Deutschland war stark betroffen von der Corona-Pandemie, Italien aber noch viel stärker. Dennoch können wir dank der engagierten Initiative aller Beteiligten – unter der Schirmherrschaft des italienischen Botschafters in Deutschland, S.E. Luigi Mattiolo – auch in diesem Jahr mit Cinema Italia sechs aktuellen italienischen Filmen ein Forum bieten: Von Komödien um eine Culture Clash-Liebe, um eine Regenbogenfamilie und ein skurriles Hundesitter-Abenteuer in Rom über einen selbsternannten Bürgermeister in Neapel und zwei Minderjährige im Wartesaal eines Mailänder Gerichts bis zum komplexen filmischen Mutterporträt reicht die Bandbreite, die zu spannenden Einblicken in die italienische Gesellschaft, in italienische Kultur und Sprache einlädt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage von Cinema Italia!

Bangla

Bangla

ITA 2019. R: Phaim Bhuiyan. D: Phaim Bhuiyan, Carlotta Antonelli, Alessia Giuliani, Rishad Noorani, Pietro Sermonti. 87 Minuten. ItalOmdtU. FSK: k. A.

Phaim, 22-jähriger Muslim mit bengalischen Wurzeln, lebt mit seiner Familie in dem multiethnischen Stadtteil Torpignattara in Rom. Sein Geld verdient er als Museumswärter, nebenbei ist er Kopf einer Rockband. Während eines Konzerts lernt er Asia kennen, eine junge Frau aus einer Künstlerfamilie, die komplett anders tickt: purer Instinkt, keine Regeln. Die beiden verlieben sich – und Phaim stürzt in ein Dilemma: Nach der Tradition müsste er eine bengalische Frau heiraten. Und wie soll er seine Beziehung mit dem unumstößlichen Gesetz des Islam unter einen Hut bringen: keinen Sex vor der Ehe? Ein Clash der Kulturen als charmante, autobiografische Komödie. Der junge bengalisch-stämmige Regisseur spielt sich und seine Geschichte selbst, mit Witz, Selbstironie und einem gehörigen Schuss Romantik

Do. 22.10. & So. 25.10.2020, 19:30 Uhr

Phaim Bhuiyan (*1995 in Rom), Sohn einer bengalischen Familie, studierte zunächst Werbedesign und kam über Youtube zum Film. Er arbeitet als Video-Maker und dreht Videoclips für Rapper und Punk-Rock-Bands der römischen Underground-Szene. BANGLA ist sein erster Kinofilm.

Phaim Bhuiyan über seinen Film:
Was bedeutet es für einen jungen Mann, Italiener der zweiten Generation und Moslem, so wie ich, in einer Welt zu leben, die oft so weit von den Regeln des Islam entfernt ist, besonders, was die Ebene der Beziehungen und der Sexualität anbetrifft? Ausgehend von diesen Fragen ist dieser Film entstanden. Der Zusammenprall mit der westlichen Welt, der Generationenkonflikt in meiner Familie und vor allem die Liebe durch die Begegnung mit einer jungen Frau, die Auseinandersetzung mit der weiblichen Welt. Eine Welt, die nicht den gleichen Regeln gehorcht, sondern scheinbar in die entgegengesetzte Richtung geht. Als Regisseur habe ich versucht, die Komplexität eines Mikrokosmos wie das multiethnische Viertel Torpignattara in Rom auf lockere Art darzustellen: Gebäude mit abbröckelndem Putz und Graffitis, Gesichter in allen Farben, rund um die Uhr geöffnete Obstläden. Moscheen und Kirchen. Junge und Alte. All das ist Torpignattara, das Viertel, wo ich geboren und aufgewachsen bin, und das in meinem Film ebenso mitspielt wie die Schauspieler.

La dea fortuna - Die Göttin Fortuna

La dea fortuna - Die Göttin Fortuna

ITA 2019. R: Ferzan Özpetek. D: Stefano Accorsi, Edoardo Leo, Jasmine Trinca, Serra Yilmaz, Filippo Nigro. 118 Min. ItalOmdtU. FSK: k. A.

Alessandro und Arturo sind ein festes Paar – kein Problem im weltoffenen römischen Stadtteil Ostiense. Und doch kriselt es: Der attraktive Alessandro verdient die Brötchen als Klempner und ist Seitensprüngen nicht abgeneigt; Arturo arbeitet als Übersetzer, wäre lieber Schriftsteller und neigt zur Frustration. In die festgefahrene Alltagsroutine kommt Bewegung, als plötzlich Annamaria auftaucht, Alessandros Ex aus einem früheren Lebensabschnitt. Die Alleinerziehende bringt wegen eines Krankenhausaufenthalts ihre beiden Kinder bei Alessandro und Arturo unter…

Wie kann eine Regenbogenfamilie funktionieren, die nicht dem klassischen Mutter-Vater-Kind-Klischee entspricht? Ferzan Özpeteks charmante und warmherzige Komödie mit queerem Touch macht Mut. Und im Hintergrund mischt die Göttin Fortuna mit.

