Die Agenda 21-Kinowoche bietet 2019 in insgesamt sieben Filmen die Möglichkeit, sich im Kino mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen zu beschäftigen.

In fünf werktäglichen Schulkinovorstellungen können Schüler*innen an diesen Themen herangeführt werden.

Unter dem Motto „Entscheidungen“ laufen in dem sorgfältig kuratierten Programm gesellschaftlich, politisch, sozial und ökologisch relevanten Filme, in denen die Protagonisten – und das Filmpublikum – vor entscheidenden Fragen gestellt werden.

In einem Mordprozess sind Rechtsfindung und Gerechtigkeitsempfinden gegenübergestellt; Ausbeutung steht gegen Solidarität; queere Menschen stehen jenseits der traditionellen Geschlechterzuschreibungen; Menschen entscheiden sich, sich mit der schweren Vergangenheit ihrer Vorfahren auseinanderzusetzen; richtige Ernährung ist nicht nur für die eigene Person sondern für den ganzen Planeten von Belang; Emotionen über Länder- und Geschlechtergrenzen hinweg führen zu folgenschweren Entscheidungen; und bei der Wahl des neuesten Smartphones stehen die Folgen für Menschen und Umwelt leider meist hintan.

Nach jeder Filmvorführung finden Filmgespräche statt, in denen die Zuschauer*innen die Themen des Films mit kompetenten Gesprächspartner*innen aufbereiten können.

An Werktagen finden jeweils um 10 Uhr Schulvorstellungen statt; der Eintrittspreis pro Schüler*in beträgt 3,50 Euro, zwei Begleitpersonen sind frei.

Die Agenda 21-Kinowoche ist eine Veranstaltung von:
Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Mannheim, Cinema Quadrat, Eine-Welt-Forum Mannheim e.V., Fachbereich Demokratie und Strategie Stadt Mannheim, Jugendkulturzentrum FORUM, Kulturamt der Stadt Mannheim, KulturQuerQuerKultur Rhein-Neckar e.V., PLUS – Psychologische Lesben- und Schwulenberatung Rhein-Neckar e.V., Save Me Mannheim – Eine Stadt sagt ja

Wir freuen uns, dass wieder Dr. Peter Kurz, Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, die Schirmherrschaft über die Agenda 21-Kinowoche übernommen hat.

Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz:

Liebe Kinofreundinnen und Kinofreunde,

tagtäglich stehen wir vor der Herausforderung, Entscheidungen zu treffen. Manchmal in scheinbar kleinen Varianten unseres Verhaltens, die aber doch für uns und andere in der Summe hoch relevant sind: Durch unser Kaufverhalten können wir zum Beispiel nachhaltige Produktionsweisen unterstützen oder eben den Aufpreis vermeiden. Andererseits werden unsere Biografien von brisanten Großentscheidungen geprägt, deren Bedeutung unmittelbar einleuchten: Der Beruf, der Wohnort oder die Menschen, mit denen wir unser Leben teilen.

Auch in unserer Rolle als Bürger*innen müssen wir Entscheidungen treffen: nämlich als Wähler*innen, die für oder gegen ein bestimmtes politisches Handeln stimmen. Selbstverständlich gibt es die Freiheit, am Wahljahr 2019 auch nicht teilzunehmen. Allerdings müssen wir uns klarmachen, dass wir damit ebenfalls eine politische Entscheidung treffen, weil auch das Nicht-Wählen Einflüsse auf das Ergebnis hat.

Auch die Politik ist unter ständigem Handlungs- und damit Entscheidungsdruck. Sie darf aber darüber die großen strategischen Entwicklungen nicht aus dem Blick verlieren. Mit dem Leitbildprozess 2030 verpflichtet sich die Stadt Mannheim daher selbst auf die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Die Agenda 21-Kinowoche entstand vor fast 15 Jahren im Rahmen der lokalen Agenda 21 in Mannheim. Dieses Aktionsprogramm wurde 1992 in Rio durch die UN beschlossen und war ein Meilenstein auf dem Weg zu den aktuellen Zielsetzungen nachhaltiger Entwicklung. Die diesjährige Agenda 21-Kinowoche rückt das Motto „Entscheidungen“ in den Mittelpunkt. Wir sind in den Filmen einerseits als politische Akteur*innen und Konsument*innen angesprochen, andererseits werden uns Beispiele für individuelle Wahlsituationen präsentiert. Sowohl bei den vormittäglichen Schul- wie bei den Abendvorführungen können die Filme mit kompetenten Diskussionspartner*innen weitergehend erarbeitet werden.

