Ein Trickfilm für Cinema Quadrat

Unsere Mitarbeiterin Monika Hamryszak hat uns zum Abschied einen tollen Trickfilm-Trailer hinterlassen, den wir schon im Kino gezeigt haben. Auch unseren Homepage-Besuchern wollen wir ihn nicht vorenthalten.

Monika Hamryszak hat im Jahr 2013/2014 ein Freiwilliges Kulturelles Jahr bei uns absolviert. Sie ist künstlerisch tätig und arbeitet vor allem als Fotografin. Hier geht es zu ihrer Facebook-Seite.

13.05.2017

Ästhet des langen Abschieds

Am 31.01.2017 berichtete die Rhein-Neckar-Zeitung über das 15. Mannheimer Filmseminar.

 

Von Franz Schneider

Akira Kurosawa, wer japanisch kann, weiß, schon der Name erinnert an hell und dunkel. Darum mehr Licht und Bewusstsein ins finstere Kino! Der weltberühmte japanische Regisseur war Thema der Seminarrehie "Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie", die seit 1989 im Mannheimer Cinema Quadrat stattfindet, in Kooperation mit dem Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Mannheim-Heidelbert, dem Psychoanalytischen Institut Heidelberg, der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung und dem Heidelberger Institut für Tiefenpsychologie.

So konnten man dieses Mal Akira Kurosawas (1910 - 1998) sellten gezeigte Frühwerke wie auch einige seiner Klassiker bewundern. Die Diskussionen waren wie immer hoch qualifiziert. Kurosawa (1910 - 1998) schuf Meisterwerke wie "Rashomon", "Ran" oder "Träume", aber auch eher unbekannte Werke wie "Engel der Verlorenen". Psychoanalytikerin Sabine Wollnik verdeutlichte an diesem Gängsterdrama im zerbombten Nachkriegsjapan die Verdrängung der Kriegsereignisse innerhalb der japanischen Gesellschaft und entschlüsselte libidinöse sowie kulturelle Codes. All dies im Angesicht der Yakuza in einem Vorort von Tokyo rund um einen verseuchten Tümpel. Welche Bedeutung er wohl hat? Psychoanalytiker Ralf Zwiebel reflektierte über Wahrheit und Verantwortung.

Zuvor hatte bereits Marcus Stiglegger, Filmwissenschaftler aus Berlin, das gängige Bild von Kurosawa als Humanisten korrigiert, indem er auf den pessimistischen und existenzialistischen Zug im Schaffen hinwies. Für ihn inszenierte Kurosawa eher eine Ästhetik des langen Abschieds, so der Titel einer von Stigleggers 28 Publikationen. Der Vater des Samurai-Films beeinflusste dabei Kollegen bis hin zum Plagiatsvorwurf. Inspiriert durch das Noh-Theater und die Klassiker des japanischen Rollbildes und Holzschnittes, schuf er auch dank seines früheren Kameramannes Kazuo Miyagawa ausgekügelte Bildkompositionen.Diese sind gekennzeichnet durch das Spiel aus Nähe und Distanz. hell und dunkel, Flächigkeit und Tiefe, wie Peter Bär erläuterte. Außerdem zeigt er Kurosawas Technik der Wischblende, später vor allem verwendet bei "StarWars".

Soweit, so technisch, am Ende kommt stets die Anekdote. Akira Kurosawa war ein Perfektionist, der keinen Aufwand scheute. Für seine King-Lear-Adaptation "Ran" ließ er auf die Insel mit dem Vulkan also 200 Pferde einfliegen, auf deren Rücken dann Krieger in kunstvoll angerosteter Rüstung einen Tod starben, röter als ihr Blut. Kurosawas Spätwerk besticht durch seine Farbdramaturgie, besonders wenn er träumt.

13.05.2017

Der Vielstimmige

Am 18. April 2017 berichtete die Rheinpfalz über das Filmseminar "Psychoanalyse und Filmtheorie im Dialog" zu Akira Kurosawa.

 

Von Stefan Otto

Kinogänger werden regelmäßig zu Psychologen und Analytiker zu Filmkritikern, wenn sie einmal jährlich imCinema Quadrat zum Seminar „Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie“ zusammenkommen. Das 15.Mannheimer Filmseminar befasste sichmit Akira Kurosawa (1910-1998), der Filme wie „Die sieben Samurai“, „Rashomon“ oder „Ran“ drehte und nicht nur damit als westlichster Regisseur Japans gilt.

Es war eine Begegnung in einer Atmosphäre, in der wirklich ein Austausch und ein Weiterkommen möglich gewesen seien, befand am Ende der Mannheimer Psychoanalytiker Gerhard Schneider. Sich Kurosawas Filmen aus einer psychoanalytischen Perspektive zu nähern, fiel allerdings schwer und ließ letztlich ungewöhnlich viele Fragen offen.

