In vier neuen Dokumentarfilmen blicken wir im September in Lebenswelten, die sonst oftmals verschlossen bleiben. Wie lebt es sich auf der Straße? Ist es ein Leben, weggesperrt in der Psychiatrie? Wie geht der Mensch mit seinen Mitlebewesen um? Wie kann man leben in lebensfeindlicher Umgebung? Dabei gehen die Filme nicht schlicht didaktisch vor: Die Geschichten vierer Obdachloser werden durch surreale Installationen überhöht, Gerichtsverfahren um psychiatrische Unterbringung kommentarlos dargeboten, die Einblicke in die Parallelwelt der Jagd mit geradezu poetischen Bildern begleitet, und auf einer Reise durch Ostsibirien lassen sich allerhand bizarre Eindrücke auf Land und Leute einfangen. 

Draußen

Draußen

DEU 2018. R: Johanna Sunder-Plassmann, Tama Tobias-Macht. Dokumentarfilm. 80 Min. FSK: k. A.

Matze, Elvis, Peter und Sergio: Vier Persönlichkeiten, vier Überlebenskünstler. Was sie erlebt und überlebt haben, was sie vom Leben wissen und wie erfindungsreich sie sich organisieren, macht ihnen so leicht niemand nach. Die vier leben draußen, auf der Straße oder im Wald. Sie schildern ihr Leben – vielleicht hört ihnen bei diesem Film erstmals jemand zu. Und sie geben Einblicke – die persönlichen Gegenstände, die sie mit sich führen, erzählen ganz eigene Geschichten von einem früheren, besseren Leben. Zwischen dem harten Leben in der Obdachlosigkeit, den Erinnerungen und den beinahe traumartigen Einschüben sorgsam drapierter Habseligkeiten tun sich Abgründe auf, die Lebenswege zerstören können.

Sa. 01.09., Mo. 03.ß9. & Di. 04.09.2018., 19:30 Uhr, Mi. 05.09.2018, 17:30 Uhr

12 Tage

(12 jours)
FRA 2017. R: Raymond Depardon. Dokumentarfilm. 86 Min. OmdtU. FSK: k. A.

Zwölf Tage – das ist die Frist, innerhalb derer in Frankreich ein Psychiatriepatient nach der Zwangseinweisung eine Anhörung vor Gericht bekommen muss; rund 90.000 Menschen durchlaufen jährlich diese Prozedur. Für seinen neuen Film bekam der renommierte Dokumentarfilm-Regisseur und Fotograf Raymond Depardon als erster Filmemacher überhaupt Zugang zu diesen Verfahren und dokumentiert zehn Fälle in einer Klinik in Lyon. Die Kamera agiert sensibel und wahrhaftig, sie konzentriert sich einerseits auf die Patientinnen und Patienten und nimmt auch andererseits die richterliche Instanz in den Blick. Die Sachlichkeit der Methode in den richterlichen Anhörungen ist erhellend: In seltener Klarheit sieht man den großen Schmerz, der allen psychischen Erkrankungen zugrunde liegt.

So. 09.09. & Di. 11.09.2018, 19:30 Uh

Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?

Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?

DEU 2017. R: Alice Agneskirchner. Dokumentarfilm. 100 Min. FSK: 6

Wem gehört eigentlich die Natur – den Menschen, den Tieren oder vielleicht niemandem? Wie teilen wir unseren Lebensraum mit den Wildtieren, die dort leben? Warum werden die Tiere gejagt, wer bestimmt darüber, wie gejagt wird, und was sind die Folgen? In eindrucksvollen Bildern geht AUF DER JAGD komplexen Fragen rund um die Natur nach und begibt sich in einen einzigartigen Mikrokosmos: Der Film zeigt Jagd und Jäger wirklichkeitsnah, als gesellschaftliches Phänomen, er zeigt die Wälder, Felder und Wiesen, die uns umgeben, das Leben dort und die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Zusammenlebens. Wobei in diesen Fragen Jäger, Förster, Waldbesitzer, Wildbiologen, Tierschützer, Bauern und Forstbeamte zu ganz unterschiedlichen Antworten kommen.

Do. 13.09.2018, 19:30 Uhr, Mi. 19.09.2018, 17:30 Uhr

Kolyma – Die Straße der Knochen

Kolyma – Die Straße der Knochen

DEU 2017. R: Stanislaw Mucha. Dokumentarfilm. 89 Min. FSK: 12

Sie erstreckt sich von Magadan bis Jakutsk, 2.000 Kilometer durchs äußerste Ostsibirien: Kolyma, genannt die Straße der Knochen. Gebaut wurde sie von Zwangsarbeitern, die zu Sowjetzeiten in sibirischen Straflagern interniert waren, sie verläuft über die Gräber hunderttausender Toter – buchstäblich: Die Massengräber spülen immer wieder Gebeine am Wegesrand herauf. Diesen Landstrich, karg und im Winter bitterkalt, porträtiert Stanislaw Mucha: Nicht als anklagende Betroffenheits-Doku, sondern als Panorama der Menschen, die heute hier leben (müssen), teils, weil sie nicht weg können, teils, weil sie auf ihr Glück hoffen: Bodenschätze von Kupfer bis Gold gibt es hier zuhauf. Begegnungen mit verbitterten Ex-Häftlingen, mit eisenharten Putinfans, mit skurrilen Wissenschaftlern vereint Mucha mit dem für ihn typischen schelmisch-ironischen Blick auf die Gegebenheiten zu einem Roadtrip, in dem das Absurde die Wirklichkeit beglaubigt.

Fr. 14.09., Sa. 15.09. & Mi. 19.09.2018, 19:30 Uhr