Psychoanalytiker aus der Region beleuchten einzelne Filme renommierter Regisseure und reflektieren dabei Themen, Motive und Strukturen unter der Oberfläche der filmischen Erzählung. Die Referenten stellen ihre Sichtweisen zur Diskussion und treten mit dem Publikum in einen Dialog. Unser Dank geht an Dr. Gerhard Schneider für die Konzeption und die Filmauswahl in Kooperation mit den Referenten.

Das 17. Mannheimer Filmseminar "Psychoanalyse und Fimtheorie im Dialog" findet vom 19.01. - 21.01.2019 statt.
Am Sontag, den 14.01.2019 gibt es eine Vorabsichtung von Filmen, die thematisch zum Seminar gehören.

Die andere Seite der Hoffnung

Die andere Seite der Hoffnung

(Toivon tuolla puolen)
FIN 2017. R: Aki Kaurismäki. D: Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen, Janne Hyytiäinen, Ilkka Koivula. 100 Min. DF. FSK: 6

Khaled, ein junger Syrer, kommt als blinder Passagier nach Helsinki; doch sein Asylantrag wird abgelehnt.. Wikström ist Vertreter für Krawatten; in der Mitte des Lebens angekommen, verlässt er seine Frau, kündigt den Job und probiert’s mit Pokern. Mit dem Geld, das er dabei gewinnt, kauft er ein heruntergewirtschaftetes Restaurant. Dann findet er im Innenhof seines Lokals den schlafenden Khaled, der sich illegal durchschlägt... Aki Kaurismäki, Meister des Melancholisch-Absurden, zeigt mit der ihm eigenen lakonischen-minimalistischen Erzählweise in typisch skurril-artifiziellem Stil das Leben von seiner sonnigen Seite – für den Moment. Wikströms Wirtschaft wird zum Mikrokosmos einer Utopie, in der die Außenseiter, die Verlierer, die Ausgestoßenen sich selbst zu Helden machen. Silberner Bär für die beste Regie!

Referentin: Monica Fritsche

So. 16.09.2018, 19:30 Uhr

Miss Hokusai

Miss Hokusai

(Sarusuberi: Miss Hokusai)
JAP 2015. R: Keiichi Hara. Animationsfilm. 90 Min. DF. FSK: 6

1814 lebte in Edo, dem heutigen Tokyo, der weithin angesehene Künstler Tetsuzo, besser bekannt als Hokusai. Seine Holzschnitte prägen bis heute den japanischen Comic-Stil und beeinflussten seit Mitte des 19 Jahrhunderts europäische Meister wie van Gogh, Monet oder Klimt. Dieser poetische Anime-Film, der kongenial Hokusais Bildsprache adaptiert, ist allerdings aus der Perspektive einer begabten Frau erzählt: Denn kaum bekannt ist, dass Hokusai seine Werke gemeinsam mit seiner Tochter O-Ei schuf, die sein meisterliches Talent geerbt hat und oft in seinem Namen malte. Der Film zeichnet das Porträt einer ganz besonderen Künstlerfamilie und entführt die Zuschauer in die japanische Hauptstadt vor 200 Jahren.

Referentin: Astrid Gabriel

So. 14.10.2018, 19:30 Uhr

Julieta

Julieta

ESP 2016. R: Pedro Almodóvar. D: Emma Suárez, Adriana Ugarte, Rossy de Palma, Daniel Grao. 100 Min. DF. FSK: 6

Julieta, Anfang 50, trifft eine ehemalige Jugendfreundin ihrer Tochter Antía wieder. Aufgewühlt von dieser Begegenung schreibt sie ihre Erinnerungen auf: Als ihr Mann Xoan, ein galizischer Fischer, auf See starb, blieb sie mit ihrer Tochter allein zurück. Die Frauen trauern um den Ehemann und Vater, doch der Schmerz eint sie nicht, sondern treibt sie immer weiter auseinander. An ihrem 18. Geburtstag lässt Antía die am Boden zerstörte Julieta allein und verzweifelt zurück – über Jahre weiß sie nichts von ihrer Tochter, erkennt nur, wie wenig sie sie kennt.

Basierend auf drei Kurzgeschichten von Alice Munro inszeniert Almodóvar ein Melodram der Erinnerungen, der Trauer, der Schuldgefühle – und verdeutlicht in den komplexen Beziehungsgeflechten des Films, wie sehr Ausschnitte der Wahrheit in der eigenen Perspektive verabsolutiert werden.

