Ralf Michael Fischer

Ralph Michael fischer
Kunsthistoriker, Universität Tübinge

Studium der Kunstgeschichte und Germanistik in Tübingen und an der University of Massachusetts in Amherst. Mitarbeit bei den Französischen Filmtagen in Tübingen von 1993 bis 1998. 2001 bis 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Kunstgeschichtlichen Instituten in Marburg und Frankfurt am Main. 2007 bis 2009 Mitarbeiter des Projekts „Genre und Genrekritik. Raumkonstruktionen des Erzählkinos und ihre filmische Reflexion“ an der Universität Frankfurt am Main. 2009 bis 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Akademischer Rat auf Zeit am Kunsthistorischen Institut der Eberhard Karls Universität Tübingen. Zur Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kunstmuseum Albstadt.

Dissertation über die filmische Raum- und Zeitkonstruktion im Werk von Stanley Kubrick (Berlin: Gebr. Mann 2009). Mitherausgeber des Bandes Film als Raumkunst (Marburg: Schüren, 2012). Habilitationsschrift über die Visualisierung und Reflexion der Frontier in der nordamerikanischen Kunst zwischen 1725 und 1930 von John Smibert bis Edward Hopper.

Schwerpunkte in Forschung und Lehre: Bildkünste, -medien und -theorien seit 1800; nordamerikanische Kunst vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart (u. a. Visualisierung und Reflexion der Frontier); documenta- und Ausstellungsgeschichte; Kunst- und Medienreflexion in Film, Fotografie und Malerei; Geschichte, Theorie und Ästhetik des Films (u. a. filmische Raum- und Zeitkonstruktion, Hollywood- und Autorenfilm, Essayfilm, Filmanalyse); Geschichte, Theorie und Ästhetik der Fotografie (u. a. abstrakte Fotografie)

Referat: Von der Linearperspektive zum filmischen Raum
Zur Geschichte und Ästhetik der Raumillusion im statischen und bewegten Bild

„Film wirkt weder als reines Raumbild noch als reines Flächenbild, sondern als ein Ineinander von beidem. Filmbilder sind zugleich flächig und räumlich“, notierte Rudolf Arnheim 1932 programmatisch in seinem Buch „Film als Kunst“. In diesem Kontext beharrt der Filmtheoretiker, Kunsthistoriker und Wahrnehmungspsychologe eindringlich auf der zentralen Bedeutung der Zweidimensionalität des Bewegtbildes, weil sich erst daraus die visuellen Ausdruckspotenziale des Films ergäben. Der Doppelcharakter zwischen Raumillusion und Flächigkeit ist freilich keineswegs neuartig, denn er prägt – gleichwohl ohne Bewegung – das westliche Bildverständnis seit der Entdeckung bzw. Erfindung der Linearperspektive in der Renaissance, aus deren Prinzipien sich auch die filmische Optik speist. Deshalb setzt sich der Vortrag zwei Ziele:

In einem ersten Schritt gilt es an markanten kunsthistorischen Beispielen die Geschichte und Ästhetik der bildlichen Raumillusion seit der Renaissance zu skizzieren. Neben der Linearperspektive und ihrer bekanntesten Variante, der Zentralperspektive, sollen auch weniger beachtete, nichtlineare Illusionierungsstrategien wie Helldunkel, Luft- und Farbperspektive vor Augen geführt werden, denn sie alle sind maßgeblich daran beteiligt, die Raumwirkung von statischen ebenso wie von bewegten Bildern zu gewährleisten. Dabei soll auch gezeigt werden, inwiefern die zweidimensionalen Eigenschaften von Bildkompositionen notwendiger Bestandteil sind, um Bedeutungen zu vermitteln.

In einem zweiten Schritt soll die Beschaffenheit des filmischen Raums erläutert werden, der auf der Interaktion von Mise-en-Scène, Mise-en-Cadre (Kameraarbeit) und Montage basiert. Dabei soll an prägnanten Beispielen der Filmgeschichte gezeigt werden, welche wesentlichen Mittel der Raumillusion dem Film zur Verfügung stehen, inwiefern der filmische Raum in der Bildraumtradition der Renaissance steht und worin er sich davon unterscheidet.

