In der 10. Staffel des Ciné-Club blicken wir auf die grande nation des Kinos und zeigen französischsprachige Filme, die gekonnt Unterhaltung mit Anspruch verbinden – und uns besondere Einblicke in die französische Lebensart, Sprache und Kultur schenken.

 

France

France

FRA/DEU/BEL/ITA 2021. R: Bruno Dumont. D: Léa Seydoux, Juliane Köhler, Benjamin Biolay, Blanche Gardin. 130 Min. FrzOmdtU. FSK: 12

Paris: Starjournalistin France de Meurs ist schwer beschäftigt mit ihrem Leben als Talkshow-Moderatorin, Kriegsreporterin, Mutter und Ehefrau. Nach einem Autounfall, bei dem sie einen Rollerfahrer verletzt, gerät ihre wohl geordnete Welt außer Kontrolle – und sie selbst in den Fokus der Regenbogenpresse. France kämpft gegen die Abwärtsspirale an, aber ihre Versuche enden damit, dass sie fast alles verliert...

Bruno Dumont (DIE FEINE GESELLSCHAFT, 2016; JEANNETTE, 2017; JEANNE D’ARC, 2019) inszeniert eine dunkle Komödie, eine Satire auf die Obszönität von Medienwelt und Berühmtheitskult mit Einschlag in Richtung existentialistische Tragödie. Der stargespickte Film – der bisher nicht in Mannheim gelaufen ist – zeigt Léa Seydoux als kalkulierend emotionale Narzisstin auf einem absurden Leidensweg.

Einführung: Cosima Besse, Institut Français Mannheim

Do. 29.09.2022, 19:30 Uhr

Les Amours d'Anaïs

Der Sommer mit Anaïs – Les Amours d'Anaïs

(Les Amours d'Anaïs)
FRA 2021. R: Charline Bourgeois-Tacquet. D: Anaïs Demoustier, Valeria Bruni Tedeschi, Denis Podalydès. 98 Min. FrzOmdtU. FSK: 0

Mit ihrem charmant-flippigen Wesen fasziniert und verführt Anaïs die Menschen um sich herum: Als ihr Freund sie verlässt und Anaïs auf den Verleger Daniel trifft, verliebt der sich auf der Stelle in sie. Aber Anaïs, die auf den ersten Blick so sprunghaft und spontan wirkt, sehnt sich danach, die große Liebe im Leben zu finden. Als sie auf Daniels Frau trifft, die erfolgreiche Schriftstellerin Émilie, spürt sie die Macht der Gefühle.

Impulsive Lebenslust, unbeständige Beziehungen, zwischen Pariser Großstadtflair und ländlicher Idylle – mit Anaïs Demoustier als junge Frau, die ihren Bauchgefühlen folgt, und Valeria Bruni Tedeschi als souveräne Schriftstellerin mitten im Leben gelingt Debüt-Regisseurin Charline Bourgeouis-Tacquet eine leichtfüßig erzählte Sommerdramödie.

Einführung: Dr. Inge Beisel, Romanisches Seminar der Universität Mannheim

Do. 27.10.2022, 19:30 Uhr

Au nom de la terre

Das Land meines Vaters – Au nom de la terre

(Au nom de la terre)
FRA/BEL 2019. R: Edouard Bergeon. D: Guillaume Canet, Veerle Baetens, Anthony Bajon, Rufus, Samir Guesmi, Yona Kervern. 104 Min. FrzOmdtU. FSK: 12

Lebensträume und Existenzsorgen: Pierre übernimmt den Hof seines Vaters und ist entschlossen, die Landwirtschaft ertragreich und erfolgreich zu führen. Doch trotz des großen Engagements müssen er und seine Familie schweren Herzens feststellen, dass ihnen im Lauf der Jahre immer größere Steine in den Weg gelegt werden.

Inspiriert vom Leben eines Vaters erzählt Edouard Bergeon in seinem Regiedebüt mit einem überragenden Guillaume Canet in der Hauptrolle und in großen Landschaftsbildern auf authentische Weise von den dramatischen Arbeitsbedingungen der Landwirte und vom Preis unserer Nahrung – nicht nur in Frankreich.

Einführung: Dr. Caroline Mary, Lektoratsleiterin am Romanischen Seminar der Universität Mannheim, Präsidentin der Deutsch-Französischen Vereinigung Rhein-Neckar e.V.

