Film ist Kunst. Und kann als Kunst von Kunst erzählen, kann Kunst dokumentieren, kann Kunst (be)greifbar machen. Der Film und die Bildende Kunst befruchten sich schon immer gegenseitig, und schon immer können beide Kunstgattungen voneinander profitieren. Das Kino nimmt Bezug auf die Bildwelten der Kunstgeschichte; und in der zeitgenössischen Kunst ist das Einbeziehen von Fotografie und Film längst selbstverständlich geworden.

Bereits seit 2008 kooperieren die Kunsthalle Mannheim und das Cinema Quadrat mit der Veranstaltungsreihe „Film & Kunst“. Beide Kultureinrichtungen haben wieder gemeinsam Filme ausgewählt, die sich mit der Kunst, mit dem Leben und Werk von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten beschäftigen. Im Fokus steht der Dialog zwischen Kunst und Film. Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim arbeiten die Berührungspunkte zwischen dem künstlerischen Werk der Protagonisten und der filmischen Bearbeitung des Themas heraus. In Kurzvorträgen vor den Filmvorführungen werden die Verbindungen beider Gattungen deutlich.

Die Filme werden immer im Cinema Quadrat und immer in optimaler digitaler Form präsentiert.

Life

Life

GBR/DEU/USA/CAN/AUS 2015. R: Anton Corbijn. D: Robert Parrinson, Dane DeHaan, Joel Edgerton, Alessandra Mastronardi, Ben Kingsley. 112 Min. EnglOmdtU. FSK: 0

Anlässlich der Ausstellung „Biennale für aktuelle Fotografie 2020. The Lives and Loves of Images“ bietet es sich an, einmal auf die Rolle der Fotografen im Leben großer Stars zu schauen. Anton Corbijn, selbst Fotograf und Filmregisseur, lässt sich für seinen Spielfilm von einem legendären Foto des Schauspielers James Dean (1931-1955) inspirieren. Mit nur drei Kinofilmen wurde James Dean zum Mythos, und der junge Fotograf Dennis Stock (1928-2010) lieferte die Schwarz-Weiß-Bilder dazu, die um die Welt gingen und James Dean bis heute unvergesslich machten. So porträtierte Dennis Stock den Schauspieler mit Mantel und lässiger Zigarette im Mundwinkel an einem regennassen Tag – das Foto wurde eine Ikone und Dennis Stock mit dieser Fotoserie seinerseits berühmt. Er porträtierte viele bekannte Jazz-Musiker, Schauspieler und namenlose Passanten ebenso eindringlich wie distanziert. Seinen Blick auf die Menschen schulte er an den Aufnahmen der Größen der amerikanischen Fotografie, nicht zuletzt an Walker Evans (1903-1975), von dem einige Bilder in der Ausstellung „Walker Evans Revisited“ bis zum 26.04.2020 in der Kunsthalle zu sehen sein werden.

Einführung: Prof. Dr. Claude W. Sui, Leiter Forum Internationale Photographie, Reiss-Engelhorn-Museen

Der Film muss leider ausfallen. Wir bemühen uns um einen Nachholtermin.

Max Bill

Max Bill – Das absolute Augenmaß

DEU 2008, Regie: Erich Schmid; 94 Min., Dokumentarfilm

Auch der Schweizer Max Bill (1908-1994) gehört zur Riege der „Bauhausschüler“ und fand 1927 seinen Weg in die zukunftsorientierte Kunstschule. Ein Jahr lang studierte er Architektur am Bauhaus in Dessau, bevor er nach Zürich zurückkehrte und als Publizist, Designer, Architekt und Künstler wirkte. In den Dreißigerjahren gehörte Max Bill der Pariser Künstlergruppe „abstraction création“ an und stellte gemeinsam mit Piet Mondrian, Jean Arp, Sophie Taeuber, Marcel Duchamp aus – da war er gerade mal 25 Jahre alt. 1953 wurde er Mitbegründer und später Rektor der Hochschule für Gestaltung in Ulm, die als international bedeutende Design-Hochschule im Nachkriegsdeutschland bis 1968 bestand. Max Bill entwarf nicht nur das Gebäude der Hochschule, sondern auch Teile der Ausstattung, u.a. den berühmten „Ulmer Hocker“ – bis heute ein Design-Klassiker. Der Film über ihn zu seinem 100. Geburtstag wurde von seiner Ehefrau Angela Thomas initiiert, die sich als Kunsthistorikerin und Kuratorin mit abstrakter Kunst auseinandersetzte und nach Bills Tod den Filmemacher Erich Schmid heiratete.

Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim. Ort Cinema Quadrat

Der Film muss eventuell ausfallen. Wir informieren Sie über unsere Homepage, über Facebook, Instagram und unseren Kinoprogramm-Newsletter!

