Sozialer Realismus und ausgelassene Komödie, Mystery und ein religöses Wunder, ein Außenseiter-Roadmovie und nicht zuletzt der letzte Film der Taviani-Brüder: Cinema Italia!, das Festival des italienischen Films, bietet mit vielfältigen Themen und verschiedenen Genres, mit eindrucksvollen Schauplätzen und großartigen Schauspielleistungen Einblicke ins aktuelle italienische Filmschaffen, aber auch in die spannungsreiche italienische Gesellschaft: Unsere italienische Filmwoche garantiert so faszinierende wie kurzweilige Kinoabende, selbstverständlich im italienischen Original mit deutschen Untertiteln.

Zur Eröffnung gibt es für alle Gäste ein Glas Sekt!

Zusätzliche Informationen zu den Filmen von Cinema Italia! finden Sie auch unter https://www.cinema-italia.net.;

Ma cosa ci dice il cervello

Sind denn alle durchgedreht? – Ma cosa ci dice il cervello

ITA 2019. R: Riccardo Milani. D: Paola Cortellesi, Stefano Fresi, Emanuele Armani, Teco Celio. 98 Min. ItaOmdtU. FSK: k. A.

Giovanna ist eine graue Maus, wie sie im Buche steht: unbeholfen, bescheiden, unauffällig. Selbst ihre siebenjährige Tochter hält sie für langweilig. Doch das alles ist Fassade, denn in Wirklichkeit ist Giovanna eine Top-Geheimagentin, die in brisanten internationalen Missionen von Marrakesch bis Moskau im Einsatz ist. Irgendwann aber merkt Giovanna, dass nicht nur sie selbst, sondern auch ihre besten Freunde im Alltag ständig Schikanen, Arroganz und rüpelhaftem Benehmen ausgesetzt sind. Mit den fast unbegrenzten Mitteln und Tricks einer Geheimagentin versucht sie im Leben ihrer Freunde und in ihrem eigenen wieder Ordnung zu schaffen.

Nach dem großen Erfolg von COMEUN GATTO IN TANGENZIALE / WIE EINE KATZE AUF DER AUTOBAHN (Cinema Italia 2018) legt das Team um Regisseur Riccardo Milani und Hauptdarstellerin Paola Cortellesi noch eine Schippe drauf: Ihre neueste Komödie ist eine turbulente Mischung aus augenzwinkernder James Bond-Parodie und genauer Beobachtung des italienischen Alltags, was zu urkomischen Situationen führt.

Do. 17.10. &, Di. 22.10.2019, 19:30 Uhr

„In einem Land, in dem es inzwischen für viele selbstverständlich ist, Gesetze und Regeln zu missachten und darauf sogar stolz zu sein, kann man die Kompetenz der anderen infrage stellen und Zweifel säen, ob Ärzte, Lehrer, Richter usw. überhaupt ihrem Beruf gewachsen sind. Und vor allem sind viele davon überzeugt, alles besser zu wissen und zu können. Dieser Zweifel scheint das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft an den Wurzeln zu unterminieren. Rücksichtslosigkeit geht uns alle an. Mit der Figur, die von Paola Cortellesi dargestellt wird, und ihren Freunden will der Film den Alltag von Italien erzählen: in den Schulen, den Krankenhäusern, den Gerichten und an allen Arbeitsplätzen. Das Ganze mit einem lachenden Auge und einem kritischen und selbstkritischen Blick auf das Land.“
Riccardo Milani

Un giorno all’improvviso

Un giorno all’improvviso – Aus heiterem Himmel

ITA 2018. R: Ciro D’Emilio. D: Anna Foglietta, Giampiero De Concillo, Massimo De Matteo, Lorenzo Sarcinelli, Giuseppe Cirillo. 88 Min. ItaOmdtU. FSK: k. A.

