Der Sonntagmorgen begann mit einem Vortrag von Ralf Michael Fischer, Kunsthistoriker aus Tübingen, der den Regisseur Anthony Mann als „Hollywood-Auteur“ vorstellte. Dieser hatte insbesondere in den 40er Jahren und zu Beginn der 50er Jahre mit „Film-Noir“-Filmen und dann mit einer Reihe von Western auf sich aufmerksam gemacht. Fischer arbeitete insbesondere heraus, wie dieser Regisseur in den Genrefilmen immer sehr gut eine Sozialkritik an der amerikanischen Gesellschaft unterbringen konnte, was angesichts der strengen Genre-Vorgaben einerseits und auch der Gesamtpolitik in Hollywood als eine besondere Handschrift angesehen werden muss, da sich einerseits nicht jeder Regisseur damit durchsetzen konnte, aber auf der anderen Seite diese inhaltlichen Aspekte fast im gesamten Werk des Regisseurs zu finden sind. Der Vortrag machte auch deutlich, welche Spielräume trotz aller industriellen Vorgaben einem guten Regisseur im Rahmen der Umsetzung eines vorgegebenen Drehbuchs verblieben.
Anschließend referierte die Filmwissenschaftlerin Jennifer Borrmann über Fatih Akin, den sie als „transkulturell arbeitenden Regisseur“ beschrieb, indem er seine zwei Kulturen, in denen er beheimatet ist (die deutsche und die türkische) und seine biografischen Erfahrungen in sein gesamtes Werk einbringt. Die Referentin arbeitete dabei insbes. heraus, dass er dabei im Laufe seines Werkes auch auf die Veränderung der Gesellschaft gegenüber Migranten bzw. die Veränderung der Migranten selbst wiederspiegelt. Ganz frühere Filme von Akin beschreiben noch die Stigmatisierung von Migranten, spätere Werke schildern die Integrationsbemühungen beider Seiten mit teilweise positiven, teilweise negativen Ergebnissen und die jüngsten Werke beschäftigen sich auch mit der Bereicherung der deutschen Kultur durch Emigranten. Die beiden letztgenannten Referenten illustrierten ihre Vorträge sehr anschaulich mit Filmausschnitten.
In einer anschließenden Diskussionsrunde wurden abschließend nochmals die Vorträge miteinander in Beziehung gesetzt und ergänzende Fragen beantwortet.
Abschließend war der Film AUGE IN AUGE von Michael Althen zu sehen, der nochmals die deutsche Filmgeschichte von der Stummfilmära bis ins 21. Jahrhundert Revue passieren ließ, indem er zehn deutsche Regisseure über ihre zehn deutschen Lieblingsfilme sprechen ließ und damit sowohl die Vorbilder als auch die derzeitigen Vertreter des deutschen Films zusammenbrachte.
Insgesamt muss das Symposium als voller Erfolg gewertet werden. Es war mit ca. 120-130 Teilnehmern an verschiedenen Tagen außerordentlich gut besucht. Die Teilnehmer bestätigten allgemein, durch die Vorträge und Filme eine in sich schlüssige und in jeder Hinsicht bereichernde Weiterbildung erfahren zu haben und auch die Referenten brachten zum Ausdruck, viele neue Erkenntnisse mitgenommen zu haben.
Peter Bär