Er entstammt der Generation von Independent-Regisseuren, die in den 1990ern neue Impulse ins amerikanische Kino brachten; im April startet sein neuer Film „Dark Waters – Vergiftete Wahrheit“, ein Whistleblower-Thriller. Die Sujets, die Genres, der Tonfall sind vielfältig im Œuvre von Todd Haynes: Vom Ausflug in die Ära des Glam Rock in „Velvet Goldmine“ über ein experimentelles Bob Dylan-Biopic bis zum traditionellen Melodram und zur emotionalen Liebesgeschichte. Gemeinsam ist seinen Filmen die detailreiche Neuschöpfung vergangener Zeiten, die genaue Auslotung seiner oft ambivalenten Charaktere, die Einbindung queerer Themen, der Konflikt zwischen sozialen Normen und unterdrückten Sehnsüchten – und nicht zuletzt die Umgehung, Überschreitung oder originelle Aushebelung hergebrachter Erwartungen und Klischees.

Velvet Goldmine

Velvet Goldmine

USA 1998. R: Todd Haynes. D: Christian Bale, Ewan McGregor, Jonathan Rhys Meyers, Toni Collette, Eddie Izzard. 124 Min. EnglOmdtU. FSK: 12

Anfang der Siebziger: Brian Slade ist der unangefochtene König des Glam Rock. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere inszeniert er seine eigene Ermordung und verschwindet spurlos. Zehn Jahre später will der britische Journalist Arthur Stuart zum Jahrestag des spektakulären Popskandals über den Verbleib des einstigen Rockstars berichten: Eine wilde Reise in die abgedrehte Zeit der 70er – und in die eigene Vergangenheit, denn mithilfe der Musik seines Idols entfloh Arthur der Enge seines spießigen Elternhauses und bekannte sich zu seiner Homosexualität...

Aus Erinnerungen und Vergangenheitsfragmenten erschafft Haynes die Geschichte eines fiktiven Rockstars in einer Ära des Glamours und Exzesses: Surreal, bizarr, stilisiert, mit Anspielungen beispielsweise auf David Bowie und Iggy Pop – und mit einem phänomenalen Soundtrack.

Do. 02.01.2020, 21:30 Uhr, So. 05.01.2020, 19:30 Uhr

Dem Himmel so fern

Dem Himmel so fern

(Far from Heaven)
USA/FRA 2002. R: Todd Haynes.
D: Julianne Moore, Dennis Quaid, Dennis Haysbert, Patricia Clarkson, Viola Davis. 107 Min. EnglOmdtU. FSK: 6

Connecticut in den 1950er Jahren: Die Eheleute Whitaker – erfolgreicher Geschäftsmann mit attraktiver Ehefrau – gelten im Mittelpunkt des Gesellschaftslebens einer Kleinstadt als das Traumpaar schlechthin. Doch die Idylle trügt: Frank hält sich immer öfter in einschlägigen Etablissements auf, um seine Homosexualität auszuleben. Die vernachlässigte Cathy verbringt zunehmend Zeit mit dem farbigen Gärtner Raymond, was im konservativen, ignoranten Umfeld nicht gerne gesehen wird – alles abseits der "Normalität" ist verpönt.

Im Stil und in der Ästhetik eines Douglas-Sirk-Melodrams taucht der Film ein in die repressiven, bigotten 1950er-Jahre: Zwischen Rassentrennung, Reorientierungstherapie und Sozialdruck verlieren sich die Figuren in ihren Wünschen und Sehnsüchten.

Di. 07.01. & Mi. 08.01.2019, 19:30 Uhr

I’m Not There

I’m Not There

USA/DEU 2007. R: Todd Haynes. D: Christian Bale, Cate Blanchett, Marcus Carl Franklin, Richard Gere, Heath Ledger, Ben Whishaw, Charlotte Gainsbourg. 136 Min. EnglOmdtU. FSK: 12

Sechs Persönlichkeiten stehen für Facetten von Bob Dylans Charakter; in nicht-chronologischer Reihenfolge erzählt Todd Haynes auf originelle Art dieses Musiker-Biopic, der erste Film über die Legende Dylan, der von ihm persönlich autorisiert wurde: Von einem kindlichen Woody Guthrie über Arthur Rimbaud bis Billy the Kid reichen die Dylan-Verkörperungen, vom Folksänger über den politischen Liedermacher bis zu Pop und Psychedelik, gespielt unter anderem von Richard Gere, Cate Blanchett, Ben Whishaw oder Heath Ledger. Gegen jede filmische Konvention nähert sich Haynes so dem schillernden Charakter von Bob Dylan – ein subjektives Sammelsurium der Stile und Perspektiven, für das in Venedig Haynes den Silbernen Löwen und Cate Blanchett die Coppa Volpi erhielt.

Sa. 11.01.2019, 21:30 Uhr, Mi. 15.01.2019, 19:30 Uhr

Carol

Carol

USA/GBR 2015. R: Todd Haynes. D: Cate Blanchett, Rooney Mara, Kyle Chandler, Jake Lacy, Sarah Paulson. 119 Min. EnglOmdtU. FSK: 6

Eine Liebesgeschichte: Die lebenserfahrene Carol und die junge Therese begegnen sich in einem Kaufhaus, verlieben sich, verbringen Zeit miteinander. Carol ist Mutter einer Vierjährigen und in einen Scheidungs- und Sorgerechtskonflikt verwickelt. Therese beginnt ihre ersten beruflichen Schritte in Richtung Fotografie. Die Dynamik der Beziehung ist geprägt durch äußere Einflüsse – die homophoben 1950er Jahre – und durch die inneren Entwicklungen der Figuren – der Kampf um Unabhängigkeit und die eigene Lebensweise. Haynes’ Drama nach einem Roman, den Patricia Highsmith 1952 unter Pseudonym veröffentlicht hat, ist laut Süddeutsche Zeitung „ein zauberhafter Liebesfilm“ und laut Spiegel „einer der besten Filme des Jahres, packend und mit bezwingender Schönheit“ – in Cannes wurde Rooney Mara als beste Darstellerin ausgezeichnet, Todd Haynes erhielt die Queer Palm.

Fr. 17.01.2019, 21:30 Uhr, Mi. 22.01.2019, 19:30 Uhr