Der 17jährige Antonio lebt in einer Kleinstadt in Süditalien, wo es trotz Arbeit schwer fällt, über die Runden zu kommen. Antonio kümmert sich rührend um seine immer noch attraktive, aber psychisch labile Mutter, die von der Idee besessen ist, ihren Ex-Mann Carlo zurückzugewinnen. Doch der hat die Familie früh verlassen und will von Frau und Sohn nichts mehr wissen. Zum Glück für Antonio gibt es den Fußball und vor allem die Freunde: Stefano, der Stürmer der Mannschaft, und der schlagfertige Peppe. Eines Tages taucht ein Talentscout auf, der Spieler für die Jugendmannschaft von Parma sucht und von Antonio begeistert ist. Doch jeder Traum hat seinen Preis.

Ein junger Mann, der alles tut, damit ihm das Leben eine Chance gibt: Der bewegende und hervorragend gespielte Film im besten Geist des Neorealismus wurde beim Festival von Venedig 2018 und für fünf italienische Filmpreise nominiert.

Do. 17.10.2019, 21:30 Uhr

„Ich wollte eine kompromisslose und radikale Geschichte erzählen. Das Thema der Vernachlässigung der Jugend in einer Geschichte der Liebe eines Sohns zu seiner Mutter ermöglichte es mir, alles konkreter, sichtbarer und greifbarer zu machen. Das Schwierige dabei war, alle anderen Standpunkte, außer dem des Protagonisten Antonio, wegzulassen. Über die Inszenierung und die Fotografie wollte ich diese Idee auf die Spitze treiben, indem die Figuren gegenüber der Umwelt immer im Vordergrund stehen. Zusammen mit Antonio erleben und glauben wir alles, was passiert, und akzeptieren alles was ihm (uns) geschieht, wobei man vergisst, dass keiner alles alleine schaffen kann, ohne dabei schwere Niederlagen zu erleiden. Denn eines Tages kann das Leben plötzlich einfach zurückschlagen.“
Ciro D’Emilio

Una questione privata – Eine private Angelegenheit

Una questione privata – Eine private Angelegenheit

  ITA 2017. R: Paolo und Vittorio Taviani. D: Luca Marinelli, Lorenzo Richelmy, Valentina Bellé, Giulio Beranek, Francesca Agostini. 85 Min. ItaOmdtU. FSK: k. A.

Paolo und Vittorio Taviani, die beiden großen Protagonisten des europäischen Autorenkinos, kehren in ihrem letzten gemeinsamen Film (Vittorio ist im April 2018 gestorben) noch einmal zurück in die Endphase des Zweiten Weltkriegs. Wie in ihrem Meisterwerk DIE NACHT VON SAN LORENZO erzählen sie eine packende Geschichte von Mut und Widerstand, Freundschaft und Liebe in Kriegszeiten, nach dem gleichnamigen Roman von Beppe Fenoglio.

Der junge Partisan Milton ist in der nebligen Landschaft des Piemont unterwegs. Er sucht seinen Freund Giorgio, gleichzeitig sieht er ihn als Konkurrenten in seiner Leidenschaft für Fulvia, jene junge Frau, die sich längst in den Norden abgesetzt hat, aber in den Träumen der beiden präsent bleibt. Es ist die Zeit der zu Ende gehenden Faschistenherrschaft, verschiedene Widerstandsgruppen kämpfen gegen die deutschen Truppen und die einheimischen Schwarzhemden. Alle haben den Überblick verloren, leben im Nebel einer Zeit, in der niemand sicher sein kann, ob der andere Freund oder Verräter ist.

Fr. 18.10.2019, 19:30 Uhr, Mi. 23.10.2019, 17:30 Uhr

„In Italien – und nicht nur dort – prägen rechte Populisten derzeit wieder die Politik. Davon, wohin das auch in ihrem Land geführt hat, haben die Gebrüder Paolo und Vittorio Taviani in Filmen erzählt, die das europäische Autorenkino mitgeprägt haben, allen voran in LA NOTTE DI SAN LORENZO. Was schleichend sich etablierte, endete im Faschismus und im Zweiten Weltkrieg. Höchste Zeit, sich zu besinnen. Es ist, als wollten die beiden daran erinnern, wenn sie in UNA QUESTIONE PRIVATA noch einmal in die Zeit des Widerstands gegen die Faschisten blenden. Sie tun es auf der Basis des 1963 erschienenen autobiografischen Romans von Beppe Fenoglio, der seinerseits zu Italiens Schlüsselwerken gehört. In einprägsamen Bildern und einem unaufgeregten Rhythmus zeigen Paolo und Vittorio Taviani, dass am Ende die Liebe und die Freundschaft zählen. Gleichzeitig führen sie vor Augen, wie das Gedankengut der Populisten in die Irre führt. Eine der verrücktesten Figuren im Film ist ein todgeweihter Gefangener, der in den Bergen mit einem Schlagzeug-Singsang durchdreht.“
Walter Ruggle, Schweizer Filmkritiker

