Film ist Kunst. Und kann als Kunst von Kunst erzählen, kann Kunst dokumentieren, kann Kunst (be)greifbar machen. Der Film und die Bildende Kunst befruchten sich schon immer gegenseitig, und schon immer können beide Kunstgattungen voneinander profitieren. Das Kino nimmt Bezug auf die Bildwelten der Kunstgeschichte; und in der zeitgenössischen Kunst ist das Einbeziehen von Fotografie und Film längst selbstverständlich geworden.

Bereits seit 2008 kooperieren die Kunsthalle Mannheim und das Cinema Quadrat mit der Veranstaltungsreihe „Film & Kunst“. Beide Kultureinrichtungen haben wieder gemeinsam Filme ausgewählt, die sich mit der Kunst, mit dem Leben und Werk von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten beschäftigen. Im Fokus steht der Dialog zwischen Kunst und Film. Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim arbeiten die Berührungspunkte zwischen dem künstlerischen Werk der Protagonisten und der filmischen Bearbeitung des Themas heraus. In Kurzvorträgen vor den Filmvorführungen werden die Verbindungen beider Gattungen deutlich.

Die Filme werden immer im Cinema Quadrat und immer in optimaler digitaler Form präsentiert.

Aalto

Aalto

FIN 2020. R: Virpi Suutari. Dokumentarfilm. 103 Min. MehrsprOmdtU. FSK: 0

„Aalto – Architektur der Emotionen“ ist ein informativer und detailreicher Dokumentarfilm über den Finnen Alvar Aalto (1898–1976), der wie die Zeitgenossen Walter Gropius, Oscar Niemeyer oder Le Corbusier die moderne Architektur im 20. Jahrhundert entscheidend mitgeprägt hat. Sein bevorzugtes Material war das Holz, das in seinen Gebäuden eine ebenso wichtige Rolle spielt wie in seinen zahlreichen Entwürfen für Möbel und Design-Objekte. Formal beeinflusst von Bauhaus-Lehren, strebte er eine organische Einheit von Architektur und Landschaft an und versuchte besonders in seinen Möbelentwürfen ein harmonisches Ganzes aus gerader und geschwungener Linienführung zu erreichen. Ab den 1930er Jahren erhielt er zunehmend internationale Aufträge; Beispiele für öffentliche Bauten in Deutschland finden sich in Wolfsburg (Heilig-Geist-Kirche sowie Kulturhaus, 1962) und in Essen (Opernhaus, posthum realisiert). Aaltos Karriere ist nicht denkbar ohne die intensive Zusammenarbeit mit seiner ersten Ehefrau Aino Marsio  und ebenso mit seiner zweiten Ehefrau Elsa Kaisa Mäkiniemi. Der Film der Regisseurin Virpi Suutari gibt einen spannenden Einblick in eine internationale Architekturkarriere.

Einführung: Dr. Mathias Listl, Kunsthalle Mannheim

Do. 16.09.2021, 19.30 Uhr

Auf Ediths Spuren

Auf Ediths Spuren

[Tracking Edith)
AUT/DEU/RUS/GBR 2016. R: Peter Stephan Jungk. Dokumentarfilm. 91 Min. DF. FSK: k. A.

Meine Tante, die KGB-Spionin – Regisseur Peter Stephan Jungk begibt sich auf eine familiäre Spurensuche und entdeckt in seiner Verwandten Edith Tudor-Hart, die 1908 in Wien als Edith Suschitzky geboren wurde und 1973 in Brighton starb, eine faszinierende, schillernde Persönlichkeit. Sein Film basiert auf diesen privaten Recherchen und zeichnet ein außergewöhnliches Schicksal nach: Die begabte Bauhaus-Studentin Edith Suschitzky wurde eine erfolgreiche professionelle Fotografin, die mit ihrer Kamera die unvorstellbare Armut von Arbeiter*innen und Straßenkindern in Wien und London dokumentierte und für ihre eindringlichen Sozialreportagen berühmt war. Das von ihr ganz bewusst wahrgenommene menschliche Elend war einer der Gründe, sich für die kommunistische Partei zu engagieren und mindestens bis 1953 als Spionin für den sowjetischen Geheimdienst zu arbeiten, der sie gleichwohl immer wieder überwachte, ebenso wie es die britische Spionage-Abwehr tat. Sie war mit dem englischen Mediziner Alexander Tudor-Hart verheiratet und spielte in England, ihrer Wahlheimat, eine entscheidende Rolle bei der Rekrutierung der sog. ‚Cambridge Five’, zu denen auch die berühmten Sowjet-Spione Kim Philby, Guy Burgess und Donald Maclean gehörten.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