Der Tokioter Regisseur präsentiere eben kein fest umrissenes Menschenbild, hieß es in einer der Diskussionen, die das Seminar strukturierten. Seine Filmerzählungen und Figuren hätten so viele verschiedene Seiten, dass eine relativ offene Darstellung entstehe. Auch Analytiker, die gern ausdeuteten,müssten seine Filme vor allem in ihrer Vielstimmigkeit wahrnehmen und sich nicht auf eine Interpretation festlegen. Ergebnislos blieb das Seminar freilich nicht. So konnten zahlreiche Aussagen Mannheim: 15. Seminar zu Psychoanalyse und Filmtheorie über Akira Kurosawa getroffen werden, was Kurosawas Stil, Motive oder Themen betrifft.

Im Eröffnungsvortrag „Global Cinema“ legte der FilmwissenschaftlerMarcus Stiglegger dar, dass Akira Kurosawa von Beginn seiner Karriere in den 1940er Jahren an als Filmemacher mit einer eigenen künstlerischen Handschrift gelten konnte. Er verfasste oder bearbeitete die meisten der Drehbücher, die er verfilmte, zeichnete später zunehmend akribische Storyboards und arbeitete vom ersten Film an mit einem relativ stabilen Ensemble von Mitarbeitern, das ihn dabei unterstützen konnte, seine Visionen Film werden zu lassen. Sein Stil zeige sich zum Beispiel in seiner besonderen dramaturgischen Ökonomie, in Symbolen, die immer wieder aufscheinen, und wiederkehrenden Stilmitteln wie der Wischblende und der Zeitlupe. Resonanz fand Kurosawa, der sich selbst unter anderem vom Western beeinflusst sah, damit besonders im Westen, bei US-Regisseuren wie Sam Peckinpah und George Lucas oder europäischen wie Sergio Leone.

Auch inhaltlich findetman in Kurosawas Filmen wiederkehrende Motive wie den Bezug zur japanischen Kriegerethik des Bushido. Seine Beschäftigung mit dem Tod in „Ikiru“ („Einmal wirklich leben“) und vielen anderenWerken war möglicherweise biografisch motiviert durch eine kindliche Wanderung durch das vom Kanto-Erdbeben 1923 zerstörte Tokio sowie den frühen Suizid seines Bruders Heigo 1933. Mit Darstellungen des Verrinnens der Zeit, des Verabschiedens oder des Vergessens wurde der Tod geradezu zu einem Kurosawa-Schlüsselmotiv, der den Verlauf des Lebens als einen langen Abschied erscheinen lassen kann. „Kurosawas Kino ist ein Kino des allgegenwärtigen Todes“, so Stiglegger.

Der Kasseler Analytiker Ralf Zwiebel nahm im Vortrag „Wenn du die Geschichte nicht verstehst, dann erzähle sie doch“ jenen Film Kurosawas in den Blick, der zum ersten Mal die westliche Welt auf das japanische Kino aufmerksam gemacht hatte: „Rashomon – Das Lustwäldchen“, der 1951 in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen hat und in Hollywood den Oscar als bester ausländischer Film. Die vierfache Schilderung einer Vergewaltigung und eines Mordes vermittle eine für den Zuschauer bestürzende Einsicht in die Relativität, die Subjektivität und die Ambivalenz der Wahrnehmung, so Zwiebel. Wie „Rashomon“ vorführe, dass unterschiedliche Interessenlagen undMotive die Wahrnehmung einer Situation maßgeblich beeinflussen, so verstehe auch der Analysand auf der Couch eines Analytikers die eigene Lebensgeschichte nur bruchstückhaft.

Die Leiterin der Kunstvermittlung an der Kunsthalle Mannheim, Dorothee Höfert, konzentrierte sich im Vortrag „Der Traum imTraum oder:Wie kommt ein Betrachter ins Bild hinein?“ auf eine der Episoden im Film„Akira Kurosawas Träume“, die wie die übrigen auf tatsächlichen Träumen des Autors und Regisseurs beruhen soll. In der fünften Episode begegnet ein japanischer Ausstellungsbesucher und Kunstmaler Vincent van Gogh, der hier von Martin Scorsese gespielt wird, und irrt durch intensive, farbenprächtige Bilder des Niederländers. Die Ästhetik der japanischen Malerei übte großen Einfluss auf van Gogh und auf andere europäische Künstler wie Edgar Degas oder Paul Gauguin aus.

Kurosawa, der in den 1920er Jahren Malerei an einer Hochschule für westliche Kunst studiert hatte, fand im japanisch beeinflussten van Gogh einen europäischen Maler, bei dem er sich heimisch fühlen konnte. Er seinerseits drehte in Japan Filme, die Europäer und Amerikaner inspirierten.

25.04.2017

Die unauslotbare Seele

Am 24.01.2017 berichtete der Mannheimer Morgen über unser Kurosawa-Filmseminar.

