Ein Trickfilm für Cinema Quadrat

Unsere Mitarbeiterin Monika Hamryszak hat uns zum Abschied einen tollen Trickfilm-Trailer hinterlassen, den wir schon im Kino gezeigt haben. Auch unseren Homepage-Besuchern wollen wir ihn nicht vorenthalten.

Monika Hamryszak hat im Jahr 2013/2014 ein Freiwilliges Kulturelles Jahr bei uns absolviert. Sie ist künstlerisch tätig und arbeitet vor allem als Fotografin. Hier geht es zu ihrer Facebook-Seite.

13.02.2018

Neues Filmbuch Akira Kurosawa

Im Psychosozial-Verlag ist der Band zum letztjährigen Mannheimer Fiilmseminar erschienen.

 

In der Schriftenreihe Psychoanalyse und Filmtheorie ist im Psychosozial-Verlag der Band zu Akira Kurosawa erschienen. Akira Kurosawa war Thema des Seminars "Psychoanalyse und Filmtheorie im Dialog" im Januar 2017 und enthält die Beiträge der Referenten. Herausgeber Gerhaard Schneider, Peter Bör. Andreas Hamburger, Karin Nitzschmann und Timo Storck. DAs Buch kann am einfachsten direkt beim Psychosozial-Verlag bestellt werden.

Eine kurze Besprechung ist bereits auf der Webseite des Filmjournalisten Hans Helmut Prinzler erschienen.

04.02.2018

Kinolandschaft in der Nahaufnahme

Am 19. Januar 2018 berichtete die Rheinpfalz über den Film "66 Kinos", den Regisseur Philopp Hartmann persönlich im Cinema Quadrat vorstellte

 

Von Stefan Otto

 Treffend und einfach „66 Kinos“ heißt dieser Film, der eben 66 Kinos in Deutschland porträtiert. Das führt vonAachenimWestenbis Passau im Osten und von Flensburg im hohen Norden bis Singen am Hohentwiel. Einem67. Kino, demCinema Quadrat in Mannheim, stattete Regisseur Philipp Hartmann nun einenBesuchab, umseine ungewöhnliche Dokumentation vorzustellen.

Vor drei Jahren begleitete Hartmann seinen vorhergehenden Essayfilm „Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe“ durch deutsche Kinos, um vor Ort mit Journalisten und Kinomachern zu sprechen und jeweils nach der Vorstellung mit dem Publikumzu diskutieren und Fragen zu beantworten. „Mit den Zuschauern zu reden, ist für einen Filmemacher das größte Privileg, das man haben kann, weil man wirklich Rückmeldungen zu seinem Film kriegt“, schwärmt der Karlsruher. Monatelang war er damals unterwegs und hatte stets eine Kamera dabei, die er vorher eigens für diese Reise erworben hatte. Als sein eigener Produzent, Regisseur, Ton- und Kameramann filmte er in all den Kinos, die er besuchte. Von den Foyers bis in die Vorführräume, ließ er sich alles zeigen und sprach mit den Betreibern. Das Ergebnis ist eine sichtlich von persönlicher Leidenschaft gelenkte, umfassende Bestandsaufnahme der gegenwärtigen deutschen Kinolandschaft.

Vom „Subiaco“ in einem 900 Jahre alten ehemaligen Klostergebäude in Alpirsbach bis zumWolf-Kino in Berlin-Neukölln, das zur Zeit der Dreharbeiten noch im Bau war, sehen wir kleine und große, opulent oder nur minimalst ausgestattete Filmtheater, blicken in beengte Vorführkabinen, Für seinen Dokumentarfilm„66 Kinos“ reiste Philipp Hartmann quer durch Deutschland – Filmvorstellung in Mannheim helle, repräsentative Foyers und abgedunkelte Säle mit plüschigen Sitzreihen. Wir lernen dominante Multiplexe und Kinos mit weniger als 20 Besucherplätzen kennen, ausdrücklich „popcornfreie“ Häuser oder solche mit Bewirtung am Platz sowie eines, in dem vor der Vorstellung basisdemokratisch abgestimmt wird, ob geraucht werden darf oder nicht.

Vielleicht noch ergiebiger sind die lebendigen Erzählungen der Filmtheaterbetreiber, ihr kundiger Blick auf den Betrieb im permanenten Wandel, ihre authentischen Erlebnisse, ihre Biografien, die sich ums Kino ranken. In den besten Momenten des Films ist nicht allein ihre Arbeit, sondern auch der Enthusiasmus, ja, sogar Liebe zu spüren, die sie in den Betrieb und das Programm ihrer Lichtspielhäuser stecken.

