Ein Trickfilm für Cinema Quadrat

Unsere Mitarbeiterin Monika Hamryszak hat uns zum Abschied einen tollen Trickfilm-Trailer hinterlassen, den wir schon im Kino gezeigt haben. Auch unseren Homepage-Besuchern wollen wir ihn nicht vorenthalten.

Monika Hamryszak hat im Jahr 2013/2014 ein Freiwilliges Kulturelles Jahr bei uns absolviert. Sie ist künstlerisch tätig und arbeitet vor allem als Fotografin. Hier geht es zu ihrer Facebook-Seite.

25.04.2017

Die unauslotbare Seele

Am 24.01.2017 berichtete der Mannheimer Morgen über unser Kurosawa-Filmseminar.

 

Von Wolfgang Nierlin

Das 15. Mannheimer Filmseminar im voll besetzten Cinema Quadrat widmete in diesem Jahr seinen „Dialog zwischen Psychoanalyse und Filmtheorie“ dem japanischen Meisterregisseur Akira Kurosawa (1910 - 1998). Bekannt für seine stilisierten Samurai-Dramen und genialen Shakespeare-Adaptionen, gilt der studierte Maler als vermeintlich „westlichster“ Regisseur Japans.

Tatsächlich hatte Kurosawa den Anspruch, so der renommierte Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger in seinem Eröffnungsvortrag „Global Cinema“, internationales Kino zu machen. In der Folge dienten einige seiner Filme so namhaften Regisseuren wie John Sturges und Sergio Leone als Vorlage für Remakes.

Kurosawas genuine filmische Handschrift als Ausdruck seiner „persönlichen Mythologie“ (Roland Barthes) exemplifizierte Stiglegger, kenntnisreicher Autor einer Kurosawa- Werkmonographie, nicht nur anhand wiederkehrender Stilmittel – ein Thema, das Referent Peter Bär in einer Bildanalyse des Films „Yojimbo (1961) noch vertiefte –, sondern auch mit Blick auf Schlüsselmotive. Trotz inhaltlicher Vielseitigkeit rückte dabei Kurosawas „Ästhetik des langen Abschieds“ in den Mittelpunkt; und damit auch die Frage, ob sein angeblich humanistisches OEuvre nicht vielmehr von einem Pessimismus geprägt sei. Akira Kurosawas berühmtester Film „Rashomon“ (1950) und Ralf Zwiebels „filmpsychoanalytische Reflexionen“ dazu lieferten diesbezüglich eine dankbare Diskussionsgrundlage. Die multiperspektivische Erzählung eines Verbrechens, verstanden als Beziehung zwischen „Vielstimmigkeit und eigener Stimme“, führt demnach als „kognitive Verzerrung“ nicht nur die „Selbsttäuschung“ mit sich, sondern bewirke durch die „zirkulierenden Transformationen von Wort und Bild“ auch eine „unendliche Interpretation“.

Lasterhafter Egoismus

Er habe, so schrieb Akira Kurosawa, mit „Rashomon“ einen Film über die unauslotbare Psyche des Menschen, seinen lasterhaften Egoismus und seine Unfähigkeit, „aufrichtig zu sich selbst zu sein“, gemacht. Unverkennbar vom Existenzialismus beeinflusst, scheint darin zunächst „der Glaube an den Menschen verloren“ – bis sich am Schluss des Films doch noch ein Hoffnungsschimmer zeigt.

13.12.2016

Kino das verbindet

Cinema Quadrat erneut beim Kinopreis des Kinematheksverbundes ausgezeichnet

 

Wir freuen uns: Das Cinema Quadrat wurde mit einem Kinopreis des Kinematheksverbundes ausgezeichnet. Der zweite Preis in der Kategorie III („Kino, das verbindet“) ging in diesem Jahr an das Cinema Quadrat, „das durch kooperative Symposien, Seminare und interkulturelle Ansätze Menschen nicht nur aus der Region zusammenbringt“ - so die Begründung.


