Vom 19. bis 25. April 2018 findet im Cinema Quadrat die AGENDA 21-KINOWOCHE statt. Unter dem Motto „Aufbrechen!“ laufen in dem sorgfältig kuratierten Programm gesellschaftlich, politisch und sozial relevante Filme, in denen vom Aufbrechen zu Neuem und vom Aufbrechen des Alten erzählt wird. Denkweisen werden zerbrochen, wenn eine interreligiöse Liebe erblüht, wenn lsbttiq-Geflüchtete für ihre Identität einstehen, wenn AIDS-Aktivisten auf die Krankheit aufmerksam machen oder in der Schweiz der 1970er für Frauenrechte gekämpft wird. In die Zukunft weisen gesellschaftliche Themen wie die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen, die Bemühungen um das Eingliedern von Geflüchteten oder das Nachdenken über unsere Essgewohnheiten.

Damit die Zuschauer*innen mit ihren Eindrücken nicht alleine bleiben, finden im Anschluss an die Vorführungen Filmgespräche statt, in deren Rahmen die Themen des Films mit kompetenten Gesprächspartnern gemeinsam diskutiert werden können.

Wie in jedem Jahr werden einige der Filme auch in vormittäglichen Schulvorstellungen um 9:00 Uhr laufen. Informationen hierzu finden Sie unter www.cinema-quadrat.de/schulkino/agenda-21-kinowoche/

Grußwort des Oberbürgermeisters Dr. Peter Kurz:

Liebe Kinofreundinnen und Kinofreunde,

 Kriege, Umweltkatastrophen, Flucht und Hunger prägen weite Teile der Erde. Die Welt scheint aus den Fugen geraten und für viele undurchschaubar, die „Globalisierung“ schreitet mit Riesenschritten voran und greift immer mehr in unser alltägliches Leben ein. Viele Menschen sehen in dieser Entwicklung Risiken und Gefahren und sind verunsichert. Sie suchen nach einfachen Antworten und verlieren sich dabei in einer Spirale aus Angst und Wut auf „die da oben“.

Immer mehr Akteure in Politik und Medien greifen diese Ängste auf und konkurrieren leider auch machtvoll und verantwortungslos um Rezepte zu mehr Populismus und Nationalismus. Es gibt aber keine einfachen Antworten.

Die Veranstalter der Agenda 21-Kinowoche sind sich ihrer Verantwortung bewusst, die globalen Herausforderungen anzunehmen und zu reflektieren. Deshalb lädt die Reihe wie jedes Jahr mit einer besonderen Auswahl von Filmen ein, sich mit politischen und sozialen Themen auseinanderzusetzen.

Das diesjährige Motto der Agenda 21-Kinoreihe heißt „Aufbrechen!“ – zum Beispiel Vorurteile aufbrechen, Schweigen aufbrechen, aufbrechen zu einem neuen Leben.

Sowohl bei den Vorstellungen für Schulklassen am Vormittag als auch im Anschluss an die Abendvorführungen besteht die Möglichkeit, mit qualifizierten Diskussionspartner*innen ins Gespräch zu kommen. Denn Ziel der Reihe ist es, Besucher* innen zu ermutigen, sich für Gerechtigkeit, Respekt und eine nachhaltige Entwicklung weltweit einzusetzen.

Vor mehr als zehn Jahren entstand die Reihe im Rahmen der lokalen Agenda 21 in Mannheim. Dieses Aktionsprogramm wurde 1992 in Rio durch die UN beschlossen und war ein Meilenstein auf dem Weg zu den aktuellen Zielsetzungen nachhaltiger Entwicklung. Das Filmprogramm trägt stets den unterschiedlichen Dimensionen von Nachhaltigkeit Rechnung. In diesem Jahr thematisiert das Programm den Aufbruch aus vorurteilsbeladenen, beengten oder gar quälenden und unmenschlichen Verhältnissen.

Sehr herzlich lade ich Sie dazu ein, die Agenda 21-Kinowoche zu erleben und die Möglichkeit zu nutzen, neue Perspektiven zu gewinnen.

