Im Rahmen des Filmseminars zeigen wir die folgenden Filme (und zwar alle in OmdtU):

Zwischen Himmel und Hölle

Vorblick:
Zwischen Himmel und Hölle

(Tengoku to Jigoku)
JAP 1963. R: Akira Kurosawa. D: Toshirō Mifune, Tatsuya Nakadai, Kyōko Kagawa. 143 Min. OmdtU. FSK: 12 Eine Kindesentführung im Hause eines reichen Schuhfabrikanten. Doch nicht wie geplant dessen Sohn, sondern der Sprössling des Chauffeurs gerät in die Gewalt des Erpressers. Dennoch zahlt der Manager das Lösegeld, wird in der Öffentlichkeit gefeiert – aber aus seiner Firma entlassen, der Gerichtsvollzieher steht auf der Matte, er verarmt. Der Entführer wiederum verfolgt ängstlich die Presseberichte über sein Verbrechen, wird schließlich in eine Falle gelockt, verhaftet und zum Tode verurteilt – auch er verliert alles. Und dabei war es gerade der Kontrast zwischen der Villa auf dem Hügel und den Hütten des Elendsviertels, der ihn zur Tat getrieben hat.

Akira Kurosawa adaptiert einen Kriminalroman von Ed McBain – der Stoff einer griechischen Tragödie in einem grandiosen Krimi, der tief eintaucht in die Höhen und Tiefen des Großstadtlebens.

So. 15.01.2017, 19:30 Uhr

Engel der Verlorenen

Engel der Verlorenen

(Yoidore Tenshi)
JAP 1948. R: Akira Kurosawa. D: Takashi Shimura, Toshirō Mifune, Reisaburo Yamamoto. 98 Min. OmdtU. FSK: 12

Im zerbombten Nachkriegsjapan diagnostiziert der bärbeißige Arzt Sanada beim örtlichen Yakuza-Chef Matsunaga Tuberkulose. Aus der Konfrontation des sarkastischen, alkoholkranken Doktors und des impulsiven, sturen Gangsters bezieht der Film seine Kraft – die sich zu einem eindrucksvollen Gangsterdrama entwickelt, als der alte Yakuza-Boss Okada aus dem Gefängnis kommt: Damit ist Matsunadas Status bedroht, und auch Sanada gerät in die Schusslinie, denn Okadas Ex-Frau arbeitet bei ihm als Krankenschwester...

Beeinflusst vom amerikanischen Film Noir ebenso wie vom französischen poetischen Realismus erschafft Kurosawa mit seinen Licht-Schatten-Spielen, mit der differenzierten Figurencharakterisierung und der konsequent durchgezogenen Handlung einen hochmodernen Film, der seiner Zeit weit voraus war. Es war dies die erste Zusammenarbeit von Kurosawa mit Toshirō Mifune.

Fr. 20.01.2017, 19:30 Uhr

Yojimbo - Der Leibwächter

Yojimbo - Der Leibwächter

(Yojimbo)
JAP 1961. R: Akira Kurosawa. D: Toshirō Mifune, Tatsuya Nakadai, Yōko Tsukasa. 106 Min. OmdtU. FSK: 12

Ein herrenloser Samurai gerät in ein Dorf, in dem sich zwei rivalisierende Banden heftige Kämpfe um die Vorherrschaft liefern. Der Samurai beginnt, die beiden verfeindeten Gruppen gegeneinander auszuspielen, bietet sich mal den einen, mal den anderen als Leibwächter an, um dann wieder die Seiten zu wechseln... YOJIMBO zeigt deutlich den Einfluss von Kurosawas Œuvre auf die Filmgeschichte: Mit Sergio Leones Remake FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR begann die Ära des Italowesterns, für den Kurosawa mit seinem zwiespältigen Helden, der drastischen Gewaltdarstellung, den fantasievollen Bildkompositionen, der zynischen Weltsicht und der nihilistischen Gesellschaftskritik den Grundstein legte: Traditionelle Schwertkampf-Choreographien weichen blutigen Gemetzeln.

Fr. 20.01.2017, 21:30 Uhr

Rashomon

Rashomon

(Rashômon)
JAP 1950. R: Akira Kurosawa. D: Toshirō Mifune, Machiko Kyō, Masayuki Mori, Kichijiro Ueda. 88 Min. OmdtU. FSK: 16.