Jesko Jockenhövel,

Jesko Jockenhövel
Filmwissenschaftler, Filmuniversität Babelsberg

Dr. Jesko Jockenhövel studierte an der Universität Potsdam und an der Kingston University (London) Germanistik, Geschichte und Anglistik, bevor er in den Aufbaustudiengang Medienwissenschaft wechselte, den er mit einer Diplomarbeit an der Filmuniversität Babelsberg und der Roehampton University (London) abschloss. Im Anschluss absolvierte er ein wissenschaftliches Volontariat in der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (Berlin) im Bereich Ausstellungen. Danach war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsverbundprojekt PRIME, das sich mit der Produktion und Rezeption immersiver Medien beschäftigte. Seit Abschluss des Projektes ist er akademischer Mitarbeiter in den Studiengängen Medienwissenschaft und Digitale Medienkultur an der Filmuniversität Babelsberg. Er promovierte mit der Arbeit „Der digitale 3D-Film. Narration, Stereoskopie, Filmstil“ (Springer VS, 2014).

Weitere Veröffentlichungen sind:
● Jesko Jockenhövel/Michael Wedel (Hrsg.) (2017) „So etwas Ähnliches wie die Wahrheit“ – Zugänge zu Thomas Harlan. München: Text+Kritik.
● Claudia Wegener/Jesko Jockenhövel/Mariann Gibbon (2012): „3D-Kino. Studien zur Akzeptanz und Rezeption.“ Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
● Marco Abel/Jesko Jockenhövel/Chris Wahl/Michael Wedel (Hrsg.) (2012): „Im Angesichts des Fernsehens – Der Der Regisseur Dominik Graf.“ München: Text+Kritik

Referat: Business as usual oder unusual Business? Zur Stilistin von 3D-Filmen

Durch die Stereoskopie ergeben sich für den 3D-Film neue Möglichkeiten der stilistischen Gestaltung. Mein Vortrag wird anhand analog gedrehter sowie digital produzierter 3D-Filme darauf eingehen, welche Variationen das 3D-Verfahren bietet. Stil verstehe ich mit dem Filmwissenschaftler David Bordwell als „die systematische Verwendung von filmische Verfahren“. Wie auch bei anderen filmischen Verfahren kann durch 3D Bedeutung generiert werden. Es kann zur Geschlossenheit oder Offenheit der Form beitragen, Realismus oder Attraktionskino implizieren. Dabei gehe ich von der Prämisse aus, dass geschlossene Narration und Kohärenz nicht das Ideal der Filmgestaltung sein müssen, sondern dass es alternative Schauwerte und Wirkungsweisen gibt.

Ich werde einordnen, wie sich 3D an den derzeit herrschenden, dominanten Hollywoodstil anpasst, der als Weiterentwicklung des klassischen Filmstils zu verstehen ist. Es zeigt sich, dass der 3D-Film in seiner gegenwärtigen Form ein klassischer Erzählfilm bleibt. Ästhetisch geprägt wird der 3D-Film heute, im Gegensatz zu seinen analogen Vorgängern, jedoch stark von den Möglichkeiten der Digitalisierung: von visuellen Effekten, Einflüssen des Animationsfilms, virtuellen Kameras sowie digitalen Bildkompositionen, die alle auf einen kohärenten Bild- und Tiefeneindruck sowie (häufig) Plastizität zielen. Herausgebildet haben sich dadurch spektakuläre Bildwelten, die spezifisch für den Stil des digitalen 3D-Films geworden sind. Diese „stereoskopische Effektsequenzenen“ zeichnen sich durch drei Eigenschaften aus: Die Kamera unterliegt in ihrer Bewegungsfreiheit keinerlei Einschränkungen, es gibt eine starke Verwendung computeranimierter Szenen, und der dreidimensionaler Filmraum wird sowohl im zentralperspektivischen wie im stereoskopischen Modus evoziert. Beispielhaft werden Ausschnitt aus analogen und digitalen 3D-Filmen gezeigt sowie Vergleiche zu anderen filmtechnischen Verfahren wie dem Farbund dem Breitwandfilm gezogen.

Vortrag in einem Satz: Der Vortrag erläutert anhand des (digitalen) 3D-Films die Möglichkeiten und Veränderungen des Filmstils.

 

Stefan Drößler,

Stefan Drößler
Direktor des Filmmuseums München:

Stefan Drößler (* 1961 in Hillesheim (Eifel)) ist ein deutscher Filmhistoriker und Experte für Stummfilme. Er ist Direktor des Filmmuseums München, Gründer und Leiter der Internationalen Stummfilmtage in Bonn und Restaurator alter Filme. Außerdem beteiligt er sich an der Organisation internationaler Filmfestivals. Drößler studierte an der Universität Bonn, leitete dort einen Filmclub und organisierte Filmfestivals und Filmseminare.

