Buenos días, liebe Freundinnen und Freunde des lateinamerikanischen Kinos!

In der 19. Ausgabe des Festivals Cine Latino können Sie sich wieder auf viele Filmentdeckungen freuen, denn das Kino Lateinamerikas ist so lebendig und aufregend wie selten zuvor!

Dokumentarfilme und Spielfilme, Avantgardistisches und Episches, Sinnliches, Spannendes und Dramatisches erwartet Sie bei den Vorführungen im Mannheimer Cinema Quadrat: In Form eines Gangsterfilms erzählt PÁJAROS DE VERANO / BIRDS OF PASSAGE ein indigenes Familiendrama; in NUESTRO TIEMPO entwickelt sich in Westernform eine bittere Dreiecksgeschichte. Ein Friedhofswärter begibt sich in LOS VERSOS DEL OLVIDO / IM LABYRINTH DER ERINNERUNG auf die Suche nach der Geschichte einer namenlosen Frauenleiche; eine Frau in Trauer verliert sich in Fantasiewelten in FAMILIE SUMERGIDA / DIE UNTERGEGANGENE FAMILIE; und eine ältere Dame emanzipiert sich in LAS HEREDERAS / DIE ERBINNEN von ihrer langjährigen Partnerin in einer finanziellen Krisensituation. Die Biographie des weltbekannten Balletttänzers Carlos Acosta erzählt der Spielfilm YULI. Der Puppentrickfilm LA CASA LOBO / DAS WOLFSHAUS verarbeitet die Traumata, die Colonia Dignidad in Chile hinterlassen hat; ein Abenteuer des Wahnsinns in den Wäldern von Chile und Argentinien des 19. Jahrhunderts erzählt REY. Die politische Krise in Venezuela hat gerade im Gesundheitssystem schlimmste Auswirkungen, wie unser Eröffnungsfilm ESTÁ TODO BIEN / ALLES IST GUT zeigt; ein Gebiet im Amazonas-Regenwald ist nur so lange geschützt, wie die letzten beiden Mitglieder des indigenen Stammes PIRIPKURA überleben. Und zu HIJA DE LA LAGUNA über die Auswirkungen des peruanischen Goldrausches auf Natur und Bewohner der Anden gibt es in Mannheim Cocktails und Köstlichkeiten der peruanischen Küche.

Cine Latino zeigt wieder das Beste des lateinamerikanischen Kinos – viele der Filme wurden auf Festivals weltweit mit Preisen bedacht. Paraguay, Uruguay, Mexiko, Kuba, Kolumbien, Venezuela, Peru, Chile, Brasilien und Argentinien: Die Filme blicken auf die gesellschaftlichen und politischen Situationen ihrer Produktionsländer und geben vielfältige Einblicke in mittel- und südamerikanische Lebenswelten.

Wir freuen uns auf Sie!

Está todo bien – Alles ist gut

Está todo bien – Alles ist gut

(Está todo bien)

VEN/DEU 2018. R: R: Tuki Jencquel. Dokumentarfilm. 70 Min. SpanOmdtU. FSK: k. A.

„Das ist das große Drama: Du darfst nicht krank werden“ – lakonische Worte von Francisco, einem Aktivisten, der in Venezuela dringend benötigte Medizin ausliefert; in einem Land, in dem die Löhne zwölf Dollar im Monat betragen und 16.000 Ärzte das Land verlassen haben. Wenn Rosalía morgens ihre Apotheke aufschließt, hat sie ihren Kunden nichts zu bieten. Keine Antibiotika, keine Schmerzmittel, nichts. Der ökonomische Zusammenbruch Venezuelas wird flankiert von einem Kollaps des öentlichen Gesundheitssystems, der für viele tödlich ist. Die Kindersterblichkeit ist dramatisch angestiegen – und Krebskranke wie Mildred und Rebeca sind auf die Medikamentenreste von Patienten angewiesen, die es nicht geschat haben. Auch Efraím, ein junger Unfallchirurg, stemmt sich gegen den medizinischen Blackout. Sie stehen vor der Wahl: Protestieren, Dulden, Auswandern, Durchhalten, alle Hoffnung verlieren oder doch daran festhalten? Gemeinsam gehen sie auf die Bühne, um ihre Umstände zu spielen und emotionale Befreiung zu finden.