Do. 22.10.2020, 21:30 Uhr, Sa. 24.10. & Mi. 28.10.2020, 19:30 Uhr

Ferzan Özpetek (*1959 in Istanbul) zog 1976 nach Rom, um an der „Università La Sapienza all’Accademia d’Arte Drammatica“ zu studieren. Danach wandte er sich dem Kino zu, zunächst als Assistent bei Filmen von Massimo Troisi, Maurizio Ponzi und Ricky Tognazzi. Sein Regiedebut ist 1997 IL BAGNO TURCO, gefolgt von HAREM (1999), LE FATE IGNORANTI (2001), LA FINESTRA DI FRONTE (2003), CUORE SACRO (2005), SATURNO CONTRO (2007), UN GIORNO PERFETTO (2008), MINE VAGANTI (2010), MAGNIFICA PRESENZA (2012), ALLACCIATE LE CINTURE (2014), ROSSO ISTANBUL (2017), NAPOLI VELATA (2017) und LA DEA FORTUNA (2019). Mehrere seiner Filme liefen mit Erfolg auch in Deutschland in den Kinos. Er dreht außerdem Videoclips und hat drei Romane veröffentlicht.

Ferzan Özpetek über seinen Film:
Ich wollte von zwei Menschen erzählen, die schon lange zusammen sind und kurz davorstehen, sich zu trennen, weil die Zeit der Leidenschaft vorbei ist. Dass es sich hierbei um zwei Männer handelt, ist eigentlich unwichtig, es hätten genauso gut ein Mann und eine Frau oder zwei Frauen sein können. Mich faszinierte gerade die Vorstellung, dass sich eine Beziehung nach dem Ende der Leidenschaft verändern und zu einer neuen Art des Zusammenlebens werden kann. Ich denke, dass das Thema viele Paare angeht, unabhängig von der sexuellen Orientierung. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, in dem Wechselspiel zwischen Komödie und Tragödie, Lachen und Weinen, einige Zweifel zu bereinigen, die mich vor einem Jahr befielen. Mein Bruder war schwer krank und seine Frau bat mich darum, dass mein Lebensgefährte und ich uns um die zwei Kinder kümmern sollten, wenn auch ihr etwas zustoßen sollte. Diese Bitte löste in mir eine Welle aus Angst, Sorgen und Zweifel an meinen Fähigkeiten aus und hat mir eine Gefühlswelt gezeigt, die ich nicht kannte. Der Film war meine Art, diesen Zweifeln und Gefühlen nachzugehen, um diese sehr persönlichen Fragen zu beantwor

Il colpo del cane - Der ganz große Coup

Il colpo del cane – Der ganz große Coup

ITA 2019. R: Fulvio Risuleo. D: Edoardo Pesce, Silvia D’Amico, Daphne Scoccia, Anna Bonaiuto. 93 Minuten. ItalOmdtU. FSK: k. A.

Warum nicht mal Dogsitter spielen? Die beiden Freundinnen Rana und Marti sind pleite und passen am Wochenende auf Ugo auf, den Lieblingshund einer reichen alten Dame. Beim ersten Spaziergang mit Ugo im Park taucht ein junger Mann auf, der sich als Tierarzt vorstellt und zufällig ein Weibchen der gleichen Rasse besitzt. Er überredet die Mädchen zu einem kleinen Zusatzgeschäft. Keine gute Idee. Denn plötzlich wird Ugo gekidnappt und eine abenteuerliche Verfolgungsjagd beginnt. Werden Rana und Marti das kostbare Tier wiederfinden? Und wer steckt eigentlich hinter dem seltsamen Tierarzt Dr. Mopsi?

Eine rasante Komödie voller haarsträubender Situationen mit Kultpotential, die jede Menge Überraschungen bereit hält. Überzeugend eingefangen ist auch die ganz eigene Welt der römischen Vorstädte, die selten zu Kino-Ehren kommt. eigene Welt der römischen Vorstädte, die selten zu Kino-Ehren kommt.

Fr. 23.10.2020, 19:30 Uhr, Sa. 24.10.2020, 21:45 Uhr

Fulvio Risuleo (*1991 in Rom) fing schon in seiner Jugend an, Comics zu zeichnen und kleine Kurzfilme zu drehen. 2014 schloss er ein Regiestudium am “Centro Sperimentale di Cinematografia” mit dem Kurzfilm LIEVITO MADREe ab. Ein weiterer Kurzfilm,VARICELLA (2015), wurde in Cannes ausgezeichnet. Nach dem Spielfilmdebut GUARDA IN ALTO (2017) ist IL COLPO DEL CANE sein zweiter Langfilm. Als Zeichner publizierte er drei vielbeachtete Comic-Alben. Sein neuestes Projekt ist die Webserie "The Ziqqurat Case".