[1] 1984/85 war er Filmreferent des Bundesverbandes für Studentische Kulturarbeit BSK e.V., 1984 bis 1989 leitete er das internationale Festival für experimentelle Kurzfilme „experi & nixperi“. 1985 gründete er mit Matthias Keuthen das Bonner Sommerkino, damals noch als Mischung aus Ton- und Stummfilmen im Poppelsdorfer Schloss. [2] Von 1986 bis 1998 war er Direktor der Bonner Kinemathek und des Brotfabrik-Kinos in Beuel. In seiner Bonner Zeit organisierte er auch das Filmprogramm des Hauses der Geschichte und der Bundeskunsthalle. Die aus dem Sommerkino hervorgegangenen Bonner Stummfilmtage leitet er noch heute.

Seit 1999 ist Drößler Direktor des Münchner Filmmuseums. Dort arbeitet er an der Restaurierung beschädigter oder teilweise verschollener Filme, meist aus den 1910er und 1920er Jahren, aber auch aus den 1950er Jahren, wie Lola Montez von Max Ophüls [3] oder Mr. Arkadin von Orson Welles [4]. Nebenbei beschäftigt er sich weiter mit internationalen Projekten, so organisierte er 2005 auf dem Filmfestival Locarno eine Orson-Welles- Retrospektive. [5] 2001 bis 2005 war er Mitglied des Executive Committee der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF), seit 2007 ist er Mitglied des Beirats Film des Goethe-Instituts. 2006 war er Mitbegründer des DVD-Label Edition Filmmuseum, in dem die Filmarchive aus dem deutschsprachigen Raum ihre Archivschätze und Filmrestaurierungen veröffentlichen.[6] 2008 war er in der Dokumentation „Harlan - Im Schatten von Jud Süss„ zu sehen, 2010 in der Dokumentation „Mythos Metropolis.“

Als Autor veröffentlichte Drößler Texte und Artikel in Zeitschriften wie „Film-Dienst“, „Recherche Film und Fernsehen“, „Journal of Film Preservation“ und „Film History“ sowie Büchern über Filmgeschichte und Filmtechnik. Als Herausgeber publizierte er Festival-Kataloge, Programmhefte, DVD-Booklets und Bücher über Filmrestaurierungen sowie eine Arbeit über Orson Welles [7]. Er hält Vorträge, Vorlesungen und Seminare an Universitäten und Hochschulen im In- und Ausland, so an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, der Ludwig-Maximilians-Universität in München, der Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn, der New York University, der Yale University in New Haven, der Harvard University in Cambridge, der University of California in Los Angeles und CalArts in Santa Clarita.

Referat: Die Geschichte des 3D-Fioms von  1895 bis heute

• 1800-1900: Stereoskopie und Kaiserpanorama
•  1900-1930: Filmpioniere und Anaglyphensystem
• 1930-1945: Polarisation und einstreifige 3D-Filme
• 1945-1960: Linsenraster und Hollywood
• 1960-2000: 70mm und StereoVision
• 2000-2016: Digitales Kino und 3D

Marcus Zeiser

Marcus Zaiser
Cinematographer, Stereographer:

.Marcus studierte Film und Medien mit Schwerpunkt Bildgestaltung an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Zudem hatte er die Möglichkeit, ein Auslandsjahr an der renommierten polnischen Filmhochschule PWSFTViT in Lodz zu absolvieren. Im Januar 2007 hat Marcus sein Studium mit dem mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm AM RAND DER HOFFNUNG abgeschlossen. Seitdem arbeitet er als freiberuflicher Kameramann für Kino und TV. Marcus kann auf eine Reihe preisgekrönter Filme aus den unterschiedlichsten Genres zurückblicken wie zum Beispiel den Werbefilm MAX MAULWURF, den Kinderkurzfilm MORITZ, den Dokumentarfilm PERFEKTE MÄDCHEN und den Kurzfilm TAKE IT EASY.

