Ein Trickfilm für Cinema Quadrat

Unsere Mitarbeiterin Monika Hamryszak hat uns zum Abschied einen tollen Trickfilm-Trailer hinterlassen, den wir schon im Kino gezeigt haben. Auch unseren Homepage-Besuchern wollen wir ihn nicht vorenthalten.

Monika Hamryszak hat im Jahr 2013/2014 ein Freiwilliges Kulturelles Jahr bei uns absolviert. Sie ist künstlerisch tätig und arbeitet vor allem als Fotografin. Hier geht es zu ihrer Facebook-Seite.

11.11.2016

Offener Brief zur geplanten Einstellung der Zeitschrift Filmdienst

Die verdienstvolle Filmzeitschrift Filmdienst soll eingestellt werden. Cinema Quadrat hat letzte Woche einen Brief an den Verlag dreipunkdrei mit seinem Geschäftsführer Theo Mönch-Tegeder sowie an den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx verschickt.

 

Sehr geehrter Herr Mönch-Tegeder, sehr geehrter Herr Kardinal Reinhard Marx,



dass die verdienstvolle Zeitschrift Filmdienst eingestellt werden soll, hat bei uns Bestürzung ausgelöst.

Wir sind in großer Sorge um die Filmkultur in Deutschland. Denn mit dieser Entscheidung wird dem cineastischen Diskurs ein wichtiges publizistisches Organ entnommen. Ohne den Filmdienst ist dem filminteressierten Publikum in Deutschland eine wichtige Handhabe zur Einschätzung von Film als Kunst, von Kunstwerken im Kino genommen. Sich Filme anzusehen ist immer schon damit verbunden, über Filme zu reden – und deshalb auch damit, über Filme zu lesen. Erst das Abgleichen von Meinungen bietet einen vollen Kino-Genuss in allen Aspekten. Der Filmdienst hat nicht nur Kritiken geboten zur raschen Einschätzung, ob sich ein Film „lohnt“, sondern sich auch stets zur Lektüre nach dem Film empfohlen. Und, ganz praktisch: Für uns als kommunales Kino war der Filmdienst auch immer ein wichtiges Hilfsmittel zur Einschätzung eines Filmes: Welche Qualitäten er besitzt, welches Publikum er anspricht, auch, ob ein Film überhaupt in unser Filmkunst-Programm passt.


Eine komplette Einstellung des Filmdienstes wäre eine Katastrophe; eine Umstellung auf ein reines Online-Medium wäre noch immer eine Katastrophe. Denn im weltweiten Netz der Meinungen und Gegenmeinungen, der Filmblogs und Triviasammlungen, der Userkommentare und PR-Kurztexte kann eine Relevanz, die sich aus Kompetenz und Relevanz speist, nicht hervortun. Der Filmdienst wird bei Einstellung der Printausgabe untergehen, über kurz oder lang, so oder so.

Ein weiterer Aspekt bereitet uns Sorge. Dass der katholischen Kirche offenbar die Kulturarbeit und insbesondere die Filmarbeit nicht mehr wichtig ist, finden wir höchst problematisch. Die katholische Kirche, die sich zugute hält, den Menschen wertegeleitete Orientierung in einer unübersichtlichen Welt zu bieten, darf den kulturellen Bereich nicht vernachlässigen. Auch und gerade, wenn in der Filmpublizistik nicht direkte kirchliche und/oder theologische Ansprachen und Predigten an das Publikum geleistet werden, ist dieser Bereich wichtig, um im Sinne eines humanistischen Menschenbildes dem Leser ein Angebot zum Nachdenken zu machen: Über Film nachzudenken bedeutet auch, über das Menschsein und über die Welt nachzudenken.

