Liebe Bürgerinnen und Bürger von Großbritannien,

am 29.3. verlasst Ihr die Europäische Union. Wahrscheinlich. Vielleicht auch später. Oder doch nicht? Bis Redaktionsschluss war das noch nicht klar. Wie dem auch sei: Wir wollen Euch feiern! In ausgefeilten Krimiplots wurde zu unserem Vergnügen gemordet; Eure Monarchie versetzt uns immer wieder in einen Status der Verzückung; das Makabre und der Nonsens wurden durch Euch zum Kulturgut; in den ’60ern habt Ihr die Popkultur revolutioniert; und Ihr habt unseren Blick aufs Exzentrische wie auch auf soziale Gegebenheiten und Missstände geschärft. In fünf Filmen wollen wir Eure Britishness aufleben lassen und uns nochmal klarmachen, was Ihr kulturell für uns zustandegebracht habt.

Schade, dass Ihr geht! / Schön, dass Ihr uns noch eine Weile erhalten bleibt! (Nichtzutreffendes bitte streichen)

Eure Filmfreunde vom Cinema Quadrat

Das krumme Haus

(The Crooked House)
GBR 2017. R: Gilles Paquet-Brenner. D: Max Irons, Stefanie Martini, Glenn Close, Christina Hendricks, Terence Stamp, Julian Sands, Gillian Anderson. 116 Min. OmdtU. FSK: 12

1949 erschien Agatha Christies Roman „Das krumme Haus“; in ihrer Autobiographie bezeichnete sie diesen Roman als einen ihrer Favoriten. Dennoch blieb der Stoff relativ unbekannt – was auch daran liegen mag, dass er entgegen den sonstigen Christie-Klassikern bisher nicht verfilmt worden war. Der Ex-Diplomat Charles Hayward ermittelt zum mysteriösen Tod des Patriarchen Aristide Leonides in dessen großem, ein wenig krummen Anwesen. Und zwar auf Bitten von dessen Enkelin Sophia, Charles’ ehemaliger Geliebten. Charles dringt mehr und mehr in diverse Familiengeheimnisse ein bei den drei Generationen der Leonides-Dystanie, die in einer durch Bitterkeit, Missgunst und Neid vergifteten Atmosphäre zusammenleben. DAS KRUMME HAUS erzählt diese verzwickte Detektiv-Thriller-Story mit vielen überraschenden Twists auf geradezu klassische Weise: Und gleichzeitig bricht Christie in ihrer brillanten Plotkonstruktion die ungeschriebenen Gesetze des Krimi-Genres; so, wie nur sie es kann.

Fr. 01.03., Sa. 02.03. & So. 03.03.2019, 19:30 Uh

Adel verpflichtet

(Kind Hearts and Coronets)
GBR 1949. R: Robert Hamer. D: Dennis Price, Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness, Alec Guinness. 101 Min. OmdtU. FSK: 16

Louis Mazzini entstammt einer Mésalliance zwischen einer britischen Adligen und einem italienischen Tenor. Da die stolze D’Ascoyne-Familie auf Chalmont Castle in Kent von diesem nicht- standesgemäßen Zweig nichts wissen will, beschließt Louis, alles dafür zu tun, Herzog von Chalmont zu werden. Dafür muss er nur all seine Verwandten beseitigen.

In diesem Klassiker der Komödien der Ealing-Studios, die die britische Kinematographie bis in die 1960er entscheidend mitprägten, spielt Alec Guiness in einer Achtfach-Rolle die Mitglieder der D’Ascoyne-Familie, die in der Erbfolge vor Louis stehen. Auf makabre Weise treibt der Film seine Scherze mit Dekadenz und Mord – das British Film Institute wählte ADEL VERPFLICHTET auf den sechsten Platz der besten britischen Filme aller Zeiten.