„Ich bin ein Tante-Emma-Kino“, sagt beispielsweise der Inhaber der „Blauen Königin“ in Bühl imm Schwarzwald. Mittlerweile hat er sein Kino geschlossen. „Es ist ein immerwährender Kampf“, erklärt Inka Gürtler von der Karlsruher Kinemathek und meint damit vor allem die mangelnde Anerkennung und finanzielle Unterstützung kommunaler Filmarbeit.

„Die Kinolandschaft lebt davon, dass da unglaublich engagierte Leute sind“, formuliert Philipp Hartmann eine Erkenntnis seiner langen Kinotour, die ihn ab Oktober 2014 auch in die Region, in die Speyerer Filmklappe und ins Heidelberger Karlstorkino führte. „Das spürt man hoffentlich auch am Film, dass er eigentlich eine Hommage an die ganzen Kinobetreiberinnen und -betreiber ist.“

Im Cinema Quadrat war der 46-jährige Karlsruher zum ersten Mal. Außerhalb des Kommunalen Kinos zeigte er sich vor allem beeindruckt vom Bauwerk Collini-Center, in dem es noch bis Ende dieses Jahres zu finden ist. Danach wird das Cinema Quadrat voraussichtlich Anfang 2019 in ein ehemaliges Kaufhaus im Innenstadtquadrat K1 einziehen. „Ich bin ganz begeistert von diesem Gebäude, das ja fast so eine übersehene Schönheit hat oder eine Schönheit, die wahrscheinlich nicht jeder zu schätzenweiß“,meinte der Filmemacher. „Das passt doch gut zu einemKino, das sich zwischen aktuellen und historischen Filmen bewegt und auch Kunstperlen zeigt.“

Auch in Mannheim führte Hartmann wie stets seine Kamera mit sich. Er hat sich jedoch selbst auferlegt, nicht wieder in den Kinos zu filmen. „Wenn ich jetzt damit weitermache, dann komme ich aus der Nummer nicht mehr raus und bin den Rest meines Lebens der Kino-Chronist. Ich filme aber ganz viel außerhalb, auf dem Weg, in den Städten oder wenn ich irgendwas entdecke.“ Ob irgendwann dann ein Film daraus wird, weiß Hartmann noch nicht: „Ich sammle gerade so Material und könnte mir vorstellen, dass ich angesichts dieser tollen Architektur hier gleich die Kamera nochmal auspacke.“

07.11.2017

Die unbekannten Großeltern

Am 04.11.2017 berichtete die Rheinpfalz über die Filmemacherin Jessica Jacoby, die im Cinema Quadrat ihren Dokumentarfilm "Roads" vorstellte:

 

Von Stefan Otto

Die Berliner Filmemacherin Jessica Jacoby entstammt einer auf ganz besondere Weise zerrissenen Familie. Einer ihrer Großväter war der berühmt-berüchtigteRegisseurVeit Harlan, der Propagandafilme wie „Jud Süß“ für die Nazis drehte. Ihr anderer Großvater war Jude und wurde von eben diesen Nazis deportiert und ermordet. Über dessen Zweig ihrer Familie drehte Jacoby die Dokumentation „Roads“, die sie in Mannheim vorstellte.

„Auf den einen ist immer sehr viel Licht gefallen, im Sinne von Umstrittenheit und Prominenz, der andere ist in der Dunkelheit verschwunden“, sagt die Regisseurin. Ihr Film „Roads - Zwischen Düsseldorf und New Orleans“, so der volle Titel, rückt ihn und die Seinenwieder ins Licht.

1938, ein Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, ging der Düsseldorfer Jude Klaus Jacoby, Jessica Jacobys Vater, ins US-amerikanische Exil, zuerst nach New York und dann nach New Orleans. Zunächst fand er Arbeit als Hutverkäufer, später gab er Foto-Kurse in einem jüdischen Kinderheim. Ende 1941 kamer zur US-Army.

