Film ist Kunst. Und kann als Kunst von Kunst erzählen, kann Kunst dokumentieren, kann Kunst (be)greifbar machen. Der Film und die Bildende Kunst befruchten sich schon immer gegenseitig, und schon immer können beide Kunstgattungen voneinander profitieren. Das Kino nimmt Bezug auf die Bildwelten der Kunstgeschichte; und in der zeitgenössischen Kunst ist das Einbeziehen von Fotographie und Film längst selbstverständlich geworden. Bereits seit 2008 kooperieren die Kunsthalle Mannheim und das Cinema Quadrat mit der Veranstaltungsreihe „Film & Kunst“. Beide Kultureinrichtungen haben wieder gemeinsam Filme ausgewählt, die sich mit der Kunst, mit dem Leben und Werk von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten beschäftigen. Im Fokus steht der Dialog zwischen Kunst und Film. Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim arbeiten die Berührungspunkte zwischen dem künstlerischen Werk der Protagonisten und der filmischen Bearbeitung des Themas heraus. In Kurzvorträgen vor den Filmvorführungen werden die Verbindungen beider Gattungen deutlich.

Die Filme werden immer im Cinema Quadrat und immer in optimaler digitaler Form präsentiert.

Heinrich Vogeler – Aus dem Leben eines Träumers

Heinrich Vogeler – Aus dem Leben eines Träumers

DEU 2022. R: Marie Noëlle. Doku-Fiktion, mit Florian Lukas, Anna Maria Mühe, Naomi Achternbusch, Florian Lukas, Samuel Finzi. 90 Min. FSK: 12

Er war zu seiner Zeit der erfolgreichste Vertreter der Künstlerkolonie in Worpswede. Als Maler, Grafiker, Architekt und Designer stand Heinrich Vogeler (1872 – 1942) zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn ganz im Bann des Jugendstils. Angetrieben von der Idee, Kunst und gesellschaftliche Realität miteinander zu verbinden, startete Vogeler nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verschiedene soziale Projekte mit, z.B. installierte er im Barkenhoff in Worpswede eine Kommune und Arbeitsschule, um zu beweisen, dass ein sozial gerechteres Leben für alle Menschen möglich ist. In der Hoffnung, noch intensiver künstlerisch am Aufbau einer besseren Gesellschaft mitwirken zu können, übersiedelte er ab 1931 in die Sowjetunion nach Moskau, wodurch sich sein künstlerischer Ausdruck und seine Themen entsprechend veränderten. Als Deutscher wurde er nach Hitlers Einmarsch in die Sowjetunion in eine Kolchose nach Kasachstan zwangsdeportiert, wo er 1942 starb. Der Film beleuchtet in Spielszenen und dokumentarischen Interviews die radikale Sinnsuche des Künstlers an Originalschauplätzen.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

Do. 15.09.2022, 19:30 Uhr

Jenseits des Sichtbaren – Hilma af Klint

Jenseits des Sichtbaren – Hilma af Klint

DEU 2019. R: Halina Dyrschka. Dokumentarfilm. 93 Min. MehrsprOmdtU. FSK: 0

Hilma af Klint – so heißt eine schwedische Malerin, deren hochästhetische abstrakte Bilderwelt schon um 1900 entstand (und damit deutlich vor Kandinsky), jedoch viele Jahrzehnte von der Kunstwelt vergessen wurde. Dabei gehört Hilma af Klint (1862 – 1944) zu den ersten Frauen überhaupt, die eine Kunstakademie besuchen durfte und sich für eine professionelle Laufbahn als Malerin entschied. Von ihren Porträts und Landschaften konnte sie durchaus leben, doch war sie mit der konventionellen Darstellungsweise unzufrieden. Besonders wichtig wurde ihr der Ausdruck seelisch-geistiger Inhalte. Bestärkt durch die Auseinandersetzung mit den Werken von Edvard Munch wagte sie eine neue Art Malerei ausschließlich mit abstrakten, intensiv farbigen Formen. Auch die Ideen Rudolf Steiners, der den Geist über die Materie stellte, bestärkten sie in ihrem Ansatz einer gegenstandslosen Kunst. Da sie verfügte, dass ihr gesamtes Werk erst 20 Jahr nach ihrem Tod öffentlich gezeigt werden durfte, war ihr Name kunsthistorisch fast unbekannt. Inzwischen gilt sie als Pionierin der Moderne und frühe Mitbegründerin der Abstraktion im 20. Jahrhundert.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

(Achtung, der Film war ursprünglich im gedruckten Programm für den 10.01.2022 angekündigt, musste jedoch auf diesen früheren Termin verschoben werden)

Do. 13.10.2023, 19.30 Uhr

Hieronymus Bosch – Schöpfer der Teufel

Hieronymus Bosch – Schöpfer der Teufel

(Jheronimus Bosch, Touched by the Devil)
NLD 2015. R: Pieter van Huystee. Dokumentarfilm. 89 Min. MehrsprOmdtU. FSK: 6

Als zum 500. Todestag des Malers Hieronymus Bosch (ca. 1450 – 1516) eine große Ausstellung seiner figurenreichen, bizarren Hauptwerke im niederländischen s’Herzogenbosch vorbereitet wurde, mussten im Vorfeld die leihgebenden Museen, allen voran der Prado in Madrid, überzeugt werden. In s’Hertogenbosch selbst befindet sich nämlich kein einziges Werk des Ausnahmekünstlers, und die Verhandlungen zwischen den Museumsleuten waren durchaus mühsam. Der manchmal absurd-komische Prozess der höchst aufwändigen Ausstellungsvorbereitungen für die (besonders touristisch bedeutsame!) Bosch-Jahrhundertschau wird im Film unterhaltsam dargestellt; zugleich bietet die Dokumentation aber auch spannende Erkenntnisse über den Maler und seine (oft genug!) höllischen Szenen, die in großartigen Detail-Ansichten vor Augen geführt werden. So nah wie die Film-Kamera kommen Museumsgäste jedenfalls niemals an die Gemälde von Hieronymus Bosch heran, die gerade durch ihren wimmelnden Reichtum an miniaturhaften erotischen, monströsen, surrealen, schlichtweg phantastischen Darstellungen bis heute faszinieren.

