Kinder brauchen Märchen, schrieb Bruno Bettelheim. Wir meinen: Erwachsene brauchen Märchenfilme! In sechs Beispielen aus der Filmgeschichte geht es um faszinierende Übertragungen von Märchenstoffen in Film. Auf so beeindruckende wie symbolische Weise finden die Filmemacher Bilder für zauberhafte Welten, unschuldige Protagonist*innen und schreckliche Monster. Das hat mehr mit der Wirklichkeit zu tun, als man denkt. Und ist oft alles andere als kindgerecht.

Blancanieves – Ein Märchen von Schwarz und Weiß

Blancanieves – Ein Märchen von Schwarz und Weiß

(Blancanieves)
ESP/FRA 2012. R: Pablo Berger. D: Macarena García, Daniel Giménez Cacho, Maribel Verdú, Sofia Oria. 109 Min. Stummfilm. FSK: 12

Als Stummfilm und in Schwarz-Weiß erzählt der spanische Regisseur Pablo Berger die „Schneewittchen“-Geschichte der Brüder Grimm neu: Carmencita wird geboren, während ihr Vater als Stierkämpfer in der Arena schwer verletzt wird; ihre Mutter stirbt im Kindbett. Der gelähmte Vater wird von der strengen Stiefmutter strikt von seiner Tochter abgeschirmt; schließlich lässt die Stiefmutter Carmencita von ihrem Geliebten töten. Doch ein Kleinwüchsiger rettet sie. Fortan reist sie mit ihm und seinen sechs Kollegen im Jahrmarktwagen umher und wird zum Startorero bei Schau-Stierkämpfen. Zum Missfallen der Stiefmutter…

Berger überführt auf hochoriginelle Weise den „Schneewittchen“-Stoff in ein einfallsreich inszeniertes Filmdrama. Er reist mit seinem modernen Stummfilm zurück in die Frühzeit des Kinos, verbindet Realität und Phantastik, Tragik und Komik: „furioses Spektakel im Flamenco-Rhythmus.“ (FAZ)

Einführung: Cosima Besse

Mi. 11.01.2023, 19:30 Uhr

Die Zeit der Wölfe

Die Zeit der Wölfe

(The Company of Wolves)
GBR 1984. R: Neil Jordan. D: Sarah Patterson, Angela Lansbury, Stephen Rea, David Warner. 95 Min. EnglOmdtU. FSK: 16

Die junge Rosaleen träumt sich in eine mittelalterliche Märchenwelt; diese aber ist nicht kindlich-unschuldig. Vielmehr wird ihre Schwester von Wölfen getötet, sie selbst wird zu ihrer Großmutter geschickt. Diese weiß: Schlimmer als die zähnefletschenden, blutrünstigen Wölfe sind die, die als freundliche, wohlerzogene Männer erscheinen…

DIE ZEIT DER WÖLFE zweigt immer wieder in neue Erzählungen innerhalb der Handlung ab und stellt so die unheimlichen Fantasyaspekte des Rotkäppchen-Märchens heraus: Mit seinen bizarren, symbolträchtigen Bildern und mit freudianischen Untertönen erzählt Neil Jordan in seiner zweiten Spielfilmregie unter raffinierter Bezugnahme auf Horrormotive eine Allegorie des Erwachsenwerdens und der weiblichen Selbstbestimmung.

Einführung: Manuel Hugenschmidt

Mi. 01.02.2023, 19:30 Uhr

Pans Labyrinth

Pans Labyrinth

(El laberinto del fauno)
ESP/MEX 2006. R: Guillermo del Toro. D: Ivana Baquero, Ariadna Gil, Sergi López, Maribel Verdú, Doug Jones. 119 Min. SpanOmdtU. FSK: 16

Spanien, 1944, die Faschisten haben im Bürgerkrieg ihre Macht durchgesetzt. Die elfjährige Ofelia reist mit ihrer schwangeren Mutter zu deren neuen Mann, der als erbarmungsloser Hauptmann republikanische Partisanen jagt. Auf dem Weg zum Lager der faschistischen Truppen begegnet Ofelia Pan, dem Wächter des unterirdischen Königreichs. Er erkennt in ihr die verlorene Prinzessin wieder, doch sie muss drei Prüfungen bestehen.