Referentin: Angelika Gilliard

So. 11.11.2018, 19:30 Uhr

Kinder des Olymp

Matinee

Kinder des Olymp

(Les enfants du paradis)
FRA 1945. R: Marcel Carné. D: Arletty, Jean-Louis Barrault, Pierre Brasseur, Marcel Herrand, Louis Salou. 190 Min. DF. FSK: 12

Paris 1827. Auf dem Boulevard du Temple, der Theatermeile, gruppieren sich um die schöne Garance vier Männer: der sensible Pantomime Baptiste Debureau, der Schauspieler und Frauenliebhaber Frédéric Lemaïtre, der anarchistische Gauner Lacenaire und der Graf Eduard von Monteray, mit dem Garance schließlich die Stadt verlässt. Als sie nach Jahren zurückkehrt, dreht sich das Liebeskarussell erneut – doch diesmal mit ernsthaften Folgen.

Das romantische, tief melancholische Liebesdrama, ein Meisterwerk des poetischen Realismus, zählt heute zu einem der faszinierendsten Filmwerke überhaupt. Schicksalhafte Begegnungen, große Lieben und scheiternde Hoffnungen vor dem Hintergrund der illusionären Welt der Bühne ergeben ein gleichnishaftes Bild vom Leben als Theater und vom Theater als Lebensschauplatz.

Referentin: Eva Berberich

So. 02.12.2018, 10:30 Uhr

Der Staat gegen Fritz Bauer

Der Staat gegen Fritz Bauer

DEU 2015. R: Lars Kraume. D: Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg, Jörg Schüttauf, Lilith Stangenberg, Laura Tonke. 105 Min. FSK: 12

1957 will die junge Bundesrepublik die Nazizeit hinter sich lassen. Nicht so der Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer: Er hat sich der NS-Verbrechensaufklärung verschrieben – und bekommt tatsächlich einen entscheidenden Hinweis auf den Aufenthaltsort des früheren SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann. Doch sowohl die Justiz als auch das BKA, im Hintergrund auch die Politik haben keinerlei Interesse an einem Prozess gegen Eichmann. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Angermann wendet er sich an den israelischen Geheimdienst Mossad – im Namen der Moral und der Gerechtigkeit begeht er Landesverrat.

Der Film endet mit den Vorbereitungen zu den Ausschwitzprozessen, die Anfang der 1960er das Ausmaß der Unmenschlichkeit öffentlich verhandelten.

Referentin: Mirjam Liepmann

So. 10.02.2019, 19:30 Uhr

 

 

Hitlers Hollywood

Hitlers Hollywood

DEU 2017 R: Rüdiger Suchsland. Dokumentation. 106 Min. FSK: 0

Was weiß das Kino, was wir nicht wissen? Über 1000 Spielfilme wurden in den Jahren 1933 bis 1945 in Deutschland hergestellt. Bei den wenigsten handelt es sich um offene Propaganda. Aber noch weniger der im Nationalsozialismus produzierten Filme sind harmlose Unterhaltung. Rüdiger Suchsland kompiliert in seinem essayistischen Dokumentarfilm Filmausschnitte aus der NS-Zeit, um dieser dunkelsten und dramatischsten Periode deutscher Filmgeschichte näherzukommen: Manipulativ, ideologisch ausgerichtet, eskapistisch – aber mit ihren Stars, Glamour und technische Perfektion auch eine Traumfabrik. Doch welche Träume wurden hier erschaffen? Und was erzählen sie über ihre Zeit?

Referentin: Angelika Zitzelsberger-Schlez

So. 24.02.2019, 19:30 Uhr

Das schweigende Klassenzimmer

Das schweigende Klassenzimmer

DEU 2018. R: Lars Kraume. D: Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Lena Klenke, Ronald Zehrfeld, Florian Lukas, Jördis Triebel, Michael Gwisdek, Burghart Klaußner. 111 Min. FSK: 12

1956: Die Abiturienten Theo und Kurt fahren von Stalinstadt – das spätere Eisenhüttenstadt – nach West-Berlin: Dort läuft im Kino LIANE, DAS MÄDCHEN AUS DEM URWALD – doch vor dem frivolen Vergnügen sehen die beiden die Wochenschau und damit Bilder vom Ungarnaufstand. Die unterschiedliche Berichterstattung in Wochenschau und Rias im Gegensatz zu den DDR-Nachrichten wühlt sie auf. Als schließlich in den Westmedien (fälschlich) vom Tod des Fußballstars Ferenc Puskás berichtet wird, beschließt die gesamte Abiturklasse, eine symbolische Schweigeminute für die Opfer in Budapest abzuhalten. Eine unerhörte politische Demonstration, die der Rektor vergeblich herunterspielen will. Denn alsbald greifen das Oberschulamt und sogar der Minister persönlich ein – was die Schüler ungewollt in immer stärkeren Konflikt mit dem angeblich nazifreien und angeblich volksbestimmten sozialistischen Staat bringt.

Referentin: Mirjam Liepmann

So. 10.03.2019, 19:30 Uhr