Rom und Neapel, die Toskana, Kampanien und Apulien: So breit gestreut die Schauplätze sind, so weit ist das Spektrum an Themen und Stimmungen, die die Filme der diesjährigen Cinema Italia!-Filmwoche bieten: Vom 4.10. bis 10.10.2018 laufen im Cinema Quadrat wieder sechs aktuelle Filme aus Italien; eine Programmvielfalt von Komödien bis Dramen, die höchst unterhaltsam sind – und viel über Italien, seine Menschen und Landschaften erzählen.

Vom kraftvollen Frauenporträt zum Roadmovie, von der Gesellschaftskomödie zum Mafia-Musical, von der humanistischen Tragikomödie zum Priesterdrama ist alles geboten. Doch allen Filmen gemeinsam ist der genaue Blick auf die italienische Kultur und das moderne italienische Leben, darauf, was in der italienischen Gesellschaft diskutiert wird, wo Italiener ihre Vorlieben oder Alltagssorgen haben – stets gepaart mit dem Anspruch, den Zuschauern einen kurzweiligen Kinoabend zu bieten.


Alle Filme liefen bisher nicht in deutschen Kinos und werden in der italienischen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt. Der italienische Botschafter in Deutschland, S.E. Pietro Benassi, hat die Schirmherrschaft über die Cinema Italia!-Filmwoche übernommen.
Weitere Infos finden Sie unter www.cinema-italia.net.

Fortunata

Fortunata

ITA 2017. R: Sergio Castellitto. D: Jasmine Trinca, Stefano Accorsi, Alessandro Borghi, Edoardo Pesce, Nicole Centann, Hanna Schygulla. 103 Min. OmdtU. FSK: k. A.

Fortunata, die Glückliche, heißt sie – oder nennt sie sich nur so? Sie zieht alleine die achtjährige Barbara groß, hin und wieder tritt der Vater, ein Polizist, polternd in das Leben der beiden. Fortunata möchte einen Frisiersalon eröffnen, sie möchte das Beste für Barbara, und irgendwie schleicht sich deren Therapeut in Fortunatas Alltag. Das ist gegen die Regeln – wie so vieles von dem, was die Glückliche tut. Der populäre Schauspieler Sergio Castellitto inszeniert nicht zufällig an den gleichen römischen Schauplätze wie Pasolinis Klassiker MAMMA ROMA; und Jasmina Trinca spielt in der Titelrolle mit unbändiger Energie und ohne Berührungsängste – sie wurde in Cannes und bei den italienischen Filmpreisen für ihre Darstellung ausgezeichnet."

Jasmine Trinca spielt mit vollem Einsatz, sie ist die eigentliche Attraktion des Films, sie schreit, träumt, verzweifelt, weint, liebt hemmungslos, auf der Suche nach ihrem Weg und ihrem Platz im Leben. Ein Film aber auch der Orte, der Plätze, zwischen Rom und Genua, wo die Stadt atmet und sich immer weiter ausdehnt, auf der ständigen Suche nach einem Fluchtweg. Simone Emiliani," Sentieri selvaggi

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Do. 04.10.2018, 19:30 Uhr, Sa. 06.10.2018, 21:30 Uhr

Taranta on the Road

Taranta on the Road

ITA 2017. R: Salvatore Allocca. D: Nabiha Akkari, Helmi Drid, Alesiso Vassallo, Giandomenico Cupaiuolo, Emmanuele Aita. 80 Min. OmdtU. FSK: k. A.

Kurz nach dem arabischen Frühling 2011 erreichen Amira und Tarek, zwei tunesische Migranten, die eigentlich nichts gemeinsam haben, die italienische Küste in Apulien. Durch Zufall treffen sie auf die lokale und reichlich erfolglose Musikband „Die Evangelisten“. Die drei Bandmitglieder halten die beiden Tunesier für ein Paar, das ein Kind erwartet, und entscheiden sich, ihnen zu helfen, Frankreich zu erreichen. Die Reise, die Angst, die Liebe, die unsichere Zukunft und der Wunsch, den eigenen Weg zu finden, verbinden alle in einer lebensverändernden Erfahrung in diesem Roadmovie, das sich zur romantischen Komödie entwickelt.