Diese hochaktuelle Chronik folgt den widerständigen Protagonisten, wie sie sich um kreative Lösungen inmitten der Erschütterungen durch die Krise bemühen. Wir zeigen den Film vor dem Kinostart.

Tuki Jencquel, geboren  in Caracas, studierte Business Administration am Instituto de Estudios Superiores de Administración in Caracas und Film an der Tisch School of the Arts in New York. Er arbeitete als Regieassistent, unter anderem für José Padilha. Nach mehreren Kurzfilmen und einem preisgekrönten mittellangen Dokumentarfilm ist ESTÁ TODO BIEN sein Langfilmdebüt.

 Do. 09.5.2019, 19:30 Uhr, Mo. 13.05.2019, 21:30 Uhr

Las herederas – Die Erbinnen

Las herederas – Die Erbinnen

(Las herederas)
PRY/URY/BRA/DEU/NOR/FRA 2018. R: Marcello Martinessi. D: Ana Brun, Margarita Irún, Ana Ivanova, Nilda Gonzalez. 98 Min. SpanOmdtU. FSK: 0

Chela und Chiquita leben seit langem schon als Paar in einem gutbürgerlichen Viertel in der paraguayischen Hauptstadt Asunción. Über die Jahre sind sie in ihren Rollen innerhalb der Beziehung erstarrt: Während die extrovertierte Chiquita das gemeinsame Leben organisiert, verbringt Chela die Tage lieber bei gedämpftem Licht hinter ihrer Staffelei. Sie leben von ihrem Erbe, doch langsam geraten sie in finanzielle Schwierigkeiten. Als Chiquita wegen Überschuldung ins Gefängnis kommt, ist Chela auf sich allein gestellt – eine große Herausforderung, da nun sie sich in der Rolle findet, sich um Autofahrten, Haushaltshilfen und Finanzen zu kümmern. Chela kommt auf die Idee, mit ihrem alten Daimler einen Taxi-Service für wohlhabende ältere Damen aus der Nachbarschaft anzubieten. Beim Chauffieren lernt sie die junge, lebensfrohe Angy kennen...

LAS HEREDERAS erzählt von Sehnsüchten, von Abhängigkeiten und einem späten Neubeginn und spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung, die Paraguay nach langen Jahren der Diktatur und der Absetzung der ersten demokratischen Regierung genommen hat. Der Film wurde vielfach preisgekrönt, unter anderem auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären, dem FIPRESCI-Preis, dem Alfred Bauer-Preis und dem Preis der Teddy-Leserjury des Mannschaft-Magazins sowie in San Sebastián als bester lateinamerikanischer Film.

Marcelo Martinessi, 1973 in Asunción geboren, studierte Kommunikationswissenschaft in seiner Heimatstadt sowie Filmwissenschaft an der London Film School. Nach mehreren Kurzfilmen baute er nach dem demokratischen Machtwechsel 2010 den ersten öffentlichen Fernsehsender von Paraguay auf. Nach dem Staatsstreich 2012 drehte er eine in Venedig ausgezeichnete Kurz-Doku über das politische Chaos. LAS HEREDERAS ist sein Langfilmdebüt.

Do. ß9.ß5.2019, 19:30 Uhr, Mi. 15.05.2019, 17:30 Uhr

amilia sumergida – Die untergegangene Familie

Familia sumergida – Die untergegangene Familie

(Familia sumergida)
ARG/BRA/DEU/NOR 2018. R: María Alché. D: Mercedes Morán, Marcelo Subiotto, Esteban Bigliardi, Marcelo Subiotto, Laila Maltz, Ia Arteta. 91 Min. SpanOmdtU. FSK: k. A. Marcela, ihr Mann und die drei Kinder führen ein komfortables Leben in Buenos Aires. Nach dem unerwarteten Tod ihrer Schwester Rina räumt Marcela deren Wohnung aus. Strickwaren, Zimmerpflanzen, Bücher, Pelzmäntel und Möbel, Fotografien und Briefe – Erinnerungen. Irgendwann sitzen die Geister alter Tanten und Onkel in Marcelas Wohnzimmer, sie führt Gespräche mit Verwandten aus einer anderen Dimension. Marcela fühlt sich in ihrem eigenen Haus verloren, ihre Beziehung zu ihrem Mann und ihren Kindern beginnt zu leiden. Als Nacho, ein junger Freund ihrer Tochter, vorbeikommt, geht sie mit ihm auf einen Spaziergang, und endlich kann sie reden. Aber wieder zu Hause, streifen weiter Phantome der Vergangenheit durch ihre Gegenwart und lösen sie auf: Marcela steigt immer mehr in eine Fantasiewelt ein, in der alles möglich wäre – eine Affäre, ein anderes Leben gar?

