Endlich eine Regisseurin! Freimütig bekannte das Organisationsteam des Mannheimer Cinema Quadrat gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern, dass die aktuelle Diskussion über die Unterrepräsentanz von Frauen in den oberen Rängen des Filmgeschäfts sie bewegten, ihren schon traditionellen Dialog zwischen Psychoanalyse und Filmtheorie in der 17. Folge über die Filme Sofia Coppolas zu führen.

Die Tochter des apokalyptischen Paten Francis Ford Coppola machte insbesondere in ihrem Tokio-Einsamkeiitsmelodram "Lost in Translation" auf sich aaufmerksam, dem sie beinahe als B-Seite die mit dem venezianischen Löwen dekorierte Hollywoodstarvater-Tochter-Geschichte "Somewhere" hinzufügte. Ihr fulminantes Debüt als Regisseurin, das ihre missglückte Schauspielerinnenkarriere sofort vergessen half, gab sie davor mit der Jeffrey Eugenides-Adaptation "The Virgin Suicides". Später provozierte sie mit "Marie Antoinette", zuletzt entführte sie entführte sie einen mit "The Beguiled" iin eine Mädchenschule zur Zeit des Bürgerkriegs.

Lebendig ist die Diskussion, wenn das Werk ein bisschen umstritten ist. Die insgesamt sechs Vorträge enthielten deswegen tiefschürfende Interpretationsversuche der Psychoanalytikerinnen Eva Berberich  oder Ilka Quindeau ebenso wie Ernst Schreckenbergs humorvolle Präsentation von Filmfundstücken aus dem bildhaften Umfeld  von "Lost in Translation". So wusste man nachher mehr über die Whisky-Werbung in Japan.

So selbstverständlich wie unvermeidlich wurde auch über den weiblichen und männlichen Blick in den Filmen Sofia Coppolas debattiert, Lioba Schlösser aus Berlin wagte gar beharrlich, dem Publikum ein wenig (Post-) Feminismus nahezubringen.

Nirgendwo in der Region wird auf ähnlich hohem Niveau über Film gestritten, sei es mit dem Begriffsinstrumentarium der Psychoanalyse, sei es mit dem der Filmwissenschaft. Nicht unproduktiv sind darum Interventionen wie die des renommierten Filmkritikers Rüdiger Suchsland, der davor warnte, Film auf Begriffe zu reduzieren und darum bat, im Werk Sofia Coppolas auch die ironische Seite nicht zu ignorieren.

Das hilft, sich bei "Lost in Translation" nicht verloren in der Interpretation zu fühlen und formt einem den Kopf fürs Kino. Das nächste Filmseminar wird übrigens im Quadrat K1 stattfinden.

Publikation: Rhein-Neckar-Zeitung vom 22.01.2019
Autor: Franz Schneider