Ihr Dr. Peter Kurz
Oberbürgermeister

Schulvorstellungen:

Siehe Agenda 21-Kinowoche unter Schulkino

Veranstaltungsort:

Cinema Quadrat im Collini-Center
Collini-Straße 1
68161 Mannheim

Veranstalter:

Die Agenda-Kinowoche ist eine Veranstaltung von

Stadt Mannheim,
Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Mannheim Fachbereich Rat, Beteiligung und Wahlen
Cinema Quadrat e. V.,
Eine-Welt-Forum Mannheim e.V.,
Jugendkulturzentrum FORUM,
KOSI.MA – Kompetenzzentrum zu sexuell übertragbaren Infektionen Mannheim,
Kulturamt der Stadt Mannheim,
KulturQuerQuerKultur Rhein-Neckar e.V.,
PLUS – Psychologische Lesben- und Schwulenberatung Rhein-Neckar e.V.

Fremde Tochter

Aufbrechen, um zusammen zu leben

Fremde Tochter

 DEU 2017. R: Stephan Lacant. D: Elisa Schlott, Hassan Akkouch, Heike Makatsch. 106 Min. FSK: k. A.

Lena, 17 Jahre, lebt im Plattenbau. Ihre Mutter hat gekündigt, weil der Chef sie angemacht hat. Lena muss als Putzfrau arbeiten. Dabei lernt sie Farid kennen – ein Moslem. Und plötzlich ist sie verliebt. Doch diese junge Liebe steht unter keinem guten Stern: Zum Islam hat Lena eine klare Haltung, nämlich Ablehnung – in ihrem Milieu sind Moslems grundsätzlich als Terroristen verschrien. Und für Farids Familie steht eine ernsthafte Beziehung zu einer Nicht-Muslima ganz außer Frage. Lena und Farid: Zwei Königskinder zwischen den Welten, gefangen zwischen Traditionen, Glauben, Widersprüchen und Vorurteilen.

FREMDE TOCHTER wurde in Mannheim gedreht – die Gegend um den Herzogenriedpark ist deutlich erkennbar. Doch Stephan Lacant setzt nicht auf Lokalkolorit, sondern erzählt eine universelle Geschichte von Vorurteilen und Verliebtheit. Sehr genau porträtiert er die unterschiedlichen sozialen, kulturellen und religiösen Milieus, schildert das Ringen von Teenagern um einen Sinn im Leben, zeigt in einer reizvollen Mischung aus Sozialrealismus und Märchenhaftigkeit die Traditionen und Zwänge wie auch die Möglichkeiten, Grenzen zu durchbrechen. Das gilt in Mannheim wie überall auf der Welt.

Diskussionspartnerin:
Nazan Kapan, Stadträtin

Eröffnung der Agenda 21-Kinwoche durch Nazan Kapan als Vertreterin der Stadt Mannheim

Zur Eröffnung bekommt jede*r Besucher*in ein Glas Sekt!

Do. 19.04.2018, 09:00 Uhr (exklusiv für Schulklassen)
Do. 19.04.2018, 19:30 Uhr

Free Lunch Society – Komm Komm Grundeinkommen

Aufbruch zu einer neuen Ordnung

Free Lunch Society: Komm Komm Grundeinkommen

AUT/DEU 2016. R: Christian Tod. Dokumentarfilm. 94 Min. FSK: 0

Globalisierung, Automatisierung, Donald Trump. Die Mittelschicht zerbricht. Man spricht zwar über die Ursachen, aber nicht über Lösungen. Zeit für ein komplettes Umdenken: Das bedingungslose Grundeinkommen bedeutet Geld für alle als Menschenrecht ohne Gegenleistung! Visionäres Reformprojekt, neoliberale Axt an der Wurzel des Sozialstaates oder sozialromantische linke Utopie? Je nach Art und Umfang zeigt das Grundeinkommen sehr verschiedene ideologische Gesichter. Entscheidend ist das eigene Menschenbild, welche Seite der Medaille man sieht: Inaktivität als süßes Gift, das die Menschen zur Faulheit verführt, oder Freiheit von materiellen Zwängen als Chance, für sich selbst und für die Gemeinschaft. Brauchen wir tatsächlich die Peitsche der Existenzangst, um nicht träge vor dem Fernseher zu verkommen? Gibt die Erwerbsarbeit nur deshalb unserem Leben Sinn und sozialen Halt, weil wir es seit Jahrhunderten nicht anders kennen und weil wir nie die Freiheit hatten, uns anders zu verwirklichen?

Christian Tod spricht mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über die Gründe für das Zerbrechen der Mittelschicht und mögliche Lösungsansätze – eben auch das Grundeinkommen, dessen Idee er rund um den Globus nachspürt.