 

Von Wolfgang Nierlin

Das 15. Mannheimer Filmseminar im voll besetzten Cinema Quadrat widmete in diesem Jahr seinen „Dialog zwischen Psychoanalyse und Filmtheorie“ dem japanischen Meisterregisseur Akira Kurosawa (1910 - 1998). Bekannt für seine stilisierten Samurai-Dramen und genialen Shakespeare-Adaptionen, gilt der studierte Maler als vermeintlich „westlichster“ Regisseur Japans.

Tatsächlich hatte Kurosawa den Anspruch, so der renommierte Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger in seinem Eröffnungsvortrag „Global Cinema“, internationales Kino zu machen. In der Folge dienten einige seiner Filme so namhaften Regisseuren wie John Sturges und Sergio Leone als Vorlage für Remakes.

Kurosawas genuine filmische Handschrift als Ausdruck seiner „persönlichen Mythologie“ (Roland Barthes) exemplifizierte Stiglegger, kenntnisreicher Autor einer Kurosawa- Werkmonographie, nicht nur anhand wiederkehrender Stilmittel – ein Thema, das Referent Peter Bär in einer Bildanalyse des Films „Yojimbo (1961) noch vertiefte –, sondern auch mit Blick auf Schlüsselmotive. Trotz inhaltlicher Vielseitigkeit rückte dabei Kurosawas „Ästhetik des langen Abschieds“ in den Mittelpunkt; und damit auch die Frage, ob sein angeblich humanistisches OEuvre nicht vielmehr von einem Pessimismus geprägt sei. Akira Kurosawas berühmtester Film „Rashomon“ (1950) und Ralf Zwiebels „filmpsychoanalytische Reflexionen“ dazu lieferten diesbezüglich eine dankbare Diskussionsgrundlage. Die multiperspektivische Erzählung eines Verbrechens, verstanden als Beziehung zwischen „Vielstimmigkeit und eigener Stimme“, führt demnach als „kognitive Verzerrung“ nicht nur die „Selbsttäuschung“ mit sich, sondern bewirke durch die „zirkulierenden Transformationen von Wort und Bild“ auch eine „unendliche Interpretation“.

Lasterhafter Egoismus

Er habe, so schrieb Akira Kurosawa, mit „Rashomon“ einen Film über die unauslotbare Psyche des Menschen, seinen lasterhaften Egoismus und seine Unfähigkeit, „aufrichtig zu sich selbst zu sein“, gemacht. Unverkennbar vom Existenzialismus beeinflusst, scheint darin zunächst „der Glaube an den Menschen verloren“ – bis sich am Schluss des Films doch noch ein Hoffnungsschimmer zeigt.

13.12.2016

Kino das verbindet

Cinema Quadrat erneut beim Kinopreis des Kinematheksverbundes ausgezeichnet

 

Wir freuen uns: Das Cinema Quadrat wurde mit einem Kinopreis des Kinematheksverbundes ausgezeichnet. Der zweite Preis in der Kategorie III („Kino, das verbindet“) ging in diesem Jahr an das Cinema Quadrat, „das durch kooperative Symposien, Seminare und interkulturelle Ansätze Menschen nicht nur aus der Region zusammenbringt“ - so die Begründung.


16.11.2016

Das Cinema Quadrat ist jetzt ein Greta & Starks-Kino!

„Greta & Starks“ ist eine Technik für sehbehinderte bzw. hörgeschädigte Kinobesucher, die sich mittels einer Smartphone-App Audiodeskription und Untertitel für ausgewählte Filme herunterladen können. Cinema Quadrat hat sich für dieses System aufgerüstet, um ein barrierefreies Kinoerlebnis zu ermöglichen.

 

Die App „Greta“ macht Kinozuschauern Audiodeskriptionen zugänglich, die per Kopfhörer über das Smartphone sehbehinderten Menschen das Kinoerlebnis ermöglichen. Entsprechend zeigt die App „Starks“ während des Films Untertitel für Hörgeschädigte auf dem Smartphone an. Das System funktioniert bei ausgewählten Filmen, für die die Produzenten bzw. Verleiher Bildbeschreibungen bzw. Untertitel zur Verfügung stellen.

Ab sofort ist auch im Cinema Quadrat die Nutzung dieser Technik möglich. Als erste Filme, die mit Greta & Starks barrierefreien Kinogenuss ermöglichen, laufen ab Dienstag, 22.11., Aron Lehmanns anarchische Komödie „Die letzte Sau“ und am Freitag, 25.11., das Autorenporträt „Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte“, bei dem Regisseurin Corinna Belz anwesend sein wird. Im Dezember wird ab dem 25.12. „Toni Erdmann“ in barrierefreier Fassung laufen.

Kinozuschauer, die das System nutzen wollen, laden sich die App „Greta“ für Audiodeskriptionen bzw. „Starks“ für Untertitel im App Store oder bei Google Play kostenlos herunter. In einer Filmliste können nun per App Audiodeskription bzw. Untertitel für den jeweiligen Film heruntergeladen werden. Im Kino synchronisiert sich die App selbständig über den Filmton; die Bildbeschreibungen können dann während des Films per Kopfhörer gehört, die Untertitel in der App gelesen werden.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.gretaundstarks.de.