Andreas Jacke
Autor und Publizist, Berlin


Eröffnungsvortrag
Welche Realitätsebene wird durch die Filmtricks etabliert?

Das große Illusionskino hat vor allem durch seine zahlreichen optischen Tricks und Effekte eine enge Verwandtschaft zur traditionellen Zauberkunst, die wiederum ein spezieller Ableger des Wunders in der Religion und des Mythos gewesen ist. Schon die Animation selbst, also die Illusion, die aus den laufenden Filmbildern herrührt, hat etwas von Wiederbelebung toter Materie oder zumindest der Aktualisierung von längst Gewesenem. Daher ist der Trickfilm, wo unorganisches Material zum Leben erweckt wird, nicht bloß eine Spielart des Films, sondern eröffnet den Blick auf das Wesen des Films.

Dr. Andreas Jacke, (* 1966). Filmwissenschaftler und Autor. Veröffentlichung von 9 Monographien, zahlreichen Rezensionen und Artikel. Magisterarbeit über Walter Benjamin und Carl Schmidt (unveröffentlicht), Promotion über Marilyn Monroe. Arbeitsschwerpunkte: Film und Psychoanalyse, Frankfurter Schule, Dekonstruktion und Feminismus. Vorträge in zahlreichen psychoanalytischen Instituten in Deutschland und der Schweiz. Regelmäßige Lehrveranstaltungen an der Filmhochschule FilmArche Berlin. Aktuelle Veröffentlichung: „Das Melodram, die Sucht und die Liebe: Rainer Werner Fassbinder“, Königshausen & Neumann, Würzburg 2019. Zudem ist er staatlich anerkannter Erzieher und Vater.

Fr. 05.11.2021, 15:30 Uhr

Kathrin von Kap-herr

Katrin van Kap-herr,
Medienwissenschaftlerin, Berlin


Vortrag 2:
Nichts als Effekte?
Zum Verhältnis von Spektakel und Narration im populären Kino

Der Vortrag möchte Strategien aufzeigen, wie das gegenwärtige Verhältnis von Spektakel und Narration im populären Kino neu gelesen werden kann und darlegen, wie sich dadurch neue Sichtweisen auf diese vermeintlichen Gegensätze ergeben können. Über eine Betrachtung des gleichzeitigen Zeigens und Verbergens sollen Attraktion und Narration daher nicht gegeneinander ausgespielt, sondern ihre Zusammengehörigkeit aufgezeigt werden. Die Annahme ist es, dass digitale Visual Effects nicht nur ihre Effekthaftigkeit als Spektakel ausstellen, sondern selbst zum narrativen Element innerhalb des Films geworden sind und daher ihre Effekthaftigkeit sowohl zeigen als auch verbergen.

Dr. Katrin von Kap-herr ist Diplom-Kulturwissenschaftlerin und promovierte Medienwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Film- und Medienwissenschaft. Nach Berufserfahrungen im Bereich von Film und Fernsehproduktion, Filmfestivals und Ausstellungen arbeitet sie derzeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Europäische Medienwissenschaft, einem Kooperationsprojekt der Universität Potsdam und der Fachhochschule Potsdam sowie in einem Forschungsprojekt zu Partizipation und audiovisueller Kommunikation an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Ihr Interesse gilt klassischen wie auch massenmedialen Genres technischer Bildmedien. Insbesondere lehrt und forscht sie zu kulturellen und ästhetischen Praktiken im digitalen Zeitalter, medialen Inszenierungsformen Ecocinema und Storytelling, KI und Medien.

Fr. 05.11.2021, 18:30

Gespräch via Videokonferenz mit Rolf Giesen, mit Diskussion


Vortrag 3:
Zur Geschichte der Special Effects / Entwicklungsschübe und wirtschaftliche Aspekte, damals und heute

Rolf Giesen, Filmhistoriker, Filmwissenschaftler für SFX und VFX, Mecklenburg-Vorpommern. Zur Geschichte der Special Effects: Entwicklungsschübe und zu wirtschaftlichen Aspekten der Tricktechnik, damals wie heute.

Rolf Giesen ist einer der renommiertesten Wissenschaftler im Bereich von Filmtricks und Trickfilm sowie des fantastischen Films – wegen seiner vielen Bücher zum Bereich Horror und Fantastik erhielt er in den 1980ern den Spitznamen „Dr. Horror“. Für das Filmmuseum Berlin konzipierte er die Dauerausstellung über Ray Harryhausen. Die Rolf-Giesen-Sammlung der Deutschen Kinemathek zu Trickfilm und Filmfantastik gilt als eine der besten Kollektionen in Europa.

