Ein Trickfilm für Cinema Quadrat

Unsere Mitarbeiterin Monika Hamryszak hat uns zum Abschied einen tollen Trickfilm-Trailer hinterlassen, den wir schon im Kino gezeigt haben. Auch unseren Homepage-Besuchern wollen wir ihn nicht vorenthalten.

Monika Hamryszak hat im Jahr 2013/2014 ein Freiwilliges Kulturelles Jahr bei uns absolviert. Sie ist künstlerisch tätig und arbeitet vor allem als Fotografin. Hier geht es zu ihrer Facebook-Seite.

19.01.2016

Kulturelle Dusche

Am 12. Januar 2016 berichtete die Rheinpfalz über das 30. Mannheimer Filmsymposium.

 

Von Stefan Otto

Seit 30 Jahren bieten die Symposien im Mannheimer Cinema Quadrat die Gelegenheit, sich über mehrere Tage lang intensiv mit einem filmkundlichen Thema zu befassen. Er empfinde sie in jedemJahr aufsNeue als eine erfrischende „kulturelle Dusche“, formulierte Peter Bär, der die Veranstaltungen seit Beginn leitet. Die bequemen Sitze imKino im Collini- Center waren während der drei Tage, die das jüngste Symposium in Anspruch nahm, nahezu komplett belegt. Und in den Vorträgen, die zu hören, und den Filmen, die zu sehen waren, ging es gewissermaßen um diejenigen, die dort Platz genommen hatten. Das Kinopublikum selbst stand im Zentrum des Symposiums mit dem Titel „Zuschauer(t)räume“. Es setzte sich aus interessierten Kinogängern, Filmwissenschaftlern, Kritikern und Psychologen zusammen, die sich gemeinsam mit den vielschichtigen Beziehungen zwischen Filmen und ihren Betrachtern befassten.

Insgesamt sechs Vorträge, dazu Werkstattberichte zweier Filmdramaturgen lenkten den Blick auf die Wirkmechanismen und Vereinnahmungsstrategien filmischer Inszenierung und fragten zugleich nach den Sehgewohnheiten und der Bereitschaft des Publikums, den Lockrufen von der Leinwand zu folgen oder ihnen zuwiderstehen.

Es lockte die Kinopremiere des niederländischen Thrillers „App“ von 2013, der die seltene Gelegenheit bot, während der Vorstellung das Handy anzulassen. Dies wurde sogar empfohlen, denn die Zuschauer konnten sich zu diesem „ersten Second Screen Film“ (Werbezitat) tatsächlich eine App auf ihre Mobilgeräte laden, die mit dem Geschehen auf der Leinwand synchronisiert war. Zu sehen bekam man einige Zusatzinfos und erweiterte Szenen, die aber die Mühe wenig lohnten, neben der Leinwand auch das Display des eigenen Handys ständig im Auge zu behalten. Trotzdem freilich reichten damit die Tentakel des Spielfilms, der selbst voneiner bösen, infektiösen App erzählt, bis in die Hände der Zuschauer.

Nicht unähnlich im Woody-Allen- Klassiker „Mach’s noch einmal, Sam“, der ebenfalls gezeigt wurde. Hier holt sich der Filmkritiker und „Casablanca“- Vielseher Allan Felix Ratschläge von Humphrey Bogart persönlich, der gleichsam der Leinwand, auf der wir ihn zuerst gesehen haben, entstiegen zu sein scheint. Allan Felix hat seine Scheidung zu verkraften und damit den Verlust seiner geliebten Frau Nancy. Ohne auf den Film einzugehen, der erst nach seinem Vortrag lief, legte der Münchener Dramaturg Roland Zag dar, auf welche Weise dabei die Parteinahme des Publikums gelenkt werden kann, damit es sich mit dem Protagonisten identifiziert oder überhaupt interessiertmit der Filmerzählung mitgeht.

Die Interaktionen, die auf der Leinwand zu sehen seien, Woodys Bemühen, über den Verlust seiner Frau hinwegzukommen, oder seine hilflosen Versuche, eine neue Liebesbeziehung anzufangen, erzeugten beim Zuschauer mit zwingender Notwendigkeit bestimmte, vorhersehbare Reaktionen, so Zag. Jenseits aller individuellen, intellektuellen und kulturellen Unterschiede der Zuschauer weltweit seien diese Reaktionen von universellen sozialen Bedürfnissen bestimmt: dem Wunsch nach ausgleichender Gerechtigkeit sowie Fragen der Zugehörigkeit und der Loyalität. Wie erfolgreich ein Film sei, „Mach’s noch einmal, Sam“ oder jeder andere, hänge damit letztlich auch davon ab, wie sehr der emotionale Kern seiner Story auf diese Bedürfnisse eingehe.