Diskussionspartnerin:
Lara-Leonie Nonhoff, Team Global

Fr. 20.04.2018. 09:00 Uhr (exklusiv für Schulklassen)
Fr. 20.04.2018, 19:30 Uhr

Homøe – Auf der Suche nach Geborgenheit

Diskriminierung aufbrechen: Die Situation von lsbttiq-Geflüchteten in Deutschland

Homøe – Auf der Suche nach Geborgenheit

DEU 2017. R: Bin Chen. Dokumentarfilm. 57 Min. OmdtU.

Der Film gibt einen interessanten Einblick in die Situation und das tägliche Leben von lsbttiq-Geflüchteten nach ihrer Ankunft in Deutschland. So startet der schwule Javid aus Aserbaidschan im Westen Deutschlands eine Kampagne für lsbttiq-Rechte, nachdem er einen Suizidversuch in der Flüchtlingsunterkunft überlebt hat. Gleichzeitig zieht Boris aus Russland im Süden in die erste deutsche Unterkunft für lsbttiq-Geflüchtete, aber er leidet wegen des komplizierten Asylverfahrens an Depressionen. Und im Norden ermutigt die sich als trans* identifizierende Melissa aus Syrien andere Ayslbewerber*innen auf ihre eigene, künstlerische Weise.

Die Doku ist ein Abschlussfilm des Master-Studiengang Fernsehjournalismus an der Hochschule Hannover.

Vorfilm:
Das Phallometer
DEU 2013. R. Tor Iben. D: Firat Erol, Annette Frier, Klaus J. Behrendt, Harry Baer. 7 Min. OmdtU.
Eine Erektion für die Bewilligung eines Asylantrags? Was wie ein schlechter Witz klingt, war bis vor kurzem ein gängiges Verfahren zur Regulierung der Zuwanderung in die Europäische Union. Ein iranischer Geflüchteter, der angibt, homosexuell und daher in seinem Heimatland bedroht zu sein, wird einem absurden Einreiseverfahren unterzogen – dem sogenannten "phallometrischen Test". Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten.

Diskussionspartner*innen:
Javid Nabiyev, LSBTTIQ Menschenrechtsverteidiger aus Aserbaidschan und Protagonist in HOMØE
Cara Schwab, Projektleiterin HOPE (Help and Participation for lgbttiq Refugees), PLUS e.V.

 Sa. 21.04.2018, 19:30 Uhr

120 BPM

Tabus aufbrechen

120 BPM

(120 battements par minute)

FRA 2017. R: Robin Campillo. D: Nahuel Pérez Biscayart, Arnaud Valois, Adèle Haenel, Antoine Reinartz. 143 Min. OmdtU. FSK: 16

 Paris in den 1990er Jahren: Die Aktivistengruppe von Act Up fordert nun auch in Frankreich mehr Forschung, Aufklärung und Betreuung rund um HIV und AIDS. Allen voran der radikale Sean Dalmazo, der gemeinsam mit dem Anführer Thibault, der ehrgeizigen Sophie und Nathan, der neu in der Gruppe ist, Klassenzimmer für Aufklärungskampagnen kapert und mit Kunstblut gefüllte Wasserbomben gegen die Wände von Forschungseinrichtungen wirft. Bald entwickelt sich zwischen dem bereits an AIDS erkrankten Sean und Nathan eine Liebesbeziehung.

Act Up wurde 1987 in New York als Interessenverband gegründet, der das Ziel verfolgt, durch neue öffentlichkeitswirksame Aktionen mehr Dynamik und Politisierung in die Thematisierung von AIDS zu bringen und mit Lobby-Arbeit politischen Druck auszuüben.

Diskussionspartner*innen:
Lisa Schlode, Sozialarbeiterin bei KOSI.MA
Tobias Quell, Ehrenamtlicher bei KOSI.MA

 So. 22.04.2018, 19:30 Uhr

Die göttliche Ordnung

Aufbrechen und Ankommen in Deutschland

Alles gut

DEU 2016. R: Pia Lenz. Dokumentarfilm. 99 Min. FSK: 0

Djaner findet Deutschland toll, weil er hier nicht mehr verprügelt wird wie in seiner Heimat Mazedonien und endlich wie die anderen Kinder in die Schule gehen kann. Er, sein Bruder Mahmud und seine Mutter Alisa sind eine Familie der Roma und froh, dem Elend und der Diskriminierung entronnen zu sein.
In derselben Flüchtlingsunterkunft wie Djaner lebt der Familienvater Adel, der seine Familie aus Syrien nach langer Wartezeit hat nachholen können. Mit dabei ist seine elfjährige Tochter Ghofran, die Heimweh hat und ihre neue Umgebung erst vehement ablehnt. Während die Familie von Djaner einen Abschiebebescheid erhält, gibt es auch für die syrische Familie große Probleme, insbesondere bei der Wohnungssuche in Hamburg. Ghofran hat sich unterdessen mit den Sitten angefreundet und findet auch das Fahrradfahren für Mädchen nicht mehr frevelhaft.