Marcus ist Mitglied im Berufsverband Kinematografie. Neben seiner bildgestalterischen Tätigkeit arbeitet Marcus zusätzlich als Berater für stereoskopische Filmprojekte im Auftrag der Firma Stereotec. So war er sowohl an deutschen 3D Kinofilmen beteiligt (WICKIE AUF GROSSER FAHRT von Christian Ditter) als auch an internationalen Großprojekten (DIE IRRE HELDENTOUR DES BILLY LYNN von Ang Lee, HÄNSEL & GRETEL – HEXENJÄGER von Tommy Wirkola, RETURN OF YIY und JOURNEY TO CHINA von Oleg Stepchenko).

Neben seiner praktischen Arbeit als Filmemacher gibt Marcus sein Wissen und seine Erfahrung in individuell konzipierten Workshops weiter

Referat: 3D in der Praxis: Ein Werkstattbericht über die Arbeit mit nativem 3D an Filmsets

Mein Werkstattbericht gliedert sich in drei Teile. Er beginnt mit einem Praxisteil, gefolgt von einem Drehbericht im Mittelteil, und abschließend werden verschiedene 3D Gestaltungsmöglichkeiten beleuchtet. Im Praxisteil wird die Funktionsweise eines modernen, vollmotorisierten 3D Rigs (Lightweight Rig von Stereotec) anschaulich erklärt. Welches Personal und welche Technik werden für einen nativ gedrehten 3D Film benötigt? Nativ bedeutet in diesem Fall die Verwendung von zwei Kameras und einem Beamsplitter-Rig.

Der Drehbericht erläutert die Vorbereitungen zu einer 3D Produktion, die Abläufe während der Dreharbeiten, sowie die Aufgaben in der Postproduktion. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Zusammenarbeit und der Kommunikation mit den Kreativabteilungen Regie und Kamera.

Wie kann der Mehrwert „räumliche Tiefe“ bei 3D Produktionen dramaturgisch sinnvoll eingesetzt werden? Was bedeutet Rauminszenierung? Welche Möglichkeiten bietet 3D beim Geschichtenerzählen? Diesen und anderen Fragen widmet sich der abschließende Teil meines

Sebastian Leutner

Sebastian Leutner
Head of Art & Entertainment, Chimney-Group

Geb. 1978 in Kenzingen / Baden, absolvierte ein Studium der Wirtschaftswissenschaften. Im Anschluss sammelte er Erfahrungen in der Filmbranche im In- und Ausland und studierte an der Filmakademie Baden-Württemberg Produktion mit den Schwerpunkten ≫International & Digital & Animation Producing≪ (bis 2006). Anschliessend war er als Junior Producer für die TV-Serie Alarm für Cobra 11 tätig und verantwortete als VFX-Producer den TV-Zweiteiler Die Gustloff und die internationalen Kinofilme The Children, Faintheart sowie Hape Kerkelings Ein Mann ein Fjord.

Von 2008 – 2013 war er Executive Producer für die Spielfilmabteilung von Pixomondo in Deutschland. Während dieser Zeit produzierte er mit seinen Teams VFX für u.a. Roman Polanski’s The Ghostwriter, Iron Man 2, Fast & Furious 5 und Lars von Trier’s Melancholia, sowie den TV Events Hindenburg und Vulkan. Die letztgenannte TV-Produktion stellte er 2009 beim 24 Symposium „Digitale Welten“ in Mannheim vor. Ab 2011 leitete er zusätzlich als COO die Berliner Niederlassung von Pixomondo. Hier verantwortete er mit seinen VFX Teams die VFX für den mit dem Oscar für VFX ausgezeichneten Spielfilm „HUGO“ von Martin Scorsese & der mit dem VFX Emmy ausgezeichneten HBO Serie Game of Thrones.

Seit Oktober 2013 leitet Sebastian Leutner als Head of Art & Entertainment Germany die Spielfilm & TV Abteilung für Chimney Deutschland. Er war mit der Postproduktion & VFX Bearbeitung von u.a. Underdog aka White Dog, Good Kill, Pettersson & Findus II und Deutschland 83 beauftragt

Referat: on 2D auf 3D – Transformation am Computer

Einen Film in 3D erleben, obwohl dieser nicht mit einem stereoskopischen Kamerasetup gedreht wurde, dies ermöglicht das Verfahren der stereoskopischen Konvertierung um aus „flachen“ Bildern einen fertigen räumlichen Film zu generieren.

Die stereoskopische Konvertierung wird heute überwiegend bei allen in den Kinos startenden Spiel-& Animationsfilmen angewandt.