Ein äußerst interessanter Film, der erzählt, wieviel Misstrauen es unter „uns“ (die Band ist voller latenter Spannungen und Fliehkräfte) und unter „ihnen“ (die Tunesier tun so als ob sie ein Paar sind, obwohl sie sich nicht besonders leiden können) geben kann. Trotzdem ist der Film eine ehrliche Hommage an die Solidarität von uns Italienern (besonders im Salento, dem Stiefelabsatz, eine Gegend, die seit jeher offen ist für multikulturelle Begegnung), sowie ein Hoch auf die Musik, die leichter als tausend Worte in die Seele eindringt. In der vielleicht schönsten Szene befreit sich die Tunesierin Amira von ihrer Vergangenheit, indem sie den traditionellen Tanz „Pizzicata“ tanzt, so wie früher die Frauen im Salento, die mit dem Tanz „ihren Schmerz aus dem Inneren hervorholten“. Das ist Kino von großer Menschlichkeit, Intelligenz und Kultur.
Francesco Alò, Il Messaggero

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Do. 04.10.2018, 21:30 Uhr, Mi. 10.10.2018, 19:30 Uhr

Wie eine Katze auf der Autobahn – Come un gatto in tangenziale

Wie eine Katze auf der Autobahn – Come un gatto in tangenziale

(Come un gatto in tangenziale)
ITA 2018. R: Riccardo Milani. D: Paola Cortellesi, Antonio Albanese, Sonia Bergamasco, Luca Angeletti, Antonio D’Ausilio, Alice Maselli. 98 Min. OmdtU. FSK: k. A.

Der feinsinnige Giovanni berät die EU bei Projekten zur sozialen Integration. Er wohnt mit seiner 14jährigen Tochter zwischen Bücher und Bildern in der Innenstadt von Rom. Die prollige Monica lebt in einem heruntergekommen Wohnbunker am Stadtrand und hat die Probleme multikultureller Integration täglich vor der Haustür. Ihre Patchwork-Familie besteht aus einem ebenfalls 14jährigen Sohn und zwei kleptomanischen Halbschwestern. Als plötzlich eine Liebesbeziehung zwischen ihren pubertierenden Kindern entsteht, verbindet Giovanni und Monica nur eines: der Wunsch, diese Beziehung zu sabotieren. Diese witzige, turbulente Komödie wurde in Italien zum großen Publikumserfolg.

Was für ein Paar, Paola Cortellesi und Antonio Albanese in Come un gatto in tangenziale! Ein unterhaltsamer, oft unglaublich witziger Film, in dem man viel lacht. Das Rom der wohlhabenden und intellektuellen Altstadt gegen das des vulgären und heruntergekommenen Stadtrands, die gute Erziehung gegen das Proletentum, die gewählte Ausdrucksweise gegen das Laute, Unflätige, der Tennisclub einerseits und das Kicken auf einem schäbigen Innenhof andererseits. Es ist jedoch nicht selbstverständlich, will uns der Film sagen, dass Gut und Schlecht dem Schein und der ersten Wahrnehmung entsprechen. Vielleicht würde eine Begegnung zwischen den beiden Welten tatsächlich nicht länger überleben als eine Katze auf einer viel befahrenen Stadtautobahn, wie der Titel suggeriert. Vielleicht aber doch. Monica und Giovanni entdecken am Ende womöglich, dass die Entfernung zwischen ihnen doch nicht so groß ist, wie es anfangs scheint.
Claudio Trionfera, Panorama

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Fr. 05.10.2018 & Di. 09.10.2018, 19:30 Uhr

Love & Crime – Ammore e malavita

Love & Crime – Ammore e malavita

(Ammore e malavita)
ITA 2017. R: Antonio Manetti, Marco Manetti. D: Giampaolo Morelli, Serena Rossi, Claudia Gerini, Carlo Buccirosso, Raiz, Franco Ricciardi. 134 Min. OmdtU. FSK: k. A.

Neapel: Gangsterkönig Don Vincenzo will aussteigen und arrangiert seine eigene falsche Beerdigung. Dummerweise hat die junge Krankenschwester Fatima den quicklebendigen Don Vincenzo gesehen, weshalb die beiden Bodyguards Ciro und Rosario auf sie angesetzt werden. Doch Ciro erkennt in Fatima seine große Jugendliebe wieder... In diesem knallbunten Mafia-Musical schmettert ein Toter im Sarg, Touristen genießen das Feeling, bei einer Besichtigungstour stilgerecht ausgeraubt zu werden, und die unter Hausarrest stehenden Kleinkriminellen winken im Takt von den Balkonen. Eine Art neapolitanisches LA LA LAND – ausgezeichnet mit zehn italienischen Filmpreisen.