Auch der österreichische Psychologe Hannes König setzte in seinem Vortrag „Aus Inhalt wird Struktur“ den emotionalen Anklang, den ein Film findet, in direkte Beziehung zu dessen Beliebtheit. Dabei sprach König, anders als Zag, der formalen Beschaffenheit des Films, dem Stil, mehr Bedeutung zu als dem erzählerischen Inhalt. Seine Beispiele: die Fantasy-Serie „Game of Thrones“ und Michel Gondrys schrillbunte Boris-Vian-Verfilmung „Der Schaum der Tage“, die so überladen ist, dass sie den Zuschauer geradezu orientierungslos werden lässt.

Einen Film zu sehen, von ihm buchstäblich gepackt zu werden, heiße, als Zuschauer zum Verführten zu werden, erklärte der Mainzer Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger in seinem Vortrag „Film als Verführung“. „Der gut gemachte Spielfilm will wie eine psychotische Halluzination, eine Vision erzeugen, in der innen und außen sich vermischen. Er will in den Zuschauer eintauchen, so wie dieser in ihn eintauchen soll“, erklärte in den 1970er Jahren der französische Medientheoretiker und Philosoph Jean Baudrillard, von dessen Schriften Stiglegger die Seduktionstheorie des Films ableitete, bevor er sie anhand von Nicolas Winding Refns Neo-Noir-Thriller„Drive“ erörterte.

Mit der Entwicklung des Ortes, an dem das Publikum zusammenkommt, um Filme zu sehen, befasste sich der Speyerer Filmkritiker Joachim Kurz in seinem anregenden Vortrag „Zukunft des Kinos oder: Das Kino ohne Zukunft?“ Der Tod der Lichtspielhäuser sei in den vergangenen zehn Jahren so häufig prognostiziert worden, dass sich dieses Orakel förmlich eingebrannt habe, so Kurz. Fotos von verlassenen und verfallenden Kinos, wie sie zum Beispiel in der Ausstellung „Filmtheater“ im Frankfurter Filmmuseum zu sehen waren, seien als Boten einer Entwicklung, die scheinbar unaufhaltsam sei, geradezu zu Ikonen der Vergänglichkeit geworden. Dabei sei die Institution Kino im Laufe ihrer Geschichte schon häufig totgesagt worden, beispielsweise als das Fernsehen ihr Konkurrenz zu machen begann oder die ersten Videorecorder Verbreitung fanden. Auch gegenwärtig sei das Kino keineswegs tot, vielmehr in einem Zustand der Auflösung begriffen. „Es hat, zumindest tendenziell, keinen Platz mehr – oder dieser Platz ist zunehmend bedroht, vielleicht auch überflüssig geworden. Es diffundiert und ist damit überall und nirgends mehr zu finden. Es wird ortlos, weil der Film selbst nicht mehr an die Materialität des Trägermaterials gebunden ist, sondern frei verteilt werden kann, aufgespaltet in Bits und Bytes, unkontrolliert kopierbar zu kleinen Dateien, die wir überall hin mitnehmen können“, erklärte Kurz. Mit dem Siegeszug des Internets sei das Kino als primärer Abspielort für Filme unter großen Druck geraten.

Seine Hoffnung auf eine „Rettung der Filmkunst“ setzte Joachim Kurz auf Kommunale Kinos wie das Cinema Quadrat. Sie sollten in Zukunft zu zentral gelegenen, fachkundig geführten, offenen Orten der Begegnungmit anspruchsvollen Filmen werden, mit Meisterwerken aus der Vergangenheit, mit Reihen, die Epochen, Genres, Länder und manchmal auch Seitenund Holzwege der Filmgeschichte präsentierten, so Kurz' Idealvorstellung. Freilich bräuchten sie dafür eine bessere finanzielle Ausstattung, für die wiederum eine Reform der Filmförderung nötig wäre. Nur so aber könnten sie sich zu einer Kinemathek als Lernort, als Raum der sozialen Begegnung, als Platz für den Austausch über Film und Ideen entwickeln. Im Zuschauerraum selbst wäre dieses Kino der Zukunft ganz still, ohne Störungen und Ablenkungen, und draußen im Foyer ein quirliger, lebendiger Ort des Beisammenseins.

Veranstaltungen wie die Mannheimer Filmsymposien lösen bereits heute aufs Beste die Ziele ein, die Kurz in seinemVortrag formulierte.