Zudem freue ich mich sehr, dem Cinema Quadrat zum 2. Preis beim bundesweiten Kinemathekspreis in der Kategorie „Kino, das bildet“ zu gratulieren, wobei besonders die Agenda 21-Kinowoche lobend hervorgehoben wurde, zu deren Besuch ich Sie herzlich einladen möchte.

 Ihr Dr. Peter Kurz
Oberbürgermeister

Ort

Cinema Quadrat Mannheim, Collini-Center Foyer, Collinistraße 1, 68161 Mannheim

Eintritt

Schulklassen und Jugendgruppen: 3,50 Euro/Schüler*in
2 Lehrkräfte pro Klasse haben freien Eintritt

Anmeldung:

Für Schulklassen und Gruppen ist eine Anmeldung erforderlich.
Hier zur ONLINE-ANMELDUNG
Weitere Informationen:
Cinema Quadrat | Sabine 'Fischer |Telefon 0621 - 21242 |buero(at)cinema-quadrat.de

Die Agenda-Kinowoche ist eine Veranstaltung von

Stadt Mannheim,
Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Mannheim Fachbereich Demokratie und Strategie
Cinema Quadrat e. V.,
Eine-Welt-Forum Mannheim e.V.,
Jugendkulturzentrum FORUM,
Save Me Mannheim – Eine Stadt sagt ja,
Kulturamt der Stadt Mannheim,
KulturQuerQuerKultur Rhein-Neckar e.V.,
PLUS – Psychologische Lesben- und Schwulenberatung Rhein-Neckar e.V.

Naomis Reise

Entscheiden zwischen Recht und Gerechtigkeit

Naomis Reise

DEU 2017. R: Frieder Schlaich. D: Scarlett Jaimes, Liliana Trujillo, Citlali Huezo, Miguel Valenzuela, Daniel Hinojo, Michael Rothbart, Christian Voss. 96 Min. FSK: 12

Naomi, 20 Jahre, begleitet ihre Mutter auf einer Reise aus ihrer Heimat Peru nach Berlin. Denn dort findet ein Mordprozess statt, in dem sie und die Mutter als Nebenkläger auftreten: Naomis Schwester war von ihrem deutschen Ehemann getötet worden. Das Justizdrama „Naomis Reise“ zeichnet die gerichtliche Aufklärung der Tötung einer Heiratsmigrantin genau und authentisch nach: Der Film basiert auf einem wahren Fall. Richter, Verteidiger, Staatsanwalt sind tatsächliche Jurist*innen, die sich im Amtsgericht Berlin-Moabit auf quasi-dokumentarische Weise selbst spielen. Juristisch nüchtern wird der Fall aufgerollt, in dem es um Emotionen geht, um mögliche Motive, um Liebe und Hass – und dem sich Naomi, vor allem aber ihre Mutter kaum gewachsen sehen. Der öffentliche Mordprozess läuft quer zu ihrem persönlichen Trauerprozess.

Zentral ist vor Gericht die Wahrheitsfindung; Gefühle sind in der Rechtsfindung nicht vorgesehen. Frieder Schlaich stellt dieser betonten Sachlichkeit Naomis Gefühlswelt gegenüber: Familie, Liebe, Verlust und Trauer auf der einen Seite; Gesetz, Fakten und Beweisbarkeit auf der anderen Seite. Und zugleich bietet der Film klare Einblicke in einen Heiratsmarkt zwischen Erster und Dritter Welt, dessen Chauvinismus nah am Rassismus liegt: Naomis Schwester ist nach Deutschland gekommen auf der Suche nach Sicherheit. Gefunden hat sie Gewalt. Die Zuschauer*innen werden durch die Darstellung gegensätzlicher Sichtweisen dazu gebracht, sich mit ihren eigenen Vorurteilen auseinanderzusetzen.

Klassenstufe: ab 9. Klasse
Fächer: Deutsch, Spanisch, Politik, Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Ethik, Religion
Schlagwörter: Migration, Rassismus, Flucht, Familie, Ehe, Gerechtigkeit, Gericht, Verantwortung, Konflikt, Jugendliche, Kultur, Dritte Welt, Heiratsmigration, Rollenverhalten
Diskussionspartnerin:  Eva Schaab, Stadt Mannheim, Fachbereich Demokratie und Strategie, Abteilung Gleichstellung

Informationen und Trailer: https://www.filmgalerie451.de/filme/naomis-reise/

Do. 04.ß4.2019, 10:00 Uhr (exklusiv für Schulklassen; ab 9. Klasse)

Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes

Freiheit oder Tod!

Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes

DEU 2017. R: Julian Radlmaier. D: Julian Radlmaier, Deragh Campbell, Kyung-Taek Lie, Beniamin Forti. 99 Min. FSK: 0

Weil er gerade kein Stipendium hat, sieht sich der Berliner Filmstudent Julian gezwungen, einen Job als Erntehelfer anzunehmen. Als er der jungen Kanadierin Camille weismacht, es handele sich dabei um die Recherche für einen kommunistischen Märchenfilm, in dem sie die Hauptrolle spielen soll, will sie ihn begleiten, und Julian spinnt romantische Fantasien. So landen die beiden in der trügerischen Idylle einer ausbeuterischen Apfelplantage. Während Julian unter der körperlichen Arbeit leidet und sich vor den merkwürdigen Zimmergenossen in den Containerbaracken fürchtet, stürzt sich Camille enthusiastisch in die vermeintliche Recherche und freundet sich mit Hong und Sancho an, zwei wundergläubigen Proletariern auf der Suche nach dem Glück. Für Julian wird es zunehmend schwieriger, den kommunistischen Filmemacher zu performen, außerdem kommt ihm ein Vorzeigearbeiter mit amerikanischen Träumen in die Quere, die Plantagenbesitzerin wird versehentlich getötet, eine versuchte Revolution endet in Ratlosigkeit. Und ein stummer Mönch ist vielleicht Franz von Assisi.

Julian Radlmaier, geb. 1984, ist ein deutsch-französisch-schweizer Filmemacher und lebt in Berlin. Er studierte Regie an der dffb, arbeitete als persönlicher Assistent von Werner Schroeter und hat verschiedene filmtheoretische Schriften des französischen Philosophen Jacques Rancière übersetzt und herausgegeben.

Klassenstufe: Ab 9. Klasse
Fächer: Deutsch, Wirtschaft, Politik, Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Medien, Ethik
Schlagwörter: Kommunismus, Politik, Revolution, Gesellschaft, Kapitalismus, Wirtschaft, Jugend Genre: Komödie

Diskussionspartner: Dr. Frank Degler, Politische & Kulturelle Bildung, forum

Infos und Trailer: http://grandfilm.de/selbstkritik-eines-buergerlichen-hundes
Informations-PDF

Fr, 95.04.2019, 10:ßß Uhr (exklusiv für Schulklassen; ab 9. Klasse)

Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen

Entscheiden, was auf den Teller kommt

Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen

(Seed: The Untold Story)
USA 2016. R: Taggart Siegel, Jon Betz. Dokumentarfilm. 94 Min. OmdtU. FSK: 6

Unser einst reichhaltiges Saatgut, eine kostbare Gabe der Natur, wurde von Bauern und Gärtnern über mehrere Jahrtausende sorgfältig kultiviert. Heute ist das Saatgut jedoch ernsthaft in Gefahr. Viele Familiengehöfte und kleinbäuerliche Betriebe sind mechanisierten Agrarbetrieben gewichen, die genetisch identische Monokulturen in gigantischem Ausmaß säen. Mehr als 90 % aller Saatgutsorten sind bereits verschwunden.
Wenige Biotech-Konzerne kontrollieren mehr als zwei Drittel des globalen Saatgutmarktes und machen damit beispiellosen Profit. Genetisch veränderte Kulturen beherrschen die Felder und Teller auf der ganzen Welt. Für das globalisierte Nahrungsmittelsystem birgt dies unvorhersehbare Risiken.

Doch allmählich erkennen weltweit Menschen die Bedeutung des Saatguts für unsere Zukunft. In den vergangenen Jahren haben Protestmärsche gegen die weltmarktbeherrschenden Konzerne Millionen Menschen mobilisiert, um für die freie Nutzung der Samen zu kämpfen. Immer mehr passionierte Bauern, Gärtner, Wissenschaftler, Anwälte und indigene Saatgutbesitzer gründen Samen-Bibliotheken und Gemeinschaftsgärten und engagieren sich für einen nachhaltigen und freien Umgang mit unserem Saatguterbe. Mit ihrem Dokumentarfilm folgen Taggart Siegel und Jon Betz diesen leidenschaftlichen Saatgutwächtern, die unser 12.000 Jahre altes Nahrungsmittelerbe schützen wollen.

Klassenstufe: Ab 5. Klasse
Fächer: Biologie, Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Wirtschaft, Politik, Englisch, Ethik
Schlagwörter: Ernährung, Landwirtschaft, Gentechnologie, Ökonomie, indigene Völker

Diskussionspartnerin: Sabine Pich, Kulturwissenschaftlerin, Mitglied bei Agrecol e. V.