Ammore e malavita ist eine gelungene Mischung aus neapolitanischem Drehbuch und amerikanischem Musical (die Bühne ist die Straße), wobei die Manetti Bros wieder beweisen, dass sie die Seele und die Stimmung der Stadt genau treffen, indem sie Realismus, Traum und filmische Zitate vermischen.
Roberto Nepoti, La Repubblica

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Fr. 05.10.2018, 21:30 Uhr, So. 07.10.2018, 19:30 Uhr

Alles was du willst – Tutto quello che vuo

Alles was du willst – Tutto quello che vuoi

(Tutto quello che vuoi)
ITA 2017. R: Francesco Bruni. D: Andrea Carpenzano, Giuliano Montaldo, Donatella Finocchiaro, Emanuele Propizio, Arturo Bruni. 106 Min. OmdtU. FSK: k. A.

Alessandro, 22, hängt den ganzen Tag mit seinen Freunden aus dem Viertel auf der Piazza rum. Auf Druck seines Vaters nimmt er einen Job an: Den 85jährigen Giorgio auf Spaziergängen zu begleiten, einen Dichter, der von seiner Umwelt längst vergessen worden ist. Die Begegnung mit dem Alten, dem die zunehmende Alzheimer-Krankheit die Klarsicht, aber nicht Würde und Eleganz geraubt hat, verändert Alessandro langsam – allerdings entdecken er und seine Freunde, dass Giorgio sie zu einem Schatz führen kann, den US-Soldaten bei Kriegsende in der Toskana versteckt haben sollen. In dieser intelligenten und sensiblen Komödie glänzt Giuliano Montaldo, Altmeister des italienischen Kinos, in der Rolle des alten Poeten, dessen Wunderlichkeiten eine tiefe Humanität ausstrahlen.

Versäumen Sie diesen Film nicht! Mit einer in der italienischen Komödie seltenen Intelligenz und Sensibilität gelingt es Francesco Bruni ähnlich wie Paolo Virzì, die Gefühle seiner Figuren zum Ausdruck zu bringen, dank der Sensibilität des Blicks und ohne jegliche moralistisch-didaktische Klischees. So ist die Clique der jugendlichen Freunde absolut glaubwürdig dargestellt. An Bruni geht auch das Verdienst dafür, dass er Giulio Montaldo dazu gebracht hat, den alten Dichter perfekt darzustellen, als Brücke zwischen der Beharrlichkeit der Erinnerung und der Zerbrechlichkeit der Unwissenheit.
Valerio Caprara, Il Mattino

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Sa. 06.10.2018, 19:30 Uhr, Mi. 10.10.2018, 17:30 Uhr

Im Gleichgewicht – L’equilibrio

Im Gleichgewicht – L’equilibrio

ITA 2017. R: Vincenzo Marra. D: Mimmo Borrelli, Roberto Del Gaudio, Giuseppe D’Ambrosio, Autilia Ranieri, Lucio Giannetti. 90 Min. OmdtU. FSK: k. A.

Giuseppe, Priester, lässt sich von Rom in seine Heimat in der Region Kampanien versetzen. Dort soll er den Pfarrer Don Antonio ersetzen, einen charismatischen und wortgewandten Mann, der Giuseppe in die harte Realität des Stadtviertels einführt. Als Giuseppe dann auf sich allein gestellt ist, versucht er der Gemeinde auf jede Art zu helfen, stößt aber zunehmend auf den Widerstand der organisierten Kriminalität, die den Ort beherrscht. Ohne festes Drehbuch in langen Plansequenzen gedreht, behandelt der Film die Auseinandersetzung zwischen Kompromiss und Gewissen, nüchtern, unverblümt und nie ideologisch.

Wenn man den Film L’equilibrio von Vincenzo Marra anschaut und dabei den schmerzvollen Weg von Don Giuseppe verfolgt, wird klar, dass an manchen Orten nichts einfach ist, nicht einmal das Licht Gottes. Don Giuseppe, der von Anfang bis Ende in langen Sequenzen gezeigt wird, ist eine dramatische Figur, die, wie der ganze Film von Marra, einen tiefen Eindruck hinterlässt.
Fulvia Caprara, La Stampa

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Mo. 08.10.2018, 19:30 Uhr