„Na, wie läuft’s in der Schule?“ Diese Frage richten wir im Schulbeginn- Monat September nicht an die Schüler, sondern an die Bildungseinrichtungen selbst. Zwischen Schulpflicht und Lehrplänen und Kultusministerkonferenzen gibt es einige Lücken, in die wir mit fünf neuen Dokumentationen und einem Filmklassiker blicken: Wo sind die Stärken und Schwächen des Bildungssystems? Können im Schulalltag reife, mündige Persönlichkeiten herangebildet werden? Gibt es Alternativen? Und was sagt der Status quo der Bildungsrepublik Deutschland über unsere Gesellschaft aus?

Ich. Du. Inklusion. – Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft

Ich. Du. Inklusion. – Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft

DEU 2017. R: Thomas Binn. Dokumentarfilm. 95 Min. FSK: 0

Inklusion: Menschen mit Behinderung sollen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilnehmen. Seit Sommer 2014 haben in Deutschland Kinder mit Unterstützungsbedarf einen Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht in den Regelschulen. Seitdem werden an immer mehr Schulen gesunde und unterstützungsbedürftige Kinder gemeinsam unterrichtet. Anfängliche Schwierigkeiten sollten eigentlich inzwischen überwunden sein. Bei genauerem Blick allerdings zeigt sich, dass auch nach zwei Jahren noch viele Fragen offen, noch viele Probleme ungelöst sind. Thomas Binn hat über zweieinhalb Jahre hinweg die Schüler einer Grundschulklasse begleitet – eine Langzeit-Doku mit kritischem Blick und ernüchternden Beobachtungen von innen heraus. Wie wird Inklusion in der Schule umgesetzt? Was funktioniert – und vor allem: Was funktioniert nicht? Der gute Wille geht manchmal auf Kosten der Kinder – es fehlt an Personal, Räumen, Material, Zeit.

Di. 05.09.2017, 19:30 Uhr, Mi. 06.09.2017, 17:30 Uhr

Berlin Rebel High School

Berlin Rebel High School

DEU 2017. R: Alexander Kleider. Dokumentarfilm. 97 Min. FSK: 0

Sie sind Anfang 20, und mit dem System schulischer Bildung kommen sie nicht zurecht. Sie sind Abbrecher, Aussteiger aus dem Pflichtort Schule – doch sie wollten stattdessen nicht nur einfach nichts machen, sondern eine Zukunft für sich reklamieren, die Spaß macht und sinnvoll ist. Sie alle sind Teil einer Klasse der Schule für Erwachsenenbildung (SFE) in Berlin. Seit 1973 besteht die SFE als basisdemokratisches Projekt: kein Direktor, keine Noten, Selbstorganisation. Alexander Kleider – selbst SFE-Absolvent des Abijahrganges 2000 – begleitet zwei Jahre lang einen wilden Haufen Berliner Underdogs auf dem Weg zum Abitur und erzählt mit viel Witz und Energie von einer radikal anderen Idee von Schule als Alternative zum Bildungssystem – für viele die vielleicht letzte Chance, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Do. 07.09.2017, 19:30 Uhr, Fr. 08.09. & Sa. 09.09.2017, 21:30 Uhr, Mi. 13.09.2017, 17:30 Uhr

Der Club der toten Dichter

Der Club der toten Dichter

(Dead Poets Society)
USA 1989. R: Peter Weir. D: Robin Williams, Robert Sean Leonard, Ethan Hawke, Kurtwood Smith, Lara Flynn Boyle. 128 Min. OmdtU. FSK: 12

Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen: Die Utopie selbstbestimmter Bildung mit unkonventionellen Methoden, die die Individualität fördert, und den Schülern das selbstbewusste Ausleben der eigenen Gaben mit auf den Lebensweg gibt – kaum ein anderer verkörpert diese Gesinnung mehr als Robin Williams in seiner Rolle des Lehrers John „Oh Captain, mein Captain“ Keating. In Peter Weirs ergreifendem, inspirierendem Spielfilm kommt Keating 1959 an die höchst traditionsbewusste Welton Academy, um seinen Schülern das Leben beizubringen. Und um die Tradition des Clubs der toten Dichter wiederaufleben zu lassen, in dem leidenschaftlich der Poesie gehuldigt wird – bis der freiheitliche Geist ins Visier des erzkonservativen Systems gerät.