María Alchés Debütfilm fängt den Schwebezustand von Menschen in Trauer ein, in dem die Wirklichkeit entrückt, die Vergangenheit sich anschleicht und der Verlust die Welt verändert.

María Alché, 1983 in Buenos Aires geboren, studierte Regie an der an der Escuela Nacional de Experimentación y Realización Cinematográfica (ENERC). Sie führte Regie bei mehreren Kurzfilmen, die auf Festivals wie Locarno, La Habana und Rotterdam gezeigt wurden. Als Schauspielerin war sie unter anderem in einer Hauptrolle in Lucrecia Martels LA NIÑA SANTA (DAS HEILIGE MÄDCHEN, 2004) zu sehen. FAMILIE SUMERGIDA ist ihr erster Langspielfilm.

Fr. 10.05.2019, 19:30 Uhr

Rey

Rey

CHL/FRA/NLD/DEU 2017. R: Niles Atallah. D: Rodrigo Liboa, Claudio Riveros. 90 Min. SpanOmdtU. FSK: k. A.

1860 reiste der französische Abenteurer Orélie-Antoine de Tounens durch die Wälder Südchiles und Argentiniens, um die Königreiche Araucana und Patagonien zu gründen, mit sich selbst als König. Begleitet wird er von Juan Bautista Rosales, einem ortskundigen Führer, der ihn zum indigenen Volk der Mapuche bringen soll. Und tatsächlich: Die Bewohner des Gebietes wählen de Tounens zu ihrem Oberhaupt. Eine Flagge, eine Verfassung und sogar Münzen hat er für sein neues Königreich gleich selbst mitgebracht – doch während es so aussieht, als hätten sich seine irrwitzigen Träume nun tatsächlich erfüllt, fangen die Probleme jetzt erst so richtig an, denn als Herrscher über die Mapuche kommt er in Konflikt mit der chilenischen Armee, die den Machtanspruch Chiles verteidigen soll. Niles Atallah arbeitete sieben Jahre lang an seinem experimentellen Historienfilm und nutzte dabei unterschiedliches 8mm-, 16mm- und 35mm-Filmmaterial, das er teilweise für lange Zeit in seinem Garten vergrub. Die bizarre Handlung einer vergeblichen Staatsgründung, die tatsächlich auf wahren Begebenheiten – wenn auch auf widersprüchlichen Quellen basierend – beruht, wirkt damit selbst wie eine fiktive Ausgrabung von Landesgeschichte: Atallah vereint Abenteuer und Avantgarde zu einem aufregenden Bildtextur-Erlebnis.

Niles Atallah, 1978 in Kalifornien geboren, ist ein chilenisch-amerikanischer Filmemacher und Videokünstler. 2008 drehte er seinen ersten Kurzfilm, eine mehrfach ausgezeichnete Animation, die auch im New Yorker Guggenheim Museum gezeigt wurde. Für sein Langfilmdebüt LUCÍA, 2010, wurde er beim Filmfestival von Valdivia als bester chilenischer Regisseur ausgezeichnet.

