Sechs Musikfilme in der siebten Ausgabe des Mannheim Musik Film Festivals: Musik zum Sehen, Filme zum Hören! Zur Eröffnung am Donnerstag, 22.9., gibt es einen Liedermacherabend mit einem filmischen Bettina-Wegner-Porträt und einem Live-Konzert mit Bernd Köhler und Laurent Leroi; zum Dokumentarfilm „Son of Cornwall“ am Sonntag, 25.9., ist Regisseur Lawrence Richards zu Gast. „La Clave“ taucht in die musikalische Vielfalt von Kuba ein, „Shiver – Die Kunst der Taiko Trommel“ konzentriert sich ganz auf japanisches Schlagwerkspiel. „Billie – Legende des Jazz“ ist ein intimes Porträt der Jazzsängerin Billie Holliday, und mit „Aşk, Mark ve Ölüm“ wird die Musikkultur der türkischen Menschen in Deutschland eingehend gewürdigt.

Bettina

Bettina

DEU 2022. R: Lutz Pehnert. Dokumentarfilm. 107 Min. FSK: 0

Bettina Wegner zählt zu den erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Liedermacherinnen. Ihr Lied „Kinder – Sind so kleine Hände“ ging, nicht zuletzt in der Interpretation durch Joan Baez, um die Welt. Geboren 1947 in Westberlin, aufgewachsen in Ostberlin, mit 36 Jahren ausgebürgert, seither „entwurzelt“: Der Werdegang der Liedermacherin gehört zu den spannendsten Lebensläufen des 20. Jahrhunderts. Es ist der Weg von einem Stalin verehrenden Kind über die hoffnungsfrohe Teenagerin, die mit ihren Liedern eine lebenswerte Gesellschaft miterschaffen will, hin zur beseelten Künstlerin mit unerschütterlich humanistischer Haltung, zu unbequem für die DDR. So heroisch das klingt, so irre und aberwitzig, mühevoll und traurig, hingebungsvoll und vergeblich ist es in den vielen Dingen des Lebens, die zwischen den Liedern eine Biografie ausmachen. Bettina Wegner erzählt ihre Geschichte, Lutz Pehnert unterfüttert sie mit zahlreichen Konzert- und Musikbeispielen, die Einblicke geben in eine andere Zeit, einen anderen Staat – in das Leben einer trotzigen, kämpferischen, melancholischen Künstlerin.

Zur Eröffnung: Konzert mit Bernd Köhler und Laurent Leroi

Do. 22.09.2022, 19:30 Uhr

La Clave

La Clave – Das Geheimnis der kubanischen Musik

DEU 2021. R: Kurt Hartel. Dokumentarfilm. 90 Min. SpanOmdtU. FSK: 0

„Claves“: Das waren ursprünglich hölzerne Schiffsnägel, rhythmisch aufeinandergeschlagen. „La Clave“: Das rhythmische Element, erzeugt durch diese Klanghölzer, bildet den Herzschlag der kubanischen Musik. Die Clave führt die Zuschauer durch diesen Film: Bei aller Vielfalt der kubanischen Musikspiele ist doch dieser spezielle Rhythmus beherrschend. Lokale Musiker*innen erzählen die Geschichte der kubanischen Musik, unverfälscht und ohne die typischen Klischees. Jazz, Klassik, Percussion, Folklore werden in vielen Konzertpassagen ausgiebig gewürdigt – und auch die Wichtigkeit, musikalisches Wissen an künftige Generationen weiterzugeben. Im Proberaum, im Konzertsaal, auf den Straßen von Havanna: Dieses lebendige Porträt der kubanischen Musikszene zeigt, wie Musik ganz selbstverständlich in das alltägliche Leben Kubas integriert ist.

Fr. 23.09.2022, 19:30 Uhr, Mi. 28.09.2022, 17:30 UHr

Shiver – Die Kunst der Taiko Trommel

Shiver – Die Kunst der Taiko Trommel

USA 2019. R: Adele Schmidt, José Zegarra Holder. Dokumentarfilm. 129 Min. EnglOmdtU. FSK: 0

Krautrock: Das ist eine Explosion der Kreativität im Westdeutschland ab Ende der 1960er, in der Musik ganz neue Klangwelten erschaffte. Rock und Jazz, neue Klassik, Ethno und Folk verbanden sich zu einer gegenkulturellen musikalischen Revolte, die im Ausland weit einflussreicher war als im eigenen Lande. Die auf drei Teile angelegten „Krautrock“-Dokumentarreihe erforscht diese Musik und ihre Zeit mittels Konzertausschnitten und Interviews mit Krautrock-Veteranen – im ersten Teil geht es um die Städte Köln (mit Can etc.), Düsseldorf (mit Kraftwerk, Neu! etc.) und Hamburg (mit Faust). KRAUTROCK 2 läuft ebenfalls im Mannheim Musik Film Festival #6 – der dritte Teil ist für 2023 angekündigt.