19.12.2015

Faszinierend vielschichtiges Vermächtnis

Am 07.12. berichtete der Mannheimer Morgen über die Vorführung der "Schwefel Oper" im Cinema Quadrat.

 

Von Martin Vögele

Es fühlt sich an, als wehte ein klammer, vom nahen Winter kündender Wind durch dieses Lied. Als streiche er in trauriger Zartheit über die getragenen Klavierakkorde, über die vereinzelten Vogelrufe und die markante, ruhige Erzählerstimme: „Und ich reiste und reiste weiter zum Tempel der Dämmerung“, dann folgt eine Stille, die bis tief ins Mark dringt. Es sind die letzten Worte, die auf der „Schwefel Oper“ erklingen, im Epilog „Die Teufelsbrücke“. Sie führen einem schmerzlich vor Augen, dass man ihrem Urheber im Leben nicht mehr begegnen wird: Norbert Schwefel ist vergangenen Juli im Alter von nur 54 Jahren verstorben.

„Die Schwefel Oper“ ist sein künstlerisches Vermächtnis, ein Werk, an dem der in Lampertheim geborene Musiker über Jahre bis fast zu seinem Tod gearbeitet hatte. Posthum ist die ursprünglich „Stahl- Oper“ betitelte Komposition fertig gestellt worden und nun in Gestalt einer aufwendig gestalteten Doppel- CD-Box erschienen.

Im Cinema Quadrat wird sie vorgestellt – bei einem „Hörabend“, wie Schwefels langjähriger Freund und Musikproduzent Peter Weinkötz erklärt. Begleitend werden filmische Schwarz-Weiß-Impressionen von Mannheim unbekannter Provenienz gezeigt (jemand habe sie „in den Briefkasten“ eingeworfen, so Weinkötz). Ein knappes Dutzend Stücke sind zu hören; insgesamt erstreckt sich die Oper über zweieinhalb Stunden und 26 Titel, die der Multiinstrumentalist und Sänger Schwefel mit den Musikern Heike Schlägel, Leroy Hartmann, Christian Marley, Markus Born, Alexandar Stojkovic, Lilly Pfeiffer und seiner Tochter Lilli-Lou Trott einspielte.

Thematisch sei es gleichsam eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte, beginnend mit dem Weltkriegs- zerstörten Mannheim – „Ruinen“ heißt auch das erste Stück des zweiaktigen Opus’. Zugleich werde die Historie auch mit der persönlichen Geschichte Schwefels verwoben. „Es gibt Stücke, die autobiografisch sind und sein Denken und sein Fühlen wiedergeben“, so Weinkötz. Wir erleben im Folgenden eine Stunde, die noch einmal eindrücklich belegt, wie aufregend und faszinierend vielschichtig Schwefels Schaffen gewesen ist: „Ruinen“ ist ein Instrumental- Stück, in dem Stahl- und kühle Industrie-Geräusche auf gleißende Keyboard-Strahlen, ein wunderbar freigeistig-jazziges Saxofon und hypnotische Rhythmus-Oszillationen treffen. Auch im Song „The Opera“ begegnet uns treibend pulsierende Elektronik und Schwefels unverwechselbarer Gesang, der von der Chor-Süße weiblicher Stimmen kontrastiert wird – um dann in einen tänzelnden Sixties-Sound überzugehen. „In der Liebe“ ist ein berührend gefühlvolles Stück – das unwillkürlich an den großen Rio Reiser denken lässt. Und in „Veitstanz“ setzt sich Schwefel in avantgardistischer Grandezza mit der Finanz- und Wirtschaftskrise auseinander.

Bühnenproduktion soll folgen

Die Oper solle auch auf die Bühne gebracht, eine „Crowdfunding“-Aktion gestartet werden, um dies zu realisieren, so Weinkötz. Er glaube, ab März gebe es Konkreteres und regt die Besucher im voll besetzten Saal an, dann die sulphursonic.de- Webseite aufzusuchen. Bis dahin, so viel ist sicher, werden wir die „Schwefel Oper“-CD noch oft anhören (sie ist per Mail zu bestellen: rip(at)nobertschwefel.de.

27.11.2015

30. Mannheimer Filmsymposium: Von der Verführungskraft des Kinos

Am 24.11.2015 widmete die Rhein-Necker-Zeitung dem 30. Mannheimer Filmsymposium einen Bericht.