„Nun braucht Uncle Sam jeden, selbst einen Flüchtling“, notierte er damals in sein Tagebuch, das zusammen mit den erhaltenen Briefen seiner Eltern dieGrundlage des textlasti- Filmemacherin Jessica Jacoby und ihre Dokumentation „Roads“ im Mannheimer Cinema Quadrat gen Dokumentarfilms bildet. „Alles wird mit Massenmord enden“, ahnte er nach dem Angriff der Japaner auf den Flottenstützpunkt Pearl Harbor. In den Briefen seiner jüdischen Eltern, die ihn aus Deutschland erreichten, wurde die Bitte immer dringlicher, ihnen zur Ausreise in die USA oder nach Kuba zu verhelfen.

„Spätestens nach der Reichspogromnacht stand fest, dass sie unbedingt rauswollten, aber nicht konnten“, erklärte Jessica Jacoby im Cinema Quadrat. Ihr Film verdeutlicht, wie Klaus Jacoby sich bemüht, aber nichts für seine Eltern erreichen kann. Schließlich wurden sie von Düsseldorf in das Ghetto Minsk deportiert und dort getötet.

Klaus Jacoby kehrte 1950 nach Deutschland zurück. Als Fotograf arbeitete er für eine Zeitung der amerikanischen Streitkräfte. Bei einer Reportage über deutsche Künstler begegnete er Susanne Körber-Harlan, einer Tochter der Schauspielerin Hilde Körber und ihres vormaligen, inzwischen geschiedenen Ehemannes VeitHarlan. Klaus und Susanne heiraten, Jessica Jacoby ist ihre Tochter.

Ihre Großeltern mütterlicherseits lernte die heute 63-jährige Historikerin und Filmemacherin noch kennen, während die Großeltern väterlicherseits, die Juden Artur und Ella Jacoby, zum Zeitpunkt ihrer Geburt 1954 bereits über ein Jahrzehnt nicht mehr am Leben waren. „Ich wusste kaum etwas über sie“, erinnerte sich Jacoby. Bis sie ihre Briefe an den Sohn bei einer Tante in Südafrika fand. „Durch diese Briefe habe ich sie erst kennengelernt.“ In „Roads“ verknüpft die Regisseurin die Briefe und das Tagebuch ihres Vaters zu einem kunstlos schlicht gehaltenen, aber bewegenden filmischen Dialog, der die Judenverfolgung, Vertreibung und Exil, Alltagsbilder des Krieges, aber auch die Folgen in derNachkriegszeit einfängt.

„Mir ging es darum, Bilder zu finden, um das, was diese Briefe und Tagebücher transportieren, in eine visuelle Form zu bringen“, führte Jacoby aus. „Es war die Herausforderung, die ich spannend fand, die Konfrontation von Historischem mit den authentischen Schauplätzen in Düsseldorf und New Orleans heute, die Suche nach Spuren und Kontinuitäten. Genau diese Mischung hat mich als Filmemacherin angesprochen.“

Zehn Jahre lang hat sie an dem Film gearbeitet. Dabei ist „Roads“ nur der erste Teil einer Trilogie, die sich ausführlich mit der jüdischen Großfamilie Jacoby befasst. Die beiden Fortsetzungen sind kaum gezeigt worden und auch nicht auf DVD erhältlich. Im Cinema Quadrat lief nur Teil 1.

06.11.2017

Kinopreis für Cinema Quadrat

Cinema Quadrat wurde erneut beim Kinopreis des Kinemathekenverbundes ausgezeichnet.

 

Cinema Quadrat ist wie schon im letzten Jahr Preisträger des Kinemathekverbundes. In der Kategorie II - Kino, das bildet - erhielt das Mannheimer kommunale Kino den zweiten Platz.

Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass Cinema Quadrat e.V. "sich besonders durch eine filmwissenschaftliche Auseinandersetzung mit den gezeigten Filmen und das Kino als Ort hervorhebt".

Wir freuen uns sehr, dass wir nach 2016 erneut für unsere Kinoarbeit ausgezeichnet wurden!

19.10.2017

Mit Brille sieht man besser

Am 17. Oktober 2017 berichtete der Mannheimer Morgen über das 32. Mannheimer Filmsymposium

 

Von Hans-Günter Fischer

Immer dieser Weltraumschrott: George Clooney rettet uns im allerletzten Augenblick, sonst wären wir von dieser Schraubenmutter glatt erschlagen worden, die sich von der Raumstation gelöst hat. Sandra Bullock war ein bisschen unaufmerksam. Glück gehabt. Der Film ist noch recht neu, es ist der Weltraumthriller „Gravity“, und seine Attraktion basiert vor allem auf der ungeheuer virtuos verwendeten 3D-Technik. Von „stereoskopischen Effektsequenzen“ möchte Jesko Jockenhövel sprechen, schließlich ist er Wissenschaftler an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg. Man könnte ihn sogar als Doktor des 3D bezeichnen: Jockenhövel hat über das Thema promoviert.

