Jazzmusik durch Musiker des Hermann Art Kollektivs zum Auftakt, und zwischendurch ein kleines Konzert mit einigen Ex-Mitgliedern der psychedelischen Krautrock-Weltmusikformation Embryo: Beim dritten Mannheim Musik Film Festival haben wir nicht nur aktuelle Musikfilme auf dem Programm, sondern auch Musiker. Und einen Regisseur, der sein Werk vorstellt. Und eine kompetente Filmeinführung. Vor allem aber geht es natürlich um die Musik, die hier auf der Leinwand zu sehen ist: Jazz und HipHop, Punk und russische Rockmusik, Anne Clark, Ryuichi Sakamoto, Chilly Gonzales

It Must Schwing!  The Blue Note Story

Eröffnung

It Must Schwing! The Blue Note Story

DEU 2018. R: Eric Friedler. Dokumentarfilm. 118 Min. OmdtU. FSK: 12

Miles Davis, Herbie Hancock, John Coltrane, Sonny Rollins, Ornette Coleman, Thelonious Monk, Quincy Jones: Die Musiker sind legendär. Der Sound ist legendär. Die Cover Art ist legendär. Das ganze Label ist legendär: Blue Note Records, gegründet von Alfred Lion und Francis Wolff, die sich schon als Jugendliche in Berlin angefreundet hatten und später, im Exil in New York, ihre Leidenschaft für Jazz zum Beruf gemacht haben. Getreu ihrem Motto: It must schwing!

Eric Friedlers Dokumentarfilm wird zur Eröffnung des dritten Mannheim Musik Film Festivals mit einem Jazzkonzert begleitet: Claus Kiesselbach (Vibraphon), Alexandra Lehmler (Saxophon) und Matthias Debus (Bass) vom Hermann Art Kollektiv spielen zur Einstimmung.

Das Hermann Art Kollektiv ist ein Verbund von bekannten Musikern der Jazz-Szene in der Rhein-Neckar-Region: Zu ihren Auftritten finden sich die Künstler immer wieder neu zusammen, ganz ähnlich dem Kettenbrief-Kuchen Hermann, bei dem jeweils ein Teil weitergereicht und neu gefüttert wird.
Bei der Eröffnung des Mannheim Musik F
ilm Festivals #3 mit dabei:
Claus Kiesselbach am Vibraphon - Konzerte und Aufnahmen unter anderem mit Den Xiaomei, Alex Sipiagin, Nils Landgren und der HR-Bigband: eine feste Größe in der südwestdeutschen Jazzszene.
Alexandra Lehmler am Saxophon – Leiterin ihrer eigenen Jazzband mit inzwischen sechs Albenveröffentlichungen, 2014 Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg und Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Matthias Debus am Bass – Studierter Jazz-Bassist, doch das Spektrum seines Schaffens reicht vom Jazz über das Mitwirken in Orchestern, Worldmusic und Lyrikvertonungen bis hin zu Rock und Neutönendem.

Do. 15.11.2018, 19:30 Uhr

Chilly Gonzales: Shut Up and Play the Piano

Chilly Gonzales: Shut Up and Play the Piano

DEU/GBR 2018. R: Philipp Jedicke. Dokumentarfilm. 85 Min. Teilw. OmdtU. FSK: 0

Jason Charles Beck heißt er eigentlich. Und stammt eigentlich aus Montreal. Aber seit langem schon ist das Uneigentliche sein Metier: Nach Performancekunst und elektrobegleitetem derbem Rap besinnt er sich auf Solo-Piano, irgendwo zwischen Klassik und Jazz, aber gerne auch ironisch gebrochen.Dabei tritt er als Chilly Gonzales auf die Bühne, ein Genie inkl. Selbstverliebtheit, Großkotzigkeit und Bademantel. Der Entertainer ist schwer zu fassen – dieser Film umzingelt ihn immerhin.

Fr. 16.11.2918, 19:30 Uhr, Mo. 19.11.2018, 21.30 Uhr

Feine Sahne Fischfilet: Wildes Herz

Feine Sahne Fischfilet: Wildes Herz

EU 2017. R: Charly Hübner, Sebastian Schultz. Dokumentarfilm. 94 Min. FSK: 12

Anfang September waren sie beim Chemnitzer „Wir sind mehr“-Konzert mit dabei und brachten den Bundespräsidenten persönlich in Trouble, weil dieser die Veranstaltung auf Facebook postete. Wenige Tage später spielten sie in Mannheim als Support für die Toten Hosen. Charly Hübner – u. a. bekannt als Rostocker „Polizeiruf“-TV-Kommissar – porträtiert in seinem Regiedebüt die Punkband aus dem Nordosten um Frontman Jan „Monchi“ Gorkow, die sich immer klar gegen rechts positionierte – ihre „explizit anti-staatliche Haltung“ brachte ihr mehrere Erwähnungen im Verfassungsschutzbericht ein. Mehrfach ausgezeichnet, u. a. beim DOK Leipzig.