Alles gut? Auch die Hilfsbereitschaft von Sozialarbeiter*innen kann gegen die institutionellen und gesetzlichen Hürden schwer ankommen.

Diskussionspartner*innen:
Jovica Arvanitelli, Landesverband der Sinti und Roma Baden Württemberg
Ali Ungan, Musiker und Mitbegründer der Orientalischen Musikakademie Mannheim (OMM)

Mo. 23.04.2018,9:00 Uhr (exklusiv für Schulklassen)
Mo. 23.04.2018, 19:30 Uhr

Die göttliche Ordnung

Liebe, Freundschaft, Körper grenzenlos?

Die göttliche Ordnung

CHE 2017. R: Petra Biondina Volpe. D: Marie Leuenberger, Maximilian Simonischek, Rachel Braunschweig, Sibylle Brunner. 96 Min. OmdtU. FSK: 6

Erst seit 1971 dürfen Frauen in der Schweiz wählen - und der Weg dorthin war beschwerlich. Den Frauen war über das Eherecht systematisch der Zugang zu vielen Bereichen des Lebens verwehrt und sie waren dem Ehemann als Familienoberhaupt unterstellt.
DIE GÖTTLICHE ORDNUNG beruht zwar im Wesentlichen auf historischen Ereignissen, jedoch kommt die filmische Umsetzung dieses langwierigen gesellschaftlichen Prozesses als leichte Komödie daher.

Die Protagonistin Nora ist eine junge Hausfrau und Mutter, die mit ihrem Mann, den zwei Söhnen und dem Schwiegervater in einem beschaulichen Dorf in der Schweiz lebt. Eigentlich möchte Nora nach der Erziehungsphase nur arbeiten gehen, benötigt dazu jedoch 1971 noch die Zustimmung ihres Ehemannes. Der jedoch verpflichtet sie, sich um den Haushalt zu kümmern – wie es ihm laut Gesetz zusteht. Nora sucht dagegen Verbündete und engagiert sich schließlich – auch gegen den Widerstand anderer Frauen – im Kampf für die Einführung des Wahlrechts, gegen eine verstaubte Sexualmoral und für die Gleichstellung von Frauen.

Diskussionspartnerin:
Ilona Scheidle, M.A., freie Historikerin

Di. 24.04.2018, 09:00 Uhr (exklusiv für Schulklassen)
Di. 24.04.2018, 19:30 Uhr

The End of Meat – Eine Welt ohne Fleisch

´(Ernährungs-)Gewohnheiten aufbrechen

The End of Meat – Eine Welt ohne Fleisch

DEU 2017. R: Marc Pierschel. Dokumentarfilm. 96 Min. FSK: 0

Hamburger, Bratwurst, Schnitzel, Steaks gehören für die meisten Menschen in Deutschland fest zum Speiseplan – rund 60 Kilogramm Fleisch verzehren wir durchschnittlich pro Jahr. Doch Berichte über das Leiden in Massentierhaltung, Fleischskandale sowie die globalen Auswirkungen unseres Fleischkonsums auf Klimawandel oder die Abholzung des Regenwaldes stellen unsere Essgewohnheiten zunehmend in Frage: Vegane Restaurants boomen und selbst große Fleischkonzerne bieten mittlerweile pflanzliche Alternativen.

In seiner Dokumentation setzt Filmemacher Marc Pierschel nicht auf Schockbilder aus der Massentierhaltung, sondern beschäftigt sich differenziert mit den Auswirkungen unseres Hungers nach Fleisch, zeigt Alternativen auf und spricht weltweit mit Expert*innen: Eine Welt von Veganer*innen? Oder Fleisch aus dem Labor? Wie sähe das Leben aus in einer Welt ohne Fleisch?

Diskussionspartnerin:
Katrin Wenz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Agrarpolitik beim BUND

Mi. 25.04.2018, 09:00 Uhr (exklusiv für Schulklassen)
Mi. 25.04.2018, 19:30 Uhr