Ovunque proteggimi – Schütze mich auf allen Wegen

Ovunque proteggimi – Schütze mich auf allen Wegen

ITA 2018. R: Bonifacio Angius. D: Alessandro Gazale, Francesca Niedda, Antonio Angius, Teresa Soro. 110 Min. ItaOmdtU. FSK: k. A.

Alessandro ist fünfzig, verdingt sich mehr schlecht als recht als Sänger, wohnt noch bei seiner Mutter in seiner Heimatstadt Sassari auf Sardinien und verbringt die meiste Zeit in seiner Lieblingsbar. Nach einer Krise landet er in einer Klinik, wo er die junge und fragile Patientin Francesca kennenlernt, die um das Sorgerecht für ihren fünfjährigen Sohn Antonio kämpft. Plötzlich sieht Alessandro wieder eine Aufgabe vor sich. Er nimmt mit Francesca Reißaus aus der Klinik und entführt mit ihrer Hilfe den kleinen Antonio aus einem Kinderheim in Cagliari. Nun ist das Trio im Auto auf der Flucht…

Zwei Menschen kämpfen um einen radikalen Neuanfang im Leben. Ein ungewöhnliches Roadmovie quer durch Sardinien, das in Italien viel beachtet wurde. Beim Filmfestival von Bari gewann Alessandro Gazale den Preis als bester Darsteller.

Fr. 18.10.2019, 21:30 Uhr, Mo. 21.10.2019, 19:30 Uhr

„Die Menschen, von denen ich in OVUNQUE PROTEGGIMI erzähle, Francesca und Alessandro, gehören zu mir. Alessandro besitzt eine Leidenschaft, die ihn langsam aber sicher verlässt und die er trotz seiner äußeren Lebendigkeit nicht wieder entfachen kann. Francesca glaubt, dass sie sich nur retten kann, indem sie vor einem Leben in Trümmern davonläuft, ihres Kindes beraubt, das sie mehr als alles liebt, und betrogen von einer scheinheiligen, zynischen Moralgesellschaft, die immer bereit ist zu verurteilen. Alles entsteht aus Situationen und Gefühlen, die ich in erster Person erlebt habe. Und wenn die Figuren als Außenseiter abgestempelt werden, dann möchte ich hiermit mit Seelenruhe verkünden, dass auch ich ein Außenseiter bin.“
Bonifacio Angius

Troppa grazia – Zu viel Wunder

Troppa grazia – Zu viele Wunder

ITA 2018. R: Gianni Zanasi. D: Alba Rohrwacher, Elio Germano, Hadas Yaron, Guiseppe Battiston, Carlotta Natoli, Thomas Trabacchi. 110 Min. ItaOmdtU. FSK: k. A.

Lucia ist Landvermesserin. Privat kämpft sie mit der Trennung von ihrem Mann und der Erziehung ihrer pubertierenden Tochter. Beruflich hat sie mit einem kleinen Trick gerade einen Job ergattert zur Vorbereitung eines großen Bauprojektes auf dem Lande. Eines Tages erhält sie bei ihren Vermessungsarbeiten auf einem einsamen Feld unerwarteten Besuch – von einer Erscheinung der Jungfrau Maria! Diese fordert sie auf, das Projekt zu stoppen und stattdessen dort eine Kirche zu bauen. Lucia zweifelt an ihrem Verstand. Doch die Heilige erscheint ihr immer wieder und bleibt knallhart bei ihrer Forderung…

Haben Wunder noch einen Platz in einer Welt, die zum Synonym für Profitgier geworden ist? Was soll man von einer Gottesmutter halten, die nicht mild und sanft daherkommt, sondern zu rabiaten Mitteln greift? Eine verblüffende Geschichte haarscharf auf der Grenze wischen Komödie und Drama, getragen von der großartigen Alba Rohrwacher als von allen Seiten bedrängte Lucia. TROPPA GRAZIA wurde beim Festival von Cannes 2018 vom Verband „Europa Cinema“ als bester europäischer Film des Jahres ausgezeichnet.

