Gammler, Hippies, langhaarige Studenten. APO, SDS, Demos, Anti-Vietnamkrieg- Proteste, Revolution, Tote. Bewusstseinserweiterung, Kommune 1, Gegenkultur. Bürgerrechte, Emanzipation, sexuelle Revolution. Neue, andere Musik, neue, andere Filme. 1968: Wenn eine ganze Generation nach einem Jahr benannt wird, muss der Impuls gewaltig gewesen sein. In unserem Monatsschwerpunkt zeigen wir Filme über diese Zeit vor 50 Jahren – darunter drei Filme von damals, die das Lebensgefühl direkt aufnehmen: So ist NICHT FUMMELN, LIEBLING eine Schwabingkomödie, in der brenzlige Revoluzzer eine Rolle spielen, DETEKTIVE erzählt vor allem von der lässigen Haltung seiner Protagonisten, ZABRISKIE POINT von den gewalttätigen Auseinandersetzungen in Amerika.

Nicht fummeln, Liebling!

Nicht fummeln, Liebling!

DEU 1970. R: May Spils. D: Werner Enke, Gila von Weitershausen, Henry van Lyck, Otto Sander, Benno Hoffmann, Karl Schönböck. 87 Min. FSK: 12

Charly ist in einer Kommune von potentiellen – und dilettantischen – Kaufhausbrandstiftern untergekommen. Bei einer Brandsatzprobe wird er verhaftet. Mit Hilfe einer Polizeiuniform und der jungen Schwabinger Studentin Gila kann er sich aus dem Knast befreien – es entspinnt sich eine romantisch-poetische Liebesgeschichte, die sich zwischen Zündelbrüdern, Polizei und ausgebufften Profiganoven durchlaviert ...

In den Schwabinger Kneipen saßen Mitte der 60er Jahre auf der einen Seite die Clique um May Spils und Werner Enke; auf der anderen Seite steckten Andreas Baader und Horst Söhnlein die Köpfe zusammen. Alle träumten vom Kino – doch die einen zündeten in Frankfurt den Kaufhof an; die anderen hatten Riesenerfolg mit ZUR SACHE SCHÄTZCHEN. Und der Nachfolger steht diesem Kultfilm in nichts nach: Eine ausgelassene, subversive Komödie um Werner Enke, diesen anarchistischen Gammler, Quertreiber, Pseudophilosophen, Sprücheklopfer, der seine Umwelt mit Komik revolutionieren will.

Einführung: Harald Mühlbeyer

Mi. 13.06.2018, 19:30 Uhr

Wer wenn nicht wir

Wer wenn nicht wir

DEU 2011. R: Andres Veiel. D: August Diehl, Lena Lauzemis, Alexander Fehling, Imogen Kogge, Thomas Thieme. 126 Min. FSK: 12

Eine Vorgeschichte zum deutschen Terrorismus, wie sie in derart biografischer Eindringlichkeit noch nicht erzählt wurde, und noch dazu ein spannendes Lehrstück zur Identitätssuche junger Deutscher nach dem Krieg“, schrieb die Süddeutsche über den ersten Spielfilm des renommierten Dokumentarfilmers Andres Veiel: Eine politische Liebesgeschichte, die im Terror endet. Bernward Vesper, Sohn eines Nazi-Bestsellerautors, trifft die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin, der Beginn einer furiosen Liebe, die sich immer mehr politisiert. Die Dynamik der Beziehung fließt ein in die Dynamik der 1960er – bis Ensslin mit Baader und Meinhof als radikale Akteure in die Zeitgeschichte eingeht. Wo andere RAF-Filme anfangen – beim Schahbesuch 1967 –, bohrt Veiel tiefer und blickt statt auf einfache Kausalketten auf Charaktere, auf Elternhäuser, auf Entwicklungen.