Fr. 10.05.2019, 21:30 Uhr

Pájaros de verano – Birds of Passage

Pájaros de verano – Birds of Passage

(Pájaros de verano)
COL/MEX/DNK 2018. R: Ciro Guerra, Cristina Gallego. D: Carmiña Martínez, Natalia Reyes, José Acosta, Jhon Narváez. 121 Min. SpanOmdtU. FSK: 12

Kolumbien 1968: Der junge Rapayet verkauft etwas Marihuana an Amerikaner des Friedenskorps. Das Geschäft boomt, seine Wayúu-Familie verdient gut dabei, die Bedürfnisse nordamerikanischer Jugendlicher in Fahrt bringen. Bald steigt er zum reichsten Mann der abgelegenen Steppenregion von Guajira auf. Doch der Reichtum ist mit einem hohen Preis verbunden: Ein brutaler Krieg um Macht und Geld bricht aus und setzt nicht nur das Leben des Stammes, sondern auch ihre Kultur und Traditionen aufs Spiel. Lange bevor der Name Pablo Escobar in aller Munde ist, legte eine Familie des matriarchalisch geprägten Wayúu-Stammes den Grundstein für den Drogenhandel, für den das Land später so berühmt-berüchtigt werden wird. In beeindruckenden und surrealen Bildern erzählen Ciro Guerra und Cristina Gallego eine epische Geschichte, in der die Mythen der Wayúu mit den harten Realitäten des Drogenhandels verwoben werden: „Zugleich ethnologische Chronik und Arthouse-Thriller wie der indigene PATE“, schreibt The Hollywood Reporter über den vielfach preisgekrönten Film.

Ciro Guerra, 1981 in Rio de Oro, Kolumbien, geboren, ist seit 2004 als Filmemacher tätig. Seine Filme wurden auf vielen internationalen Filmfestivals gezeigt, El abrazo de la serpiente (DER SCHAMANE UND DIE SCHLANGE) von 2015 war der erste kolumbianische Film, der für einen Oscar nominiert wurde.
Cristina Gallego, 1978 in Bogotá geboren, absolvierte eine Ausbildung in Marketing und Werbung und studierte an der Filmschule der Universidad Nacional de Colombia. 2001 gründete sie gemeinsam mit Ciro Guerra die Produktionsfirma Ciudad Lunar und war als Produzentin an Guerras Filmen beteiligt. Bei PÁJAROS DE VERANO führte sie erstmals Regie.

Sa. 11.052918., 19:30 Uhr, Mi. 150.52019., 21:30 Uhr

La casa lobo – Das Wolfshaus

La casa lobo – Das Wolfshaus

(La casa lobo)
CHL 2018. R: Cristóbal León, Joaquín Cociña. Animationsfilm. 75 Min. SpanOmdtU. FSK: k. A.

Zunächst nimmt ein kurzer Propagandafilm das Publikum mit in eine Gemeinschaft frommer Deutscher im Süden von Chile. Ihr Motto „Helfen macht glücklich“ dringt aus jedem der stimmungsvollen Archivbilder, und umso bemühter ist der Erzähler, die negativen Gerüchte, die sich um seine Kolonie ranken, zu zerstreuen. Wenn auch nicht explizit, der Verweis auf die 1961 von Paul Schäfer gegründete Sekte Colonia Dignidad ist offensichtlich. Während der Pinochet-Diktatur war die Colonia Dignidad an Kindesentführungen, Missbrauch, Folter und Morden beteiligt. Die dem filmischen Einstieg folgende experimentelle Stop-Motion-Animation ergründet die Traumata, die die Sekte hinterlassen hat. In Form einer albtraumhaften Parabel erzählt LA CASA LOBO von María, die sich aus Furcht vor einer ungerechten Strafe aus der Kolonie in ein verlassenes Haus im Wald flüchtet. Bedroht vom Wolf, der unablässig draußen herumstreift, versucht sie, hier mit ihren Schweinen ein neues Leben aufzubauen – ein schauerliches Animationsmärchen in Form eines kunstvollen Puppentrickfilms, in dem die Figuren sich endlos verwandeln, der in seiner Wucht und Rasanz einen enormen Sog entwickelt. Auf der Berlinale erhielt der Film den Caligari-Preis für stilistische und thematische Innovation.

Cristóbal León, geboren 1980 in Santiago de Chile, studierte Design in Santiago sowie Kunst und Medien in Berlin. Zusammen mit
Joaquín Cociña und Niles Atallah gründete er 2007 eine Produktionsfirma, die LA CASA LOBO wie auch REY produzierte. Joaquín Cociña, 1980 in Conceptión, Chile, geboren, studierte Design und Kunst. Er ist Produktionspartner von Cristóbal León und Niles Atallah.