16.11.2016

Das Cinema Quadrat ist jetzt ein Greta & Starks-Kino!

„Greta & Starks“ ist eine Technik für sehbehinderte bzw. hörgeschädigte Kinobesucher, die sich mittels einer Smartphone-App Audiodeskription und Untertitel für ausgewählte Filme herunterladen können. Cinema Quadrat hat sich für dieses System aufgerüstet, um ein barrierefreies Kinoerlebnis zu ermöglichen.

 

Die App „Greta“ macht Kinozuschauern Audiodeskriptionen zugänglich, die per Kopfhörer über das Smartphone sehbehinderten Menschen das Kinoerlebnis ermöglichen. Entsprechend zeigt die App „Starks“ während des Films Untertitel für Hörgeschädigte auf dem Smartphone an. Das System funktioniert bei ausgewählten Filmen, für die die Produzenten bzw. Verleiher Bildbeschreibungen bzw. Untertitel zur Verfügung stellen.

Ab sofort ist auch im Cinema Quadrat die Nutzung dieser Technik möglich. Als erste Filme, die mit Greta & Starks barrierefreien Kinogenuss ermöglichen, laufen ab Dienstag, 22.11., Aron Lehmanns anarchische Komödie „Die letzte Sau“ und am Freitag, 25.11., das Autorenporträt „Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte“, bei dem Regisseurin Corinna Belz anwesend sein wird. Im Dezember wird ab dem 25.12. „Toni Erdmann“ in barrierefreier Fassung laufen.

Kinozuschauer, die das System nutzen wollen, laden sich die App „Greta“ für Audiodeskriptionen bzw. „Starks“ für Untertitel im App Store oder bei Google Play kostenlos herunter. In einer Filmliste können nun per App Audiodeskription bzw. Untertitel für den jeweiligen Film heruntergeladen werden. Im Kino synchronisiert sich die App selbständig über den Filmton; die Bildbeschreibungen können dann während des Films per Kopfhörer gehört, die Untertitel in der App gelesen werden.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.gretaundstarks.de.

11.11.2016

Offener Brief zur geplanten Einstellung der Zeitschrift Filmdienst

Die verdienstvolle Filmzeitschrift Filmdienst soll eingestellt werden. Cinema Quadrat hat letzte Woche einen Brief an den Verlag dreipunkdrei mit seinem Geschäftsführer Theo Mönch-Tegeder sowie an den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx verschickt.

 

Sehr geehrter Herr Mönch-Tegeder, sehr geehrter Herr Kardinal Reinhard Marx,



dass die verdienstvolle Zeitschrift Filmdienst eingestellt werden soll, hat bei uns Bestürzung ausgelöst.

Wir sind in großer Sorge um die Filmkultur in Deutschland. Denn mit dieser Entscheidung wird dem cineastischen Diskurs ein wichtiges publizistisches Organ entnommen. Ohne den Filmdienst ist dem filminteressierten Publikum in Deutschland eine wichtige Handhabe zur Einschätzung von Film als Kunst, von Kunstwerken im Kino genommen. Sich Filme anzusehen ist immer schon damit verbunden, über Filme zu reden – und deshalb auch damit, über Filme zu lesen. Erst das Abgleichen von Meinungen bietet einen vollen Kino-Genuss in allen Aspekten. Der Filmdienst hat nicht nur Kritiken geboten zur raschen Einschätzung, ob sich ein Film „lohnt“, sondern sich auch stets zur Lektüre nach dem Film empfohlen. Und, ganz praktisch: Für uns als kommunales Kino war der Filmdienst auch immer ein wichtiges Hilfsmittel zur Einschätzung eines Filmes: Welche Qualitäten er besitzt, welches Publikum er anspricht, auch, ob ein Film überhaupt in unser Filmkunst-Programm passt.


