50. Jubiläum: Am 13. Oktober 1971 liefen die ersten Filme des frisch gegründeten Mannheimer kommunalen Kinos. Das feiern wir, und zwar kräftig! Im gesamten Oktober läuft ein ausgesuchtes Jubiläums-Sonderprogramm mit großartigen Filmen, und manche von ihnen werden Sie wahrscheinlich nie mehr im Kino und vielleicht auch sonst nie wieder sehen.
Das Jubiläums-Sonderprogramm ist in fünf verschiedene Rubriken eingeteilt.

Die Filme geben Aufschluss über ihre Entstehungszeit. Wie sah es aus vor 50 Jahren, kinematographisch und gesellschaftlich?

Tod in Venedig

(Morte a Venezia)
ITA/FRA 1971. R. Luchino Visconti. D: Dirk Bogarde, Björn Andrésen, Silvano Mangano,. Romolo Valli, Mark Burns. 131 Min. DF. FSK: 12

Gustav Aschenbach, alternder Komponist in Lebenskrise, begegnet in Venedig dem makellos schönen Jüngling Tadzio und entwickelt eine Obsession für den Jungen… Luchino Viscontis Thomas Mann-Verfilmung schwelgt in einer dekadent-morbiden Atmosphäre – der Einsatz filmischer Mittel und die Einbindung der Musik von Gustav Mahler ist meisterhaft. Der Film gilt bei vielen Kritikern als Viscontis bedeutendstes Werk und als Musterbeispiel einer Literaturverfilmung, er wurde vielfach ausgezeichnet.

Fr. 01.10.2021, 21:30 Uhr, Mi. 06.10.2021, 17:30 Uhr

Händler der vier Jahreszeiten

Aus dem Jahr 1971

Händler der vier Jahreszeiten

DEU 1971. R: Rainer Werner Fassbinder. D: Hans Hirschmüller, Irm Hermann, Andrea Schober, Gusti Kreissl, Klaus Löwitsch, Hanna Schygulla, Kurt Raab, Ingrid Caven. 89 Min. FSK: 16

Ende der 1950er, mitten im Wirtschaftswunder, zieht Obsthändler Hans Epp mit seinem Karren durch die Hinterhöfe – doch sein Leben kann mit dem florierenden Gewerbe nicht mithalten: Seine Lebenspläne sind alle gescheitert, der Mutter kann er nie genügen, seine Ehe ist lieblos, und der Suff bietet nur kurzfristige Entlastung vom Druck einer kalt-egoistischen Welt.

Rainer Werner Fassbinder wollte nach eigenen Angaben „ein simples Melodram ohne Mätzchen“ drehen, die hart-realistische Geschichte eines Verlierers in einem so festen wie zermürbenden System des Erfolgs und der Erwartungen. Der Film steht am Anfang von Fassbinders Werken über Tod und Liebe. Die Süddeutsche Zeitung urteilte 1972: „Der beste deutsche Film seit dem Krieg.“

Sa. 02.10.2021, 21: 30 Uhr, Di. 05.10.2021, 19:30 Uhr

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt

Aus dem Jahr 1971

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt

DEU 1971. R. Rosa von Praunheim. D: Bernd Feuerhelm, Berryt Bohlen, Ernst Kuchling. 67 Min. FSK: 16

Spiel- und Dokumentarfilm, Pamphlet und Aufruf: Zwei Jahre nach Abschaffung der Strafbarkeit (männlicher) Homosexualität nach §175 schildert Rosa von Praunheim das schwule Leben Anfang der 1970er in der Subkultur und die daraus zu ziehenden Konsequenzen. Dabei geht er radikal provokant vor, richtet sich an die Szene selbst und ruft den Schwulen zu: Eure schlechte Situation ist hausgemacht! Es geht um „Coming out“ – raus aus der selbstverschuldeten Unsichtbarkeit. Der Film war ein Skandal, die kontroverse Diskussion um den Film wurde zum Auslöser der modernen Schwulenbewegung: „Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen!“

