Wir haben die Filmfestivals abgegrast und die Verleihprogramme gewälzt – und sind fündig geworden: Aktuell gibt es eine kleine Welle von Filmen aus Frankreich, die eine ganz spezifische Atmosphäre auf die Leinwand zaubern. Die das Schwere leicht nehmen und im Einfachen das Komplexe sehen. Die von der Suche erzählen, aber nicht unbedingt vom Finden, von großer Sehnsucht, aber nicht unbedingt von der großen Liebe. Junge Menschen, die auf zielloser Reise sind, lichte Sommertage, in denen das Schicksal zuschlägt, starke Gefühle, die gar nicht so einfach auszudrücken sind. Sechs Filme, die eine gewisse Tendenz im französischen Film ausdrücken – drei davon zeigen wir als exklusive Previews vor dem Kinostart!

Dieses Sommergefühl

Dieses Sommergefühl

(Ce sentiment de l'été)
FRA/DEU 2016 R: Mikhaël Hers. D: Anders Danielsen Lie, Judith Chemla, Marie Rivière, Féodor Atkine. 107 Min. OmdtU. FSK: 0

Eines Tages kippt die 30jährige Sasha mitten im Alltag um. Sie stirbt. Ihre Familie muss Abschied nehmen, ihr Freund Lawrence muss mit seiner Trauer umgehen. Auf ihn und auf Sashas Schwester Zoé konzentriert sich fortan die Geschichte, wenn mitten im Sommer der Tod Einzug hält, wenn der Schicksalsschlag verarbeitet werden muss. Aber es geht in DIESES SOMMERGEFÜHL nicht nur um Trauerarbeit, sondern um das Lebensgefühl junger Kosmopoliten, die neugierig sind auf das Leben. Zoé ist Französin, Lawrence Amerikaner, und Mikhaël Hers porträtiert diese beiden jungen Menschen über drei Sommer hinweg, in Berlin, in Paris, in New York. Mit dieser offenen, authentischen Dramaturgie gelingt es, Atmosphäre, Sensibilität, das Leben selbst filmisch einzufangen: Hers buchstabiert den Kern der Tragödie, die Stärke der Emotionen nicht aus, sondern setzt auf eine Leichtigkeit, die an Eric Rohmer erinnert.

Mi. 05.04.2017, 17:30 Uhr, Do. 06.04., Fr. 07.04.2017, 19:30 Uhr, Sa. 08.04.2017, 21:30 Uhr

Tour de France

Tour de France

FRA 2016. R: Rachid Djaïdani. D: Gérard Depardieu, Sadek, Louise Grinberg. 93 Min. OmdtU. FSK: 12

Der 20jährige Far’Hook gilt als kommender Star in der französischen Rap- Szene. Er gibt sich mit seiner ins Gesicht gezogenen Basecap und seinen wüsten Texten hart – muss aber nach einem Hahnenkampf mit einem anderen Rapper schleunigst untertauchen. Sein Produzent verweist ihn an seinen Vater Serge – der ist Hobbymaler und will auf einer kleinen Tour französische Hafenstädte abklappern auf den Spuren von Joseph Vernet, dem Haus und Hafen-Maler von Louis XV. Far’Hook darf Serges Staffelei schleppen und sich dessen Sprüche über Far’Hooks Herkunft anhören; der Altlinke Serge ist inzwischen in Front National-Richtung abgedriftet. Es folgt ein aberwitziger Generationen- und Kulturenclash zwischen dem jungen Rapper und dem knurrigen Alten.

Gérard Depardieu hat in den letzten Jahren Gefallen gefunden an absonderlichen Buddy-Filmtrips – in diesem Fall entsteht in der Partnerschaft mit dem Rapper Sadek „ein krauses kleines Roadmovie, in dem gesungen, gemalt und gedichtet wird.“ (epd Film)

Do. 13.04.2017, 19:30 Uhr, Fr. 14.04., Sa. 15.04.2017, 21:30 Uhr, So. 16.04., Mo. 17.04.2017, 19:30 Uhr

Ich wünsche dir ein schönes Leben

Ich wünsche dir ein schönes Leben

(Je vous souhaite d'être follement aimée)
FRA 2015. R: Ounie Lecomte. D: Céline Sallette, Anne Benoît, Elyes Aguis, Françoise Lebrun. 100 Min. OmdtU. FSK: 12

Elisa, Physiotherapeutin, zieht zusammen mit ihrem Sohn Noah für einige Monate als Vertretung in einer Praxis nach Dünkirchen. Dort ist Elisa vor 30 Jahren anonym geboren und von ihrer leiblichen Mutter direkt zur Adoption freigegeben worden. Obwohl sich ihre Mutter nach wie vor nicht zu erkennen geben möchte, hofft Elisa auf ein Einlenken oder auf den Zufall. Sie möchte nicht nur ihre eigenen, sondern auch die Fragen ihres Sohnes Noah beantworten können. Wer die unbekannte Mutter ist, ahnt der Zuschauer alsbald – die Frage ist, ob und wie ein Zusammenkommen möglich oder erwünscht ist. Regisseurin Ounie Lecomte entfaltet ein intimes Familiendrama, in dem das Körperliche – bei der Berufsausübung der Physiotherapeutin – und das Seelische – die Nachvollziehbarkeit von Wünschen, Fragen und Entscheidungen – in so perfekte wie fragile Balance gebracht werden. Preview vor dem Bundesstart!