Guillermo del Toros leinwandsprengender Fantasyfilm nutzt Märchenmotive, um über den Umweg von Monstern und Fabelwesen von Macht und Faschismus zu sprechen und von der Kindheit, die mit grausamer Realität kollidiert. Ein ewiges Meisterwerk der Filmgeschichte.

Einführung: Robert Hörr

Mo 13.03.2923, 19:30 Uhr

Die Schöne und das Biest

Die Schöne und das Biest

(La belle et la bête)
FRA 1946. R: Jean Cocteau. D: Jean Marais, Josette Day, Marcel André, Mila Paréy. 90 Min. FrzOmdtU. FSK: 0

Ein Kaufmann ist verarmt; für seine Tochter Belle pflückt er eine Rose und wird von einem Biest gestellt, halb Mensch, halb Tier: Es fordert sein Leben – oder Belle. Schweren Herzens opfert sie sich für ihren Vater und reist in das magische Schloss des Untiers.

Der Kinopoet Jean Cocteau schuf mit diesem Klassiker des Märchen- und Fantasyfilms die beste Verfilmung der Geschichte von der Schönen, die das wahre innere Wesen in der hässlichen Gestalt des Biests entdeckt. Der Film, der in Deutschland auch unter den Titeln ES WAR EINMAL und DAS UNTIER UND DIE SCHÖNE bekannt ist, besticht durch seine magischen Filmeffekte und die wunderbare Darstellung der Märchenwelt. „Faszinierender Film für die Sinne, ein phantastisches Gedicht in Bewegung“ (New York Times 1947); „einer der bezauberndsten Filme aller Zeiten.“ (Roger Ebert 1999)

Einführung: N.N.

Mo. 17.04.2023, 19:30 Uhr

FRA 1970. R: Jacques Demy. D: Catherine Deneuve, Jean Marais, Jacques Perrin, Micheline Presle, Delphine Seyrig. 91 Min. FrzOmdtU. FSK: 0 Die Königin lässt sich vom König auf dem Sterbebett versprechen, dass er keine Frau heiraten wird, die weniger schön ist als sie. Für den König gibt es nur eine, die an ihre Schönheit heranreicht: seine Tochter. Um der Eheschließung mit dem Vater zu entgehen, stellt die Prinzessin dem König unmöglich scheinende Aufgaben, unter anderem verlangt sie die Haut eines Esels, der Juwelen ausscheidet. Jacques Demy ließ sich von dem Märchenstoff inspirieren, der in Deutschland als „Allerleirauh“ bekannt ist – die Finanzierung des Films war gesichert, weil er Catherine Deneuve besetzen konnte, die mit seinem Film DIE REGENSCHIRME VON CHERBOURG (1964) zum Star wurde. Er inszeniert seinen Film in popbunter Farbdramaturgie und verweist zugleich offen auf Cocteaus DIE SCHÖNE UND DAS BIEST, beispielsweise durch Jean Marais als Darsteller des Königs, aber auch durch den Einsatz von Schauspielern als Statuen im Schloss. Einführung: N.N. Mi. 3.5., 19:30 Uhr

Eselshaut

(Peau d'âne)
FRA 1970. R: Jacques Demy. D: Catherine Deneuve, Jean Marais, Jacques Perrin, Micheline Presle, Delphine Seyrig. 91 Min. FrzOmdtU. FSK: 0

Die Königin lässt sich vom König auf dem Sterbebett versprechen, dass er keine Frau heiraten wird, die weniger schön ist als sie. Für den König gibt es nur eine, die an ihre Schönheit heranreicht: seine Tochter. Um der Eheschließung mit dem Vater zu entgehen, stellt die Prinzessin dem König unmöglich scheinende Aufgaben, unter anderem verlangt sie die Haut eines Esels, der Juwelen ausscheidet.

Jacques Demy ließ sich von dem Märchenstoff inspirieren, der in Deutschland als „Allerleirauh“ bekannt ist – die Finanzierung des Films war gesichert, weil er Catherine Deneuve besetzen konnte, die mit seinem Film DIE REGENSCHIRME VON CHERBOURG (1964) zum Star wurde. Er inszeniert seinen Film in popbunter Farbdramaturgie und verweist zugleich offen auf Cocteaus DIE SCHÖNE UND DAS BIEST, beispielsweise durch Jean Marais als Darsteller des Königs, aber auch durch den Einsatz von Schauspielern als Statuen im Schloss.

Einführung: N.N.

Mi. 03.05.2023, 19:30 Uhr