Einführung: Dr. Peter Bär, Cinema Quadrat

Do. 10.11.2022, 19.30 Uhr

Big Time – Der Architekt Bjarke Ingels

Big Time – Der Architekt Bjarke Ingels

(Big Time: Historien om Bjarke Ingels)
DNK 2017. R: Kaspar Astrup Schröder. Dokumentarfilm. 93 Min. DänOmdtU. FSK: 0

Er vertritt eine junge Architekten-Generation, die ebenso pragmatisch wie spielerisch an Bau-Aufgaben herangeht: Der 1974 in Kopenhagen geborene Bjarke Ingels ist bekannt für eher außergewöhnliche Entwürfe für modernes Wohnen (z.B. „Mountain Dwellings“ in Kopenhagen) oder für überraschende Verbindungen zwischen Funktion und zusätzlicher Nutzung. So stattete Ingels die neue Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen 2019 mit einem spektakulären Dach aus, auf dem die Stadtbewohner Skilaufen können. 2015 erhielt sein Architekturbüro mit dem bezeichnenden Namen „BIG“ (Bjarke Ingels Group) den Zuschlag, das rund 410 Meter hohe neue „Two World Trade Center“ anstelle der 2001 zerstörten Twin Towers zu entwerfen, in Frankfurt hat BIG den „Omniturm“ benannten Baukörper realisiert, der mitten im Westend eine Mischnutzung aus Büro- und Wohnetagen bietet. Der Regisseur begleitete Bjarke Ingels von 2009 bis 2016 auf den Wegen zwischen seinen Büros und Baustellen in aller Welt und zeichnet das Bild eines ehrgeizigen Architekten, der Leben und Arbeit kaum voneinander trennt.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

Do. 22.12.2022, 19.30 Uhr

Rebellinnen – Fotografie. Underground. DDR.

Rebellinnen – Fotografie. Underground. DDR.

DEU 2020. R: Pamela Meyer-Arndt. Dokumentarfilm. 88 Min. Dokumentarfilm. FSK: 12

Natürlich gab es in der DDR eine Kunstszene im Untergrund – doch kannte man im Westen nur sehr wenige Protagonist*innen und Werke außerhalb der offiziellen Verlautbarungen über das Kunstschaffen im real existierenden Sozialismus. Der Film von Pamela Meyer-Arndt porträtiert drei Frauen, die sich gegen das System aus Bespitzelung und Unterdrückung gewehrt haben: Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer sind drei Künstlerinnen, die in der Underground-Kunst-Szene in den 70er und 80er Jahren der DDR aktiv waren. Sie fotografierten und drehten Filme, hielten ihre Wirklichkeit jenseits der Propaganda fest. „Die teilweise krassen Bilder von Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer ließen mich anfangs zurückschrecken. Es sind starke Bilder des weiblichen Widerstands im Angesicht der Unterdrückung. Sie könnten überall auf der Welt gemacht worden sein, zu jeder Zeit. Die Haut, das Nacktsein, das Verletzliche, die Geste sich selbst auszuliefern – das ist so stark“, schreibt die Regisseurin über ihren Film, der unsere sehr eingeschränkte Wahrnehmung der Kunstszene der DDR korrigiert.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

(Achtung, der Film war ursprünglich im gedruckten Programm für den 13.10.2022 angekündigt, musste jedoch aus Verleihgründen auf den späteren Termin verschoben werden)

Do 19.01.2023, 19.30 Uhr

Wo ist Rocky II?

Wo ist Rocky II?

(Where Is Rocky II?)
FRA/DEU/BEL/ITA 2016. R: Pierre Bismuth. Doku-Komödie. 94 Min. EnglOmdtU. FSK: 6

Nein – es geht hier nicht um Silvester Stallone als Boxer „Rocky“, sondern um ein seltsames Kunstobjekt! „Rocky II“ ist der Name eines künstlichen Felsblocks, der 1970 oder vielleicht auch 1976 vom weltberühmten US-amerikanischen Maler und Fotografen Ed Ruscha (*1937) aus Kunstharz gegossen und dann irgendwo zwischen echten Felsen in der kalifornischen Mojave-Wüste versteckt wurde. Dass dieses Kunstwerk in keinem Werkkatalog Ruschas auftauchte, erregte die Neugier seines französischen Künstler-Kollegen Pierre Bismuth (Drehbuchmitarbeiter bei Michel Gondrys „Vergiss  mein nicht“ / „Eternal Sunshine oft he Spotless Mind“), der durch eine BBC-Dokumentation über Ed Ruscha darauf aufmerksam wurde. Als Ruscha in einem Interview auf Fragen nach seinem geheimnisvollen Objekt ausweichend antwortet, startet Bismuth hochmotiviert eine aufwändige Recherche nach dem künstlichen Felsblock. Dazu heuert er einen Detektiv und eine ganze Filmcrew an, um im Film „Wo ist Rocky II?“ die Jagd nach dem Kunstwerk sorgfältig zu dokumentieren. Bismuth ironisiert mit seiner heiter-grotesken Such- und Filmaktion das Genre des Dokumentarfilms und stellt dabei auch Fragen nach Sinn und Unsinn künstlerischer Konzepte und Strategien.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

Do. 16.02.2023, 19.30 Uhr