Psychoanalytiker aus der Region beleuchten einzelne Filme renommierter Regisseure und reflektieren dabei Themen, Motive und Strukturen unter der Oberfläche der filmischen Erzählung. Die Referenten stellen ihre Sichtweisen zur Diskussion und treten mit dem Publikum in einen Dialog. Unser Dank geht an Dr. Gerhard Schneider für die Konzeption und die Filmauswahl in Kooperation mit den Referent*innen.

Ray

Ray

USA 2004. R: Taylor Hackford. D: Jamie Foxx, Kerry Washington, Regina King, Clifton Powell, Harry J. Lennix. 152 Min. DF. 35mm-Projektion. FSK: 12

Die Geschichte von Ray Charles als großes musikalisch-filmisches Porträt: Der 1930 geborene Ray Charles Robinson erblindete im Alter von sieben Jahren, begann seine musikalische Laufbahn 1947, wurde zum Hohepriester des Soul – die ärmlichen Verhältnisse seiner Kindheit, seine einzigartige Karriere, seine Heirat, seine Geliebten, seine Heroinsucht behandelt der Film, und immer geht es um den Willen, durchzuhalten; sich niemals herumschubsen zu lassen.

Ray Charles begleitete die Entstehung des Films persönlich, große Teile entstanden daher nach den Vorstellungen des Künstlers selbst. Kurz vor Ende der Dreharbeiten starb Ray Charles im Juni 2004.

Referent: Carl Rothenburg

So. 18.09.2022, 19:30 Uhr

Leben über Kreuz

Leben über Kreuz

DEU 2021. R: Dagmar Seume. D: Christine Hecke, Benjamin Sadler, Annette Frier, André Szymanski. 90 Min. FSK: k. A.

Die biederen Kempes und die hippen Blumbergs scheinen nichts gemein zu haben. Doch Caren Blumberg und Jan Kempe sind beide schwer nierenkrank und warten auf eine Spenderniere. Als ihr gemeinsamer Facharzt erkennt, dass eine Spende zwischen den beiden Familien möglich wäre, keimt Hoffnung auf: Doch es gibt strenge Gesetze, um Organhandel aufgrund von finanziellen oder sonstigen Abhängigkeiten zu verhindern. Deshalb müssen die ungleichen Paare einer Ethikkommission beweisen, dass die Organspende über Kreuz aus freien Stücken, aus persönlicher Verbundenheit geschieht. Kurz: Die Kempes und die Blumbergs müssen Freunde werden – oder die Freundschaft zumindest glaubhaft vorspielen.

Ausgehend von einem juristischen Grundkonflikt geht es nicht nur um Leben, Tod und die Möglichkeit, Ehe- und Familienglück zu verlängern, sondern auch um unterschiedliche Lebenskonzepte und Mentalitäten, wenn die beiden betroffenen Ehepaare aufeinanderprallen.

Referentinnen: Christine Linkert und Brigitte Pahlke

So. 16.10.2022, 19:30 Uhr

Sommer 85

Sommer 85

(Été 85)
FRA 2020. R: François Ozon. D: Félix Lefebvre, Benjamin Voisin, Philippine Velge, Valeria Bruni Tedeschi. 101 Min. DF. FSK: 12

1985, ein heißer Sommer in der Normandie. Alexis, 16 Jahre, verbringt zusammen mit seinen Eltern die Ferien in einem malerischen Örtchen an der Küste. Bei einem überraschenden Unwetter kentert seine Segeljolle – und er wird vom etwas älteren David gerettet. Eine große Sommerliebe nimmt ihren Anfang – Alexis ist verliebt wie nie. Doch wie sieht es bei David aus, der irgendwann auch das britische Au-Pair-Mädchen Kate nicht nur zum Segeln mitnimmt?

François Ozon blickt in seinem 19. Spielfilm auf Jugend, Liebe, auf die 80er – er verbindet eine himmelhoch jauchzende Liebe und zu Tode betrübte Tragik in dieser Adaption des Romans „Tanz auf meinem Grab“ von Aidan Chambers aus dem Jahr 1982: Ein Film, der das Leben feiert, gerade weil es ums Schicksal und seine Schlagkraft geht.

Referentin: Petra Heymanns

So. 13.11.2022, 19:30 Uhr

Bernadette

Bernadette

USA 2019. R: Richard Linklater. D: Cate Blanchett, Billy Cudrup, Emma Nelson, Kristin Wiig, Judy Greer. 111 Min. DF. FSK: 6

Bernadette trägt Sonnenbrille, weil sie einst in Los Angeles eine visionäre Stararchitektin war. Jetzt lebt sie mit Ehemann, Tochter und Golden Retriever in Seattle, in einer brombeerumrankten, baufälligen Villa. Bernadette ist exzentrisch und misanthropisch geworden. Anders als die perfekten, verhassten Mütter aus der Nachbarschaft. Ihr wichtigster Sozialkontakt: Die Assistentin in Indien, kontaktiert in allen Lebenslagen via Handy. Dann, im Streit mit der Nachbarin um die Brombeerhecke, verschwindet Bernadette.

Richard Linklater, der sensible Tragikomödiant des Indipendent-Kinos (BEFORE-Trilogie, BOYHOOD), zeichnet eine Frau, die untertaucht aus ihrem Leben, und Cate Blanchett ist die Idealbesetzung für diese ambivalente Bernadette mit unbehauster Seele, zwischen Anpassung und Flucht.

Referentinnen: Gabriele Brandner und Astrid Gabriel

So. 04.12.2022, 19:30 Uhr

Vorblick Filmseminar:

So. 08.01.2023, 19:30 Uhr
 

20. Mannheimer Filmseminar

Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie
Thema: Federico Fellini

Fr. 13.01. bis So. 15.01.2023

Parasite

Parasite

(Gisaengchung)
KOR 2019. R: Bong Joon-ho. D: Song Kang-ho, Lee Sun-kyun, Cho Yoe-jeong, Jang Hye-jin, Park So-dam. 132 Min. DF. FSK: 16

Die Sensation der Oscarverleihung 2020: Nicht nur die (erwartete) Auszeichnung als bester internationaler Film, sondern auch die für den besten Film, das beste Drehbuch und die beste Regie konnte Bong Joon-ho in Empfang nehmen für seine genresprengendes Familien- und Gesellschaftsdrama inklusive Kriminal- und Horrorelemente. Familie Kim lebt in ärmlichsten Verhältnissen, als Sohn Ki-woo mit gefälschten Papieren als Hauslehrer bei der reichen Familie Park anheuert. Es gelingt ihm, mit ein paar Lügen seine Familienangehörigen in die Villa einzuschleusen – doch sie sind nicht die einzigen, die die Parks unterwandern wollen…

Referenten: Alexandre Métraux, Gerhard Schneider

Do. 16.02.2023, 19:30 Uhr