Da lag es zwar nicht räumlich, aber sachlich nahe, ihn zum 32. Mannheimer Filmsymposium einzuladen. Jockenhövel freilich theoretisiert im Kommunalen Kino Cinema Quadrat nicht nur, er zeigt auch lange, ungeschnittene Sequenzen aus geschickt gewählten Filmen.

Das ist nämlich eine seiner Thesen: Dass 3D-Kino auf deutlich reduzierte Schnittfrequenzen angewiesen sei, damit sich der Effekt entfalten könne und die dritte Dimension Gestalt annehme. Nichts Geringeres als eine Aufhebung der Trennung zwischen Bild- und Kinoraum, das Eintauchen in eine fremde, konstruierte Welt, vielleicht sogar, seitens des Zuschauers, die Teilhabe an ihr, sei das erstrebte Ziel.

Kamera mit Eigenleben

Zu diesem Zweck müsse die – mittlerweile oft computerprogrammierte – Kamera ein Eigenleben führen. Und tatsächlich: Der Beginn von „Gravity“ kommt ohne jeden Schnitt aus, eine knappe Viertelstunde lang. Die digitale Technik macht es möglich. Doch in Wahrheit ist 3D ein ziemlich alter Hut, noch deutlich älter als das Kino selbst. Schon die Besucher eines sogenannten Nickelodeons sahen in den Guckkästen verblüffend dreidimensionale fotografische Bewegungsbilder: Kängurus beim Boxkampf oder wilde Tänze im Hotel Savoy. Der Filmhistoriker und Chef des Münchner Filmmuseums, Stefan Drößler, resümiert in Mannheim in zwei Teilen die Geschichte des 3D-Films ab dem Jahre 1895.

Einen wichtigen Entwicklungsschub gab es nach 1950, als das Kino durch das neue Medium Fernsehen bedrängt wurde – und neue Attraktionen brauchte. Jesko Jockenhövel zeigt im Cinema Quadrat eine Passage aus „It came from outer space („Gefahr aus dem Weltall“) von Jack Arnold, einer ziemlich kruden Mischung aus Science-Fiction-, B- und Horrorfilm, auch wenn der Vorentwurf zum Drehbuch von Ray Bradbury geschrieben wurde.

Arnold drehte in Schwarzweiß- 3D und baute starke Vordergrundeffekte ein, die heute noch erstaunen können. Etwa, wenn im Cinema Quadrat ein Riesenfernrohr fast die Seitenwand des kleinen Kinos zu durchbohren scheint. Man muss nur eine dieser unkleidsamen Nicht-Designerbrillen aufsetzen, die den 3DKonsum erst möglich machen. Beim Symposium sind sie diesmal wichtiger als jedes Schreibgerät. Auch Großmeister wie Alfred Hitchcock drehten damals eine Zeitlang in 3D, wie „Dial M For Murder“ (deutsch: „Bei Anruf Mord“) von 1953 zeigt.

Der Umgang mit den neuen Möglichkeiten fällt bei Hitchcock defensiver und dezenter aus, die Kamera wählt meist eine konventionell „zentrale“ Perspektive. Das macht einen kleinen Ausflug in die Kunstgeschichte sinnvoll, und den moderiert gleich zu Beginn des dreitägigen Filmsymposiums – es ist schon sein zehnter Auftritt bei der Mannheimer Veranstaltung! – der Kunsthistoriker Ralf Michael Fischer. Er erinnert uns daran, wann alles anfing mit der Fluchtpunkt-orientierten Ausgestaltung einer neuen Bildraumtiefe: in der frühen Renaissance im 15. Jahrhundert, bei Masaccio und Mantegna.

Früh ging es dabei um kleine Tricks, um Illusion und Manipulation, und spätestens beim frühbarocken Caravaggio war die Lichtsetzung schon „cineastisch“. Selbst von Leonardos „Abendmahl“ zu Stanley Kubricks „Shining“ ist es bloß ein kleiner Schritt. Zumindest, was das Raumverständnis angeht.