Sa. 19.10., & 1, Mi. 23.10.2019, 19:30 Uhr

„Dies ist kein religiöser Film. Denn es geht nicht um die Fähigkeit, an Gott zu glauben oder nicht. Sondern um die Fähigkeit, überhaupt zu glauben, obwohl wir keine Kinder mehr sind. Es geht um Glauben, Fühlen und Vorstellungskraft. Die Muttergottes im Film ist nicht die der religiösen Erzählung, sondern die Madonna von Lucia, ganz einfach. Sie ist Ausdruck der Fähigkeit zu glauben, die zur Kindheit gehört und die Lucia seit zu langer Zeit unterdrückt hat. Aus diesem Grund liebe ich Lucia, weil sie nicht völlig versteht, was passiert, da sie, auch wenn sie es noch nicht gemerkt hat, beschlossen hat, ihr Leben in vollen Zügen zu leben, mit allem, was dazu gehört und um jeden Preis. Es lohnt die Mühe, einen Raum in uns zu schaffen für die Komplexität unserer Gefühle und für die geheimnisvolle Erfahrung, auch das zu spüren, was es nicht gibt.“
Gianni Zanasi

Una storia senza nome – Eine Geschichte ohne Namen

Una storia senza nome – Eine Geschichte ohne Namen

ITA 2918. R: Roberto Andò. D: Micaela Ramazzotti, Alessandro Gassman, Jerzy Skolimowski, Laura Morante, Renato Carpentieri, Antonio Catania, Gaetano Bruno. 110 Min. ItaOmdtU. FSK: k. A.

Valeria ist Sekretärin eines Filmproduzenten. Niemand weiß, dass sie heimlich für ihren Geliebten, den gut bezahlten Filmautor Alessandro, dessen Drehbücher schreibt. Aktuell ist Alessandro in Not, weil eine neue Filmproduktion am Start ist und immer noch das Drehbuch fehlt. Da erhält Valeria ein Geschenk von einem Unbekannten: den Plot eines Films. Die Handlung ist jedoch gefährlich, die „Geschichte ohne Namen“ dreht sich um den mysteriösen Raub eines berühmten Gemäldes von Caravaggio 1969 aus einer Kirche in Palermo, in den die Mafia verwickelt war. Sobald publik wird, dass dieser Stoff verfilmt werden soll, überschlagen sich die Ereignisse, und Valeria findet sich in einer ganz ungewohnten Rolle wieder…

Der neue Film von Roberto Andò (VIVA LA LIBERTÀ) ist ein unterhaltsamer Mystery-Thriller mit mehrfach doppeltem Boden, der zudem mit einer absoluten Star-Besetzung aufwartet, darunter als Gast der polnische Regie-Altmeister Jerzy Skolimowski.

Sa. 19.10.2019, 21:30 Uhr, So. 20.10.2019, 19:30 Uhr

„Ich wollte in einer Zeit, in der das Kino zerbrechlich und unbedeutend scheint, eine Geschichte erzählen, die sich um einen Film und um seine mysteriöse Verbindung mit der Realität dreht. Ich hatte Lust, zu einem leichten Ton und zu Themen, die mir wichtig sind, zurückzufinden: die Faszination der Täuschung, die versteckten Gefühle, die auf den geeigneten Moment warten, um hervorzutreten, die Missverständnisse, die das Leben plötzlich entgleisen lassen und seine komische und unvorhergesehene Seite zum Vorschein bringen. Wenn man mich fragt, ob mein Film eine Komödie ist, antworte ich mit einem Satz von Billy Wilder: ‚Wenn ich einen Film mache, ordne ich ihn nie in eine Gattung ein, sondern warte auf die Vorpremiere: Lacht das Publikum viel, sage ich, dass es eine Komödie ist, andernfalls sage ich, es handele sich um einen ernsten Film oder um einen Film noir.’“
Roberto Andòer