Ich werde einen Überblick über den Einsatz der Technik & die Vor- & Nachteile dieser geben. Vor allem im Vergleich zu nativ gedrehtem stereoskopischen Bildmaterial, bzw. stereoskopisch produzierten visuellen Effekten & der Kombination mit der stereoskopischen Konvertierung.

Dominique Ott-Despoix

Dominique Ott-Despoix
Tutor an der FU Berlin

Dominique Ott-Despoix, 1993 in Berlin geboren, studiert seit dem Wintersemester 2016/17 im Master Filmwissenschaft an der Freien Universität und ist zusätzlich als Tutor eingestellt. In diesem Kontext hat er Kurse zu Filmgeschichte und journalistischem Schreiben über Film unterrichtet. Sein Studium begann er 2013 in Filmwissenschaft und Sozial- und Kulturanthropologie an der Freien Universität Berlin. Das dritte Bachelorjahr verbrachte er im Rahmen eines Austauschprogramms zwischen der FU Berlin und US-Amerikanischen Universitäten an dem Department of Film and Media Studies der University of California Berkely. Vor Ort besuchte er unter anderem einen Graduate-Kurs zu Stereoskopie und 3D-Kino bei Prof. Kristen Whissel. Seine akademischen Interessen umfassen Realismus-Theorie und -Bewegungen, zeitgenössische Blockbuster- und digitale Ästhetik sowie Japanisches Kino.

Referat: Digitales 3D-Kino als immersive Attraktion
Über die immersive Ästhetik des gegenwärtigen Blockbuster-Kinos als zeitgenössische Form der Kino-Attraktion

Schon früh wurde die dritte Dimension im Film zu einer Technologie ernannt, die wie Ton und Farbe den Realitätsgehalt des Mediums steigert. Bis heute dient 3D in einer Debatte um die Beschaffenheit des digitalen Bildes als Argument für den Realismus von letzterem. Dabei entsprechen stereoskopische Effekte im 3D-Kino weder einer naturalistischen Wahrnehmung des Raums noch einer realistischen Ästhetik, wie sie von André Bazin geprägt wurde. Vielmehr wird 3D im digitalen Zeitalter mit Computeranimation oder CGI (computer generated imagery) kombiniert, um visuell glaubwürdige Welten zu erschaffen, die jedoch auf einer illusorischen Ebene verharren. Somit distanziert sich das zeitgenössische 3D-Kino von Realismusdfrage und verfolgt, die mit dem Begriff Immersion erfasst werden kann. Gemeint ist nicht etwa ein inhaltliches Interesse für den weiteren Handlungsablauf eines Films, sondern eine kinetische körperliche Empfindung, die aus einer physisch umfassenden, überwältigen Sinneserfahrung resultiert.

Tatsächlich sind 3D-Blockbuster bei der Positionierung ihrer Zuschauerschaft mit zeitgenössischen Themenpark-Attraktionen vergleichbar, welche eine Vielzahl an Gestaltungsmitteln einsetzen (darunter 3D), um bei ihrem Publikum einen Zustand der körperlichen Immersion zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Digitales 3D-Kino verfolgt den gleichen Effekt, wenn es synästhetische Wahrnehmung fördert, Bildtiefe, Zentralperspektive und Vorwärtsbewegungen der Kamera hervorhebt, die Leinwand vergessen läßt und den Kinosaal in einen Raum zwischen filmischer Welt und physischer Realität verwandelt. Die resultierende Ästhetik rückt den Film wieder näher an das von Tom Gunning definierte Kino der Attraktionen heran. Dieses lässt sich unter Beachtung der sich wandelnden Relation zwischen Attraktion, Immersion und Narration im zeitgenössischen Kino weiterdenken. Das Kino der Attraktionen kann somit dazu beitragen, den Stellenwert des digitalen 3D-Kinos in unserer Zeit nachzuvollziehen und zu verstehen.

Rolf Coulanges
Cinematographer, Prof. of Cinematography:

Rolf Coulanges studierte zunächst Philosophie bei Georg Picht, später dann an der Film- und Fernsehakademie in Berlin. Seit 1979 arbeitet er freiberuflich als Director of Photography bei Dokumentar- und Spielfilmen. Er drehte als Regisseur und Kameramann mehrere Dokumentarfilme, meist in Lateinamerika, darunter den Film SACY PERERE, der 1985 beim Londoner Filmfestival von der British Society of Cinematographers als „Outstanding Film of the Year“ ausgezeichnet wurde.