Bei den KRAUTROCK 1-Vorführungen verlosen wir jeweils ein Exemplar von Christoph Dallachs Buch „Future Sounds“.(https://www.suhrkamp.de/buch/christoph-dallach-future-sounds-t-9783518465981)

Fr. 23.09.2022, 19:30 Uhr & Mi. 27.09.2022, 17:30 Uhr

Billie - Legende des Jazz

Billie - Legende des Jazz

GBR 2019. R: James Erskine. Dokumentarfilm. 98 Min. EnglOmdtU. FSK: 12

Billie Holiday, die melancholischste Stimme des Jazz, ist auch über 60 Jahre nach ihrem frühen Tod eine der meistgehörten Künstlerinnen. Ihr erfolgreiches Leben auf der Bühne überdeckte eine schwere Kindheit und ein Leben voller Höhen und Tiefen. Der Song „Strange Fruit“, ein Vorreiter für Black Lives Matter, schaffte ihr einflussreiche Feinde, darunter das FBI. In den 1970ern versuchte sich die Journalistin Linda Lipnack Kuehl an einer umfangreichen Biografie und konnte dafür unzählige Jazzmusiker und Zeitzeugen interviewen. Bis auch sie ein zu frühes Ende fand. Dieser Film erzählt die Geschichte von Billie Holiday anhand dieser Interview-Tonbänder, die hier erstmals veröffentlicht werden: Die O-Töne aus erster Hand von Wegbegleitern der Sängerin, mit all den Widersprüchen in der Perspektive, zeichnen ein umfassendes Bild der Jazzlegende.

Sa. 24.09. & Mi. 29.09.2022, 19:30 Uhr

Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod

Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod

DEU 2022. R: Cem Kaya. Dokumentarfilm. 102 Min. Türk.-dt.OmdtU. FSK: 12

Türkische Musik aus Deutschland – eine Subkultur? Nein: Der musikalische Ausdruck von Millionen türkischstämmiger Bürger! Angefangen mit den ersten Gastarbeitern entwickelte sich in der BRD eine eigenständige türkische Musikkultur: Protestlieder, Schlager, Lieder aus der Fremde waren höchst erfolgreich. Die deutsche Mehrheitsgesellschaft interessierte sich nicht dafür, teils aus Ignoranz übersehen, teils aus offener Fremdenfeindlichkeit abgelehnt. Cem Kaya (REMAKE, REMIX, RIP-OFF) spürt den Eigenheiten der vielfältigen türkischen Musik aus Deutschland nach, mit vielen Interviews, vor allem aber mit einer Unmenge von Archivmaterial, das sich in dynamischer Montage zu einem weitgespannten Mosaik zusammenfügt. Von Schlagern und Hochzeitskapellen – die alle Stile der alten türkischen Heimat beherrschen müssen – über Türkrock und Disco-Folk bis zu HipHop und Pop erzählt der Film von einer Kultur in Deutschland, von der viele viel zu wenig wissen.

Preview vor dem Kinostart!

Sa. 24.09.2022, 21:30 Uhr, Mo. 26.09.2022, 19:30 Uhr

Son of Cornwall – Der Tenor John Treleaven

DEU 2020. R: Lawrence Richards. Dokumentarfilm. 93 Min. FSK: 0

Startenor John Treleaven hat es als Opernsänger aus einem kleinen Fischerdorf in Cornwall auf die großen Bühnen der Welt geschafft. In Rollen wie Siegfried, Tristan oder Peter Grimes begeisterte er viele Jahre lang das Publikum an Opernhäusern wie der Royal Opera House Covent Garden und der English National Opera in London, war engagiert in Wien, Tokio und Los Angeles, auch in Mannheim (wo er sein Deutschland-Debüt gab). In diesem mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm porträtiert Dokumentarfilmer Lawrence Richards seinen Vater John Treleaven: Wie ist es, wenn man sein Talent entdeckt? Wie bringt man seine Persönlichkeit ein in einer Operninszenierung? Und wie ist das Verhältnis zwischen internationaler Karriere und der Familie zuhause? Entlang der Küste von Cornwall lassen Vater und Sohn die Opern-Laufbahn Revue passieren, sprechen darüber, was zum künstlerischen Schaffen antreibt und welche Opfer Treleaven wie auch sein Sohn Lawrence aufbringen mussten.

In Anwesenheit von Regisseur Lawrence Richards

So. 25.99.2022, 19:30 Uhr