Eine komplette Einstellung des Filmdienstes wäre eine Katastrophe; eine Umstellung auf ein reines Online-Medium wäre noch immer eine Katastrophe. Denn im weltweiten Netz der Meinungen und Gegenmeinungen, der Filmblogs und Triviasammlungen, der Userkommentare und PR-Kurztexte kann eine Relevanz, die sich aus Kompetenz und Relevanz speist, nicht hervortun. Der Filmdienst wird bei Einstellung der Printausgabe untergehen, über kurz oder lang, so oder so.

Ein weiterer Aspekt bereitet uns Sorge. Dass der katholischen Kirche offenbar die Kulturarbeit und insbesondere die Filmarbeit nicht mehr wichtig ist, finden wir höchst problematisch. Die katholische Kirche, die sich zugute hält, den Menschen wertegeleitete Orientierung in einer unübersichtlichen Welt zu bieten, darf den kulturellen Bereich nicht vernachlässigen. Auch und gerade, wenn in der Filmpublizistik nicht direkte kirchliche und/oder theologische Ansprachen und Predigten an das Publikum geleistet werden, ist dieser Bereich wichtig, um im Sinne eines humanistischen Menschenbildes dem Leser ein Angebot zum Nachdenken zu machen: Über Film nachzudenken bedeutet auch, über das Menschsein und über die Welt nachzudenken.

Ein Film ist nicht bloß Star und Handlung, er ist auch Sinn und Haltung. Filmpublizistik, gerade von kirchlicher Filmarbeit her, bedeutet, aus einer fundierten Grundhaltung heraus eine Richtschnur anzubieten, die gerade nicht dem allerorts überbetonten Kommerz, sondern dem Guten, Wahren und Schönen von Kunst und Ästhetik das Wort redet. Wenn die katholische Kirche sich diese Möglichkeit entgehen lässt, auf Menschen einzuwirken, dann ist dies der Anfang vom Ende davon, überhaupt Menschen erreichen zu wollen. Es wäre ein Rückzug der katholischen Kirche aus der Welt. Wo wird dieser Rückzug enden? Braucht es bei Kindergärten und Pfelgestationen unbedingt eine kirchliche Trägerschaft?



Als drittesältestes kommunales Kino in Deutschland setzt sich das Cinema Quadrat seit 45 Jahren für die Filmkultur ein und bietet mit seinem Programm eine Alternative zum kommerziellen Kinogeschehen – nicht nur in Mannheim, sondern mit regelmäßig veranstalteten überregionalen Symposien deutschlandweit.
 Wir bitten inständig, die Entscheidung, den Filmdienst einzustellen, zu überdenken. Zum Wohl all derer, die an einem Kino interessiert sind, das sich nicht aufs nächste Blockbuster-Sequel beschränkt.

Mit freundlichen Grüßen
Sabine Fischer

20.10.2016

Erfolg mit Wanderliedklängen

Am 18.10.2016 berichtete der Mannheimer Morgen über das 31. Mannheimer Filmsymposium.

 

Von Hans-Günter Fischer

Auch kein schlechter Gag: Beim diesjährigen Mannheimer Filmsymposium geht es zwar ums große Thema "Sound", aber am Eingang wird den Teilnehmern erst einmal - eine Brille ausgehändigt, tauglich für 3D-Technik. Um damit einen kleinen Trickfilm zu betrachten, der sich einer alten Opernouvertüre Louis Spohrs annimmt: "Der Alchymist". Die schwarzen Tuschestriche oder Kleckse schweben fast so virtuos im Raum wie die Orchestertöne.

