2004, Berlinale-Pressekonferenz zu GEGEN DIE WAND, Frage an Fatih Akin: Warum er denn nicht mal Filme über Deutsche drehen würde? Akins konsternierte Antwort auf die impertinente Frage: „Mit so einer Frage schließen Sie uns aus! Wir sind Deutsche, ob Sie wollen oder nicht, ob wir wollen oder nicht.“ Inzwischen sollte sich herumgesprochen haben, dass Filme von Migrant*innen eine kulturelle Bereicherung sind. Und dass sie nicht notwendigerweise Migration thematisieren müssen. Weil aber noch 2018 ein Bundesinnenminister meinte, Migration sei die Mutter aller Probleme, setzen wir mit sechs Werken türkisch-, iranisch- und italienisch-stämmiger Filmemacher*innen die überzeugende Botschaft dagegen: Migration ist die Mutter starker Filme

Auf einmal

Auf einmal

DEU/NLD/FRA 2016. R: Aslı Özge. D: Sebastian Hülk, Julia Jentsch, Hanns Zischler, Sascha Gersak, Luise Heyer. 113 Min. FSK: 12

Nach der Party in Karstens Wohnung sind alle gegangen, außer Anna. Fasziniert nähert sich Karsten dieser geheimnisvollen Frau. Wie sollte er auch ahnen, dass durch einen Moment der Schwäche sein wohlgeordnetes Leben außer Kontrolle geraten würde? Die Frau bricht zusammen, Karsten wählt nicht den Notruf, sondern rennt panisch zur Klinik – und die Frau ist tot. Und haben auch Ehefrau, Familie, Freunde zunächst Mitleid mit dem Mann, dessen Party mit einem Unglück endete, stellt sich zunehmend die unbequeme Frage: Ist wirklich alles so abgelaufen, wie Karsten es erzählt?

Für den Deutschlandfunk „der beste Film der Berlinale“, für die Zeit „einer der interessantesten Filme des Jahres“: In diesem Thriller mit Noir-Touch entwirft Aslı Özge ein grausames Bild von der Biederkeit der Wohlstandsmittelschicht und von der Zersetzungsarbeit des Misstrauens. Mit seinen überraschenden Wendungen bleibt der Film spannend bis zum Schluss.

Do. 03.01. & So. 06.01.2019, 19:30 Uhr

Familiye

Familiye

DEU 2017. R: Kubilay Sarikaya, Sedat Kirtan. D: Kubilay Sarikaya, Arnel Taci, Muhammed Kirtan, Violetta Schurawlow. 102 Min. FSK: 16

Danyal, nach fünfjähriger Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen, muss sich um seine beiden jüngeren Brüder kümmern, den spielsüchtigen Miko und den mit Down-Syndrom geborenen Muhammed. Doch das ist alles andere als leicht: Miko hat Schulden bei einigen gnadenlosen Gangstern, die nun bezahlt werden wollen, und Muhammed soll in ein Heim gesteckt werden. Langsam gerät das ohnehin zerbrechliche Gleichgewicht innerhalb der Familie aus den Fugen, zumal in ihrer schwierigen Existenz im Lynar-Kiez von Berlin-Spandau Gewalt weiterhin zu ihrem Alltag gehört... Die beiden Regisseure, die sich als Streetworker und Türsteher durchschlugen, drehten den Film in, aus und mit ihrem Kiez: Milieustudie, Familiendrama, Gangsterfilm. Moritz Bleibtreu betreute als Pate diese rigorose Independent-Produktion – „ein Glücksfall für alle, die nach authentischen Geschichten auf der Leinwand suchen.“ (musikexpress)

Fr. 04.ß1. & Sa. 05.01.2018, 21:30 Uhr

Dügün – Hochzeit auf türkisch

Dügün – Hochzeit auf türkisch

DEU 2015. R: Ayse Kalmaz, Marcel Kolvenbach. Dokumentarfilm. 93 Min. FSK: 0

In Duisburg-Marxloh ist eine funktionierende Gesellschaft entstanden aus türkischen Geschäftsleuten, die alles anbieten, was zu einer Hochzeit dazugehört: Kleider, schöne Frisuren, eine große Feier in einem festlichen Saal. Sich mit den Bräuchen und Ritualen einer türkischen Hochzeit zu beschäftigen, ermöglicht Einblicke in die Gefühlswelten junger Paare und ihrer Familien und die Abbildung einer Normalität, die sonst nie in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. In der Kombination aus türkischsprachiger Regisseurin und kameraerfahrenem Regisseur entstand mit DÜGÜN einer der wenigen deutschen Dokumentarfilme, die das alltägliche Leben der türkischen community abbilden: Die Hochzeit ist das Fest der Gemeinschaft, die das kulturelle (Über)Leben fern der alten Heimat sichert.