Ein Film ist nicht bloß Star und Handlung, er ist auch Sinn und Haltung. Filmpublizistik, gerade von kirchlicher Filmarbeit her, bedeutet, aus einer fundierten Grundhaltung heraus eine Richtschnur anzubieten, die gerade nicht dem allerorts überbetonten Kommerz, sondern dem Guten, Wahren und Schönen von Kunst und Ästhetik das Wort redet. Wenn die katholische Kirche sich diese Möglichkeit entgehen lässt, auf Menschen einzuwirken, dann ist dies der Anfang vom Ende davon, überhaupt Menschen erreichen zu wollen. Es wäre ein Rückzug der katholischen Kirche aus der Welt. Wo wird dieser Rückzug enden? Braucht es bei Kindergärten und Pfelgestationen unbedingt eine kirchliche Trägerschaft?



Als drittesältestes kommunales Kino in Deutschland setzt sich das Cinema Quadrat seit 45 Jahren für die Filmkultur ein und bietet mit seinem Programm eine Alternative zum kommerziellen Kinogeschehen – nicht nur in Mannheim, sondern mit regelmäßig veranstalteten überregionalen Symposien deutschlandweit.
 Wir bitten inständig, die Entscheidung, den Filmdienst einzustellen, zu überdenken. Zum Wohl all derer, die an einem Kino interessiert sind, das sich nicht aufs nächste Blockbuster-Sequel beschränkt.

Mit freundlichen Grüßen
Sabine Fischer

20.10.2016

Erfolg mit Wanderliedklängen

Am 18.10.2016 berichtete der Mannheimer Morgen über das 31. Mannheimer Filmsymposium.

 

Von Hans-Günter Fischer

Auch kein schlechter Gag: Beim diesjährigen Mannheimer Filmsymposium geht es zwar ums große Thema "Sound", aber am Eingang wird den Teilnehmern erst einmal - eine Brille ausgehändigt, tauglich für 3D-Technik. Um damit einen kleinen Trickfilm zu betrachten, der sich einer alten Opernouvertüre Louis Spohrs annimmt: "Der Alchymist". Die schwarzen Tuschestriche oder Kleckse schweben fast so virtuos im Raum wie die Orchestertöne.

Das ist wirklich einfallsreich gemacht - und damit ganz nach dem Geschmack von Dietrich Stern. Er ist Musikologe, aber auch Theatermann und Kritiker. Stern kommt im Cinema Quadrat - es ist der erste Vortrag des Symposiums - auf das allgemeine Selbstverständnis und die mögliche Funktion von Filmmusik zu sprechen. Wird also grundsätzlich. Filmmusik sei ja "ein aggressionsträchtiges Thema", findet er. Wer sie grundsätzlich kritisiere, mache sich rasch unbeliebt und stehe wie ein Spielverderber da, der Kinogängern ein Vergnügen rauben wolle. Aber Stern, der noch aus der Adorno-Schule kommt, nimmt das in Kauf. Die "Dominanz des Kommerziellen" stört ihn, mag sie auch im Mainstream-Kino Tradition haben: Bewegte Bilder waren anfangs eine Jahrmarktsattraktion, die Zirkusluft geatmet hat und Livemusik als Werbung brauchte.

Pathos kommt gut an

Auch im Tonfilm geht es manchmal ziemlich einfach zu. Hans Zimmers Titelhelden-Thema im Blockbuster "Gladiator" sei nicht viel komplexer als ein Wanderlied, erklärt uns Dietrich Stern. "Vage Ergriffenheit" packe den Zuschauer bei dieser "ungenau pathetischen Musik". Wenn das Adorno noch gehört hätte. Ohne es auszusprechen, mag ein Mann wie Stern die Filmmusik wohl nur als Halb- und Stiefschwester der hohen, "ernsten" Tonkunst sehen - falls sie sich auf ein "Niveau der Dienstbarkeit" herunterziehen lässt. Natürlich gibt es Ausnahmen, zu ihnen rechnet Stern etwa die neue deutsche Oscar-Hoffnung "Toni Erdmann": weil sie sehr bewusst und sparsam mit der Filmmusik verfahre.

Auch das Einbauen von vorgefundener Musik sei eine Chance, die Ebene des Seichten zu verlassen. Die berühmten Beispiele dürfen nicht fehlen, an der Spitze Stanley Kubricks Raumstationen im Science-Fiction-Klassiker "2001", die süchtig nach dem Johann Strauß'schen Donauwalzer sind. Von einem zweiten Referenten, Ralf Michael Fischer, werden wir beim Mannheimer Symposium an die Tatsache erinnert, dass der Regisseur ursprünglich "originale" Filmmusik bestellt hatte: bei Alex North. Doch an die Leichtigkeit und Eleganz, auch an die leise Ironie des Donauwalzers konnte sie wohl nicht herankommen.