So. 10.09. & Mi. 13.09.2017, 19:30 Uhr

Zwischen den Stühlen

Zwischen den Stühlen

DEU 2016. R: Jakob Schmidt. Dokumentarfilm. 106 Min. FSK: 0

Auch der Lehrer muss lernen, Lehrer zu sein. Jakob Schmidt begleitet drei Referendare an verschiedenen Schultypen, die Unterricht geben und zugleich zum Lehrer ausgebildet werden. Sie verteilen Noten und werden selbst benotet, sie müssen vor der Klasse wie vor der Prüfungskommission bestehen. Wobei jeder der drei Protagonisten je nach Persönlichkeit ganz unterschiedlich mit seiner Situation von Stress, Krise und Freude am Beruf umgeht. Der Film kommt den angehenden Lehrern sehr nahe, zwischen Problemschülern, Elternabenden, Intrigen im Lehrerzimmer und Prüfungsängsten. „Mit zahlreichen präzisen Beobachtungen formt er eine Art Kaleidoskop, das sich zum aufschlussreichen Konzentrat über das System Schule verdichtet.“ (Filmdienst)

Do. 14.09.2017, 19:30 Uhr, Mi. 20.09.2017, 17:30 Uhr

ACT! Wer bin ich?

ACT! WEr bin ich?

DEU 2017. R: Rosa von Praunheim. Dokumentarfilm. 87 Min. FSK: 12

Hauptschule in Berlin-Neukölln. Normaler Unterricht ist hier kaum möglich, doch die Theater-Pädagogin und Lehrerin Maike Plath findet einen Ansatz: Sie macht Theater, mit den Jugendlichen, über und für die Jugendlichen. Gemeinsam entwickeln sie die Stücke, proben, führen auf: „Tear Down This Classroom“ heißen die Werke oder „Arab Queen & Thilo Sarrazin – Neuköllner Jugendliche geben Contra“. Dabei bringen sich die Schüler mit ihren Erfahrungen und Persönlichkeiten ein – „partizipativ biographisches Theater“ heißt dieser Ansatz, der Pädagogik, Kunst und Sozialarbeit einschließt. Rosa von Praunheim, der in seinem OEuvre immer wieder ein Herz für kämpfende Underdogs zeigt, porträtiert Plath und einige der Jugendlichen, die hier im Verein ACT! oft erstmals Anteilnahme und Wertschätzung erfahren. Plath übrigens schied nach 17 Jahren aus dem Schuldienst aus, weil diese unkonventionelle Theater-AG dem Schulamt ein Dorn im Auge war. Freiberuflich führt sie ihre Arbeit fort.

Do. 14.09.2017, 21:30 Uhr, Fr. 15.09. & Sa. 16.09.2017, 19:30 Uhr

Schule, Schule – Die Zeit nach Berg Fidel

Schule, Schule – Die Zeit nach Berg Fidel

DEU 2017. R: Hella Wenders. Dokumentarfilm. 98 Min. FSK: k. A.

In BERG FIDEL – EINE SCHULE FÜR ALLE von 2011 hatte Hella Wenders vier Schüler einer inklusiven Grundschule begleitet, wo alle Kinder ungeachtet körperlicher, geistiger und sozialer Unterschiede und Beeinträchtigungen aufgenommen werden. Dort hatten David, Jakob, Anita und Samira in altersgemischten Klassen gemeinsam gelernt. Nun mussten sie sich trennen und auf unterschiedliche weiterführende Schulen wechseln. Sechs Jahre später dokumentiert Hella Wenders ihren weiteren schulischen Weg in einem einjährigen Beobachtungszeitraum – Träume, Hoffnungen, Ängste, Sorgen inmitten der Pubertät: Wir erleben, wie die Kinder lernen, mit Leistungsdruck, wechselnden Gemütszuständen und der Suche nach Anerkennung in ihrem Alltag zurecht zu kommen. Und erfahren, wie es mit ihnen weiterging in Montessori-, Förder- oder Gesamtschulen.

Fr. 22.09., Sa. 23.09. & Di. 26.09.2017, 19:30 Uhr, Mi. 27.09.2017, 17:30 Uhr