Sa. 11.05.2019, 21:45 Uhr

Nuestro tiempo

Nuestro tiempo

MEX/FRA/DEU/DNK/SWE 2018. R: Carlos Reygadas. D: Natalia López, Phil Burgers, Carlos Raygadas, Maria Hagerman. 173 Min. SpanOmdtU. FSK: k. A.

Esther und Juan sind ein Paar, das eine glückliche und liberale Beziehung führt. Sie leben auf einer Ranch, auf der Kampfstiere gezüchtet werden, Esther managt tatkräftig die Farm, während Juan, ein bekannter und mit Auszeichnungen bedachter Dichter, sich um die Zucht kümmert. Doch dann taucht der Amerikaner Phil auf, ein Zureiter, mit dem Esther eine Affäre beginnt. Und es entspinnt sich ein Wetteifern um die Liebe von Esther. Oder geht es um mehr? Juan, der gefeierte Poet, sieht sich selbst an den Erwartungen, die er an sich hat, scheitern: Die sexuelle Freiheiten, die in ihrer Ehe vereinbart sind, scheinen außer Kontrolle zu geraten.

Die Geschichte einer Ehe, die bedingungslos, offen und ohne Geheimnisse sein will und die durch einen Fremden mit ihren eigenen Grundsätzen konfrontiert wird, führt Carlos Reygadas in die Breitwanddimensionen eines Westerns. Kunstvoll spiegelt der Film die Dreiecksgeschichte in den Gegebenheiten der Rinderfarm wider: Die beiden männlichen Rivalen wirken wie zwei Bullen, die sich gegenüberstehen. In dieser Anatomie einer Liebe und Dekonstruktion der Maskulinität übernahmen er und seine Ehefrau Natalia López die Hauptrollen.

Carlos Reygadas, 1971 in Mexico City geboren, gilt als einer der interessantesten Filmemacher der Gegenwart, das British Film Institute bezeichnete ihn als „the one-man third wave of Mexican cinema“. Seit 2002 – nach einer Karriere als Völkerrechtler – dreht er Filme. Für POST TENEBRAS LUX erhielt er 2012 den Regiepreis von Cannes. NUESTRO TIEMPO ist sein fünfter Spielfilm. Der Film läuft bei Cine Latino vor dem deutschen Kinostart.

So. 12.05.2019, 11 Uhr – Matinee-Vorstellung

Hija de la laguna – Tochter der Lagune

Hija de la laguna – Tochter der Lagune

(Hija de la laguna)
PER/BOL/NLD 2015. R: Ernesto Cabellos Damián. Dokumentarfilm. 87 Min. SpanOmdtU. FSK: k. A.

Nélida ist eine Frau aus den Anden, die mit Wassergeistern spricht. Sie sieht sich als Tochter der Seen, die ihr Dorf in den Anden umgeben. Doch nahe der Lagune wurde eine milliardenschwere Goldlagerstätte entdeckt. Sie versucht, ihre übernatürlichen Kräfte einzusetzen, um ein Bergbau-Unternehmen davon abzuhalten, den See zu zerstören, den sie als ihre Mutter betrachtet. Die ansässigen Bauern fürchten um das Wasser der Lagune und ihre Lebensgrundlage. Gleichzeitig müssen sie sich nicht nur den politischen und wirtschaftlichen Mächten stellen, sondern auch den Menschen in ihren Gemeinden, denen die Mine Arbeit gegeben hat. Die Geschichte von Nélida und den Bewohnern um die Seen ist gepaart mit anderen Geschichten des Goldminenhandels, von der niederländischen Schmuckdesignerin Bibi van der Velden, die lernt, welche negativen Konsequenzen ihre Verwendung des Goldes auf Gemeinschaften in den Anden hat, bis hin zu Geschichten von Gemeinschaften in Spanien und Bolivien, welche ein ähnliches Schicksal erleiden.
HIJA DE LA LAGUNA gibt ein deutliches Statement ab über die menschlichen Kosten des Goldabbaus, über den Widerstand gegen Bergwerksbetreiber und Polizei und den Kampf um Gerechtigkeit.