Roman Polanski hat sich ebenfalls berühmter vorgefundener Musik bedient: An einer Schlüsselstelle in "Der Pianist" ertönt Chopins g-Moll-Ballade, im Finale rasen die Oktaven förmlich aufeinander zu. Das ist pathetische Musik, aber brillant genau geschriebene. Der Referent Andreas Jacke zeigt indessen auch Polanskis spielerischen Umgang mit dem Grauen, den in seinen frühen Filmen (wie "Tanz der Vampire") die Musik des früh verstorbenen Krzysztof Komeda federleicht begleitet.

Bei Jean-Luc Godard, Protagonist der revolutionären "Nouvelle Vague", gibt es dagegen einen Trend, die Künstlichkeit, ja fast "Absurdität" (wie Dietrich Stern meint) der romantisch-großsinfonisch angelegten Filmmusik herauszustreichen. Einmal packt der Regisseur das Sinfonieorchester deutlich sichtbar in den Szenenhintergrund.

Das sind sehr europäische Verfremdungstechniken - die in den 1970ern auch im "New Hollywood" von Robert Altman und Francis Ford Coppola zum Teil zur Anwendung gelangten, wie der Referent Jan Philip Müller etwas theorielastig erläutert. Damals wurde auch das so genannte Sounddesign geboren, das inzwischen längst das Fernsehen erreicht hat, wie Andreas Jacke an der Premium-Krimiserie "Sherlock" demonstriert.

Man lernt an den drei Tagen viel im Cinema Quadrat. Aber vor allem, dass die Bilder immer schon des kultivierten Tons bedürftig waren. Oder wussten Sie, dass anfangs, in den frühen 1950ern, selbst manche Kurznachrichtenfilme in der "Tagesschau" Musik im Hintergrund verwendeten?

02.08.2016

Jubiläumswochenende

Das Cinema Quadrat feiert im September sein 45. Jubiläum!

 

Am 18. September 1971 fand die Gründungsversammlung statt - damit ist das Cinema Quadrat das älteste kommunale Kino in Baden-Württemberg und eines der ältesten in Deutschland überhaupt.

Das feiern wir!

Unsere CQ-Geburtstagsfeier findet am Freitag, 16.09. , und Samstag, 17.09., statt: Freitags findet eine Diskussion mit Veteranen der ersten Stunde statt, und wir zeigen Jacques Tatis selten zu sehenden Komödienklassiker TATI IM STOSSVERKEHR (TRAFIC). Samstags läuft das schwule Underground-Pop-Poem PINK NARCISSUS mit Live-Musikbegleitung durch drei Musiker des Jazzprojektes Hermann Art Kollektiv { www.hermannartkollektiv.de} sowie eine Trailershow mit 1971er-Filmen. Zu diesem Wochenende ist jeder Interessierte willkommen, der Eintritt ist an beiden Tagen frei.

!Dem Anlass entsprechend liegt der filmische Schwerpunkt im September ebenfalls auf dem Jahr 1971: Wir zeigen einige der besten Filme dieses Jahrgangs, als New Hollywood mit unkonventionellen, rebellischen Filmen das US-Kino revolutionierte, Stanley Kubrick in seinem britischen Exil phantasmagorische Gewaltstudien betrieb und Steven Spielberg seine Karriere begann – ein Wiedersehen mit Filmen, die kaum je im Kino zu sehen sind, und auch ein Wiedersehen den großen Stars der damaligen Zeit.