Dr. Rolf Giesen (*4. Juli 1953 in Moers) promovierte 1979 an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über den Phantastischen Film. Die Rolf-Giesen-Sammlung der Deutschen Kinemathek ist eine der umfangreichsten zur analogen Special-Effects-Geschichte und umfasst Masken, Modelle, Stop-Motion-Figuren, Maquettes, Entwürfe, Zeichnungen, Glasgemälde. Giesen arbeitete als Supervisor und Autor an VFX- und Animationsfilmen, erlebte die Zäsur vom analogen zum digitalen Spielfilm in den 1980er Jahren in Hollywood. Er arbeitete mit Ray Harryhausen und Albert Whitlock, unterrichtete in Deutschland und China (Communication University of China in Beijing, Jilin Animation Institute), gestaltete Ausstellungen (beginnend mit der SFX-Ausstellung der Berlinale 1985), veröffentlichte zahlreiche deutsch- und englischsprachige Bücher und Artikel, sprach Audiokommentare, stets seinem Selbstverständnis als Historiker über den engen Rahmen der Filmtechnik und -geschichte hinaus folgend. Semi-retired in Grambin am Stettiner Haff. Beratende Tätigkeit für das Filmmuseum Düsseldorf.

.Sa. 06.11.2021, 10:00 Uhr

Michael Bink

Michael Brink,
Geschäftsführer LAVAlabs Moving Images

Werkstattgespräch 1:
100 Jahre VFX im Film: Was wäre ein Film ohne visuelle Effekte

Wie lässt man das Oktoberfest von 1900 wieder lebendig werden? Wie fühlen sich die 1920er an, die von Bertolt Brecht geprägt sind, von seinem größten kommerziellen Theatererfolg mit der „Dreigroschenoper“? Wie erschafft man die 1980er Jahre so realistisch, dass man gefesselt Martin Rauch in DEUTSCHLAND 83/86/89 bei seinem Balanceakt zwischen BRD und DDR zuschauen möchte?

VFX-Studios erschaffen 125 Jahre nach der Erfindung des Kinos Filme und Serien, in denen digitale und analoge Bilder scheinbar nahtlos miteinander fusionieren.

Michael Brink ist Mitgründer und Geschäftsführer von LAVAlabs Moving Images, die er 2011 gemeinsam mit Rolf Mütze gegründet hat. LAVAlabs ist ein innovatives und kreatives Studio für ganzheitliche Kommunikationslösungen in den Bereichen Film, Werbung und Live Media. Zuvor war er als Geschäftsführer bei verschiedenen Firmen tätig, wo er unter anderem als Key Account Manager für Kunden wie P&G, L’Oréal, Deutsche Bahn und Nestlé zuständig war. Im Filmbereich arbeitete er an Produktionen wie Tom Tykwers CLOUD ATLAS, Jean Jacques Annaud’s ENEMY AT THE GATES, sowie Wim Wenders’ PINA, um nur einige wenige zu nennen. Bei LAVAlabs ist er für die Bereiche Marketing, Vertrieb und Forschung zuständig. Darüber hinaus hat er 2015 gemeinsam mit Partnern den INNOVATIONSHUB gegründet. Hier wird direkt an der Schnittstelle zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen an technischen Innovationen gearbeitet, die uns in der nächsten Zeit begleiten werden.

Sa. 06.11.2021, 11:30 Uhr

Gerd Nefzer

Gerd Nefzer,
Nefzer Special Effects GmbH, Schwäbisch Hall


Werkstattgespräch 2:
Special Effects vs. Visual Effects

Gerd Nefzer wird einige von Regisseur Denis Villeneuve für BLADE RUNNER 2049 kreierten Effekte vorstellen. Die Effekte werden hierbei von der Planung, Vorbereitung, Tests, Dreharbeiten bis zum Ergebnis auf der Leinwand erläutert. Für BLADE RUNNER 2049 erhielt Gerd Nefzer 2018 den Oscar für die besten visuellen Effekte.

Bei diesen Effekten wurden u. a. teilweise mit computergesteuerten Mechaniken gearbeitet, um einen Bodyguard-Spinner (Flugobjekt) in einem Gebäude landen bzw. einen Spinner-Van langsam im Wasser versinken zu lassen.?