Fulvio Risuleo über seinen Film:
In der Mitte des Films gibt es einen bewussten erzählerischen Bruch, um zu zeigen, wie sich die Wirklichkeit je nach Blickwinkel verändert. Auch das Genre ist nicht einheitlich: Komödie, Drama, Krimi, Actionfilm mischen sich in der gleichen Geschichte. In IL COLPO DEL CANE gibt es keine Guten oder Bösen. Alle brauchen Geld und das treibt die Geschichte an. Es ist ein bewegter Film, da jeder auf irgendeine Weise seine Position verbessern möchte. Neben Rana, Marti und dem Doktor Mopsi spielen auch die Bulldogge, ein paar Schafe und ein Papagei eine wichtige Rolle in dem Film. Es handelt sich um Tiere, die mit den Menschen zusammenleben, aber dennoch einer anderen Welt angehören, und die wir als unser Eigentum behandeln und dabei vergessen, dass sie eine eigene Geschichte und Identität besitzen.

Il sindaco del rione Sanitá - Der Bürgermeister

Il sindaco del rione Sanità – Der Bürgermeister

ITA 2019. R: Mario Martone. D: Francesco Di Leva, Massimiliano Gallo, Roberto De Francesco. 115 Min. ItalOmdtU. FSK: k. A.

Antonio Barracano ist die einflussreichste Person in Neapels Stadtviertel Rione Sanità und lässt sich gerne „sindaco“, Bürgermeister, nennen, auch wenn er nie gewählt wurde. Wer ein Problem hat, meldet sich bei Barracano, und der lässt auf seine eigene Weise Gerechtigkeit walten, ob es um Schießereien im Viertel geht oder um die Machenschaften eines Kredithais. Seine engen Verbindungen zur Camorra sind dabei sehr nützlich. Doch eines Tages steht ein junger Mann vor ihm, der seinen Vater umbringen will. Bei diesem Fall gerät Don Antonio an seine Grenzen…

Eine mitreißende Verfilmung des berühmten Theaterstücks von Eduardo de Filippo aus den 1960er Jahren, das Regisseur Mario Martone geschickt für die Gegenwart adaptiert hat. Spannung und Humor halten sich die Waage, und der charismatische Francesco di Leva ist die Idealbesetzung für die Titelrolle.

Fr. 23.10.2020, 21:30 Uhr, Di. 27.10.2020, 19:30 Uhr

Mario Martone (*1959 in Neapel) begann seine Karriere in den 1970er Jahren im Theater. 1992 erscheint sein Debutfilm MORTE DI UN MATEMATICO NAPOLETANO, es folgen L’AMORE MOLESTO (1995), TEATRO DI GUERRA (1998), L’ODORE DEL SANGUE (2004), NOI CREDEVAMO (2010). Seit 1999 ist er zudem künstlerischer Direktor an Theatern in Turin, Rom und Neapel. Seine neuesten Filme sind IL GIOVANE FAVOLOSO (2014), CAPRI REVOLUTION (2018) und IL SINDACO DEL RIONE SANITÀ (2019).

Mario Martone über seinen Film: IL SINDACO DEL RIONE SANITÀ ist mein erstes Stück von Eduardo De Filippo. Ich habe das Alter des Protagonisten radikal verändert, bei De Filippo war es ein Mann aus einer anderen Epoche. So stelle ich das Stück auf die Probe mit der Gegenwart (heute sind die Camorra-Bosse viel jünger). Erwarten Sie nicht die Illusionen des alten „Bürgermeisters“, der aus einem anderen Jahrhundert stammte, als es noch klare moralische Grenzen gab: hier dagegen kommt eine wilde, ambivalente und leidende Menschheit zum Vorschein, wo das Gute und das Böse sich in jeder Figur treffen, wo die zwei Städte, von denen in Neapel immer die Rede ist (die legale und die kriminelle) in einer Partie ohne Sieger aufeinander stoßen.

Palazzo di giustizia - Justizpalaast

Palazzo di giustizia – Justizpalast

ITA 2019. R: Chiara Bellosi. D: Bianca Leonardi, Sarah Short, Daphne Scoccia, Nicola Rignanese. 84 Min. ItalOmdtU. FSK: k. A.