1988 bis 1998 unterrichtete er im Auftrag des Goethe-Instituts an Filminstituten verschiedener Länder Afrikas sowie Brasiliens und Mexikos. In Deutschland unterrichtete er mehrere Jahre „Kameraführung“ an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) und an der Filmakademie Ludwigsburg. Seit 1992 ist er regelmäßiger Gastprofessor der Internationalen Filmhochschule in San Antonio (EICTV), Cuba. Er lehrt dort an der Catedra Fotografía, die er von 1999 – 2005 auch leitete. 2001 wurde er als Professor für Bildgestaltung und Lichtführung im Film an die Hochschule der Medien in Stuttgart berufen und war dort bis zu seiner Emeritierung 2010 für den Bereich Film und Digital Cinematography verantwortlich. An der HdM begann er mit Forschungsarbeiten zur Entwicklung digitaler Filmkameras. Durch die Zusammenarbeit mit Arnold & Richter (ARRI, in München) wurden in den szenischen Produktionen der Hochschule die ersten digitalen Kameras eingesetzt (Arriflex D20 und D21).

Seit 2011 lebt Rolf Coulanges wieder in Berlin und ist freiberuflich als Director of Cinematography tätig. Außerdem unterrichtet er als Gastprofessor klassische und digitale Filmfotografie an der EICTV sowie an Filminstituten in Kirgistan, Myanmar und Zimbabwe. Er ist Autor von Publikationen zur Lichtgestaltung in Murnaus „Sunrise“, zur Fotografie der Kameraleute Michael Ballhaus, Renato Berta, Raoul Coutard und Robby Müller und zu grundlegenden Fragen der Bildgestaltung der digitalen Kinematographie. Neben der Arbeit an einem Dokumentarfilm ist er gegenwärtig im Rahmen der IMAGO an einem Forschungsprojekt für die Entwicklung kreativer Tools in der digitalen Bildentwicklung beteiligt.

Rolf Coulanges ist seit 1996 im Vorstand des Berufsverbandes Kinematografie und seit 2016 im Vorstand der IMAGO, dem internationalen Dachverband der Kameraverbände.

Referat: Raum in Bewegung

Der 3D-Film tritt mit seiner Vorstellung von Dreidimensionalität des Bildes gegen eine große Filmtradition und deren Definitionen von Räumlichkeit an, statt auf ihr aufzubauen. Der Referent stellt einige grundlegende Überlegungen an und erläutert an Filmbeispielen, dass sich Regisseure und Kameraleute dem Anspruch auf Dreidimensionalität des Bildes schon immer gestellt haben aber statt stereoskopische Effekte zu nutzen auf die Abstraktion von Bildelementen setzten. Nicht der umfassendste Detailreichtum des Bildes, sondern die Etablierung der Bildtiefe durch wenige, genau gesetzte Elemente und die Nutzung fotografischer Gestaltungsmöglichkeiten wie Schärfe und Unschärfe und bestimmte Montagetechniken waren die künstlerischen Mittel, um einen Zuschauer in einen jeweils neuen Filmraum zu führen.

Ludger Pfanz

Ludger Pfanz
Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe, Leiter des 3D-Festivals Beyond

Ludger Pfanz wurde 1958 in Schopfloch / Mittelfranken geboren, wo er bereits 1972 das Jugend- und Kulturzentrum „Feuchtwangen“ gründete. An der FU Berlin studierte er später Theater- und Literaturwissenschaft, gründete 1978 die Videowerkstatt „Autofocus“ in Berlin und wurde 1980 Mitbegründer des Kunst- und Kulturzentrums Kreuzberg.

Ab 1982 reiste er als freier Regisseur, Autor und Produzent für Dokumentarfilme und Produktionen quer durch die Welt (u.A. USA, China, Zimbabwe, Irak, Türkei, Guatemala, Mexico, Ekuador, Costa Rica, Island), dabei arbeitete er unter anderem für ARD, SWR, NDR, WDR und ARTE. Zudem schrieb er mehrere Drehbücher für Spielfilme und entwickelte ein Kinderfilmformat. Schließlich schloss er sein Film- und ein Aufbaustudium an der Hochschule für bildende Künste 1993 mit Auszeichnung ab.