Ernesto Cabellos Damián wurde 1968 in Lima geboren. 1994 gründete er einen Verband für Dokumentarfilmemacher. Seit 2002 arbeitet er als Produzent und Regisseur. Seine Dokumentarfilme würden bei mehr als 150 internationalen Filmfestivals gezeigt und erhielten insgesamt 35 Preise. Mit Video-Einführung des Regisseurs

Genießen Sie zu diesem Film kulinarische Köstlichkeiten aus den Anden und lernen Sie die Vielfalt der Küche Perus kennen!
Clarisa Bravo, Köchin aus Leidenschaft, bietet im Anschluss an die Vorstellung leckere Cocktails an: Pisco Sour, Maracuya Sour und Pisco Chilcano. Dazu gibt es drei köstliche Appetithappen der peruanischen Küche: Quinoa-Kroketten mit Chilisoße, Kartoffel in Chili-Erdnuss-Soße und Chicharrón con Mote (Scheinefleisch mit Riesen-Mais).

Eintrittspreis inkl. drei Appetithappen der peruanischen Küche:
Normal 13 € / ermäßigt 11 € / Mitglieder Cinema Quadrat 10 €

Um Reservierungen oder Kartenvorkauf wird gebeten.
In Kooperation mit dem Förderverein Jugendhaus Waldpforte.

So. 12.05.2019, 19:30 Uhr

Piripkura

Piripkura

BRA 2017. R: Bruno Jorge, Mariana Oliva, Renata Terra. Dokumentarfilm. 81 Min. PortOmdtU. FSK: 6

Zwei der letzten bekannten Mitglieder des Piripkura-Stammes leben als Nomaden im Amazonas-Regenwald im Bundesstaat Mato Grosso. Ihr wichtigstes Besitztum ist eine Fackel, die 1998 angezündet wurde und noch immer Feuer spendet. Ihr Gebiet ist umzingelt von Farmen und Sägewerken, die sich immer mehr ausbreiten. Gewaltsam wird das Amazonasgebiet nach und nach von unkontrollierten Abholzungen zerstört. Der Schutz des Stammesgebietes kann nur aufrechterhalten werden, wenn regelmäßig nachgewiesen wird, dass die beiden -Männer noch hier leben. Weshalb alle zwei Jahre Jair Candor, Koordinator der Behörde zum Schutz der indigenen Bevölkerung, in das Gebiet reist, um die Existenz der letzten Überlebenden der Piripkura zu bestätigen.

Der Film wirft ein Licht auf die Tragödie der indigenen Völker am Amazonas, auf die systematische Gewalt, die ihnen angetan wurde und wird. Trotz der beeindruckenden Widerstandsfähigkeit und Beharrlichkeit der letzten Piripkura liegt eine unausweichliche Frage in der Luft: Wie lang kann das noch weitergehen?

Bruno Jorge, geboren 1981, studierte Sozialkommunikation in São Paulo, Dokumentarfilm in Paris und Darstellende Kunst in Liège, Belgien. Seit 2003 führte er Regie bei über 15 Filmen, die auf vielen internationalen Festivals gezeigt wurden.
Mariana Oliva wuchs in São Paulo auf und studierte ab 2009 Dokumentarfilm in Edinburgh. Zusammen mit Renata Terra gründete sie 2019 eine Produktionsfirma in Brasilien.
Renata Terra arbeitet seit 20 Jahren im Bereich Drehbuch, Regie und Filmmontage. Viele ihrer Filme wurden international preisgekrönt.

Mo. 13.05.2019, 19:30 Uhr

Yuli

Yuli

CUB/ESP/GBR/DEU 2018. R: Icíar Bollaín. D: Carlos Acosta, Santioago Alfonso, Edilson Manuel Olbera Nuñez, Keyvin Martínez. 110 Min. SpanOmdtU. FSK: 6