 

Von Wolfgang Nielin

Mit dem Kurzfilm "Breaking the 4th wall" wurde das 30. Mannheimer Filmsymposium im voll besetzten Cinema Quadrat eröffnet. In dem witzigen Kompilationsfilm sprechen Filmfiguren komplizenhaft zum Zuschauer, blicken diesem tief in die Augen oder "entsteigen" gar der Leinwand, um sich im dunklen Kinosaal ins "reale Leben" einzumischen. Dass dieses Durchbrechen der so genannten "vierten Wand" die fiktive Distanz zum Zuschauer vorgeblich aufbricht, tatsächlich aber die Illusion fortspinnt, gehört zum ambivalenten Charakter des Kinos.

"Zuschauer(t)räume" war deshalb in bewusster Doppeldeutigkeit die dreitägige Tagung betitelt, die sich in Filmen, Vorträgen und Diskussionen dem vielfältigen Austausch zwischen Film und Publikum widmete und dabei neben Rezeptionsgewohnheiten auch "die Wirkmechanismen und Vereinnahmungsstrategien filmischer Inszenierung" untersuchte.

So war die deutsche Kinopremiere von Bobby Boermans‘ Film "App", der einmal mehr den Horror einer sich verselbstständigenden Technik thematisiert, zwar der eher maue Versuch, durch eine Second Screen auf dem Smartphone des Zuschauers diesen zum Mitspieler zu machen. Wenn man wollte, konnte man darin aber eine praktische Anwendung des aus dem französischen Strukturalismus entlehnten Begriffs der "Suture" (Naht) als einer Überlagerung von fiktivem und realem Raum sehen. Andreas Hamburger beschrieb deren Wechselwirkungen in seinem Referat über die "Psychoanalyse des Kinoraums", während der Dramaturg und Drehbuchberater Roland Zag auf der Grundlage seines Buches "Der Publikumsvertrag" die universell gültigen sozialen Prozesse während der Rezeption erörterte.

Vom "Zuschauer als Teil filmischen Erzählens" führte der anregende Diskurs zu Marcus Stigleggers "Seduktionstheorie des Films". Der Mainzer Film- und Kulturwissenschaftler exemplifizierte anhand von Nicolas Winding Refns Film "Drive" seine vom französischen Philosophen Jean Baudrillard beeinflussten Überlegungen zu den "verdeckten Zielen" der Inszenierung.

Dass auch der Filmkritiker Teil dieses zum Film verführten Publikums ist, betonte der Filmjournalist Rüdiger Suchsland und fragte, für wen und wozu der Kritiker schreibe. Dass er durchaus nicht primär ans Publikum denke und die stimulierende "Irritation" zum Merkmal einer guten Kritik gehöre, sind für Suchsland Ausweis einer Haltung, die im unentwirrbaren Dickicht von Lesererwartungen und redaktionellen Zwängen die Fahne der sowohl ästhetischen als auch gesellschaftlichen Kritik hochhält, um "Film als Kunst" sichtbar zu machen. Ob diese - und vor allem ihr angestammter Abspielort - nach den vielen Toden ihrer noch jungen Geschichte auch in Zukunft eine Chance hat, fragte schließlich der Filmkritiker Joachim Kurz.

Vor dem Hintergrund neuer digitaler Distributionsformen resümierte er: "Das Kino ist nicht tot, sondern in einem Zustand der Auflösung, Umwertung und Diffundierung begriffen." Den Kommunalen Kinos in Gestalt von Kinematheken als umfangreichen und zugleich integrierenden medialen "Lernorten" wies er dabei eine Schlüsselrolle zu.


Link zum Originalartikel

18.11.2015

Der beeinflusste Besucher

Am 17.11.2015 berichtete der Mannheimer Morgen über unser diesjähries Filmsymposium.

 

Von Wolfgang Nierlin

Vom beziehungsreichen Veranstaltungsplakat der Berliner Grafikerin Eva Lakas blickt uns ein Augenpaar entgegen. Doch genau genommen sind die Augen, die zum Gesicht einer jungen Frau gehören, geschlossen; und wir, die Betrachter, schauen auf eine Leinwand und damit auf einen Ausschnitt dieses Gesichtes, das förmlich über den Stuhlreihen des Kinosaals zu schweben scheint.

Diese doppelte Blickrichtung sowie die Verschmelzung des Leinwandgeschehens mit dem Zuschauerraum suggerieren eine Durchbrechung der sogenannten „vierten Wand“ und damit die Aufhebung der Distanz zwischen Publikum und Film. Zugleich assoziieren wir mit den geschlossenen Augen, gerahmt vom Dunkel des Kinos, den Zustand des Traums. „Zuschauer(t)räume“ war deshalb in bewusster Doppeldeutigkeit am Wochenende das 30. Mannheimer Filmsymposium im Cinema Quadrat betitelt.