Do. 25.11.2021, 19.30 Uhr

Fantasia

Fantasia

USA 1940. R: James Algar. Zeichentrickfilm. 119 Min. DF. FSK: 6

FANTASIA, der dritte Kinolangfilm von Walt Disney, hat auch 80 Jahre nach seiner Uraufführung nichts von seinem Zauber verloren. Disney betrat echtes Neuland mit diesem Musik-Trickfilm, der zur Zeit seiner Entstehung kein Publikumserfolg war – zu ungewohnt erschien der experimentelle Wirbel aus rasch aufeinander folgenden erzählerischen Episoden, die mit Musikstücken berühmter Komponisten (Bach, Beethoven, Tschaikowsky, Strawinsky u.a.)  unterlegt waren. Aus heutiger Sicht könnte man FANTASIA als eine phantasievolle, unterhaltsame Folge von farbig gestalteten Musik-Clips verstehen, die verschiedenste Themen bildnerisch ganz frei, ja teilweise abstrakt umsetzen und musikalisch begleiten: So ist zum Beispiel die Entstehung der Welt zu sehen, Mickey Maus spielt den „Zauberlehrling“ von Goethe und Nilpferde, Elefanten und Alligatoren führen eine ebenso grandiose wie groteske Ballettszene auf. Walt Disney knüpfte in der Gestaltung der abwechslungsreichen Trickfilmszenen bewusst an die Welt des Theaters und der Oper an und ließ nicht nur eine ausgefeilte Tontechnik für die Aufnahme und Wiedergabe der Musikstücke entwickeln, sondern auch zusätzliche Lautsprecher in den Kinosälen installieren, um das sinnliche Erlebnis des Films zu steigern. Visuell inspiriert wurde der Film  – unter anderem dank Disneys Europareise 1935 – durch verschiedene Werke europäischer Künstler.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

Do. 09.12.2021, 19.30 Uhr

Body of Truth

Body of Truth

DEU 2019. R: Evelyn Schels. Dokumentarfilm. 92 Min. TeilwEnglOmdtU. FSK: 12

Körper der Wahrheit – mit diesem Titel bietet die Regisseurin einen Rahmen für die filmischen Porträts von vier Künstlerinnen aus vier Kulturen, deren Werke international in Museen und Ausstellungen gezeigt werden: Marina Abramović,  Sigalit Landau, Shirin Neshat und Katharina Sieverding.  Ihre Kunst könnte nicht verschiedener sein, doch sie teilen die Überzeugung, dass der Körper, anders als der Geist, immer wahrhaftig ist und sich deshalb als künstlerisches Ausdrucksmittel besonders gut eignet, um etwas zu sagen - über politische Verhältnisse, über religiöse Strukturen, über Gewalt, über den Missbrauch von Macht und besonders über das Leben von Frauen, das weltweit noch immer von Unterdrückung geprägt ist. Philosophisch-politische Fragen nach den Potenzialen von Kunst mischen sich in den Gesprächen ganz selbstverständlich mit Überlegungen nach der richtigen Farbe. Ist das Rot zu stark und kann Kunst Widerstand leisten? Evelyn Schels gelingt es, die Schaffensprozesse, die Persönlichkeiten der vier Künstlerinnen aus unterschiedlichen Generationen und die Konflikte der jüngeren Zeitgeschichte in einem sehenswerten Film-Essay zu verbinden.

Einführung: Christina Bergemann, M.A., Kunsthalle Mannheim

Do. 20.01.2022, 19.30 Uhr

The Price of Everything

The Price of Everything

USA 2018. R: Nathaniel Kahn. Dokumentarfilm. 95 Min. DF. FSK: 6

Die teilweise astronomischen Verkaufserlöse, die bei internationalen Kunst-Auktionen erzielt werden, sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Wie kann es sein, dass vor allem zeitgenössische  Gemälde und Objekte (oder in jüngster Zeit ein ausschließlich digital erfahrbares Werk!) viele Millionen Dollar, Pfund oder Euro erzielen und sich ein überschaubarer, aber finanziell extrem potenter Kundenkreis dabei geradezu hysterisch überbietet? Der Kunstmarkt folgt offenbar Regeln, die Außenstehende nicht leicht durchschauen. Der Film reflektiert dieses Marktgeschehen durch Gespräche mit den Insidern dieser besonderen Szene, den Kunsthändlern, Sammlern, Auktionatoren und nicht zuletzt mit Künstlern wie Jeff Koons, Ai WeiWei, Gerhard Richter u.a., die selbst oft überrascht werden von den Preisen, zu denen ihre Werke den Besitzer wechseln. Der Regisseur legt bewusst die faszinierenden Widersprüche des Systems „Kunstmarkt“ frei, indem er die Dynamik bei der Preisgestaltung des Bezahlbar-Unbezahlbaren auslotet.

Einführung: Dr. Sebastian Baden, Kunsthalle Mannheim

Do. 17.02.2022, 19.30 Uhr