Fr. 16.11.2018, 21:30 Uhr, So. 18.11.2018, 19:30 Uhr

Embryo – The Journey of Music an Peace

Embryo – The Journey of Music an Peace

DEU 2018. R: Michael Wehmeyer. Dokumentarfilm. 98 Min. Teilw. OmdtU. FSK: k. A.

Gegründet vor 50 Jahren: Seither erforschen die Musiker von Embryo die Tiefe und Weite der Musik. Angefangen hat es beim Jazz, dem Rock-Einflüsse hinzugefügt wurden. Ab Mitte der ’70er öffnete sich die Musik für Einflüsse aus Afrika und Asien, und auch für Musiker aus allen Weltgegenden: Embryo ist weniger eine Band als ein Kollektiv, in dem seit 1969 über 400 Musiker mitspielten. Unter anderem – von 1976 an über 15 Jahre – Michael Wehmeyer an den Keyboards, der nun anhand von Archivmaterial die Geschichte der Musiker und ihrer Musik nachzeichnet. Am 17.11.

Konzert und Diskussion mit Lothar Stahl, Ex-Embryo-Schlagzeuge.

Embryo, gegründet 1969, entstammt der Kraut-Rock-Szene. Die anfängliche Mischung aus Free-Jazz, Rock und Psychedelic Pop wurde Mitte der 1970er weiterentwickelt zu wahrer Welt-Musik: Durch Reisen unter anderem in den nahen und mittleren Osten und nach Nordafrika nahmen die Musiker um Christian Burchard musikalische Einflüsse verschiedener Kontinente auf. Viele Alben entstanden auf ausgedehnten Konzertreisen mit Musikern aus verschiedenen Weltgegenden. Langjährige Mitglieder des Musikkollektivs waren auch Michael Wehmeyer (Keyboards), der Regisseur des EMBRYO-Films, und Lothar Stahl (Schlagzeug), der am 17.11. mit zwei Musikerkollegen das Filmpublikum auf eine psychedelische Klangreise führt:
Lothar Stahl, Schlagzeug: Schrieb mit der Karlsruher Rockband "Checkpoint Charlie" in den 1970ern Rockgeschichte: Verklagt von Franz Josef Strauß, gejagt vom Verfassungsschutz tourte die Band zwischen Kalkar, Startbahn West, Wackersdorf… Mitte der 1980er erste Konzerte mit Embryo, danach auf Christian Burchards Dauertour zwischen Istanbul und Casablanca, Kopenhagen und Palermo, musizierte dabei mit Musikern aus aller Welt. Seit 2000 tourt er mit der Stahlband durch die Republik.
Jör<g Schöllhorn, Keyboards: Studierte Jazzpiano, Arrangement und Komposition an der Jazz Schule München. Jammte mit Embryo einige Male an den unterschiedlichsten Orten in Deutschland: "Auch ganz spontan, z. B. in Berlin, als ein befreundeter Saxofonist, den ich dort besuchte, mir sagte, dass da gerade um s Eck Embryo spielt. Wir gingen hin und am nächsten Tag spielte ich mit ihnen an einem geheimnisvollen Ort im Stadtteil Prenzlauer Berg auf Christian Burchards merkwürdiger kleiner Orgel."
Kevin Carter, Bass/Gesang: Der Multiinstrumentalist spielte mit den Pfälzer Bands "Om Ray" und "Freeling". "Om Ray" huldigten auch der frei improvisierten Musik, und bei einem Embryo-Konzert in Mainz lernte man sich kennen. Kevin Carter spielte auch einigeGgigs mit der "Stahlband" und sammelte Erfahrungen mit kurdischen Musikern. Er ist auch Mitglied bei einer der bekanntesten Salsabands aus dem Rhein-Maingebiet "Chacan"

Sa. 17.11.2018, 19:30 Uhr, Mi. 21.11.2018, 19:30 Uhr

Nico, 1988

Nico, 1988

ITA/BEL 2017. R: Suanna Nicchiarelli. D: Trine Dyrholm, John Gordon Sinclair, Anamaria Marinca, Sandor Funtek. 94 Min. OmdtU. FSK: 12

Pure Energie und pure Morbidität: NICO, 1988 ist ein biographisches Porträt der Künstlerin als unausstehliche Frau. Christa Päffgen, aka Nico, will nichts mehr zu tun haben mit ihrer Vergangenheit als Velvet Underground-Ikone, eigentlich will sie mit gar nichts mehr irgendwas zu tun haben. Dennoch geht sie 1986 auf Europatournee, kleine Band, kleine Auftritte, kleine Gage. Ihr Sohn ist dabei, inoffiziell von Alain Delon, wichtiger aber ist ihr die Nadel und das Heroin... Die Dänin Trine Dyrholm spielt Nico in ihren beiden letzten Lebensjahren mit ungeheurer Wucht, verleiht ihr eine komplexe Kratzbürstigkeit, und sie singt Nicos Songs, mitreißend, rau und authentisch.