So. 17.06. & Mi. 20.06.2018, 19:30 Uhr

Detektive

Detektive

DEU 1969. R: Rudolf Thome. D: Marquard Bohm, Ulli Lommel, Uschi Obermaier, Elke Haltaufderheide, Iris Berben. 91 Min. FSK: 16

Marquard Bohm ist einer der coolsten Typen, die es im deutschen Kino je gegeben hat. Ulli Lommel chanchierte zwischen Fassbinder und Trashfilmen. Und Uschi Obermaier ist ohnehin eine Nummer für sich. Mit den interessantesten Darstellern des jungen Films drehte Rudolf Thome seinen Debütfilm: Eine raffinierte Story um zwei schnoddrige Schwabinger Typen, die sich als Detektive versuchen. Mit dem Kniff, sowohl für den Auftraggeber wie auch für ihre Zielpersonen zu arbeiten, um doppelt abzukassieren. Ein Plan, der natürlich nur nach hinten losgehen kann. In der hochkreativen Filmszene Münchens entstand Ende der 1960er ein unglaublich intensives, lebendiges Kino, das den Autorenfilm mit Genrevarianten bereicherte und ihn so in den Pop hinüberführte: Das Bewusstsein von den Möglichkeiten des Kinos war verbunden mit dem Bewusstsein der Gegebenheiten in diesen Zeiten des Umbruchs.

Einführung: Peter Bär

Di. 19.06.2018, 19:30 Uhr

Die Träumer

Die Träumer

(The Dreamers)
ITA/FRA/GBR 2003. R: Bernardo Bertolucci. D: Michael Pitt, Eva Green, Louis Garrel, Anna Chancellor, Jean-Pierre Léaud. 114 Min. OmdtU. FSK: 16

Die Cinémathèque française war mit ihrem ausgewählten Filmprogramm Mittelpunkt der Filmkultur in Paris – als Anfang 1968 die gaullistische Regierung den langjährigen Leiter Henri Langlois absetzte. Das war der Funken, der zu den Mai-Revolten von Paris führte. Inmitten der Revolutionsstimmung finden sich der amerikanische Austauschstudent Matthew und das Zwillingspaar Isabelle und Theo: Drei Cinephile, die sich in der Wohnung einschließen, während sich draußen die Proteste steigern. Sie spielen Filmszenen nach, und spielerisch entwickelt sich eine zunehmende erotische Spannung zwischen ihnen ... Bertolucci, Filmemacher seit den 1960ern (DER LETZTE TANGO IN PARIS, „1900“), erzählt von einer wilden Zeit der kinematographischen, politischen und erotischen Revolution: so klug wie sinnlich fängt der Film den Geist der französischen 68er-Bewegung ein.

Sa. 23.06. & Di. 26.06.2018, 19:30 Uhr

Zabriskie Point

Zabriskie Point

USA 1970. R: Michelangelo Antonioni. D: Mark Frechette, Daria Halprin, Rod Taylor. 106 Min. DF. FSK: 16

„Ich bin bereit zu sterben. Aber nicht vor Langeweile.“ Sprach’s, und verließ die studentische Diskussion um revolutionäres Handeln und Einsatz von Gewalt. Tatsächlich kommt es bei Protesten zu Todesopfern – Mark befürchtet, dass man ihn verdächtigen könne, stiehlt ein Flugzeug und haut ab. Mark ist unbehaust, individuell, ein Verlorener in einem verlorenen Land; im Death Valley trifft er auf Daria, eine junge Angestellte auf dem Weg zu einer Konferenz. Sie begegnen sich, sie diskutieren, sie philosophieren, und es kommt zu einer der außergewöhnlichsten, grandiosesten Liebesszenen der Filmgeschichte. Doch der Gesellschaft aus Gewalt und Konsum ist nicht zu entkommen bis zum unvergesslichen, hochexplosiven Ende.

Antonioni, der Meister des italienischen Kinos, begibt sich hinein in den Zeitgeist einer durchrüttelten USA zwischen Rednecks und Hippies. Er erzählt von einer radikalisierten, militarisierten, gnadenlosen Gesellschaft, von Gegenkultur, von Ausreißern, von Liebe und dem unmöglichen Konjunktiv der Zweisamkeit. Der Soundtrack stammt von Pink Floyd und Grateful Dead.

Fr. 29.06. & Sa. 30.06.2018, 21:30 Uhr