Das ist wirklich einfallsreich gemacht - und damit ganz nach dem Geschmack von Dietrich Stern. Er ist Musikologe, aber auch Theatermann und Kritiker. Stern kommt im Cinema Quadrat - es ist der erste Vortrag des Symposiums - auf das allgemeine Selbstverständnis und die mögliche Funktion von Filmmusik zu sprechen. Wird also grundsätzlich. Filmmusik sei ja "ein aggressionsträchtiges Thema", findet er. Wer sie grundsätzlich kritisiere, mache sich rasch unbeliebt und stehe wie ein Spielverderber da, der Kinogängern ein Vergnügen rauben wolle. Aber Stern, der noch aus der Adorno-Schule kommt, nimmt das in Kauf. Die "Dominanz des Kommerziellen" stört ihn, mag sie auch im Mainstream-Kino Tradition haben: Bewegte Bilder waren anfangs eine Jahrmarktsattraktion, die Zirkusluft geatmet hat und Livemusik als Werbung brauchte.

Pathos kommt gut an

Auch im Tonfilm geht es manchmal ziemlich einfach zu. Hans Zimmers Titelhelden-Thema im Blockbuster "Gladiator" sei nicht viel komplexer als ein Wanderlied, erklärt uns Dietrich Stern. "Vage Ergriffenheit" packe den Zuschauer bei dieser "ungenau pathetischen Musik". Wenn das Adorno noch gehört hätte. Ohne es auszusprechen, mag ein Mann wie Stern die Filmmusik wohl nur als Halb- und Stiefschwester der hohen, "ernsten" Tonkunst sehen - falls sie sich auf ein "Niveau der Dienstbarkeit" herunterziehen lässt. Natürlich gibt es Ausnahmen, zu ihnen rechnet Stern etwa die neue deutsche Oscar-Hoffnung "Toni Erdmann": weil sie sehr bewusst und sparsam mit der Filmmusik verfahre.

Auch das Einbauen von vorgefundener Musik sei eine Chance, die Ebene des Seichten zu verlassen. Die berühmten Beispiele dürfen nicht fehlen, an der Spitze Stanley Kubricks Raumstationen im Science-Fiction-Klassiker "2001", die süchtig nach dem Johann Strauß'schen Donauwalzer sind. Von einem zweiten Referenten, Ralf Michael Fischer, werden wir beim Mannheimer Symposium an die Tatsache erinnert, dass der Regisseur ursprünglich "originale" Filmmusik bestellt hatte: bei Alex North. Doch an die Leichtigkeit und Eleganz, auch an die leise Ironie des Donauwalzers konnte sie wohl nicht herankommen.

Roman Polanski hat sich ebenfalls berühmter vorgefundener Musik bedient: An einer Schlüsselstelle in "Der Pianist" ertönt Chopins g-Moll-Ballade, im Finale rasen die Oktaven förmlich aufeinander zu. Das ist pathetische Musik, aber brillant genau geschriebene. Der Referent Andreas Jacke zeigt indessen auch Polanskis spielerischen Umgang mit dem Grauen, den in seinen frühen Filmen (wie "Tanz der Vampire") die Musik des früh verstorbenen Krzysztof Komeda federleicht begleitet.

Bei Jean-Luc Godard, Protagonist der revolutionären "Nouvelle Vague", gibt es dagegen einen Trend, die Künstlichkeit, ja fast "Absurdität" (wie Dietrich Stern meint) der romantisch-großsinfonisch angelegten Filmmusik herauszustreichen. Einmal packt der Regisseur das Sinfonieorchester deutlich sichtbar in den Szenenhintergrund.

Das sind sehr europäische Verfremdungstechniken - die in den 1970ern auch im "New Hollywood" von Robert Altman und Francis Ford Coppola zum Teil zur Anwendung gelangten, wie der Referent Jan Philip Müller etwas theorielastig erläutert. Damals wurde auch das so genannte Sounddesign geboren, das inzwischen längst das Fernsehen erreicht hat, wie Andreas Jacke an der Premium-Krimiserie "Sherlock" demonstriert.

Man lernt an den drei Tagen viel im Cinema Quadrat. Aber vor allem, dass die Bilder immer schon des kultivierten Tons bedürftig waren. Oder wussten Sie, dass anfangs, in den frühen 1950ern, selbst manche Kurznachrichtenfilme in der "Tagesschau" Musik im Hintergrund verwendeten?