50. Jubiläum: Am 13. Oktober 1971 liefen die ersten Filme des frisch gegründeten Mannheimer kommunalen Kinos. Das feiern wir, und zwar kräftig! Im gesamten Oktober läuft ein ausgesuchtes Jubiläums-Sonderprogramm mit großartigen Filmen, und manche von ihnen werden Sie wahrscheinlich nie mehr im Kino und vielleicht auch sonst nie wieder sehen.
Das Jubiläums-Sonderprogramm ist in fünf verschiedene Rubriken eingeteilt.

Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer aus der Geschichte von Cinema Quadrat zeigen Filme, die unbedingt (wieder einmal) ins Kino gehören.

Carte Blanche

Priscilla – Königin der Wüste

(The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert)
AUS 1994. R: Stephan Elliott. D: Terence Stamp, Hugo Weaving, Guy Pearce, Bill Hunter. 104 Min. EnglOmdtU. FSK: 16

Die drei Drag-Queens Ralph/Bernadette, Tick/Mitzi und Adam/Felicia erhalten ein Engagement in Alice Springs im australischen Hinterland – also reisen sie in einem alten Schulbus, den sie „Priscilla“ taufen, von Sydney aus quer durch die Wüste… Autopannen, spießige Outback-Bewohner, neue Freunde, persönliche Konflikte sowie prachtvolle Perfomances zur Musik von ABBA, The Village People und Gloria Gaynor sorgen für Unterbrechungen: Das Roadmovie in schrillem Fummel sprüht vor Exzentrik und Dialogwitz.

Ausgewählt von Sabine Fischer, seit 2015 Geschäftsführerin des Cinema Quadrat.

So. 03.10.2021, 19:30 Uhr

Carte Blanche

Geschichte wird gemacht. Jetzt und immer wieder

Fotocollage

Elvira Richter und Michael Schwartzkopf erstellten diese Foto-Sound-Collage über alternatives Leben im Mannheim des Jahres 1977 für eine Ausstellung 2014.

Begleitet wird der historische Einblick, in dem die Wurzeln unserer Gegenwart liegen, von drei klassischen französischen Kurzfilmen.

Ausgewählt von Elvira Richter, Geschäftsführerin des Cinema Quadrat von 1979 bis 1984.

So. 10.10.2021, 19:30 Uhr

Carte Blanche

Plan 9 aus dem Weltall

(Plan 9 from Outer Space)
USA 1959. R: Edward D. Wood Jr. D: Bela Lugosi, Gregory Walcott, Mona McKinnon, Duke Moore, Tom Keene, Tor Johnon, Maila Nurmi, Criswell. 79 Min. EnglOmdtU. FSK: 12

Außerirdische sind besorgt, die Menschheit könnte mittels einer Solarbombe das gesamte Weltall vernichten. Zur Warnung wollen sie mit ihren außerirdischen Strahlen Tote zum Leben erwecken. Das Raumschiff landet auf dem Friedhof und lässt drei Verstorbene wiederauferstehen. Es kommt zu viel Hin und Her zwischen den Grabsteinen.

Der schlechteste Film aller Zeiten? Auf jeden Fall einer der interessantesten unter den vielen schlechtesten Filmen, die die Filmgeschichte hervorgestoßen hat: Der Film gilt als Trashklassiker, Ed Wood wurde zum Kultregisseur: unter anderem wegen der sichtbaren Drähte an den Ufo-Modellen, der wackelnden Grabsteine, der generell miesen Schauspiel-„Leistungen“ und nicht zuletzt wegen des schlechten Doubles von Bela Lugosi. Der legendäre Dracula-Darsteller war schon vor (!) den Dreharbeiten verstorben, die Aufnahmen von ihm haben nichts mit dem Film zu tun, in dem sie auftauchen…

Ausgewählt von Arthur Böppler, Geschäftsführer des Cinema Quadrat von 1990 bis 1994.

So. 17.10.2021, 19:30 Uhr

Bab’Aziz – Der Tanz des Windes

(Bab’Aziz)
DEU/FRA/GBR/IRN/CHE/TUN/HUN 2005. R: Nacer Khemir. D: Parviz Shahinkhou, Maryam Hamid, Hossein Panahi, Nessim Khaloul. 97 Min. PersischOmdtU. FSK: 0

Ishtar, ein lebensfrohes Mädchen, und ihr Großvater Bab'Aziz, ein blinder Derwisch, durchwandern ein Meer aus Sand. Ihr Ziel ist das große Derwisch-Treffen, das alle 30 Jahre stattfindet, dessen Ort sich aber nur jenen offenbart, die mit dem Herzen der unermesslichen Stille der Wüste zu lauschen vermögen. Unterwegs begegnen sie anderen: Osman, der sich nach den schönen Mädchen verzehrt, die er am Grunde eines Brunnens gefunden hat; Zaid, der mit seinem Gesang eine hinreißende Frau verführt und wieder verloren hat; dem Prinzen, der sein Reich aufgibt, um Derwisch zu werden – es sind Geschichten, die weitere Geschichten gebären, uralte spirituelle Märchen, die an die junge Ishtar weitergereicht werden.

Der vielfach ausgezeichnete tunesische Regisseur Nacer Khemir erzählt mit traumhaft schönen Bildern und zauberhaftem Soundtrack.

Ausgewählt von Helgard Gammert, Geschäftsführerin des Cinema Quadrat von 1972 bis 1978.

So. 24.10.2021, 19:30 Uhr

Der Spiegel

Carte Blanche

Der Spiegel

(Zerkalo)
RUS 1975. R: Andrei Tarkowski. D: Margarita Terechowa, Ignat Danilzew, Anatoli Solonizyn, Alla Demidowa, Nikolai Grinko. 102 Minuten. RussOmdtU. FSK: 12

Der Film widersetzt sich einer Handlungs-Erzählung; der Zusammenhang seiner Handlungssplitter ergibt sich aus der Gefühls und Gedankenwelt seines Protagonisten Alexei. Tarkowski konzipierte DER SPIEGEL nach dem Konzept des lyrischen Ichs mit autobiografischen Zügen, um das Innere eines Charakters, der selbst außerhalb des Bildes bleibt, sichtbar zu machen: einerseits die Ehegeschichte von Alexei, andererseits seine Kindheit und die Beziehung zur Mutter sind miteinander verflochten. Zeitebenen, Zeitstrukturen, historische Epochen verschwimmen vor dem Auge. Erinnerung wird Gegenwart, Gegenwärtiges wird Vergangenes.

DER SPIEGEL passt in keine filmische Kategorie und stieß damals bei Publikum und Kritik auf Ablehnung – als Experimentalfilm in assoziativer Logik, in dem Tarkowski seine eigene Innenwelt in Form eines poetischen Kinos verarbeitet, gilt er einem heutigen Publikum als faszinierender Solitär der Filmkunst.

Ausgewählt von Susanne Kaeppele, Geschäftsführerin des Cinema Quadrat von 1985 bis 1990.

So. 31.10.2021, 19:30 Uhr