Mit KLUTE lieferte Alan J. Pakula den ersten Teil seiner Paranoia-Trilogie, mit Jane Fonda und Donald Sutherland in den Hauptrollen. In FRENCH CONNECTION kommt Gene Hackman einem Drogenring auf die Spur, William Friedkins Polizeithriller erhielt fünf Oscars: Unter anderem bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Hauptdarsteller. In Robert Altmans Anti-Western McCABE & MRS. MILLER mit Warren Beatty und Julie Christie sorgen nicht zuletzt Leonard Cohens Songs für die träumerisch-melancholische Atmosphäre, Hal Ashbys HAROLD UND MAUDE ist auch wegen Cat Stevens’ Soundtrack ein Kultfilm. Mit UHRWERK ORANGE legte Stanley Kubrick eine kontroverse, hochironische Gewaltphantasie vor, in Steven Spielbergs Debütfilm DUELL wird ein Autofahrer von einem monströsen Truck bedroht.

Die meisten der 1971er-Filme laufen in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Das genaue Programm wird demnächst angekündigt.

29.07.2016

Das Programm für das 31. Filmsymposium ist vollständig

9 Vorträge, 4 Filme und eine Live-Cinema-Performance

 

Das Programm für das 31. Filmsymposium steht fest!
Das Wochenende vom 14. bis 16. Oktober steht unter dem Motto „Sounds of Cinema“.

Vom 14. bis 16. Oktober beschäftigt sich das 31. Mannheimer Filmsymposium im Cinema Quadrat mit dem Ton im Kino: Filmmusik und Sounddesign sind tragende Elemente jeden Filmes, doch die Tonebene wird oft genug überhaupt nicht wahrgenommen. In Filmvorführungen, Vorträgen, Diskussionen, Werkstattgesprächen kann das Audio-Visuelle des Kinos ganz neu erlebt werden. Informationen, Programm und Anmeldung HIER

28.07.2016

Filme vom Scheitern der Männer

Für die Redaktion "Gegenwartskulturen" der Universität Duisburg-Essen rezensierte Ulrich Bahrke den Band "Die Coen-Brüder", der aus dem Seminar Im Dialog: Filmtheorie und Psychoanalyse aus dem Jahr 2014 entstanden ist:

 

Was produziere ich in mir beim Betrachten dieses Films? Was habe ich verdrängt und kann es als Zuschauer dieses Filmes wiederfinden? Inwiefern kann ich überhaupt den Film zu meinem Psychoanalytiker werden lassen, dessen Deutungen ich mich im Film-Schauen aussetze? Und: Was interessiert diesen Regisseur – an der Welt, an der Zeit, am Menschen?

Mit Filmen in die äußere und meine innere Welt hineindenken: Mannheim ist schon länger zum jährlichen Ort eines Regisseur-bezogenen, anspruchsvollen Filmdiskurses geworden; Filmtheoretiker und Psychoanalytiker schauen sich ein Wochenende lang Filme eines von ihnen ausgewählten Regisseurs an. Diese werden im interdisziplinären Dialog in diskutierten Vorträgen interpretiert. Dazu wird zu übergreifenden, auf den betreffenden Regisseur bezogenen Themen referiert. Inzwischen regelmäßig wird aus diesen Beiträgen dann ein Band veröffentlicht, der durch eingeworbene Aufsätze die Erweiterung zu einem Reader bekommt. 2014 widmete sich das Filmseminar den Brüdern Joel und Ethan Coen (geb. 1954 und 1957).

Um es vorwegzunehmen: Wer die Filme der Coen-Brüder kennt, wird in dieser Publikation eine intensive Vertiefung und bereichernde Erweiterung seines cineastischen Blickfelds erleben. Wem die Filme nicht vertraut sind, kann neugierig auf sie werden, sie anschauen und unterdessen den Band mit Gewinn lesen. Wer die Filme jedoch weder kennt noch sieht, ist von der Lektüre schlichtweg überfordert.