Justizalltag in einem großen Mailänder Gericht. Im Herzen des Gebäudes eine Gerichtsverhandlung. Vor der geschlossenen Saaltür zwei Mädchen: Luce, noch klein, verspielt und eigensinnig. Domenica, fast erwachsen, unsicher und abweisend. Während ihre Väter sich drinnen in einem komplizierten Prozess um Mord oder Totschlag gegenüberstehen, wissen die Töchter draußen nicht, was tun. Nebenschauplätze wie Flure, Treppenhäuser und Pfützen im Hof werden zu Orten mit Möglichkeiten. Anwälte und Justizbeamte, Handwerker und Besucher kommen und gehen. Ein verirrter Spatz sorgt für Aufregung. Eine Vielzahl von Geschichten entfaltet sich.

Ganz auf diesen einen Ort konzentriert, rückt die Regisseurin vermeintliche Randfiguren ins Zentrum, eröffnet ungewöhnliche Perspektiven auf Justizbetrieb und Gerechtigkeit. Chiara Bellosi ist eine spannende neue Stimme im italienischen Kino.

Mo. 26.10.2020, 19:30 Uhr

Chiara Bellosi (* 1973 Mailand): Ihr Dramaturgiestudium an der dortigen „Civica Scuola di Teatro Paolo Grassi“ schloss sie mit Diplom ab und studierte 2007 Dokumentarfilm am „Istituto Europeo di Design“ in Venedig. Im Rahmen des Episodenfilms CHECOSAMANCA realisierte sie einen Kurzfilm. Mit PALAZZO DII GIUSTIZIA legt sie ihren ersten Spielfilm vor.

Chiara Bellosi über ihren Film:
Ursprünglich dachte ich an seinen Dokumentarfilm nach dem Vorbild von Frederick Wiseman. Zur Vorbereitung ging ich wochenlang ins Gericht meiner Heimatstadt Mailand. Dann kam mir die Idee, aus dem Ort heraus eine oder mehrere Geschichten zu entwickeln. Das Gerichtsgebäude von Mailand ist riesig, und ich verbrachte meine Tage in den Fluren, Sälen, Innenhöfen, Cafeterias usw. Eines Tages war da ein Mädchen mit ihrer jungen Mutter, die versuchte sich die Langeweile der Wartezeit zu vertreiben. Dieses Mädchen war die Inspiration für meinen Film. Indem ich sie beobachtete, ist PALAZZO DI GIUSTIZIA entstanden.

La scomparsa di mia madre - Das Verschwiden meiner Mutter

La scomparsa di mia madre - Das Verschwinden meiner Mutter

ITA 2019. R: Beniamino Barrese. Dokumentarfilm. 94 Min. ItalOmdtU. FSK: k. A.

Was für eine Karriere: Jet-Set-Supermodel, engagierte Feministin, Journalistin und Dozentin – Benedetta Barzini hat in ihrem Leben schon einige Widersprüche verbunden. In den 1960er Jahren posierte sie für die „Vogue“ und andere Modemagazine, war Muse von Andy Warhol und Salvador Dalí. Später wurde sie zur eloquenten feministischen Kritikerin der Modebranche. Mit 75 Jahren hat Benedetta mit ihrem früheren Leben und ihrer Umwelt abgeschlossen und will verschwinden. Dass ihr Sohn Beniamino Barrese nun einen Film über sie drehen will, löst zwischen den beiden eine unerwartete Zusammenarbeit und zugleich Konfrontationen vor der Kamera aus.

Das faszinierende Porträt einer außergewöhnlichen Frau und zugleich ein sehr persönlicher Film über eine komplexe Mutter-Sohn-Beziehung.

Mi. 28.10.2020, 17:30 Uhr

Beniamino Barrese (*1986) studierte Philosophie und Ökonomie in Mailand und London und machte dann seinen Master in Kinematografie an der Nationalen Film- und Fernsehschule in Beaconsfield. Als Kameramann drehte er Kurzfilme im dokumentarischen und fiktionalen Bereich, Musik- und Modefilme sowie Werbung. LA SCOMPARSA DI MIA MADRE ist sein erster Langfilm.

Beniamino Barrese über seinen Film: Seit ich sieben Jahre alt war und mein Vater mir eine Filmkamera schenkte, ist Filmen für mich zur Strategie geworden, um Erfahrungen und geliebte Menschen festzuhalten, um sie vor dem Lauf der Zeit zu retten. Ich habe versucht, mit meiner Mutter das gleiche zu machen – es war jedoch nie leicht, sie vor die Kamera zu bringen. Ich spürte eine Art Scheu ihr gegenüber. Es schien mir unmöglich, sie in einem Bild festzuhalten. Sie war zu viel von allem: zu schön, zu intelligent, zu charismatisch, zu aggressiv, zu stark, zu tief, zu besonders. Obwohl wir seit jeher eine sehr enge Beziehung haben, war sie mir immer ein Rätsel. Was macht man, wenn die eigene Mutter sagt, dass sie für immer weggehen möchte? Diesen Film zu drehen war mein Versuch, darauf eine Antwort zu finden.