Di. 05.03.2019, 19:30 Uhr, Mi. 06.03.2019, 17:30 Uhr

Ein Fisch namens Wanda

(A Fish Called Wanda)
GBR 1988. R: Charles Chrichton. D: John Cleese, Jamie Lee Curtis, Kevin Kline, Michael Palin. 108 Min. OmdtU. FSK: 16

Vier Figuren, viermal auf unterschiedliche Weise komisch, kombiniert in einer komplexen Juwelenraub-Geschichte, garniert mit den Klischees des typisch Amerikanischen und typisch Britischen, mit toten Hündchen und aufgegessenen Aquariumsfischen: Anwalt Archie Leach – John Cleese in einer Glanzrolle – ist Verteidiger eines Juwelendiebs; dessen Komplizin Wanda – eine verführerische Jamie Lee Curtis – macht ihm Avancen, um ans Versteck der Beute zu gelangen. Otto – Kevin Kline als Wandas eifersüchtiger Lover – kapiert gar nichts, hält sich aber für ein Genie. Und Ken, der stotternde Vierte im Bunde – Michael Palin, wie Cleese Monty Python-Mitglied – versucht eine alte Dame, die als Zeugin aussagen könnte, aus dem Weg zu räumen.

John Cleese, Drehbuchautor und ungenannter Co-Regisseur, kombiniert in seiner extrem clever konstruierten und wahnsinnig komischen Story Nonsens und Satire, Farce und Krimi-Standards, schwarzen Humor und culture clash.

Mi. 13.03.2019, 19:30 Uhr

The Beatles: A Hard Day’s Night

GBR 1964. R: Richard Lester. D: George Harrison, John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr. 87 Min. OmdtU. FSK: 6

Ein ganz gewöhnlicher Tag im Leben der Beatles: Teenager-Fans jagen sie, ein Presseempfang steht an, abends ein TV-Auftritt. Zwischendurch muss Paul sich um seinen renitenten Großvater kümmern, John spielt in der Badewanne mit Kriegsschiffen, George wird mit dem Protagonisten einer trendigen TV-Show verwechselt und Ringo schwirrt irgendwann ab. Richard Lester gelang mit dem ersten Beatles-Film eine Revolution im Musikfilm- Genre: Wo vorher der jeweilige Star innerhalb einer konfektionierten Standardhandlung ein paar Liedchen trällerte, spielen die Beatles sich selbst – und ihre Songs - in Form einer Mockumentary, in der sie sich, ihre Fans und das Musikbusiness kräftig auf die Schippe nehmen. Nebenbei erfinden sie einige innovative Film- und Komikspielchen, wie sie später bei Monty Python wieder auftauchen werden. Der perfekte Film zu den aufkommenden Swinging Sixties wie auch zur Beatlemania – der ursprüngliche deutsche Verleihtitel lautete YEAH! YEAH! YEAH!

Fr. 15.03. & Sa. 16.03.2019, 21:45 Uhr, Mi. 20.03.2019, 17:30 Uhr

Trainspotting

GBR 1996. R: Danny Boyle. D: Ewan McGregor, Ewen Bremner, Robert Carlyle, Jonny Lee Miller, Kevin McKidd, Kelly Macdonald, Peter Mullan. 94 Min. OmdtU. FSK: 16

Ganz unten und meistens high: Mark Renton und seine Clique Spud, Sick Boy, Begbie und Tommy streifen durch Leith, Stadtteil von Edinburgh, auf der Suche nach dem nächsten Kick. Cleanwerden ist ein Wunsch, aber keine Lebensoption. Man kann, wenn man abgefuckt ist, so schön die Gesellschaft verachten! Und natürlich gerne immer wieder seine Freunde verraten und betrügen.

Danny Boyle lieferte DEN Sucht-Kultfilm schlechthin: Denn er zeigt nicht nur seine „Helden“, sondern taucht völlig ein in deren dreckige Lebenskloake. Verrohung, Glückseligkeit, Härte und Hoffnung, das alles gleichzeitig und übereinandergetürmt. Und in authentischem Tonfall: nämlich in so unverständlichem, mit Slangausdrücken gespicktem schottischem Englisch, dass die ersten 20 Minuten für die US-Version synchronisiert werden mussten.

Fr. 29.03.2019, 21:30 Uhr