Aufhebung der Illusion

Passend dazu eröffnete der Kurzfilm „Breaking the 4th wall“ das ambitionierte Programm der drei Tage dauernden Veranstaltung, die einmal mehr mit Filmen, Fachreferaten und Diskussionen aufwartete. Die Aufhebung der Illusion durch Filmfiguren, die vorgeblich ihrer fiktiven Rolle entsteigen, diese jedoch tatsächlich potenzieren, war allerdings nur der amüsante Auftakt einer Tagung, die den Zuschauer in den umworbenen Mittelpunkt vielfältiger Rezeptionsgewohnheiten und Vereinnahmungsstrategien stellte.

So war die Kinopremiere von Bobby Boermans’ Film „App“, der den Horror einer sich verselbstständigenden Technik beschreibt, zwar der eher maue Versuch, durch eine „Second Screen“ auf dem Smartphone des Zuschauers diesen zum Mitspieler zu machen. Andererseits konnte man, wenn man wollte, darin eine praktische Anwendung des aus dem Strukturalismus entlehnten Begriffs der „Suture“ (Naht) sehen. Der Psychoanalytiker Andreas Hamburger beschrieb in seinem Vortrag über die „Psychoanalyse des Kinoraums“ damit die sich überlagernden Wirkungen an der Schnittstelle filmischer Beeinflussung.

Der mehr praktischen Seite dieser „Rezeptionslenkung“ widmete sich wiederum der Dramaturg und Drehbuchberater Roland Zag. Auf der Grundlage seines Buches „Der Publikumsvertrag“ und dem darin entwickelten, universell gültigen „human factor“ menschlicher Empathiefähigkeit erörterte er unterschiedliche soziale Prozesse, auf die der Zuschauer bei der Betrachtung mehr oder weniger unwillkürlich reagiert.

So unterschiedliche Filme wie Quentin Tarantinos „Django Unchained“, Christian Petzolds „Phoenix“ oder auch Bora Dagtekins „Fack ju Göthe“ lieferten in Ausschnitten dafür Anschauungsmaterial. Von Zags wechselwirkendem Publikumsvertrag war es dann nicht mehr weit bis zu Marcus Stigleggers „Seduktionstheorie des Films“. Der beim Mannheimer Symposium gerngesehene Film- und Kulturwissenschaftler erörterte anhand von Nicolas Winding Refns Film „Drive“ „Vereinnahmungsstrategien filmischer Inszenierung“.

Dass auch der Filmkritiker Teil dieses zum Film verführten Publikums ist – wenngleich der professionellere –, betonte der Filmjournalist Rüdiger Suchsland und fragte zugleich, für wen und wozu der Kritiker schreibe. Dass er dabei durchaus nicht primär ans Publikum denke und die stimulierende Irritation zum Merkmal einer guten Kritik gehöre, sind für Suchsland Ausweis einer Haltung, die im unentwirrbaren Dickicht von Lesererwartungen und redaktionellen Zwängen die Fahne der sowohl ästhetischen als auch gesellschaftlichen Kritik hochhält, um „Film als Kunst“ sichtbar zu machen.

Digitaler Wandel

Ob diese – und vor allem ihr angestammter Abspielort – nach den vielen Toden ihrer noch jungen Geschichte auch in Zukunft eine Chance hat, fragte schließlich der Filmkritiker Joachim Kurz. Und vor dem Hintergrund neuer digitaler Distributionsformen resümierte er: „Das Kino ist nicht tot, sondern in einem Zustand der Auflösung, Umwertung und Diffundierung begriffen.“ Dass den kommunalen Kinos (wie dem Cinema Quadrat) auf dem Weg zu einer „Kinemathek als Lernort“ dabei eine Schlüsselrolle zukommt, leuchtete als Hoffnungsschimmer über dem Ende des anregenden Symposiums.

15.09.2015

Im Januar Filmseminar über Martin Scorsese

Thema und Termin des 14. Mannheimer Filmseminars "Psychoanalyse und Filmtheorie im Dialog" stehen inzwischen fest. Das Seminar wird AM Wochenende vom 22.01. - 24.01.2016 stattfinden. Thema wird diesmal der amerikanische Filmregisseur Martin Scorsese. Das nähere Programm ist noch in Arbeit und wird zu gegebener Zeit bekanntgegeben.

 

Thema und Termin des 14. Mannheimer Filmseminars "Psychoanalyse und Filmtheorie im Dialog" stehen inzwischen fest. Das Seminar wird AM Wochenende vom 22.01. - 24.01.2016 stattfinden. Thema wird diesmal der amerikanische Filmregisseur Martin Scorsese.

Das nähere Programm ist noch in Arbeit und wird zu gegebener Zeit bekanntgegeben.