Do. 10.01.2018, 19:30 Uhr, Mi. 16.01.2018, 17:30 Uhr

Reise nach Jerusalem

Reise nach Jerusalem

DEU 2018. R: Lucia Chiarla. D: Eva Löbau, Veronika Nowag-Jones, Axel Werner, Beniamino Brogi. 119 Min. FSK: 6

Alice: 39 Jahre, Single, arbeitslos. Sie ist freiberufliche Redakteurin, krebst herum zwischen Jobabsagen und Bewerbungstraining und lebt von Benzingutscheinen, die sie in obskuren Marktforschungsprojekten bekommt. Und immer bemüht sie sich verzweifelt, nach außen als erfolgreiche Freelancerin zu erscheinen. Bis alles zusammenkracht, nicht nur der Vorderzahn (und ihre Krankenversicherung ist natürlich schon lange perdu). Das Leben als „Reise nach Jerusalem“: Wie im Kindergeburtstagsspiel, bei dem einem immer der letzte Platz weggeschnappt wird, gerät Alice immer tiefer in Erniedrigung und Selbstdemütigung. Lucia Chiarla, 2005 aus Italien nach Berlin gezogen, hat ihren Film ohne Förderung, mit geringem Budget und hohem Eigenengagement gedreht – man kann nur ahnen, dass die Regisseurin weiß, wovon sie erzählt: „Ein großartig gruseliges Drama mit einer grandiosen Eva Löbau.“ (Süddeutsche Zeitung)

Fr. 25.01., Sa. 26.01. & Mo. 28.01.2018, 19:30 Uhr

Die defekte Katze

DEU 2018. R: Susan Gordanshekan. D: Pegah Ferydoni, Hadi Khanjanpour, Henrike von Kuick, Constantin von Jascheroff. 97 Min. FSK: 6

Mina hat im Iran eine unglückliche Beziehung hinter sich. Kian lebt als frustrierter Single in Deutschland. Beide lassen sich auf die traditionelle, sprich: arrangierte Art der Eheschließung ein: Die Jungvermählten vertrauen darauf, dass sich Liebe und Glück mit dem Kennenlernen in der Ehe einstellen werden. Doch Mina findet sich schwer zurecht in einem fremden Land mit fremder Sprache und fremder Kultur. Und der Iranstämmige Kian hat sich in seinem Beruf als Arzt so eingerichtet, dass er Zweisamkeit nicht mehr gewöhnt ist

Susan Gordanshekan, als Tochter iranischer Eltern in Deutschland geboren, erzählt präzise und hochemotional über das Leben zwischen den Kulturen: Der iranische Alltag in Deutschland ist von Holprigkeiten geprägt, von Traditionen und unausgesprochenen Erwartungen. Und auch bei bestem Willen kann dann eine unglückliche Beziehung eskalieren; symbolisiert durch die verhaltensauffällige Katze, die Mina zur Vertreibung der Langeweile anschafft – und die ihr Mann nicht ausstehen kann. Vom Bundesverband Regie als bester Debütfilm ausgezeichnet.

Fr. 25.01.2018, 21:30 Uhr, So. 27.01. & Di. 29.01.2018, 19:30 Uhr, Mi. 30.01.2018, 17:30 Uhr

Auf der anderen Seite

Auf der anderen Seite

DEU/TRK 2007. R: Fatih Akin. D: Baki Davrak, Tuncel Kurtiz, Nursel Köse, Nurgül Yesilcay, Hanna Schygulla. 122 Min. FSK 12

Als der Witwer Ali die Prostituierte Yeter überredet, bei ihm einzuziehen, ist sein Sohn Nejat, Germanistikprofressor, irritiert. Nejat taut erst auf, als er erfährt, dass sie ihrer Tochter Ayten regelmäßig Geld für ihr Studium schickt. Nach Yeters plötzlichem Tod reist Nejat in die Türkei, um Ayten zu suchen. Die politische Aktivistin Ayten ist jedoch vor der türkischen Polizei nach Deutschland geflüchtet und bei einer jungen Frau, Lotte, untergetaucht. Als sie von der Polizei aufgegriffen und in die Türkei zurückgeschickt wird, macht sich Lotte auf die Suche nach der Freundin.

Fluchtpunkt Istanbul: Im Mittelteil seiner Trilogie „Liebe, Tod und Teufel“ – zwischen GEGEN DIE WAND und THE CUT – erzählt Fatih Akin von sechs Menschen, deren Schicksale sich miteinander verknüpfen, mitreißend und intensiv, kunstvoll und raffiniert inszeniert und in Cannes mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet: „Ein kleines Meisterwerk über Schmerz und Verlust, Abschied und Tod, aber auch Neuanfang und Heimkehr.“ (migration-im-film.de)

Mi. 30.01.2018, 19:30 Uhr