnen, Gassen, Boulevards und Promenaden. Und es gibt Lebenswege, Kreuzungen und Sackgassen. Zwei Männer sitzen irgendwo draußen in Montevideo und reden über eine Kindheit zwischen den Ruinen in Deutschland kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, über eine besessene Beschäftigung mit Architektur und über die Arbeit mit der Filmkamera. Die Kamera, die die beiden porträtiert und zugleich zur umgebenden Architektur in Beziehung setzt, wird zum dritten Partner in diesem Dialog. Immer wieder löst sie sich vom Ort des Geschehens und erkundet die Straßen und Bauten im städtischen Umfeld, bevor sie zu den beiden Protagonisten zurückkehrt. Die kühnen Schalenbauten aus Ziegelmauerwerk des urugayanischen Baumeisters Eladio Dieste (1917-2000), in denen die Protagonisten sich aufhalten, ähneln gigantischen Hirnschalen und geben so dem Ort und dem Thema des Filmprojektes einen Rahmen, das sich im Laufe ihres Gespräches herausschält: Trauma und Architektur.

„Streetscapes [Dialogue]“ wird im Rahmen der Kunsthallen-Ausstellung „Heinz Emigholz“ gezeigt als zusätzliches Beispiel seiner außergewöhnlichen filmisch-experimentellen Arbeitsweise.

Einführung: Dr. Mathias Listl, Kunsthalle Mannheim

Ort: Kunsthalle Mannheim

Do, 11.04.2019, , 19.30 Uhr

Loving Vincent

Love, Cecil

USA 2017. R: Lisa Immordino Vreeland. Dokumentarfilm. 99 Min. DF. FSK: 0

Er war Fotograf, Kostümdesigner, Innenarchitekt – und er war ein Aufsteiger im klassenbewussten England, der sich erfolgreich als Dandy inszenierte. Cecil Beaton (1904-1980) gehört zu den schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er schaffte den Zugang zu den exklusiven Kreisen der jungen britischen Aristokratie nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mit Hilfe seiner einfallsreichen und zugleich eleganten Aufnahmen der „Bright Young Things“, wie sich die Schönen und Reichen selbst nannten. Seine stilvollen Porträts waren ständig nachgefragt und wurden entsprechend immer teurer. Cecil Beaton verstand seine Foto-Arbeiten als Königsweg zum künstlerischen und finanziellen Erfolg auch in der Modebranche und in der Filmwelt, für die er z.B. den Musical-Klassiker „My Fair Lady“ in Szene setzte.

Die Regisseurin bietet mit ihrer facettenreichen Dokumentation auch einen Blick auf Cecil Beatons Antisemitismus, der nach einer heiklen Illustration in einer Ausgabe der amerikanischen Vogue von 1938 zum öffentlichen Skandal führte. Der Film bietet eine Fülle von Fotografien, Tagebucheinträgen und Interviews mit Beaton, dazu Kommentare seiner Weggefährten, z.B. von David Hockney.

Einführung: Prof. Dr. Claude W. Sui, Leiter Forum Internationale Photographie, Reiss-Engelhorn-Museen

Ort: Cinema Quadrat

Do. 23.05.2019, 19.30 Uhr

Max Beckmann – Departure

Max Beckmann – Departure

DEU 2013. R: Michael Trabitzsch. Dokumentarfilm. 97 Min. FSK: 6

Der Film folgt dem Leben Beckmanns als Maler ganz chronologisch vom ersten bis zum letzten Gemälde und zeigt dabei die vielen, oft unfreiwilligen Stationen seines Lebens in Europa und in den USA. Angereichert mit Zitaten aus seinen Tagebüchern und durch Interviews mit Museumsleuten spürt der Film den rätselhaften Bildfindungen eines der ganz großen Meister des 20. Jahrhunderts nach – Max Beckmann selbst hielt nur Picasso für einen ebenbürtigen Künstler.

Im Mittelpunkt der Befragung seiner Werke stehen Beckmanns beeindruckende Triptychen. Mit ihnen findet er Anfang der 1930er Jahre seinen individuellen künstlerischen Weg, um Erzählung und Rätsel, Ausdruck und Gleichnis in eine seit dem Mittelalter bestehende Form aus drei Bild-Tafeln nebeneinander zu bringen. Vor allem das 1932 begonnene Triptychon „Departure“ mit seinen verstörenden Folterszenen wirft einen ahnungsvollen Blick voraus auf die schweren Bedrohungen durch den Nationalsozialismus, denen Beckmann wie so viele seiner deutschen Künstlerkollegen ausgesetzt war. Und dennoch: „Gestaltung ist Erlösung“, sagt Beckmann, „to create is to be saved“.

Einführung: Antonella B. Meloni, Kunsthalle Mannheim

Ort: Kunsthalle Mannheim

Do, 13.06.2019, 19.30 Uhr

Banksy – Exit Through the Gift Shop

Banksy – Exit Through the Gift Shop

GBR 2010. R: Banksy. D: Thierry Guetta, Banksy, Shepard Fairey, Space Invader. 86 Min. DF. FSK: 6

Anfang Oktober 2018 wechselt Banksys Werk "Girl With Balloon" im Londoner Auktionshaus Sotheby's für über eine Million Pfund den Besitzer. Doch kaum ist der Hammer gefallen, vernichtet sich das Bild zum Entsetzen des Auktionators und des bietenden Kunstpublikums selbst – festgehalten auf einem Video, das sofort auf allen Kanälen gesendet wird. Der geheimnisvolle, bis heute nicht persönlich bekannte Street-Art-Künstler Banksy kommentiert auf diese Weise medienwirksam und unterhaltsam zugleich die absurden Mechanismen eines unkontrollierbaren Kunstmarkts, auf dem seine Werke Höchstpreise erzielen.

Der Film über (und von) Banksy aus dem Jahr 2010, lange vor der Schredder-Aktion gedreht, spielt schon mit der hintersinnigen Geisteshaltung des legendären Guerilla-Künstlers: Die skurrile Film-Geschichte zeigt einen französischen Hobbyfilmer, der unbedingt einen Film über Banksy und seine Graffiti-Kunst drehen will, ohne zu ahnen, wer Banksy eigentlich ist. Sein Film ist jedoch so dilettantisch, dass Banksy schließlich selbst das Projekt übernimmt. Geschickt spielt Banksy mit grundlegenden Fragen nach der Realität im Dokumentarfilm und dem Unterschied von Kunst und Inszenierung – verwirrend, unterhaltsam und herrlich absurd.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

Ort: Cinema Quadrat

Do. 18.07.2019, 19.30 Uhr