Psychoanalytiker aus der Region beleuchten einzelne Filme renommierter Regisseure und reflektieren dabei Themen, Motive und Strukturen unter der Oberfläche der filmischen Erzählung. Die Referenten stellen ihre Sichtweisen zur Diskussion und treten mit dem Publikum in einen Dialog. Unser Dank geht an Dr. Gerhard Schneider für die Konzeption und die Filmauswahl in Kooperation mit den Referenten.

Das 18. Mannheimer Filmseminar „Psychoanalyse und Filmtheorie im Dialog“ findet vom 24.01. bis 26.01.2020 statt. Thema: Jean-Luc Godard

The Lobster

The Lobster

GRC/GBR/FRA 2015. R: Giorgios Lanthimos. D: Colin Farrell, Rachel Weisz, Jessica Barden, Olivia Colman, Angeliki Papoulia, Jon C. Reilly, Léa Seydoux. 118 Min. DF FSK: 16

Paarbeziehung ist Pflicht. Singles erhalten in einem Verkupplungs-Luxusresort eine 45-Tages-Frist, sich zu verlieben, andernfalls werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt. David, von seiner Frau verlassen, wird diesem Programm unterzogen, wählt den Hummer als Transformationsziel, widersetzt sich jedoch mehr und mehr den Sittengesetzen der Verpartnerungspflicht und flieht in den Wald, wo sich rebellische Singles dem Liebeszwang radikal widersetzen.

In seiner hochoriginellen, in Cannes ausgezeichneten Parabel etabliert Giorgios Lanthimos eine bizarre Gesellschaftsordnung, um in der Tradition des surrealistischen Kinos von gesellschaftlichem Druck, Gegendruck und Überdruck zu erzählen.

Referentin: Stefanie Rath

So. 29.09.2019, 19:30 Uhr

Gundermann

Gundermann

DEU 2018. R: Andreas Dresen. D: Alexander Scheer, Anna Unterberger, Eca Weißenborn, Axel Prahl, Thorsten Merten, Bjarne Mädel. 127 Min. FSK: 0

Biopic, Musikfilm, Heimatfilm: Gerhard Gundermann war einer der großen Liedermacher der DDR, ein Poet des Alltags mit Ecken und Kanten. Er war Baggerfahrer im Braunkohletagebau in Hoyerswerda, ein überzeugter Kommunist mit eigener Meinung. Und er war Stasispitzel, der 1992, nach der Wende, sich plötzlich mit sich selbst, mit seinen eigenen verdrängten dunklen Seiten, auseinandersetzen muss.

In zwei Zeitebenen erzählt Andreas Dresen von dieser widersprüchlichen, schillernden, geerdeten, freigeistigen, zerrissenen Arbeiter-Künstler-Persönlichkeit, herausragend dargestellt von Alexander Scheer: charismatisch auf der Bühne, verzweifelt in seiner Verlorenheit, charmant und eigenwillig. Beim deutschen Filmpreis 2019 erhielt diese vielschichtige Auseinandersetzung mit der DDR-Normalität sechs Goldene Lolas.

Referentinnen: Brigitte Pahlke, Christine Linkert

So. 27.10.2019, 19:30 Uhr

Die Vögel

Die Vögel

(The Birds)
USA 1963. R: Alfred Hitchcock. D: Tippi Hedren, Rod Taylor, Jessica Tandy, Suzanne Pleshette, Veronica Cartwright. 119 Min. DF. FSK: 16

Ein neckischer Flirt im Zoofachgeschäft mit Mitch Brenner führt Melanie Daniels nach Bodega Bay, wo Mitch seine Mutter und seine elfjährige Schwester besucht. Und dann greifen Möwen an. Und Raben. Und Spatzen. Und keiner weiß, warum.

Gefiederte Freunde werden zu apokalyptischen Feinden: Alfred Hitchcock mischt puren Horror mit raffinierter Suspense, lässt eine Beziehung screwballhaft leicht beginnen und an einer harten Mutterfigur beinahe zerschellen, nutzt meisterhafte Trickaufnahmen und eine innovative elektronisch erzeugte Geräuschkulisse, um seinem Œuvre einen weiteren Höhepunkt hinzuzufügen.

Referent: Dr. Gerhard Schneider

So. 01.12.2019, 19:30 Uhr

Der Junge mit dem Fahrrad

Der Junge mit dem Fahrrad

(Le gamin au vélo)
BEL/FRA/ITA 2011. R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne. D: Thomas Doret, Cécile de France, Jérémie Renier. 87 Min. DF. FSK: 12 Der zwölfjährige Cyril sucht seinen Vater, der ihn auf unbestimmte Zeit in einem Kinderheim untergebracht hat. Doch der Vater ist aus der Wohnung ausgezogen; auch Cyrils Fahrrad ist verschwunden. Bei seiner verzweifelten Suche trifft er auf Samantha, Besitzerin eines Friseursalons, die sich bereiterklärt, ihn an den Wochenenden bei sich aufzunehmen. Zunächst allerdings ist Cyril kaum in der Lage, die Liebe anzuerkennen, die Samantha ihm entgegenbringt; dabei ist es gerade diese Liebe, die Cyril am nötigsten hat, um seinen Zorn zu besänftigen.

In ihrem Sozialdrama um ein emotional gebeuteltes Kind stellen die Dardenne-Brüder liebevolle Güte als Mittel im Heilungsprozess einer verwundeten jungen Seele dar; ihr Film wurde in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

Referent*innen: Regine Schmidt, Alexandre Métraux

So. 16.02.2020, 19:30 Uhr

Shoplifters

Shoplifters

(Manbiki kazoku)
JAP 2018. R: Hirokazuu Kore-eda. D: Lily Franky, Kirin Kiki, Sakura And¬ō, Mayu Masuoka. 121 Min. DF. FSK: 12

Vater und Sohn sind ein eingespieltes Team: Mit kleinsten Gesten der Verständigung klauen sie im Supermarkt, was sie fürs Leben brauchen. In einer kalten Nacht bemerken sie ein kleines Kind auf einem Balkon, verlassen und halb erfroren. Sie nehmen die Fünfjährige mit – und unter dem Namen Yuri in ihre Familie auf. Yuri lebt sich ein in diesen Verbund am unteren Ende der sozialen Leiter, dort, wo man sich mit Betrügereien und Ladendiebstählen über Wasser hält. Eine glückliche Familie – doch wenn sie auffliegen, muss sich beweisen, was diese Menschen wirklich verbindet.

SHOPLIFTERS, Gewinner der Goldenen Palme 2018, ist ein liebevolles, einfühlsames Drama um familiäre Beziehungen und menschliche Würde: „Diese Familie ist ein soziales Husarenstück, ein Glück, das aus Not und Verzweiflung entsteht.“ (Die Zeit)

Referentinnen: Astrid Gabriel, Gabriele Brandner

So. 29.03.2020, 19:30 Uhr