Gerd Nefzer wurde 1965 in Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg, geboren. Nach der Schule besuchte er die Technikerschule in Triesdorf, welche er als Agrartechniker abschloss. 1987 begann Gerd Nefzer in der Firma seines Schwiegervaters zu arbeiten. Dies war sein erster Kontakt mit dem Filmgeschäft (Filmfahrzeuge). 1991 arbeitete er erstmals als SFX-Techniker bei STRAUSS DYNASTIE. Der internationale Durchbruch gelang dem Unternehmen im Jahr 2000 mit ENEMEY AT THE GATES im Studio Babelsberg. Gerd Nefzers erste Show als SFX Supervisor war RESIDENT EVIL in 2001. Nebenbei leitet Gerd Nefzer mit zwei weiteren Geschäftsführern das Familienunternehmen Nefzer Special Effects GmbH. Nach zahlreichen internationalen Filmen wie INGLOURIOUS BASTERDS, HUNGER GAMES und CAPTAIN AMERICA und Zusammenarbeiten mit Regisseuren wie Steven Spielberg und Produzenten wie Bernd Eichinger gewann er den Oscar (Academy Award) & BAFTA Award für BLADE RUNNER 2049.

Anschließend Diskussionsrunde mit Michael Brink und Gerd Nefzer

Sa. 06.11.2021, 16:15 Uhr

Frank Junghahn LED Cave

Frank Junghahn, LED-Cave, Mannheim
Mediengestalter seit 1993


Werkstattgespräch 3:
Filmproduktionsstätte LED-Cave in Manneim

Seit kurzem gibt es in Mannheim eine LEDcave – ein virtuelles, rundum mit hochauflösenden LED-Modulen bestücktes Produktions- und XR-Studio, das sich für Film, Werbung, Live-Events und mehr eignet. Ziel ist es, Hightech-Medienproduktion für alle Medienteams zugänglich zu machen. Durch die virtuelle Produktion werden in kürzerer Zeit mehr Medien erstellt und die Postproduktion kann stark verkürzt werden, da 360°-Hintergründe während der Aufnahme erstellt werden.

"Anfänglich war ich als Kameramann und Cutter, später dann auch als Compositing Artist hauptsächlich im TV-Bereich unterwegs.
Aufgrund des steigenden Bedarfs an Medienserver Fachleuten im Veranstaltungsbereich, lernte ich dann zusätzlich nach und nach die verschiedensten Hard- und Software Konfigurationen zu programmieren.

Da aufwendige Multimedia Installationen mit Projektoren, LED Wänden, Audioanlagen und Lichtpulte exakt auf die Millisekunden synchron gesteuert werden müssen, war ich gezwungen, auch das Thema Mediensteuerung in mein Portfolio mit aufzunehmen.
Die Kombination aus Kreativität und technischem Sachverstand erwies sich als äußerst hilfreich, gerade wenn man als Vermittler zwischen Agenturen und technischen Dienstleistern steht.

Und da Stagnation bekanntlich Rückschritt bedeutet, habe ich mir immer neue Aufgaben gesucht, die mir zeitgemäß und für das Showbusiness geeignet erschienen. Vor diesem Hintergrund habe ich dann eine Ausbildung zum KUKA Roboter Programmierer absolviert, was mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Generell war jedoch schon immer meine Prämisse, immer da zu Stelle zu sein, wo Bedarf entsteht und Probleme immer als Herausforderung zu sehen, um sich ständig zu verbessern."

So. 07.11.2021, 09:15 Uhr

Melanie Beisswenger

Melanie Beisswenger,
Filmwissenschaftlerin, Salzgitter


Vortrag 4:
Digitale Figuren und Kreaturen im Film

Schon die frühen Stop Motion-Kreaturen von Ray Harryhausen in Filmen wie SINDBADS SIEBENDE REISE und JASON UND DIE ARGONAUTEN haben die Zuschauer in ihren Bann gezogen und verzaubert. Die Figur Gollum in den HERR DER RINGE-Filmen stellte dann, im digitalen Zeitalter, eine besondere Herausforderung für Regisseur Peter Jackson und die 3D-Spezialisten dar, da er eine tragende Rolle innehat. Sein Charakterdesign ist weit genug vom menschlichen Aussehen entfernt gewählt, um nicht zum „Uncanny Valley“-Effekt zu führen: Dabei würde ein menschenähnliches und doch künstlich erscheinendes Wesen extrem unheimlich wirken. Die Kombination aus dem Motion Capture-Schauspiel von Andy Serkis und der detailreichen Animationsarbeit erzeugte insbesondere im Gesicht eine eindrucksvolle digitale Performance und Persönlichkeit für Gollum, mit der Weta Digital einen neuen Standard setzt.

