Andreas Jacke
Autor und Publizist, Berlin


ERÖFFNUNGS-VORTRAG 1: „The Otherness of the Other“ – moralische Grundlagen der Diversität

Andreas Jacke, Autor, Publizist, Berlin Die Grundvoraussetzung für gesellschaftliche wie filmische Vielfaltskonzepte bildet die ethische Anerkennung des anderen Menschen als ein autonomes Subjekt. Rassismus, Sexismus, Homophobie und koloniale Fremdenfeindlichkeit basieren dagegen auf einem Verhältnis, das genau diese Autonomie angreift. Mit dem Instrumentarium der Psychoanalyse, der kritischen Theorie und der postmodernen Philosophie sollen die Hindernisse zur sozialen Diversität skizziert und anhand einiger filmtheoretischer Überlegungen konkretisiert werden.

Jochen Hick,
Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, Berlin


WERKSTATTGESPRÄCH 1: Die Schwulenbewegung in Berlin und das Kino – eine Symbiose?

Jochen Hick studierte u. a. Visuelle Kommunikation (Schwerpunkt Film) an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Spezialisiert hat er sich u. a. auf sozio-kulturelle und LGBT-Themen. Als Regisseur, Autor und Produzent realisierte er zahlreiche Reportagen und Dokumentationen, u. a. für ARD, ZDF/ARTE, 3sat und Spiegel TV, sowie viele Kino-Dokumentarfilme. Von 2007 bis 2010 war Hick zudem stellvertretender Programmdirektor sowie Chefredakteur und Programmeinkäufer bei TIMM, dem ersten TV-Sender für Schwule im deutschsprachigen
Raum, der eigene Formate entwickelte.

Marcus Stiglegger

Marcus Stiglegger
Filmwissenschaftler, Berlin


VORTRAG 2: :„We came to wreck everything.“ Rassismus, Gewalt und Subkultur in internationalenSpielfilmen nach 1980

Der Vortrag des Berliner Film- und Kulturwissenschaftlers Prof. Dr. Marcus Stiglegger verdeutlicht an bekannten Filmbeispielen wie ROMPER STOMPER, AMERICAN HISTORY X, MADE IN ENGLAND, OI WARNING, INSIDE A SKINHEAD oder KRIEGERIN, wie rassistische Subkulturen international dargestellt werden und wie sich mit Spielfilmen derartige Denkstrukturen verdeutlichen und kritisieren lassen. Zugleich zeigen diese Filme auch die Gefahr einer affirmativen Lesart, die sich durch die Kommentare und Weiterverarbeitung in sozialen Netzwerken belegen lässt.

Label Noir

„Label Noir“: Lara-Sophie Milagro und Dela Dabulamanzi,
Schauspielerinnen, Filmemacherinnen, Berlin


VORTRAG 3: Gespräch, Präsentation der Arbeiten
Alltagsrassismus – Migration – Was ist Heimat?

Das afrodeutsche Künstlerkollektiv „Label Noir“ wurde 2009 in Berlin gegründet. „Label Noir“ sind: Lara-Sophie Milagro und Dela Dabulamanzi (Foto) als künstlerische Leiterinnen, Jonathan Aikins, Zandile Darko und Benita Bailey sowie ein Netzwerk von Theater-, Film- und Kunstschaffenden, mit denen es für verschiedene Produktionen zusammenarbeitet. Die „LabelNoir“- Mitstreiter*innen sind in erster Linie Schauspieler*innen, aber auch als Performer*innen, Autor*innen und Produzent*innen tätig. Die Gruppe produziert im Bereich Theater und Film, auch in Kooperation sowohl mit Staatstheatern und freien Gruppen als auch mit aktivistischen Institutionen, zuletzt mit dem Staatstheater Mainz, dem Ballhaus Naunynstraße und der Inititiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD). „LabelNoir“ sieht eine seiner Hauptaufgaben darin, einen künstlerischen Raum zu schaffen, in dem die Hautfarbe und/oder Herkunft schwarzer Schauspieler*innen nicht darauf beschränkt wird, Fremdheit und Exotik zu generieren, während der Hautfarbe und/oder Herkunft weißer Schauspieler*innen universelle Bedeutung zugeschrieben wird.

Silke Räbiger

Silke Räbiger,
ehem. Leiterin Internationales Frauenfilmfestival Dortmund/Köln


VORTRAG 4: Zickig, schwanger, irrational und emotionsgeladen – sonst noch was?
Über Rassismen und Vorurteile in der Filmindustrie

Alice Guy war die erste Regisseurin der Filmgeschichte, und sie war es auch, die 1896 den ersten fiktionalen Film gedreht hat. Im frühen Hollywoodkino spielten Frauen eine wichtige Rolle vor und hinter der Kamera. Wie kann es sein, dass Frauen über 120 Jahre später noch immer um Anerkennung in der Filmindustrie kämpfen müssen?

Mit anschließender Diskussion mit Silke Räbiger

Firat Arslan

Yılmaz Arslan
Regisseur, Produzent, Mannheim


WERKSTATTGESPRÄCH 2: Leben und Filmemachen zwischen den Kulturen

1992 inszenierte der Mannheimer Regisseur seinen ersten Film LANGER GANG, der als bestes Regiedebüt beim Filmfestival in San Sebastian ausgezeichnet und für den Deutschen Filmpreis 1993 nominiert wurde. 1998 realisierte er den Spielfilm YARA, für den er ebenfalls das Drehbuch schrieb. YARA wurde bei der 55. Biennale di Venezia uraufgeführt und insgesamt zu über 43 Festivals eingeladen. 2005 realisierte Yılmaz Arslan den Spielfilm BRUDERMORD. Beim Filmfestival Locarno erhielt er dafür den Silbernen Leoparden sowie weitere zahlreiche Preise.

Lioba Schlösser

Lioba Schlösser, Filmwissenschaftlerin, Leipzig


VORTRAG 5: Zur mythisierten Darstellung androgyner Figuren im zeitgenössischen Spielfilm

Der Vortrag thematisiert die filmische Darstellung des Androgynen und ihre Verbindung zur Mythologie. Es werden Figurendarstellungen betrachtet, die nicht der bipolaren Geschlechterkonzeption von männlich/weiblich entsprechen, dies umfasst auch mehrgeschlechtliche, zwittrige oder hermaphroditische Charaktere. Auf dieser Grundlage werden Parallelen zwischen mythischer Geschichte und filmischer Interpretation aufgezeigt. Ziel ist es, nachvollziehbar zu machen, wie zeitgenössisches Kino auf mythologische Geschichten zurückgreift, um Charaktere und Figuren ohne normative geschlechtliche Zuweisung für Rezipierende handhabbar zu machen.