Die Ukraine steht weltweit im Brennpunkt der Nachrichten – wir richten den Blick auf das filmische Schaffen dieses Landes, das bisher in westlichen Kinos kaum gewürdigt wurde. Wir zeigen zwei ukrainische Filme, die bisher keinen deutschen Verleih haben und lediglich auf Festivals zu sehen waren; den erfolgreichsten Film der Perestroika-Ära, gedreht in Mariupol; ein hartes Jugenddrama in einem Gehörlosen-Internat, das ohne gesprochenes Wort auskommt; und einen Dokumentarfilm über einen jungen Mann, der aus Syrien in die Ostukraine geflohen ist, um dort in einen neuen Krieg zu geraten.

Das Filmland Ukraine ist vielfältig und wert, entdeckt zu werden!

My Thoughts Are Silent

My Thoughts Are Silent

(Моі бумки тмхі)
UKR 2019. R: Antonio Lukich. D: Andriy Lidagowskiy, Irma Vitovskaya, Iryna Verenych-Ostrovska, Hanna Harnyk. 104 Min. UkrO. mit engl. UT. FSK: k. A.

Vadim, 25 Jahre alt, arbeitet einigermaßen erfolglos als Sound Engineer. Eine kanadische Firma beauftragt ihn damit, für ein Computerspiel das Quaken einer seltenen Ente aufzunehmen. Um die Ente zu finden, muss er in die Natur reisen – doch seine Mutter begleitet ihn auf der Reise in die westukrainischen Karpaten…

Antonio Lukichs Langfilmdebüt ist ein visuell einfallsreiches Roadmovie, in dem er sein enormes Talent beweist, tragikomische Situationen zu erschaffen, wenn sich Sohn und Mutter in die Quere kommen. „Ein lakonisches Roadmovie mit leisen Anklängen an den frühen Jim Jarmusch und viel Situationskomik.“ (Viennale)

Preview vor dem Kinostart!

Eintritt frei bei Vorlage eines ukrainischen Passes
Kurze Einführung auf Englisch: Jost Henze

Do. 02.06.2022, 19:30 Uhr

This Rain Will Never Stop

This Rain Will Never Stop

(Цей дощ ніколи не скінчиться)
UKR/LVA/DEU 2020. R: Alina Gortova. Dokumentarfilm. 108 Min. UkOmdtU. FSK: 12

Der vielfach preisgekrönte Dokumentarfilm porträtiert in eindrucksvollen Bildern Andrij Sulejman, der als Sohn eines kurdischen Vaters und einer ukrainischen Mutter 2012 vor dem Krieg in Syrien in den ukrainischen Donbass geflohen ist, um dort 2014 erneut vom Krieg eingeholt zu werden. Syrien, Irak, Ukraine und Deutschland – wohin einige von Andrijs Verwandten fliehen –: In wunderschöner, poetischer Schwarz-Weiß-Ästhetik gelingt es der Regisseurin, die Suche eines jungen Menschen einzufangen, der zwischen allen Welten steckt, inmitten von Gewalt, Flucht und Hoffnung. „Erinnert daran, wie Kriege weiterwirken. Nicht nur diejenigen, die in der medialen Berichterstattung täglich präsent sind.“ (Die Zeit)

So. 05.06. & Mo. 06.06.2022, 19:30 Uhr

The Tribe

The Tribe

(Плем'я)
UKR 2014, R: Myroslaw Slaboschpyzkyj. D: Grigoriy Fesenko, Yana Novikova, Rosa Babiy. 132 Min. Ukrainische Gebärdensprache. FSK: 16

Der Teenager Sergej ist der Neue auf einem Internat für Gehörlose, wo er endlich von den Gleichaltrigen akzeptiert werden möchte. Jedoch muss er sich dafür in die Gang „The Tribe“ integrieren, in der Kriminalität wie Raub, Gewalt und Prostitution alltäglich sind. Sergej wird in die kriminellen Strukturen eingegliedert und steigt schließlich zum Zuhälter auf. Allerdings verliebt er sich in ein Mädchen, das für die Gang als Prostituierte herhalten muss…

Der intensive Debütfilm des ukrainischen Regisseurs Miroslav Slaboshpitsky ist inhaltlich schockierend und stilistisch meisterhaft. Sämtliche Dialoge erfolgen in ukrainischer Gebärdensprache, auf Untertitel wurde bewusst verzichtet: Wenn man diesen Gesprächen auch nicht wörtlich folgen kann, so doch dem Fluss des Filmes. „Schockierend, brutal und einzigartig, was für ein faszinierender Film.“ (The Guardian)

Im Anschluss Filmgespräch mit Ursula Frenz, Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen der Stadt Mannheim.
Für Vor- und Nachgespräche stehen Gebärdendolmetscher zur Verfügung.

Eintritt frei bei Vorlage eines ukrainischen Passes

Mo. 13.06.2022, 19:30 Uhr

Kleine Vera

Kleine Vera

(Маленькая Вера)
UdSSR 1988. R: Wassili Pitschul. D: Nataljy Negoda, Andrei Sokolow, Ljudmila Saizewa, Juri Nasarow. 128 Min. RussOmdtU. FSK: 16

Der beste und erfolgreichste Film der Perestroika-Zeit (54 Mio. sowjetische Besucher*innen!) über die Sehnsucht einer jungen Frau nach Freiheit und Liebe ist kein russischer, sondern ein ukrainischer Film: Gedreht in Mariupol (damals Schdanov), der Heimatstadt des Regisseurs, strotzt KLEINE VERA – jenseits aller Schwermut und obwohl er die Trostlosigkeit der spätsowjetischen Realität so offen zeigt wie kein Film vor ihm – vor Hoffnung und Leben und vermittelt die Energie, die damals in der Luft lag: Vera, 17 Jahre, lernt den Studenten Sergej kennen – doch mit dieser ersten Liebe verschärfen sich ihre Konflikte mit den Eltern. Ein „eindrucksvoller, ungemein dicht inszenierter Erstlingsspielfilm“ (Filmdienst), der unverschämt unverkrampft das Leben in den letzten Jahren der Sowjetunion zeigt. Und im Mittelpunkt Vera, lebendig, unangepasst und einfach nicht zu disziplinieren.

Eintritt frei bei Vorlage eines ukrainischen Passes
Di. 21. Juni: Kurze Einführung auf Englisch: Jost Henze

Do. 16.06. & Di. 21.06.2022, 19:30 Uhr

Stop-Zemlia

Stop-Zemlia

(Стоп-Земля)
UKR 2021. R: Kateryna Gornostai. D: Maria Fedorchenko, Arsenii Markov, Yana Isaienko, Oleksandr Ivanov. 122 Min. UkrOmdtU. FSK: k. A.

Das vorletzte Schuljahr für Masha, Yana und Senia in einer Schule in Kiew. Die 16-jährige Masha ist verliebt in den unnahbaren Klassenkameraden Sasha, der sie mit seinem passiven Verhalten herausfordert – Gefühle, die Masha aus ihrer Komfortzone herausdrängen.

Der authentische, sensible Coming of Age-Film zeichnet in einzigartig atmosphärischen Bildern und mit einem fantastischen Soundtrack das klischeefreie Bild einer ukrainischen Jugend, die sich selbst finden muss. Gläserner Bär auf der Berlinale 2021 für den besten Film in der Sektion „Generation 14plus“.

Preview vor dem Kinostart!

Eintritt frei bei Vorlage eines ukrainischen Passes
Kurze Einführung auf Englisch: Jost Henze

So, 19.06.2022, 19:30 Uhr