Das wichtigste Filmfestival findet jedes Jahr im Mai in Cannes statt, und der Hauptpreis, die Goldene Palme, ist die wichtigste künstlerische Filmauszeichnung. Wir blicken zurück und zeigen Höhepunkte der Festival- wie auch der Filmgeschichte.

AAnatomie eines Falles

Anatomie eines Falles

(Anatomie d'une chute)
FRA 2023. R: Justine Triet. D: Sandra Hüller, Swann Artaud, Milo Machado Graner, Antoine Reinartz. 151 Min. FrzOmdtU. FSK: 12

Sandra, deutsche Schriftstellerin, lebt mit ihrem französischen Mann Samuel und ihrem Sohn Daniel abgelegen in einem Chalet in den französischen Alpen. Dann wird Samuel tot aufgefunden. Unfall? Selbstmord? Mord? Der Polizei erscheinen die Umstände verdächtig, Sandra wird verhört und angeklagt, es beginnt ein aufreibender Indizienprozess. Strafverfolgung und Justiz bohren in das private, widersprüchliche, komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den Eheleuten – Sandra Hüller arbeitet nuanciert alle Facetten ihrer Figur heraus. Erst zum dritten Mal erhielt ein von einer Frau inszenierter Film die Goldene Palme.

Do. 02.05.2024, 19:30 Uhr

4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage

4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage

(4 luni, 3 saptamâni si 2 zile)
ROU 2007. R: Cristian Mongiu. D: Anamaria Marinca, Laura Casiliu, Vlad Ivanov. 113 Min. RumänischOmdtU. FSK: 16

Rumänien in den 1980er Jahren. Die Überwachung und Unterdrückung des Privatlebens dringt in die privatesten Bereiche. Zwei Studentinnen haben abends eine Verabredung in einem Hotel: Herr Bebe wird an Găbița eine strengstens verbotene und mit hohem Strafmaß bedrohte Abtreibung vornehmen…

Mit formal nüchternem Stil entwickelt Cristian Mongiu eine außerordentliche Spannung; in seiner Erzählung einer einzelnen Begebenheit schwingt das ganze kleinbürgerlich-chauvinistisch-heuchlerisch-brutale Klima der Ceaușescu-Diktatur mit. Da es 2007 in Rumänien nur 37 Kinos gab, fuhr der Regisseur mit mobilem Projektor durchs Land, um seinen Film zu zeigen. Der preisgekrönte Film erfuhr bei uns im Cinema Quadrat seine Mannheimpremiere.

So. 12.05.2024, 19:30 Uhr

Dancer in the Dark

Dancer in the Dark

DNK/DEU/NLD 2000. R: Lars von Trier. D: Björk, Catherine Deneuve, David Morse, Peter Stormare. 140 Min. EnglOmdtU. FSK: 12

Amerika in den 1960ern. Die tschechische Einwanderin Selma erblindet, ebenso wie ihr Sohn: eine Erbkrankheit. Um die Augen-OP für ihren Sohn bezahlen zu können, arbeitet sie Tag und Nacht in einer Metallfabrik; ihre innere Zuflucht: sie träumt sich in die Musicalwelt, wo nie etwas Schreckliches passiert. Dann stiehlt Polizist Bill ihr Erspartes; er braucht es für seine Ehefrau. Es kommt zum Streit, ein Schuss löst sich, Selma wird des Mordes angeklagt…

Immer wieder stellt Lars von Trier tragische Frauen in den Mittelpunkt seiner Filme – hier Sängerin Björk in einem Melodram, das geschickt mit dem Musical-Eskapismus verbunden wird. Kompromisslos, berührend, ein Regisseur in Hochform: Der Film bekam in Cannes nicht nur den Hauptpreis, auch wurde Björk als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Mo. 20.05.2024, 19:30 Uhr

Sex, Lügen und Video

Sex, Lügen und Video

(Sex, Lies and Vido Tapes)
USA 1989. R: Steven Soderbergh. D: James Spader, Andie MacDowell, Peter Gallagher, Laura San Giacomo. 101 Min. EnglOmdtU. FSK: 16

Ann hilft dem schüchternen Graham, eine Wohnung zu finden, und erfährt empört, dass dieser (sexuelle) Erzählungen von Frauen auf Video aufnimmt. Als sie aber von der Untreue ihres Mannes erfährt, der sie mit ihrer Schwester betrügt, beschließt sie, sich Grahams Kamera zu stellen. Und sie richtet deren Blick auch auf Graham… Steven Soderberghs Erstling – wohl sein bester Film überhaupt – erzählt von Unzufriedenheiten und Unsicherheiten im Leben, von Beziehungen, die in die Brüche gehen, und von Selbstbildern, die zurechtgerückt werden. Er stieß damit den Boom des US-Independent-Films der 1990er Jahre an – und Cannes erwies sich mit dem Hauptpreis nicht nur ungewohnterweise als Entdecker eines Regietalents, sondern auch eines neues Kinotrends.

So. 26.05.2024, 19:30 Uhr

Rom, offene Stadt

Rom, offene Stadt

(Roma, città aperta)
ITA 1945. R: Roberto Rossellini. D: Aldo Fabrizi, Anna Magnani, Marcello Pagliero. 98 Min. 35mm-Projektion. DF. FSK: 12

1943: Rom, zur Offenen Stadt erklärt, wird von den Deutschen besetzt. Im Widerstand gegen die Besatzer haben sich Kommunisten, Monarchisten, Kirche, selbst Faschisten verbündet – so kämpfen etwa der Ingenieur Giorgio und der Priester Don Pietro gegen den Feind. Giorgios ehemalige Geliebte Marina aber, geblendet von Drogen, Luxus und Lebensstil, verrät Widerstandskämpfer an die Deutschen. Auch Giorgio und Don Pietro werden verhaftet.

Roberto Rossellini schuf mit diesem Klassiker eines der Hauptwerke des italienischen Neorealismus. Basierend auf Tatsachen, gefilmt in sachlichem Stil, verbindet er verschiedene Episoden miteinander, um das Gesamtbild seiner Zeit zu zeichnen. Beim ersten Filmfestival von Cannes 1946 erhielt der Film den Hauptpreis, damals „Grand Prix“ genannt.

Do. 30.05.2024, 19:30 Uhr