„Inclusion Rider“ – eine dröge juristische Vertragsklausel erhielt unerwartete Prominenz, als Frances McDormand den Begriff in ihrer Dankesrede zum Oscar für THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI erwähnte: Es geht um die Vielfalt bei der Besetzung von Filmen, letztlich um gleiche Rechte und gleiche Bezahlung für Frauen. Dass Frances McDormand im Moment des Triumphes politische Zeichen setzt, passt ins Bild: Die Darstellerin setzt auf Handwerk, Kunst und Können, nicht auf Glamour und Oberfläche. Sie spielt ambivalente Charaktere wie die Frau eines Rassisten in MISSISSIPPI BURNING – ihre erste Oscarnominierung –, verkörpert Anstand und Geradlinigkeit im absurden FARGO-Universum – ihr erster Oscar –, gibt eine höchst alberne Idiotenperformance in BURN AFTER READING. Und THREE BILLBOARDS, für uns ohnehin einer der besten Filme des Jahres, steht und fällt mit ihr als verzweifelte, aufbrausende, sture, energische Mutter. Frances McDormand sucht ihre Rollen sorgfältig aus – wir würdigen die große Schauspielerin mit vier ihrer bemerkenswertesten Filme.

Mississippi Burning

Mississippi Burning

USA 1988. R: Alan Parker. D: Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand, Brad Dourif, R. Lee Ermey. 127 Min. OmdtU. FSK: 16

1964 im US-Bundesstaat Mississippi: Drei Bürgerrechtler werden vermisst. Zur Aufklärung des Falls schickt das FBI den idealistischen Nordstaatler Alan Ward und den erfahrenen ehemaligen Südstaaten-Sheriff Rupert Anderson vor Ort. Doch überall stoßen sie auf Widerstand: bei rassistischen Weißen, eingeschüchterten Schwarzen, vor allem aber beim örtlichen Sheriff und dem Bürgermeister, die mit dem Ku-Klux-Klan-Mitgliedes zumindest sympathisieren. Als die Agenten das ausgebrannte Auto der Vermissten finden, müssen sie von Mord ausgehen. Und während Ward Verstärkung, auch durch das Militär, anfordert, kommt Anderson der Frau des Hilfssheriffs, Mrs. Pell, näher... Frances McDormand spielt diese zunächst verbohrte Frau eines fanatischen Ku-Klux-Klan-Mitgliedes und erhielt für die Rolle ihre erste Oscarnominierung. Der Film basiert auf einem tatsächlichen Fall rassistischer Klan-Morde.

Di. 11.12.2018, 19:30 Uhr

Fargo

fargo

USA 1996. R: Joel Coen. D: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, John Carroll Lynch. 98 Min. OmdtU. FSK: 16

Eines der großen Meisterwerke der Coen-Brüder: Ein Mann hat einen Plan. Er lässt seine eigene Frau entführen, um den reichen Schwiegervater zu erpressen. Das Problem: Die Entführer sind skrupellose Idioten, der Auftraggeber ist naiv und der Schwiegervater störrisch. Und so kommt es in jenem kalten Winter im ländlichen Minnesota zu einem blutigen Reigen der Mordtaten, die eine tapfere – und hochschwangere – Polizistin zu durchschauen sich bemüht. Frances McDormand – seit 1984 mit Joel Coen verheiratet – in einer ihrer größten Rollen, für die sie denn auch mit dem Oscar ausgezeichnet wurde: Eine einsame Stimme der Vernunft in einer Welt voll brutaler und absurder Verwicklungen.

Fr. 14.12.2018, 21:30 Uhr, Mi. 19.12.2018, 19:30 Uhr

Burn After Reading

Burn After Reading

USA 2008. R: Ethan und Joel Coen. D: Frances McDormand, George Clooney, John Malkovich, Brad Pitt, Tilda Swinton, Richard Jenkins. 96 Min. OmdtU. FSK: 12

Eine CD mit offenbar höchst brisantem Geheimdienstmaterial; ein doppelt gehörnter Ex-Agent, der Opfer erpresserischer Maßnahmen wird; seine Ehefrau, die ebenfalls mit harten Bandagen zu kämpfen versteht; ihr Liebhaber, der ebenso umtriebig wie verheiratet ist und sich dabei irgendwie beobachtet fühlt; zwei Fitnesstrainer, die als Amateur-Spione das ganz große Geld wittern; und eine ganze Horde diverser Geheimagenten, die fest daran glauben, einer ganz großen Verschwörung auf der Spur zu sein… Die Coen-Brüder – laut Empire Magazin mit diesem Film „back at their best“ – bieten in dieser skurrilen Satire ein Ensemble von A-Stars auf, die eine Ansammlung von Deppen bildet, wie sie die Kinogeschichte selten erlebt hat. Und mitten drin Frances McDormand als Fitnesstrainerin, die auf vier Schönheits-OPs spart und mit ihren Erpressungsplänen alles ins Rutschen bringt.

Fr. 21.12. & Sa. 22.12.2018, 21:30 Uhr

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

USA/GBR 2017 R: Martin McDonagh. D: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Kathryn Newton, Luvas Hedges, Abbie Cornish. 116 Min. OmdtU. FSK: 12

Drei große Werbeschilder stehen vor der beschaulichen Gemeinde Ebbing in Missouri. Mildred Hayes hat sie beschriften lassen: Mahnungen an die Polizei – denn Mildreds Tochter war sieben Monate zuvor vergewaltigt und ermordet worden, und noch immer hat die Polizei keine Spur. Nun erklärt Mildred dem örtlichen Polizeichef den Krieg, mit unabsehbaren Folgen für das Leben im Ort. Martin McDonagh lässt die verschiedenen Wünsche und Möglichkeiten seiner Filmfiguren aufeinander los. Geschickt umgeht er erwartbare Klischees bei Mildreds Kampf um späte Gerechtigkeit und führt in makabrer Dramaturgie alles zur Eskalation. Schwarzhumorig-dramatisch, emotional mitreißend und raffiniert vielschichtig ist dies einer der Filme, die als Höhepunkt dieses Kinojahrs im Gedächtnis bleiben. Ein großer Film auch für Frances McDormand, die ihren zweiten Hauptdarstellerinnen-Oscar erhielt.

Di. 25.12., Mi. 26.12. & Do. 27.12.2018, 19:30 Uhr, Fr. 28.12. & Sa. 29.12.2018, 21:30 Uhr