RASHOMON ist einer der bedeutendsten Filme überhaupt: Ein Meilenstein der internationalen Filmgeschichte, der nach dem Weltkrieg Japan wieder ins Bewusstsein des Westens rückte: Es geht um einen Räuber, der einen Samurai ermordet und dessen Frau vergewaltigt hat. Doch das wird nicht einfach erzählt, sondern multiperspektivisch aufgefächert. In einer stilisierten Gerichtsverhandlung wird das Geschehen von den Tatbeteiligten wiedergegeben – der ermordete Samurai redet über ein Medium –, was wiederum in eine Rahmenhandlung verschachtelt wird. Kurosawa präsentiert uns fast spielerisch eine philosophische Abhandlung über Schuld und Ehre, Lüge und Wahrnehmung und darüber, was den Glauben an die Menschheit noch aufrechterhalten könnte. Der Film wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goldenen Löwen von Venedig und mit dem Oscar als bester ausländischer Film.

Sa. 21.01.2017, 14:00 Uhr

Ran

Ran

JAP/FRA 1985. R: Akira Kurosawa. D: Tatsuya Nakadai, Akira Terao, Jinpachi Nezu. 162 Min. OmdtU. FSK: 12

Welcher Stoff böte sich besser an für ein Alterswerk als Shakespeares „König Lear“?

Im Japan des 16. Jahrhunderts teilt ein alternder Fürst sein Reich unter den drei Söhnen auf. Doch unter den Intrigen und Kämpfen der Söhne zerfällt das Reich, und der Vater wird Opfer des Wahnsinns. Mit RAN schuf Akira Kurosawa einen Film, der sein Werk krönen sollte – ein ganz großes Filmepos über das Alter, über Ehrgeiz und Chaos. Kurosawa inszeniert eine alptraumhafte, surreale Welt: Die schiere Bildgewalt von RAN überragt alle anderen Kurosawa-Filme. Langsam entwickelt der Film seinen Spannungsbogen, bis dann plötzlich eine grausame Schlacht die Leinwand blutrot färbt. Mit abstrahierender Ton-Bild-Ebene, mit ausgefeilter Farbdramaturgie erreicht RAN einen so hohen Grad an Stilisierung, wie ihn nur das Kino möglich macht.

Sa. 21.01.2017, 19:30 Uhr

Akira Kurosawas Träume

Akira Kurosawas Träume

(Yume)
JAP/USA 1990. R: Akira Kurosawa. D: Toshihiko Nakano, Akiro Terao, Mitsuko Baishō, Martin Scorsese. 119 Min. OmdtU. FSK: 12

Acht Episoden, die auf tatsächlichen Träumen Kurosawas beruhen, verdichten sich in diesem Film zu einem Menschenleben von den 1910er bis in die 1980er Jahre, ohne tatsächlich eine fortlaufende Handlung aufzuweisen. Ein übergreifendes Thema aber ist der Umgang mit der Natur, die Wertschätzung von Schönheit, der Respekt vor dem Leben – in gewisser Weise durchaus autobiographisch ist dies eine Art Resümee einer Weltanschauung. AKIRA KUROSAWAS TRÄUME funktioniert hauptsächlich über die visuelle Ebene, der Film enthält einige der beeindruckendsten Bilder, einige der nachhaltigsten visuellen Ideen in Kurosawas Œuvre, die sich auch immer wieder in die Kunstgeschichte einfügen: Martin Scorsese spielt in einem der Träume Vincent van Gogh.

So. 22.01.2017, 09:00 Uhr

Die sieben Samurai

Nachsichtung:

Die sieben Samurai

(Shichinin no samurai)
JAP 1954. R: Akira Kurosawa. D: Takashi Shimura, Toshirō Mifune. 201 Min. OmdtU. FSK: 12

Ein Bauerndorf wird von Banditen bedroht. Die Bewohner heuern sieben Kämpfer zu ihrem Schutz an. Die Samurai wehren den Angriff der Banditen ab. Eine einfache Geschichte, vielfach verfilmt – beispielsweise als DIE GLORREICHEN SIEBEN in Hollywood, 1960 und 2016. Akiro Kurosawa aber zeichnet für das Original verantwortlich, legt großen Wert auf das Verhältnis seiner Samurai – aus der Kriegerkaste – zur bäuerlichen Bevölkerung, beleuchtet Armut und soziale Ungerechtigkeit.

Der bis dato mit rund 20 Millionen Yen teuerste japanische Film mit über 3.000 Mitwirkenden und einer Drehzeit von einem Jahr wurde in Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet und gilt als Klassiker nicht nur des japanischen Kinos – wir zeigen die restaurierte integrale Langfassung des Films im Rahmen der Reihe CQ präsentiert: Großes Kino, aber auch als Ergänzung zu unserem Filmseminar zu Akira Kurosawa.

Mo. 06.02.2017, 19:30 Uhr