Carlos Acosta ist ein undiszipliniertes Kind, das alles, was es über das Leben weiß, auf den Straßen Havannas gelernt hat. Doch sein Vater Pedro – dessen Großmutter noch als Sklavin in den kubanischen Zuckerrohrplantagen ausgebeutet wurde – erkennt das außergewöhnliche Talent seines Sohnes, den er nach einem afrikanischen Kriegsgott nur Yuli nennt: Er kann tanzen wie kein zweiter. Gegen dessen Willen schickt er ihn auf die staatliche Ballettschule und sorgt mit harter Hand dafür, dass Yuli seine Ausbildung beendet. Yuli wird bald zu einem der besten Tänzer seiner Generation, feiert internationale Erfolge und ist der erste dunkelhäutige Romeo am Royal Opera House in London. Doch trotz des Ruhms zehrt das Heimweh an ihm. Als er nach einer schweren Verletzung mit dem Tanzen pausieren muss, kehrt er nach Kuba zurück: Nach all den Jahren der Entbehrung und Einsamkeit lebt Yuli hier erstmals seinen schier unstillbaren Hunger nach Leben aus - und setzt damit seine Karriere aufs Spiel.

YULI, die Verfilmung der Autobiographie des vielfach ausgezeichneten kubanischen Balletttänzers, spielt Carlos Acosta sich selbst in einer Rahmenhandlung, von der aus der Bogen über 40 Jahre seiner Karriere gespannt wird. Der Film wurde in San Sebastián für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

Icíar Bollaín, 1967 in Madrid geboren, gab 1983 ihr Schauspieldebüt. 1995 inszenierte sie ihren ersten Spielfilm und wurde in Valladolid mit dem Regie-Nachwuchspreis ausgezeichnet. Ihre bekanntesten Filme sind TAMBIÉN LA LLUVIA (UND DANN DER REGEN) von 2010 und EL OLIVO (DER OLIVENBAUM) von 2016, die beide vielfach preisgekrönt wurden und bei denen sie wie auch in YULI mit ihrem Lebensgefährten, dem Drehbuchautor Paul Laverty, zusammenarbeitete.

Nach der Vorstellung am 14.05. in Mannheim gibt es eine Filmdiskussion in Kooperation mit der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba.

Di. 14.05.2019, 19:30 Uhr

Los versos del olvido – Im Labyrinth der Erinnerung

Los versos del olvido – Im Labyrinth der Erinnerung

(Los versos del olvido)
CHL/NLD/FRA/DEU 2017. R: Alireza Khatami. D: Juan Margallo, Tomás del Estal, Amparo Noguera, Manuel Morón, Itziar Aizpuru. 92 Min. SpanOmdtU. FSK: 6

Ein abgelegener Friedhof in Chile, der Rückzugsort eines alten Mannes. Als Wärter verbringt er seine Tage damit, sich um seine geliebten Pflanzen zu kümmern – oder denjenigen, die auf der Suche nach Vermissten sind, die kürzlich Verstorbenen in den Kühlkammern seines Leichenschauhauses zu zeigen. Doch seine Routine wird jäh unterbrochen: Nach niedergeschlagenen Protesten versucht die Miliz, ihre Opfer bei ihm zu verstecken. Als er den leblosen Körper einer namenlosen jungen Frau findet, begibt er sich auf eine Odyssee durch die skurrilen Wege von Bürokratie und menschlichem Tun, um der Unbekannten ein würdiges Begräbnis zu verschaffen. Begleitet wird er von einem kauzigen Bestatter, der die Geschichten der Toten sammelt, einer alten Frau auf der Suche nach ihrer lange vermissten Tochter und dem Fahrer eines Leichenwagens, der von seiner Vergangenheit heimgesucht wird.

Mit LOS VERSOS DEL OLVIDO gibt der iranische Regisseur Alireza Khatami sein vielfach ausgezeichnetes Spielfilm-Debüt: „Der Film ist von tragischen Ereignissen inspiriert, die mir sehr nahe gingen. Erst durch die Verlagerung der Ereignisse in eine andere Sprache und Region konnte ich darüber sprechen und verstehen, dass die historische Amnesie den Weg für die Wiederholung von Gewalt bereitet.“

Alireza Khatami, 1980 im Iran geboren, arbeitete seit 2000 als Regieassistent, unter anderem für Asghar Farhadi. Er studierte Visuelle Effekte in Malaysia und Filmproduktion am Savannah College of Art & Design. Seine Kurzfilme wurden auf verschiedenen internationalen Festivals gezeigt. Er arbeitet in Chicago an der School of Cinematic Arts der DePaul University.

Mi. 15.05.2019, 19:30 Uhr