Am Samstag, 09.10.2021 Einführung und Filmdiskussion mit Klaus Schirdewahn, Leiter der Gruppe Gay & Gray, und Christian Könne, Historiker

Fr. 08.10. & Sa. 09.10.2021, 21:30 Uhr

Aus dem Jahr 1971

Das Mädchen und der Kommissar

(Max et les ferrailleurs)
FRA/ITA 1971. R: Claude Sautet. D: Michel Piccoli, Romy Schneider, Georges Wilson, Philippe Léotard. 111 Min. FrzOmdtU. FSK: 16

Der ehrgeizige Kommissar Max gibt sich die Schuld an mehreren Toten bei einem Banküberfall – in ihm wächst die fixe Idee, die Bankräuber auf frischer Tat zu ertappen. Er bedient sich dabei der Gangsterbraut und Prostituierten Lily, gewinnt ihr Vertrauen. Und sie wird zum Opfer seiner geschickten Manipulation, um einen Überfall zu provozieren…

Claude Sautets Meisterwerk des französischen Film Noir führt – nach DIE DINGE DES LEBENS – erneut Romy Schneider und Michel Piccoli zusammen in einem Kriminaldrama, das die psychischen Konflikte und das Beziehungsgeflecht der Personen in den Mittelpunkt stellt: eine Charakterstudie um Gut und Böse, um Zweck und Mittel.

Do. 21.10.2021, 21:30 Uhr, Mi. 27.10.2021, 17:30 Uhr

Harold and Maude

Aus dem Jahr 1971

Harold und Maude

USA 1971. R: Hal Ashby. D: Bud Cort, Ruth Gordon.  91 Min. EnglOmdtU. FSK: 12

„If you want to sing out, sing out!“ Cat Stevens' Songs begleiten diese komische, traurige, satirische, ergreifende, makabre Liebesgeschichte um den todessüchtigen 20jährigen Harold und die lebenslustige 79-jährige Maude: Zwei Außenseiter, die sich gegen willkürliche Konventionen des Lebens auflehnen. Während die Zeitschrift Variety zum Kinostart noch konstatierte, der Film weise den gleichen Witz auf „wie ein in Flammen stehendes Waisenhaus“, gilt HAROLD UND MAUDE mit seiner sanften Anarchie, seiner unangepassten Emotionalität, seiner gewitzten Respektlosigkeit heute als Klassiker des New Hollywood: „If you want to be free, be free!“

Fr. 29.10.2021, 19:30 Uhr

Punishment Park

Aus dem Jahr 1971

Strafpark

(Punishment Park)
USA 1971. R: Peter Watkins. D: Patrick Boland, Kent Foreman, Carmen Argenziano, Luke Johnson. 88 Min. EnglOmdtU. FSK: 16

Die weltpolitische Lage um Vietnam, Korea und Kuba ist eskaliert; der US-Präsident erlässt Notstandsgesetze zur Internierung und schnellen Aburteilung von Kriegsgegnern und Polit-Aktivisten. Diese haben die Wahl: Langjährige Haftstrafe – oder ein Wettlauf gegen Sicherheitskräfte in einem Strafpark, 50 Meilen in drei Tagen, ohne Wasser und Nahrung. Zwei Kamerateams erhalten die Erlaubnis, in einem der Strafparks zu filmen…

Peter Watkins’ Inszenierung mit dokumentarischen Stilmitteln erzeugt auf den Zuschauer eine unmittelbare Wirkung: Das Science-Fiction-Setting spiegelt eine nur leicht veränderte Gegenwart, in der das Reaktionäre unter der Oberfläche lauert. Ein starkes Stück politisches Kino, das damals kontrovers aufgenommen wurde – und in den letzten Jahren mit Guantanamo-Gefängnissen und Trump-Rechtspopulismus seine Aktualität unter Beweis gestellt hat.

Do. 28.10. & Fr. 29.10.2021, 21:30 Uhr