Richard Linklater ist, laut Österreichischem Filmmuseum, „Zentralfigur einer Generation amerikanischer Filmemacher, die den Ernst der Populärkultur mit einer spielerischen Freude an philosophischen Konzepten zu versöhnen sucht.“ Er erzählt mit großer filmischer Freiheit, und auch bei höheren Budgets weiß er sein Können für Timing, Sound, Schauspielführung perfekt einzusetzen. Anfang Juli kommt sein neuester Film „A Killer Romance“ / „Hit Man“ in die Kinos – wir zeigen vier Filme seit seiner Anfangszeit, ein kleiner Ausschnitt seines großen Filmschaffens.

Dazed and Confused

Confusion – Sommer der Ausgeflippten

(Dazed and Confused)
USA 1993. R: Richard Linklater. D: Jason London, Wiley Wiggins, Rory Cochrane, Matthew McConaughey, Milla Jovovich, Parker Posey, Ben Affleck. 98 Min. EnglOmdtU. FSK: 16

„Dazed and Confused“, so der Originaltitel, war Richard Linklaters Durchbruch als Filmemacher: Der Film entwickelte sich mit der VHS-Veröffentlichung zum Kultfilm. Er erzählt vom letzten Highschool-Tag einer Gruppe von Teenagern im Jahr 1976 in Austin, Texas. Es geht um erzwungene Initiationsriten jüngerer Schüler, um Mailbox-Baseball, um Freundschaft und Rivalität, um Parties, Bier, Gras, um Rumhängen und Rumknutschen, und nicht zuletzt um 70er-Jahre-Musik.

Linklater, 1960 geboren, versetzt den Film in die Siebziger seiner eigenen Jugend, und bezieht sich zugleich auf New-Hollywood-Klassiker jener Zeit wie George Lucas‘ AMERICAN GRAFFITI. „Der Film erforscht die Notlage des Teenagers: gefangen und unterdrückt, aber mit dem knospenden Bewusstsein, gefangen und unterdrückt zu sein, aber trotzdem immer noch gefangen und unterdrückt.“ (Richard Linklater)

Di. 02.07.2024, 19:30 Uhr

Before Sunrise

Before Sunrise

USA/AUT 1995. R: Richard Linklater. D: Ethan Hawke, Julie Delpy. 97 Min. EnglOmdtU. FSK: 6

Boy meets girl – und wie! Der Amerikaner Jesse begegnet im Zug von Budapest nach Paris der Französin Céline. Sie verbringen einen Tag und eine Nacht in Wien, mit Spazierengehen, Reden und Sichverlieben…

Zwei Menschen, ein Tag, eine Stadt: Mit minimalistischem Setting erreicht Linklater die größtmögliche Wirkung an emotionaler Tiefe. Er spielt seine Kunst der einfühlsamen Inszenierung aus wie auch sein Gespür für natürliche Dialogführung. Ethan Hawke und Julie Delpy sind die perfekte Besetzung für dieses junge Paar, das sich findet und am nächsten Morgen doch wieder trennen muss. Erfrischend, wahrhaftig und sehr, sehr romantisch! Silberner Berlinale-Bär für die beste Regie.

Mi. 10.07.2024, 19:30 Uhr

School of Rock

School of Rock

USA 2003. R: Richard Linklater. D: Jack Black, Joan Cusack, Mike White, Sarah Silverman, Miranda Cosgrove. 109 Min. EnglOmdtU. FSK: 6

Dewey Finn fliegt aus seiner Rockband und verliert fast seine Wohnung. Es ist ja nicht so, dass Dewey arbeiten gehen will oder besondere Qualifikationen außer Frontman-Träume aufweisen würde. Ein Anruf kommt gerade recht: Der ist zwar eigentlich für seinen Kumpel Ned bestimmt, aber plötzlich findet sich Dewey als Aushilfslehrer unter falschem Namen auf einer Privatschule wieder. Dort entdeckt er ein paar musikalische Schüler, er erfindet ein neues, inoffizielles Unterrichtsfach: Rock.

Zugeschnitten auf Haupt-Performer Jack Black und ausgestattet mit einem famosen Soundtrack entwickelt die Geschichte vom unkonventionellen Rockmusik-Lehrer, der bei Schülern beliebt, bei Kollegen, Vorgesetzten und Eltern verhasst ist, unter Linklaters Regie enorme Wucht und bietet großen Spaß.

Mo. 22.07.2024, 19:30 Uhr

Boyhood

Boyhood

USA 2014. R: Richard Linklater. D: Ellar Coltrane, Patricia Arquette, Ethan Hawke, Lorelei Linklater. 165 Min. EnglOmdtU. FSK: 6

Ein ganz und gar einmaliger Film: Gedreht zwischen 2002 und 2013 inszenierte Linklater seine Darsteller über die Spanne der Entstehungsjahre, erreichte so eine Art fiktionale Langzeitstudie über das Erwachsenwerden. Der Film zeigt zwölf Jahre im Leben des jungen Mason, anfangs sechs Jahre alt: Familie, Scheidung, Umzug, Schule, das erste Bier, der erste Joint, die erste Liebe – nach vorgegebenem Drehbuch drehte Linklater Jahr für Jahr mit seinen Darstellern neue Szenen, passte das Skript immer wieder an, vor allem an die Entwicklung seines Hauptdarstellers Ellar Coltrane vom Kind zum Jugendlichen. Ein Meisterwerk, das vielfach ausgezeichnet wurde: „Ein Triumph des amerikanischen Kinos aus europäischer Tradition“ (FAZ) – „Freuen Sie sich auf jede einzelne Minute von BOYHOOD!“ (Spiegel)

Fr. 26.07.2024, 19:30 Uhr, Mi. 31.07.2024, 17:30 Uhr