1997 begann er an der staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe „Film“ zu unterrichten und wurde zum Leiter von Video-, Film-, Sound-, Animations-, Bühnen- und Multimediastudios und von 2002-2011 Fachgruppensprecher für Medienkunst. Seit sechs Jahren ist Ludger Pfanz im Hochschulrat der HfG und im Beirat der Karlshochschule International University. Im Jahr 2000 gründete er mit Gülsel Özkan die „PLANET“ Filmproduktion in Ettlingen, Baden-Württemberg.

2002 graduierte er im EAVE Programm zur Weiterbildung für europäische Produzenten. Darüber hinaus absolvierte er Kurse in Basis Dramaturgie / Komödie / Thriller / Love Story / Projektentwicklung / Dialoge und Charakterenentwicklung. 2008 begann er auch Dramaturgie zu unterrichten, u.A. mit Keith Cunningham und Tom Schlesinger. Seit 2010 ist er Gründer und Leiter des „Expanded 3 Digital Cinema Laboratory“ an der HfG/ZKM, dem weltweit einzigartigen Labor zur Erforschung von „Contentfragen“ zu neuen digitalen Kunst- und Filmformaten. 2009 gründete er die „3D Allianz Karlsruhe“ und ein internationales 3D Konsortium (u.A. mit Hongkong, Singapur, Australien und Kanada). Seit 2011 ist er Honorarprofessor an der Karlshochschule International University für die Fächer „Kunst- und Kulturmanagement“ und „Medienmanagement“.

Referat: Raum-Zeit-Narrative – Dramaturgische und ästhetische Modelle für stereoskopische Filme

In den kommenden Jahrzehnten werden neue Medientechnologien unser Leben und unsere Wahrnehmung stark verändern. Stereoskopische und autostereoskopische Technologien, mobile Geräte mit 3D-Fähigkeiten, 3D-Laser, Laser Scanner, 3D-Drucker –Virtuelle Realität-VR, Augmented Reality-AR und Mixed Reality-MR und neue Schnittstellen, die in Zusammenarbeit von Ingenieuren und Künstlern geschaffen wurden, ermöglichen den vollen Zugang zur vierten Dimension und führen zu neuen Geschäftsmodellen in allen Industriezweigen, besonders im kulturellen und schöpferischen Umfeld.

Zur Entwicklung der Inhalte und der spezifischen Erzählweisen im Bereich der Stereoskopie gibt es bis heute kaum Forschung und kaum akademische Ausbildungsmöglichkeiten. Bislang beschränkte man sich meistens auf die Herstellung von 2D-Filmen mit 3D-Effekten, in etwa vergleichbar mit einem Stummfilm mit einer Tonspur.

Aus unseren Erfahrungen in der Forschung und mit dem 3D Festival BEYOND, ergab sich, dass der sinnvolle Umgang mit diesen Techniken schon im „vortechnischen“ Bereich beginnen muss. Nur so kann verhindert werden, dass die technischen die inhaltlichen Komponenten dominieren und spektakuläre Seh- und Hörerlebnisse diese inhaltlichen Fragestellungen erdrücken.

Wenn der Raum (topos) nicht bereits im Drehbuch eine eigene Bedeutung (meaning) erhält, verbleiben der 360°-Film bzw. die 3D-Filme auf der Ebene der Effekte. Dann kann von originärer VR oder 3D-Kunst nicht mehr die Rede sein.

Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass der gute 3D-Film und „echte“ Virtual Reality nicht nur die vier Weisen der Spannung - temporal, vertikal, horizontal und parallax - benötigt, sondern auch dder Bedeutung der Tiefenebenen Rechnung tragen muß (z. B. dem intimen Raum, dem sozialen Raum, dem Raum der Interaktion und dem Raum, den die wahrgenommene Umgebung darstellt) welche inhaltliche, ästhetische oder emotionale Bedeutung räumliche und zeitliche Koordinaten wie Himmelsrichtungen oder Orte haben. [Der Großbuchstabe „Z“ sollte weg, weil dort kein Absatz vorgesehen ist.]

In der Auseinandersetzung mit einem Thema sollte man die Möglichkeiten der neuen Medientechniken so nutzen, dass sie der künstlerischen Aussage dienen; sie sollten den Künstler keinesfalls zum Diener der Technik machen. Wünschenswert in Bezug auf die immersiven Medien wäre zudem eine dramatische Theorie, die den Arbeitstitel „A Quantum Theory of Drama“ tragen könnte - etwas zwischen Einstein und Eisenstein.