Als das Buch erschien, blickten die Verfasser auf 16 Filme der Coen-Brüder in 30 Jahren zurück. Zu mehr als der Hälfte von ihnen finden sich Besprechungen, namentlich zu Blood Simple, Barton Fink, Fargo, O Brother Where Are You?, The Man Who Wasn`t There, No Country for Old Man, A Serious Man und True Grit. Dies geschieht zum einen in einer psychoanalytischen Reflexionsweise anhand von Fragen wie: Was macht der Film mit mir als Zuschauer? Was wird durch diesen Film in mir als Mitproduzenten beim Erleben des Leinwandgeschehens hergestellt? Zum anderen erfolgen zahlreiche Querverweise auf Filme vieler anderer Regisseure. So eröffnet sich gleichsam ein weiter cineastischer Himmel mit Sternbildern und Milchstraßen, der für Kenner einen Fundus überaus reichhaltiger Anregungen darstellt, für Nichtkenner indes eine frustrierende Verwirrung auslösen mag. Allerdings sind solche Querverweise in den insgesamt 12 Beiträgen unterschiedlich intensiv vorhanden, denn manche Beiträge hangeln sich allgemeinverständlicher stringent am Filmstoff entlang. Dabei helfen viele Fotos aus den besprochenen Filmen, Szenen in Erinnerung zu rufen.

Was die zeitgemäße Psychoanalyse hinter sich gelassen hat, ist eine „Analyse“ der Regisseure. Diese Praxis aus ihren Anfängen, da Künstlern oder Kunstwerken Theoriebausteine der Psychoanalyse gewissermaßen übergestülpt wurden, gilt schon länger als unseriös: Psychoanalytiker können immer „nur“ eine Beziehung analysieren: diejenige zu und mit einem Patienten oder – wie hier – diejenige zu und mit einem Film – anhand der durchweg präsenten Frage, was das Gegenüber an Gefühlen, Gedanken, Assoziationen auslöst, um sie dann auf ihre Bedeutungen hin zu reflektieren.

So erfahren wir zwar, dass die Coen-Brüder in A Serious Man (2009) den autobiografischen Hintergrund ihres jüdischen Herkunftsmilieus am deutlichsten aufgegriffen haben, ansonsten wird in Bezug auf sie der Frage nachgegangen, was diese Regisseure wohl an der Welt, an der Zeit, am Menschen (bislang) interessiert haben mag. Als eine Art Leitthema wird männliches Scheitern herausgearbeitet, die Darstellung männlicher Verlierertypen, seien es nun Verbrecher, Western-„Helden“ oder Intellektuelle: Männer, die – ausgehend von ihren unreflektierten Wünschen und Begierden – durch ihre Fehlhandlungen ihr Scheitern selbst herbeiführen – und uns als Zuschauer in eine vermeintlich überlegene Position bringen, bis sich „der wissende Blick auf das Geschehen in das Gefühl verwandelt, den Überblick zu verlieren. Die Lacher werden kürzer und häufiger abgelöst von Phasen der Verwirrung. Am Ende lacht man fast nur noch aus Verwirrung.“

Das besonders Bereichernde dieses Bandes ist, wie erwähnt, die interdisziplinäre Annäherung, weshalb von filmtheoretischer Seite z. B. auch der spezifische Bezug der Coen-Brüder zum amerikanischen Film Noir reflektiert wird oder auch deren handwerkliches Herangehen: Die Coens wählen in der Regel zu ihrem Stoff einen bestimmten Bundesstaat und reichern ihn gleichsam mit Film-, Literatur- und Musikgeschichten der betreffenden Region an, um ihre Anliegen möglichst komplex zu veranschaulichen, z. B. die Dekonstruktion des klassischen Western, die Reflexion traumatisierter Männer des Vietnamkrieges, den Wandel der amerikanischen Gesellschaft nach 09/11 – einhergehend mit dem Teufelskreis der Einschränkungen der Demokratie zum Zwecke der Bekämpfung des Terrorismus, der die Demokratie bekämpft –, mit Analysen der zeitgenössischen Kultur, ihrer Moral und der unklarer werdenden Verschränkung von „gut“ und „böse“.

Es ist Konsens des Bandes, dass die Coen-Brüder uns zu einem entdeckenden Blick auf unsere Welt einladen und dass es sich lohnt, beidem zugleich nachzugehen, nämlich auf den Film und in uns selbst hineinzublicken. Insofern macht das Buch dem Lesen Konkurrenz: Bei seiner Lektüre kommt einem unweigerlich der Wunsch nach Kino.