So. 18.11.2018, 21:30 Uhr, Mo. 19.11.2018, 19:30 Uhr

Ryuichi Sakamoto: Coda

USA/JAP 2017. R: Stephen Nomura Schible. Dokumentarfilm. 101 Min. OmdtU: FSK: 6

Japanischer Techno-Pop; Film-Soundtracks und Oscar für DER LETZTE KAISER; elektronische Musik, Weltmusik, klassische Kompositionen: Ryuichi Sakamoto ist einer der vielseitigsten und bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Mit seiner Musik und seinen vielen Kollaborationen mit Komponisten, Regisseuren und Konzeptkünstlern setzt er immer wieder neue Akzente. Und er ist sozial engagiert, unter anderem als einer der Wortführer der japanischen Anti-Atomkraft-Bewegung. Stephen Nomura Schible hat den Komponisten und Musiker seit 2012 mit der Kamera begleitet: Aktuelle Interviews und viel Archivmaterial verdichten das Porträt eines vielgestaltigen Künstlerlebens.

Am 20.11.: Einführung durch Prof. Dr. Sidney Corbett, Professor für Musikkomposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim

Di. 20.11.2018, 19:30 Uhr, Mi. 21.11.2018, 21:30 Uhr

Leto

Leto

RUS/FRA 2018. R: Kirill Serebrennikow. D: Roma Zver, Irina Starshenbaum, Teo Yoo. 129 Min. OmdtU. FSK: 12

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Die Underground-Rockszene brodelt. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation... Nach der wahren Geschichte der russischen Rockband Kino erzählt Kirill Serebrennikow – der in Russland unter Hausarrest steht – von einer freiheitsliebenden Generation kurz vor der Perestroika, als Musiker staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock 'n' Rolls in der Sowjetunion veränderten. In Cannes für den besten Soundtrack ausgezeichnet.

Do. 22.11.2018, 19:30 Uhr, Fr. 23.11.2018, 21:30 Uhr

Matangi / Maya / M.I.A.

Matangi/Maya/M.I.A.

GBR/LKA/USA 2018. R: Steve Loveridge. Dokumentarfilm. 97 Min. OmdtU. FSK: k. A.

Nach ihrem Umzug von Sri Lanka nach London hatte Mathangi „Maya“ Arulpragasam Dokumentarfilm studiert – weshalb sie Steve Loveridge für sein Porträt eine Unmenge an Material zuspielen konnte. Inzwischen nämlich hat sie sich zur gefeierten Rap-Künstlerin M.I.A gewandelt, inspiriert von HipHop-, Street Art- und diversen Migrationskulturen. Dabei steht sie mit klarer künstlerischer und politischer Haltung in der Öffentlichkeit, geprägt von der tamilischen Unabhängigkeitsbewegung. Dass sie damit aneckt, sich gegen den Mainstream stellt, macht ihre Künstlerpersönlichkeit aus.

Do. 22.11.2018, 21:30 Uhr, Fr. 23.11.2018, 19:30 Uhr

Anne Clark: I’ll Walk Out Into Tomorrow

Anne Clark: I’ll Walk Out Into Tomorrow

DEU 2017. R: Claus Withopf. Dokumentarfilm. 84 Min. OmdtU. FSK: 0

Sie verwandelt Sprache in einzigartige Musik: Seit mehr als 30 Jahren steht Anne Clark auf der Bühne. Mit New Wave-Klassikern wie „Our Darkness“ oder „Sleeper in Metropolis“ ist sie eine Ikone der Musikgeschichte und eine grandiose Pionierin der Spoken Word-Kunst. Ihre analogen Synthesizer-Sounds machten die düstere Poetin zu einer Wegbereiterin des Techno. Nach einschneidenden Konfrontationen mit ihrer Plattenfirma aber verschwand sie von der musikalischen Bildfläche... Claus Withopf begleitete Anne Clark fast ein Jahrzehnt lang für sein Porträt dieser musikalischen Rebellin jenseits des kommerziellen Mainstreams.

Sa. 24.11.2018, 19:30 Uhr - in Anwesenheit des Regisseurs