M. C. Escher

M. C. Escher – Reise in die Unendlichkeit

(Escher: Het Oneindige Zoeken)
NDL 2018, R: Robin Lutz; 80 Min., Dokumentarfilm, deutsche Fassung

Seine phantastisch-surrealen Grafiken, in denen Wasser scheinbar bergauf fließt und sich Vögel in Fische verwandeln, haben längst Eingang in unser pop-kulturelles Gedächtnis gefunden. Der niederländische Künstler Maurits Cornelis Escher (1898-1972) entwickelte mit perspektivischen Unmöglichkeiten und raffinierten optischen Täuschungen eine ganz eigene Bildwelt. Eine solide Ausbildung in grafischen Techniken, besonders dem Holzschnitt, stand am Anfang seiner Karriere. Bald galt seine persönliche Vorliebe der arabischen Ornamentik, die er Anfang der 1920er Jahre bei einem Besuch der Alhambra erstmals kennen lernte. Fraktale, Möbiusbänder, Spiegelungen und Kreisfiguren gehören seither zu seinem Repertoire und bilden oft auch den Ausgangspunkt für seine verblüffenden Darstellungen, die alle Gesetze der Geometrie außer Kraft setzen – scheinbar.

Der aktuelle Film würdigt den Künstler mit Hilfe von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Notizen und aufgezeichneten Vorträgen und löst dabei natürlich auch die mathematischen Rätsel seiner elegant konstruierten „Unmöglichkeiten“.

Einführung: Lisa Valentina Riedel, Kunsthalle Mannheim. Ort: Cinema Quadrat,

Do., 28.05.2020,  19.30 Uhr

Josef Urbach Lost Art

Josef Urach – Lost Art

(Josef Urbach: Lost Art=
DEU 2017, R: Tilmann Urbach; 93 Min., Dokumentarfilm

Mit Hilfe der kunstinteressierten jüdischen Familien Simon, Levy, Stern und Abel aus Essen kann ein junger Künstler, Josef Urbach (1889-1973), im Jahr 1921 einen lange ersehnten Studienaufenthalt in Italien realisieren. Urbachs expressionistische Gemälde und Grafiken finden rasch einen Platz in den Sammlungen seiner Förderer sowie im Folkwang-Museum, und er selbst tritt eine Professur an der Folkwang-Schule in Essen an. Als die Nazis an die Macht kommen, erklären sie seine Werke als „entartet“ und entfernen sie aus dem Museum. Nach und nach verliert Urbach seine Förderer; seine Bilder in den jüdischen Sammlungen werden in den Novemberpogromen 1938 zerstört oder später beschlagnahmt und geraubt.

Diese Künstler-Biografie wurde von einem Nachfahren Urbachs, dem Filmemacher Tilman Urbach, recherchiert und in einem Film eindrucksvoll erzählt. „Zuerst sollte es ein filmisches Künstlerportrait meines Großonkels Josef Urbach werden, aber in der Begegnung mit den Nachfahren der jüdischen Sammlerfamilien und der Rekonstruktion der damaligen Ereignisse, die zur Lost Art führten, wurde es für mich mehr und mehr zu einem politischen Film.“ (Tilman Urbach)

Einführung: Dr. Mathias Listl, Kunsthalle Mannheim, Ort: Cinema Quadrat

Do. 18.06.2020, 19.30 Uhr

Paula

Paula

D 2016, R: Christian Schwochow; 123 Min., Spielfilm mit Carla Juri, Albrecht Schuch, Roxane Duran

Sie hatte viele Hindernisse zu überwinden, um als selbstständige Malerin arbeiten zu können – vor allem die einflussreichen Kunstkritiker, die Frauen nicht als Künstlerinnen akzeptierten, und die männlichen Künstlerkollegen, die mehr oder weniger offen die Konkurrenz einer hochbegabten Malerin fürchteten. Der Spielfilm über Paula Modersohn-Becker (1876-1907) macht die engen gesellschaftlichen Grenzen deutlich, die den Künstlerinnen im deutschen Kaiserreich gesetzt waren. Paula Modersohn-Becker, die aus einer kunstinteressierten, wohlhabenden Familie stammte, konnte diese Grenzen überwinden und während ihres kurzen Lebens ein hinreißendes malerisches Werk entwickeln – mit eigenen Themen in eigenwilliger Farbgebung. Zu ihrem Freundeskreis in Worpswede gehörten die Bildhauerin Clara Westhoff, der Dichter Rainer Maria Rilke und der Maler Otto Modersohn, ihr späterer Ehemann. Aus der Rückschau wird deutlich, dass sie als Malerin zur Künstler-Avantgarde um 1900 zählte. Sie lebte und arbeitete zwischen Berlin, Worpswede und Paris und setzte alles daran, um sich „aus Verhältnissen zu lösen, die einem die Luft nehmen“ (Zitat Paula Modersohn-Becker 1901).

Einführung: Dr. Inge Herold, Kunsthalle Mannheim, Ort: Cinema Quadrat

Do. 09.07.2020, 19.30 Uhr