50. Jubiläum: Am 13. Oktober 1971 liefen die ersten Filme des frisch gegründeten Mannheimer kommunalen Kinos. Das feiern wir, und zwar kräftig! Im gesamten Oktober läuft ein ausgesuchtes Jubiläums-Sonderprogramm mit großartigen Filmen, und manche von ihnen werden Sie wahrscheinlich nie mehr im Kino und vielleicht auch sonst nie wieder sehen.
Das Jubiläums-Sonderprogramm ist in fünf verschiedene Rubriken eingeteilt.

Mit je zwei ausgewählten Filmen aus jedem Jahrzehnt – von denen einer seine Mannheimer Erstaufführung im Cinema Quadrat hatte – feiern wir große Kinoerlebnisse.

the Lobster

Aus den 5 Jahrzehnten

The Lobster

GRC/GBR/NLD 2015 R: Giorgos Lanthimos. D: Colin Farrell, Rachel Weisz, Ben Wishaw, Léa Seydoux, John C. Reilly. 114 Min. EnglOmdtU. FSK: 16

Paarbeziehung ist Pflicht: Singles erhalten in einem Verkupplungs-Luxusresort eine 45-Tages-Frist, sich zu verlieben, andernfalls werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt. David, von seiner Frau verlassen, wählt den Hummer als Transformationsziel, widersetzt sich jedoch mehr und mehr der Verpartnerungspflicht und flieht in den Wald, wo sich rebellische Singles dem Liebeszwang radikal widersetzen.

Giorgios Lanthimos – einer der besten zeitgenössischen europäischen Regisseure – etabliert in seiner hochoriginellen, in Cannes ausgezeichneten Parabel eine bizarre Gesellschaftsordnung, um in der Tradition des surrealistischen Kinos von gesellschaftlichem Druck, Gegendruck und Überdruck zu erzählen.

Sa. 02.10.2021, 19:30 Uhr

I'm a Cyborg, But That´s OK

Aus den 5 Jahrzehnten

I'm a Cyborg, But That's OK

(Ssa-i-bo-geu-ji-man-gwen-chan-a)

KOR 2006. R: Park Chan-wook. D: Lim Su-jeong, Rain, Choi Hie-jin, Oh Dal-su. 105 Min. KorOmdtU. FSK: 12

Young-goon wird in die Psychiatrie eingewiesen: Sie hält sich für einen Cyborg, verweigert die Nahrungsaufnahme und will sich an der Steckdose aufladen. Ihr zur Seite steht Il-sun, der sich maskiert und anderen ihre Charakterzüge stehlen will. Young-goon bittet ihn, ihr das Mitgefühl zu stehlen, um ihre Großmutter zu rächen, die ebenfalls im Irrenhaus gelandet ist… Park Chan-wook spiegelt die Innensicht seiner Protagonisten in einem schrill-bunt-überbordenden Bilderkosmos, dem er so originelle wie poetische Momente entlockt – eine verspielt-originelle Auseinandersetzung um Individuen, gefangen in gesellschaftlichen Zwangssystemen.

Do. 07.10.2021, 21:30 Uhr

Mulholland Drive

Aus den 5 Jahrzehnten

Mulholland Drive

USA 2001. R: David Lynch. D: Naomi Watts, Laura Harring, Robert Forster, Justin Theroux. 141 Min. OmdtU. FSK: 16

Ein Gangster, ein Unfall und eine Frau mit Gedächtnisverlust. Eine Jungschauspielerin, die in Hollywood zum Star werden will. Auftragskiller und Mafia. Ein überrealer „Cowboy“, der einem Regisseur die weibliche Hauptrolle vorschreibt. Zwei Frauen und die wahre Liebe. Ein merkwürdiges Cabaret, in dem nichts echt ist. Figuren mit mehreren Namen und mehreren Identitäten, ein blaues Kästchen, das in verschiedenen Parallelwelten auftaucht.

MULHOLLAND DRIVE ist der Mysterienfilm par excellence, ein virtuoses Spiel mit Filmgenres und Hollywoodmythen, ein betörendes und verstörendes Phantasiegebilde der Träume und Alpträume, faszinierend und unvergesslich – Regiepreis in Cannes und laut BBC der beste Film dieses Millenniums.

Di. 12.10.2021, 19:30 Uhr

Aus den 5 Jahrzehnten

Nénette & Boni

(Nénette et Boni)
FRA 1996. R: Claire Denis. D: Grégoire Colin, Alice Houri, Jacques Nolot, Valeria Bruni Tedeschi, Vincent Gallo. 103 Min. FrzOmdtU. FSK: 16

Die Geschwister Nénette und Boni wachsen nach der Scheidung ihrer Eltern getrennt auf. Als 19jähriger Fabrikarbeiter trifft Boni in Marseilles seine 15jährige Schwester wieder: Sie ist aus dem Internat geflohen – und schwanger. Die Schwangerschaft von Nénette eröffnet bei dem älteren Bruder, der sich bisher sein lebhaftes Liebesleben lediglich herbeifantasiert hat, eine neue Welt und ruft Gefühle für Geborgenheit und Liebe in ihm hervor.

Claire Denis’ Film über ein Geschwisterpaar und dessen Vergangenheit ist ein sinnlicher Streifzug durch Marseille. Untermalt von der eindringlichen Musik der Tindersticks entwickelt das Drama neben all der aufrüttelnden Tragik eine intensive Zartheit und tröstliche Sanftheit. Der Film wurde in Locarno 1996 mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet.