Prof. Melanie Beisswenger ist eine international arbeitende Charakter-Animatorin und Filmemacherin. Sie ist Alumni der Filmakademie Baden-Württemberg und war Fulbright Stipendiatin an der University of Southern California in Los Angeles. Ihre Bandbreite reicht von internationalen Animations- und VFX Produktionen bis zur Umsetzung eigener künstlerischer Projekte: Ihre Animations-Credits beinhalten u.a. den mit einem Academy Award ausgezeichneten Kinofilm HAPPY FEET, das Sequel HAPPY FEET 2, den TV Launch Spot für das Spiel BioShock sowie den VFX Film IRON MAN 3 (Academy Award Nominee für Best Visual Effects). Deutsche Produktionen an denen Beisswenger gearbeitet hat sind der animierte Kinofilm DER 7BTE ZWERG und die Buchverfilmungen SAPHIRBLAU und SMARAGDGRÜN, an denen sie als Lead Animatorin für den digitalen 3D-Charakter verantwortlich war. Ihre standortspezifische Videoprojektion ‚Dance Experiments’ wurde im Rahmen des World Festival of Animated Film - ANIMAFEST Zagreb auf der Fassade des Museums für zeitgenössische Kunst (MSU) Zagreb im Juni 2016 aufgeführt, und ihr animierter Kurzfilm THERE’S BLISS IN THE KISS hat viele internationale Preise gewonnen.

Seit 2019 ist Beisswenger Professorin im Studiengang Mediendesign an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften. Von 2014 - 2019 war sie Professorin an der Hochschule Mainz und später der Hochschule der Medien Stuttgart. Gelegentlich lehrt und prüft sie am The Animation Workshop in Dänemark und war von 2007 - 2010 Asst. Professorin an der School of Art, Design and Media der Nanyang Technological University in Singapur.

Für das Buch „Animationsfilm. Konzept und Produktion“ von Hannes Rall hat sie ein Kapitel über Computeranimation verfasst (englische Ausgabe unter dem Titel „Animation: From Concept to Production”).

So. 07.11.2021, 10:45 Uhr

Marcus Stiglegger

Marcus Stiglegger
Filmwissenschaftler, Mainz


Vortrag 5:
THE THING – Drei Filme, drei Generationen von Special Effects           

Es gibt insgesamt drei Filme zum Thema der Erzählung „Who Goes There?“ von John W. Campbell Jr.: 1951 von Christian Nyby – Produkion: Howard Hawks, 1982 von John Carpenter und 2011 Matthijs van Heijningen Jr. Der Vortrag wird in einem Vergleich der Filme und ihrer Spezialeffekte diskutieren, wo die jeweiligen Vorzüge und Probleme der zeitgenössischen Spezialeffekt-Techniken liegen, und wagt ein Plädoyer für physische Effekte.

Prof. Dr. Marcus Stiglegger (* 1971), lehrt Filmwissenschaft an den Universitäten Mainz, Regensburg und Klagenfurt, der Filmakademie Ludwigsburg und der IPU Berlin. Studium der Ethnologie, Film- und Theaterwissenschaft in Mainz (1992-1999); Dissertation 1999 zum Thema Geschichte, Film und Mythos („SadicoNazista. Geschichte - Film – Mythos“, Hagen: Eisenhut 2014, 3. Auflage.); Habilitation 2005 zum Thema Seduktionstheorie des Films („Ritual & Verführung“, Berlin: Bertz + Fischer 2006); Publikationen (Auswahl): „Kurosawa. Die Ästhetik des langen Abschieds“ (München: Edition Text + Kritik 2015), „Jenseits der Grenze. Im Abseits der Filmgeschichte“ (Berlin: Martin Schmitz 2019), „Mediale Topographien“ (Mit-Hrsg.; Wiesbaden: Springer VS 2019), „“ (Hrsg.; Wiesbaden: Springer VS 2020), „Cruising“ (Mit-Autor; Liverpool University Press 2020), Schwarz. „Die dunkle Seite der Popkultur“ (Berlin: Martin Schmitz 2021). Zudem praktische Arbeiten mit Videoessays und Filmmusik, Verleger und Herausgeber des Kulturmagazins :Ikonen: (2002-2012), Vorsitzender der Filmbewertungsstelle Wiesbaden; Mitglied der GfM, des Verbandes der deutschen Filmkritik und der fipresci. Mitbetreiber des Podcasts Projektionen – Kinogespräche seit 2019.

Ansdhließend Diskussionsrunde mit mit Frank Junghahn, Melanie Beisswenger und Marcus Stiglegger und Abschlussdisk

So. 07.11.2021, 12:15 Uhr