Es fehlt im Lockdown nicht an Filmen, es fehlt an Kino. Es fehlt an gemeinsamen Seherfahrungen und den Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen. Es fehlt an Diskussionen über Filme und deren Bezug zur Wirklichkeit der Welt um uns.

Ab 18. Februar bietet Cinema Quadrat, das Kommunale Kino Mannheims, jeweils donnerstags im Zweiwochenrhythmus eine Reihe mit öffentlichen, virtuellen Filmstammtischen an, bei denen wir als Kinomacher ins Gespräch kommen wollen mit Filminteressierten aus der Region und darüber hinaus. Vor jedem Termin wird Cinema Quadrat über unsere Homepage, über Social Media und E-Mail-Newsletter einen Film zur Sichtung empfehlen, der dann über das Videokonferenzdienst Zoom diskutiert werden kann. Die Teilnahme an den virtuellen Filmstammtischen ist kostenlos.

Bitte melden Sie sich vorab über unser Online-Formular an; alternativ können Sie eine E-Mail an stammtisch(at)cinema-quadrat.de schicken.

Eine PDF-Datei mit Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Verwendung des Videokonferenzdienstes Zoom finden Sie HIER.

 

Thema: Carlos Saura – „Züchte Raben“

Filmdiskussion via Zoom

Carlos Saura gilt als einer der wichtigsten spanischen Regisseure. Er setzte sich mit seinen filmischen Parabeln in den 1960ern und 1970ern intensiv mit dem Franco-Regime und den gesellschaftlichen Zerfallserscheinungen der spätfaschistischen Zeit auseinander; seine Filme sind aber auch heute noch als genaue Betrachtungen menschlichen Mit- und Gegeneinanders gültig. In einer kleinen Filmschau würdigt Arte den Filmemacher mit vier seiner Werke.

Beim virtuellen Filmstammtisch am 27. Mai wollen wir gemeinsam mit Ihnen insbesondere den vielfach (unter anderem in Cannes) ausgezeichneten Film „Züchte Raben“ von 1975 thematisieren, wobei auch „Die Jagd“ (1965, eine schwarze Politparabel im neorealistischen Stil), „Pfefferminz Frappé“ (1967, ein Filmdrama um unterdrückte Sexualmoral) und „Anna und die Wölfe“ (1973, ein Abgesang auf die bürgerliche Gesellschaft) in das Filmgespräch mit aufgenommen werden können.

Die Moderatoren Cosima Besse und Peter Bär empfehlen, insbesondere „Züchte Raben“ vorab in der Arte-Mediathek zu sichten; aber, so Peter Bär: „Alle Filme sind sehr gut und hochinteressant, sie blicken in unterschiedlichen Stilen auf die Gesellschaft der späten Franco-Jahre“.

Züchte Raben
(Cría cuervos)
ESP 1975. R: Carlos Saura. D: Geraldine Chaplin, Ana Torrent, Mónica Randall. 106 Min.

Die achtjährige Ana lebt spielerisch in ihrer Fantasiewelt. Als sie den qualvollen Krebstod ihrer Mutter erleben muss, gibt sie dem Vater die Schuld. Sie schüttet Backpulver, das für Ana ein tödliches Gift darstellt, in die Milch des Vaters – als dieser bei einem Seitensprung an einem Herzinfarkt stirbt, muss sie sich mit ihrer „Tat“ auseinandersetzen. Mit ihren Schwestern wird die verwaiste Ana fortan von ihrer strengen, gefühlskalten Tante großgezogen. In einer Dose besitzt Ana noch immer ihr magisches Backpulver-Gift…

Erzählt aus der Sicht der erwachsenen Ana blickt Carlos Saura in „Züchte Raben“ auf seine Gegenwart im Spanien Mitte der 1970er Jahre, in der eine entwurzelte Generation aufwächst. Der Film ist eine Allegorie auf die marode gewordene Utopie des Großbürgertums und zugleich die surreal-poetische Schilderung einer Kindheit.

Carlos Saura, geboren 1932, ist einer der großen europäischen Regisseure, der mit den vier Filmen in der Arte-Mediathek wiederentdeckt werden kann. Als Vertreter des Nuevo Cine Español reagierte er mit seinen politisch-gesellschaftlichen Filmen auf das faschistische Franco-Regime. Nach Francos Tod und dem Verschwinden der Zensurvorgaben fokussierte sich Saura ab Anfang der 1980er (und bis heute) auf eine andere Art der filmischen Ergründung dessen, was Spanien ausmacht: beispielsweise mit sinnlich-emotionalen Filmen über Flamenco, Tango und spanische Künstler.

Bitte sichten Sie den Film „Züchte Raben“ vorab in der Arte-Mediathek: https://www.arte.tv/de/videos/002549-000-A/zuechte-raben/ (online bis 31.10.)

Zur Vertiefung empfehlen wir auch folgende Filme:

„Die Jagd“: https://www.arte.tv/de/videos/101995-000-A/die-jagd/ (online bis 31.10.)

„Pfefferminz Frappé“: https://www.arte.tv/de/videos/101996-000-A/pfefferminz-frappe/ (online bis 31.10.)

„Anna und die Wölfe“: https://www.arte.tv/de/videos/101994-000-A/anna-und-die-woelfe/ (online bis 31.10.)

Moderation: Cosima Besse und Peter Bär

Do. 27.05.2021, 19:30 Uhr, Filmgespräch via Zoom

Thema: Eine zweite Chance auf Glück

Filmdiskussion via Zoom

Am 10. Juni 2ß21 geht es im virtuellen Filmstammtisch um das französische Beziehungsdrama „Eine zweite Chance auf Glück“; den Film können Sie in der Arte-Mediathek sehen.

Eine zweite Chance auf Glück
(Une vie après)
FRA 2018. R: Jean-Marc Brondolo. D: Emilie Dequenne, Frédéric Pierrot, Marilyne Canto, Laurent Bateau. 96 Min.

„Wir werden uns trennen, aber mein Mann weiß noch nichts davon.“ Marion sagt diesen Satz zu Dominique, einem Fremden, während ihr Mann auf der Tanzfläche auf sie wartet. Dieses Aussprechen einer Entscheidung markiert den Beginn eines neuen Lebens für Marion; für ihren Mann Lucas; für ihren Sohn Emile. Und für Dominique, der durch ihren Satz ebenfalls einen neuen Blick auf seine langjährige, aber feststeckende Beziehung erhalten hat…

Kammerspielartig geht „Eine zweite Chance auf Glück“ auf Liebe, auf Beziehungen und Veränderungen ein; der Film ist ein „sensibles, ausgezeichnet gespieltes Familiendrama um Figuren, die ungefähr in der Lebensmitte in eine umwälzende Krise geraten“, meint der Filmdienst: „Facettenreich beleuchtet es die Auswirkungen auf die familiären Beziehungsgefüge“. Über diesen Film wollen wir mit Ihnen beim virtuellen Filmstammtisch am 10. Juni ins Gespräch kommen: „Der Film stellt das Problem nachlassender Gefühle und unerfüllter Sehnsüchte in Langzeitbeziehungen dar, schauspielerisch sehr differenziert und mit eher offenem Ende versehen“, meint Moderator Robert Hörr.

Bitte sichten Sie den Film vorab in der Arte-Mediathek: https://www.arte.tv/de/videos/078115-000-A/eine-zweite-chance-auf-glueck/ (verfügbar bis 10. Juni)

Moderation: Robert Hörr

Do. 10.06.2021, 19:30 Uhr, Filmgespräch via Zoom