Der französische Dokumentarfilmer Robert Bober ist seinem Urgroßvater nie begegnet. Wolf Leib Fränkel, geboren 1853 in Polen, jüdischer Leuchtenmacher und -anzünder, ließ sich 1904 – nach einer verhinderten Auswanderung in die USA – in der Wiener Leopoldstadt als Blechschmied nieder. Über ein Jahrhundert später begibt sich Bober dort auf Spurensuche: nach Erinnerungen an den Urgroßvater, die er selbst nie gemacht hat, und nach dem Kind an der Hand des alten Mannes, das er hätte sein können.

Seine Erkundung wird zu einer Reise in die Zeit vor der langen Nacht des Holocaust, als Wien am Ende der Habsburger Monarchie kulturelle Weltstadt war und eine der größten jüdischen Gemeinden Europas beherbergte. Das Leben seines Urgroßvaters rekonstruiert er aus den Biografien der vielen jüdischen Autoren, für die Wien damals zur Wahlheimat geworden war: Joseph Roth, Stefan Zweig, Arthur Schnitzler sind Zeugen einer Zeit, die die schöpferischsten Ideen, aber auch die brutalste Gewalt hervorgebracht hat.

WIEN VOR DER NACHT ist eine berührende Familiengeschichte, die sehnsuchtsvolle Annäherung an einen verlorenen Ort und eine tief persönliche Reflektion von jüdischer Identität und Geschichte.

Woche der Brüderlichkeit

Wien vor der Nacht

(Wien vor der Nacht)

AUT/FRA/DEU 2016 R: Robert Bober. Dokumentation. 74 Min. OmdtU.