1930: Der Tonfilm setzt sich durch. Und die Weltwirtschaft bricht zusammen. Die Demokratie destabilisiert sich. Und in Deutschland werden Filmklassiker geschaffen. Ein neues Genre, die sogenannte Tonfilmoperette, wird erfunden, ironisch werden die eskapistischen Träume des Kinos aufgegriffen, subtil nehmen die Filme die Stimmungslage der Weimarer End-Zeit auf, und unter Einsatz großer Schauspiel- und Regiestars werden Filme für die Ewigkeit gedreht.

Der blaue Engel

Der blaue Engel

DEU 1930. R: Josef von Sternberg. D: Emil Jannings, Marlene Dietrich, Kurt Gerron, Rosa Valetti, Hans Albers. 108 Min. FSK: 12

Der tugendsame Lehrer Professor Immanuel Rath geht ins Varieté, verliebt sich unsterblich in die verführerische Sängerin Lola Lola und geht daran zugrunde. DER BLAUE ENGEL – nach Heinrich Manns Roman „Professor Unrat“ – war von Beginn an als prestigeträchtige Produktion geplant: Produzent Erich Pommer und Schauspielstar Emil Jannings, Drehbuchautor Carl Zuckmayer und Komponist Friedrich Holländer und natürlich die neue Technik des Tonfilms wurden von der Ufa aufgeboten. Josef von Sternberg – ein aus Wien stammender Hollywoodregisseur – setzte Marlene Dietrich als Darstellerin durch und verschaffte ihr durch die Rolle als laszive Tingeltangel-Sängerin den Karrieredurchbruch. Der Film wurde zum Welterfolg und gilt noch heute als einer der wichtigsten deutschen Filme.

Einführung: Dr. Verena Ziegler

Mo. 23.09.2019, 19:30 Uhr

Die Drei von der Tankstelle

Die Drei von der Tankstelle

DEU 1930. R: Wilhelm Thiele. D: Lilian Harvey, Willy Fritsch, Heinz Rühmann, Oskar Karlweis,. 99 Min. FSK: 0

Willy, Kurt und Hans sind pleite. Der Gerichtsvollzieher geht seiner Arbeit nach, und die drei merken, dass sie jetzt tatsächlich ernsthafte Arbeit suchen müssen. An einer vielbefahrenen Landstraße machen sie eine Tankstelle auf. Eine ihrer besten Kundinnen wird die kesse Lilian, in die sich alle drei unabhängig voneinander verlieben. Die „Tonfilmoperette“ – virtuose Komödien mit schwungvollen Schlagern in flottem Erzählrhythmus und mit selbstreferentieller Ironie – war eine höchst erfolgreiche Erfindung des Weimarer Kinos. DIE DREI VON DER TANKSTELLE stellt den Auftakt für dieses neue, moderne Filmgenre dar: Ein Film, der bis heute nichts von seinem Charme und seinem Witz verloren hat.

Einführung: Dr. Alexander Sigelen

So. 06.10.2019, 19:30 Uhr

Voruntersuchung

Voruntersuchung

Voruntersuchung

DEU 1931. R: Robert Siodmak. D: Albert Bassermann, Gustav Fröhlich, Hans Brausewetter, Charlotte Ander, Oskar Sima. 96 Min. FSK: k. A.

Verhängnisvolle Affäre: Student Fritz Bernt hat eine Beziehung mit der Prostituierten Erna. Es kommt zum Streit, Fritz verlässt Ernas Wohnung, sein Freund Walter will schlichten und erhält den Wohnungsschlüssel. Dann verhaftet die Polizei Fritz wegen Mordes an Erna. Und der Untersuchungsrichter ist ausgerechnet der Vater von Walter.

Robert Siodmak gehört zu den bedeutendsten deutschen Regisseuren, der schon in der Weimarer Zeit Film-Noir-Motive erfunden hat (und der später im amerikanischen Exil einige Noir-Klassiker inszenieren würde): Die stilisierte Ästhetik von düsterer Ausleuchtung, expressiven Kameraperspektiven und klaustrophobischen Räumen in diesem richtungsweisenden Kriminaldrama verweist deutlich auf die Schwarze Serie im Hollywood der 1940er. „Siodmaks lange Reise durch das Noir-Universum beginnt mit diesem Film.“ (Filmgenres: Film Noir, Reclam 2008)

Einführung: Robert Hörr

So. 03.11.2019, 19:30 Uhr

Ich bei Tag und du bei Nacht

Ich bei Tag und du bei Nacht

DEU 1932. R: Ludwig Berger. D: Käthe von Nagy, Willy Fritsch, Amanda Lindner, Julius Falkenstein, Ida Wüst. 97 Min. FSK: 0

Grete arbeitet in einem Maniküre-Salon, Hans ist Kellner in einem Nachtlokal. Beide bewohnen dasselbe Miet-Zimmer: Er bei Tag, sie bei Nacht. Gesehen haben sich die beide noch nicht, hegen aber große Abneigung zueinander: Immer ist irgendwas in Unordnung. Dann lernen sie sich kennen, ohne zu wissen, dass sie das Zimmer teilen…

Die originelle Komödie spielt doppelbödig mit den Glücksversprechen des Kinos im Kontext der Wirtschaftskrise: Die Protagonisten mit den märchenhaften Namen Hans und Grete sehnen sich nach der Liebe, wie sie auf der Leinwand zu sehen ist, wenn man sonntags ins Kino geht.

Einführung: Harald Mühlbeyer

So. 08.12.2019, 19:30 Uhr

Das Testament des Dr. Mabuse

Das Testament des Dr. Mabuse

DEU 1933. R: Fritz Lang. D: Rudolf Klein-Rogge, Otto Wernicke, Oscar Beregi, Gustav Diessl, Paul Henckels. 115 Min. FSK: 12

Von der Nervenheilanstalt aus schmiedet das Verbrechergenie Dr. Mabuse ununterbrochen Mord- und Terrorpläne. Mittels Telepathie manipuliert er die Menschen in seiner Umgebung und sorgt selbst über seinen Tod hinaus für Angst und Schrecken: Sein Vermächtnis ist ein Testament zur Anleitung für Verbrechen. Kommissar Lohmann steht vor einem Rätsel: Wer gibt Mabuses Anweisungen für sinnlos erscheinende Terrortaten weiter?

Der überaus spannende Thriller wurde unmittelbar nach ihrer Fertigstellung von den Nationalsozialisten verboten. Fritz Langs letzte deutsche Produktion vor dem Exil gilt mit der von Mabuse anvisierten „Herrschaft des Verbrechens“ als meisterhafte Parabel auf die Mechanismen des Machtmissbrauchs und die Hybris menschlichen Herrschaftsstrebens.

Einführung: Dr. Peter Bär

So. 12.01.2019, 19:30 Uhr