Die Regisseurin Claire Denis ist Thema des 19. Mannheimer Filmseminars, das vom 14. bis 16. Januar 2022 stattfindet.

Mo. 18.10.2021, 19:30 Uhr

Pulp Fiction

Aus den 5 Jahrzehnten

Pulp Fiction

USA 1994. R. Quentin Tarantino. D: John Travolta, Samuel L. Jackson, Uma Thurman, Bruce Willis, Harvey Keitel. 154 Min. EnglOmdtU. FSK: 16

Zwei Killer, die ihren Job erledigen müssen, ein Boxer, der einen Kampf verschieben soll, ein Gangster, der für die Abendunterhaltung der Frau seines Bosses abgestellt wird: Es sind drei „Pulp“-Stories, Geschichten der Trivialliteratur, die Quentin Tarantino in einer Weise erzählt, wie es sie bis dahin im Kino noch nicht gegeben hat. Chronologisch durchgeschüttelt, popkulturgetränkt, brutal und komisch: PULP FICTION ist ein Kultfilm, der zum Klassiker wurde. Der das amerikanische Independent-Kino auf eine neue Stufe stellte. Der eine ganze Welle von Epigonen nach sich zog. Und der aus Quentin Tarantino einen der größten Regie-Stars der Gegenwart machte. Wer diese Gangstergroteske kennt, wird sie mit Freuden auf der Leinwand noch einmal sehen wollen – im Original mit Untertiteln! –, wem der Film bisher nicht untergekommen ist, der muss ihn ohnehin nachholen.

Mi. 20.10.2021, 19:30 Uhr

Aus den 5 Jahrzehnten

Blade Runner Final Cut

Los Angeles 2019: Die Stadt ist schmutzig, überbevölkert, ein Moloch. Sogenannte „Replikanten“, von Menschen äußerlich nicht zu unterscheidende Androiden, sollen deshalb ferne Planeten für ein besseres Leben erschließen. Doch eine Gruppe dieser Wesen übt den Aufstand gegen ihre menschlichen Schöpfer, die ihnen nur eine begrenzte Lebenszeit zugestehen. Spezielle Replikantenjäger – Blade Runner – werden auf die rebellischen Roboter angesetzt, Ex-Polizisten wie Rick Deckard – der er sich in eine Replikantin verliebt.

Ein großer Science-Fiction-Film, eine große Dystopie, ein gewaltiges Kinoerlebnis: Ridley Scotts Meisterwerk nach Philip K. Dick ist Blockbuster und philosophische Reflexion des Menschseins zugleich. Wir zeigen mit dem „Final Cut“ die 2007 veröffentlichte, nach den Vorstellungen Ridley Scotts gestaltete endgültige Fassung.

Fr. 22.10.2021, 21:30 Uhr

Aus den 5 Jahrzehnten

Stalker

RUS 1979. R: Andrei Tarkowski. D: Alexander Kajdanowski, Alissa Frejndlich, Natasha Abramowa, Anatoli Solonizyn, Nikolai Grinko. 154 Min. RussOmdtU. FSK: 12

STALKER gilt als Klassiker des russischen Kinos und des Science-Fiction-Genres. Unter der Führung des Stalkers, eines ortskundigen Kundschafters, der am Rande einer verfallenen, wasserdurchzogenen und zerstörten Industrielandschaft lebt, begeben sich ein Wissenschaftler und ein Schriftsteller in die mysteriöse, abgesperrte „Zone“. Auf dem gottverlassenen Terrain soll es angeblich einen Platz geben, an dem die geheimsten Wünsche der Menschen in Erfüllung gehen. Die Expedition wird zur Reise in die Innenwelt der Protagonisten und gibt einen Ausblick auf eine gescheiterte Zivilisation.

Der visionäre Film löste bei seiner Premiere in Bezug auf die dystopische Grundstimmung und seine ästhetische Radikalität nachhaltige Erschütterungen aus: Genreelemente lösen sich im Phantastisch-Apokalyptischen und im Metaphysischen auf.

Mo. 25.10.2021, 19:30 Uhr

Dieses obskure Objekt der Begierde

Aus den ersten 5 Jahrzehnten

Dieses obskure Objekt der Begierde

(Cet obscur objet du désir)
FRA/ESP 1977. R: Luis Buñuel. D: Fernando Rey, Carole Bouquet, Ángela Molina, Julien Bertheau. 103 Min. Frz-spanOmdtU. FSK: 12

Der gut situierte bürgerliche Geschäftsmann Mathieu ist besessen vom jungen Hausmädchen Conchita: Seit er sie bei sich angestellt hat und noch lange, nachdem sie gekündigt hat, stellt er ihr nach. Sie lässt seine Annäherungsversuche zu – und stößt ihn dann wieder ab. Er hechelt hinter ihr her, sie spielt mit ihm. Er begehrt sie, sie lässt sich begehren – und verweigert die Erfüllung, die Mathieu so obsessiv liebestoll sucht.

Der letzte Film von Luis Buñuel gilt als einer seiner besten: Ironisch faltet er Männlichkeit und Bourgeoisie zusammen bei dieser Jagd nach einem erotischen Trugbild. Der geniale Clou dabei: Buñuel lässt Conchita von zwei Schauspielerinnen darstellen, zwischen sinnlicher Verführerin und kühler Intellektueller.

Do. 28.10.2021, 19:30 Uhr