Do. 03.11.2022, 19:30 Uhr

Aline

Aline – The Voice of Love

(Aline)
FRA/CAN 2020. R: Valérie Lemercier. D: Valérie Lemercier, Sylvain Marcel, Danielle Fichaud, Roc Lafortune. 126 Min. FrzOmdtU. FSK: 6

Im Québec der 1960er Jahre ist für die Eltern und die 13 Geschwister klar, dass Aline mit ihrer wunderbaren Stimme eine berühmte Sängerin werden wird. Die Mutter schickt eine Kassette an den berühmten Musikproduzenten Guy-Claude Kamar – er ist hingerissen. Er macht aus Aline seinen größten Star, von ersten Auftritten über den Grand Prix-Gewinn 1988 bis zur weltweiten Ikone – und auch privat genießen die beiden ihr Liebesglück.

Die Aline Dieu im Film ist unverkennbar Céline Dion: Valérie Lemercier war immer schon von der Sängerin fasziniert. Nach langer Recherche realisierte sie diese fiktionalisierte Filmbiografie als Regisseurin und Hauptdarstellerin, die Leben und Liebe von Céline Dion darstellt und im Soundtrack ihre größten Hits vereint.

Einführung: Virginie Jouhaud-Neutard, Geschäftsführerin des Institut Français Mannheim

Do. 15.12.2022, 19:30 Uhr

Wie im echten Leben – Ouistreham

Wie im echten Leben – Ouistreham

(Ouistreham)
FRA 2021. R: Emmanuel Carrère. D: Juliette Binoche, Hélène Lambert, Léa Carne, Emely Madeleine. 107 Min. FrzOmdtU. FSK: 6

Marianne, renommierte Schriftstellerin, gibt den Komfort der Pariser Kulturelite auf und reist in die nordfranzösische Hafenstadt Caen, wo das Wetter launisch ist, das Leben rau und die Arbeit prekär. Um in die wirkliche Welt der sozial Untenstehenden einzutauchen, beginnt sie als Putzfrau auf einer Fähre zu arbeiten, dreckige Schinderei, blöde Sprüche und unfaire Behandlung inklusive. Ein Doppelleben auf Zeit aus gesicherter Position: Der Ausflug in Plackerei und Armut soll Ausgangspunkt für ein Buchprojekt sein.

Juliette Binoche als Putzkraft mit doppeltem Boden überzeugt zusammen mit dem umwerfenden und humorvollen Darstellerinnen-Ensemble, das Emmanuel Carrère für seinen Film versammelt hat. Nach einer wahren Geschichte zeigt er Leid und Liebe einer echten Arbeits-Gemeinschaft.

Einführung: Christian Lohse, Cinema Quadrat & Cosima Besse, Institut Français Mannheim

Do. 26.01.2023, 19:30 Uhr

mommy

Mommy

CAN 2014. R: Xavier Dolan. D: Anne Dorval, Antoine Olivier Pilon, Suzanne Clément, Alexandre Goyette, Patrick Huard. 138 Min. FrzOmdtU. FSK: 12

Ein psychisch auffälliger Sohn, eine überforderte Mutter, eine traumatisierte Nachbarin: Steve, 15 Jahre alt, leidet an ADHS, ist mitunter gewalttätig; er hängt sehr an seiner verwitweten Mutter Diane, arbeitet sich aber auch an pubertärer Provokation ab. Diane ist mit den Nerven am Ende, das Leben mit ihrem Sohn ist eine einzige Zerfleischungsorgie, und sie holt Nachbarin Kyla mit ins Spiel. Die soll Steve Nachhilfe geben, und es entwickelt sich eine dynamisch-nervenaufreibende Utopie des Miteinanders...

Dolan verarbeitet in diesem radikalen Drama seine eigene schwierige Mutterbeziehung – hart und zart geht es zur Sache, bis selbst das ungewöhnlich quadratische Bildformat gesprengt wird. Ein so wuchtiger wie bezaubernder Film – Dolan erhielt den Preis der Jury in Cannes.

Einführung: Prof. Dr. Cornelia Ruhe, Romanisches Seminar der Universität Mannheim

Do. 23.02.2023, 19:30 Uhr