Infos und Trailer: https://www.wfilm.de/unser-saatgut/

 Mo. 08.04.2019, 10:00 Uhr (exklusiv für Schulklassen; ab 5. Klasse)

The Cakemaker

Entscheidung … zur Suche nach Antworten

The Cakemaker

ISR/DEU 2017. R: Ofir Raul Graizer. D: Sarah Adler, Tim Kalkhof, Zohar Strauss, Roy Miller, Sandra Sade. 105 Min. OmdtU. FSK: 0

Thomas arbeitet in einer kleinen Konditorei in Berlin. Oren, ein israelischer Geschäftsreisender, verheiratet und Vater eines Sechsjährigen, betritt die Konditorei, und die beiden verlieben sich ineinander. Aus der Liebe zum Kuchen entsteht eine Leidenschaft zwischen beiden Männern, die sich jedoch nur einmal im Monat sehen. Jäh endet ihr Verhältnis, als Oren tödlich verunglückt. Tief bestürzt fährt Thomas nach Jerusalem, um dort Spuren von Oren und seinem Leben zu finden, das ihm in Berlin verborgen geblieben war. Er lässt sich von Orens Witwe Anat in ihrem Café als Küchenhilfe anstellen und beginnt, dort erfolgreich seine Plätzchen und Kuchen zu backen. Anat, die nichts ahnt von Orens Doppelleben, sieht ihr bisheriges Leben auf den Kopf gestellt; mehr und mehr wird Thomas zu einer wichtigen Stütze für sie. Doch je tiefer Thomas in Orens ehemaliges Leben eintaucht, desto größer wird die Lüge, die zwischen ihm und Anat steht. Die Anziehung zwischen den beiden wächst, und es beginnt eine Liebesgeschichte, die zeigt, wie Liebe über die Grenzen des Todes hinweg wirken kann, aber auch, wie endgültig Entscheidungen sein können.

THE CAKEMAKER ist ein stiller, sensibler Film über eine deutsch-israelische Liebe jenseits der Geschlechtergrenzen.

Klassenstufe: Ab 8. Klasse
Fächer: Deutsch, Politik, Gemeinschaftskunde, Religion/Ethik, Geschichte
Schlagwörter: Beziehungen, Israel, Politik, Gesellschaft, Homosexualität, Lüge
Diskussionspartner: Volker Keller, Autor über jüdisches Leben in Mannheim

Infos und Trailer: https://www.missingfilms.de/index.php/filme/10-filme-neu/283-the-cakemaker
Informations-PDF: https://www.missingfilms.de/attachments/article/283/Presseheft_The_Cakemaker.pdf

Di. 09.04.2019:, 10:00 Uhr (exklusiv für Schulklassen; ab 8. Klasse)

Death by Design – Die dunkle Seite der IT-Industrie

Konsum-Entscheidungen und ihre Folgen

Death by Design – Die dunkle Seite der IT-Industrie

(Death by Design)
USA 2016. R: Sue Williams. Dokumentarfilm. 73 Min. OmdtU. FSK: 0

Ein Leben ohne Smartphone, Tablet, Laptop? - Undenkbar! Zumal alle paar Monate neue Generationen der kleinen, digitalen Helfer auf den Markt geworfen werden. Doch wie werden all die elektronischen Begleiter, die mittlerweile unverzichtbarer Teil unseres Alltags sind, eigentlich produziert?

In ihrer Dokumentation wirft Sue Williams einen Blick hinter die Fassade unserer zunehmend digitalisierten Welt und nimmt uns mit auf ihre globale Spurensuche nach den für uns unsichtbaren Folgen der IT-Produktion. Von Fabriken in China bis hin zum Silicon Valley zeigt der Film die dramatischen Folgen der IT-Produktion für Umwelt, Gesundheit und Lebenschancen von Menschen weltweit, und er stellt engagierte Visionär*innen vor, die sich für mehr Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung einsetzen.

Klassenstufe: ab 7.Klasse
Fächer: Biologie, Physik, Politik, Wirtschaft, Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Ethik/Religion
Schlagwörter: Industrie, Konsum, Nachhaltigkeit, Smartphones, Arbeit, Ökologie, fairer Handel
Diskussionspartnerin: Cathy Plato, Nwedenga e.V., Bildung trifft Entwicklung

Pädagogisches Begleitmaterial:

Mi. 10.04.2019, 10:00 Uhr (exklusiv für Schulklassen; ab 7. Klasse) Die Vorstellung istz AUSGEBUCHT.