Do. 13.04.2017, 21:30 Uhr, Fr. 14.04., Sa. 15.04., Mi. 19.04.2017, 19:30 Uhr

Marie und die Schiffbrüchigen

Marie und die Schiffbrüchigen

(Marie et les naufragés)
FRA 2016. R: Sébastien Betbeder. D: Vimala Pons, Pierre Rochefort, Éric Cantona, Damien Chapelle, André Wilms, Emmanuelle Riva. 104 Min. OmdtU. FSK: k. A

Journalist Siméon findet auf dem Weg aus der Bar die Brieftasche von Marie. Sie ist Gelegenheitsmodell, gescheiterte Babysitterin – und Single, weil sie sich gerade von ihrem Langzeitfreund getrennt hat. Bei der Übergabe des Portemonnaies ist Siméon sofort verliebt – und es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem bald auch Siméons WG-Partner Oscar mitmischt. Auf der kleinen Ile de Groix sorgen eine geladene Waffe und der ausgeflippte alte Popstar Cosmo dafür, dass die Situation weiter außer Kontrolle gerät…

Der Sohn von Jean Rochefort, der ehemalige ManU-Superstar Cantona und Jungstar Vimala Pons – die der „Hollywood Reporter“ aufgrund ihrer unbeholfenen Direktheit neben Greta Gerwig stellt – überzeugen in dieser verschrobenen Dreier-Romanze irgendwo zwischen Romantik und Irrwitz. Preview vor dem Bundesstart!

Fr. 21.04., Mo. 24.04.2017, 19:30 Uhr

Baden Baden

Baden Baden

FRA/BEL 2016. R: Rachel Lang. D: Salomé Richard, Claude Gensac, Swann Arlaud, Olivier Chantreau. 99 Min. OmdtU. FSK: 6

Ana, verpeilt und ziellos, ist wieder mal einen Job los. Sie zieht über den Sommer nach Straßburg zu ihrer Großmutter – gespielt von der langjährigen Louis de Funès-Partnerin Claude Gensac in ihrer letzten Rolle. Doch die Oma bricht sich das Bein, und während ihres Krankenhausaufenthalts beschließt Ana, das Badezimmer zu renovieren. Leider hat sie davon wenig Ahnung, auch der herbeicharmierte Baumarkt-Angestellte ist eher unfähig. Ihr Ex-Freund, ein Videokünstler, trägt auch nicht gerade zur Stabilisierung ihrer Lebensverhältnisse und -einstellungen bei. Die Probleme des Lebens mit Baumarkt-Utensilien und One-Night-Stands wegzukompensieren ist nicht einfach – oder einfach nichts? Und wird Ana mit ihrer Oma je der geplante Ausflug nach Baden Baden gelingen?

Rachel Lang schafft in ihrem Debütfilm eine weibliche Variation des Slacker-Films, in dem in episodenhafter Lockerheit vom Suchen ohne Finden erzählt wird – voll spröder Lakonie, mit Slapstickmomenten und gelegentlichen Einsichten auf die Wunden in Maries Leben.

Fr. 21.04.2017, 21:30 Uhr, Sa. 29.04., So. 30.04.2017, 19:30 Uhr

Keeper

Keeper

FRA/BEL/CHE 2015. R: Guillaume Senez. D: Kacey Mottet Klein, Galatéa Bellugi, Catherine Salée, Sam Louwyck. 96 Min. OmdtU. FSK: k. A.

Die 15jährigen Teenager Maxime und Mélanie lieben sich. Und eines Tages stellen sie fest, dass Mélanie schwanger ist. Obwohl Maxime um seine Karriere als Fußballtorhüter bangt, und obwohl Mélanies Mutter sie unter Druck setzt, beschließen die beiden, das Kind zu behalten. Guillaume Senez’ Debütfilm, vielfach ausgezeichnet, folgt insbesondere Maxime, der vom bemerkenswerten Kacey Mottet Klein gespielt wird: Der Regisseur leitete seine Darsteller geschickt in ihrem überzeugenden Spiel an – „ich gebe meinen Darstellern kein Drehbuch. Wir fangen gemeinsam an zu arbeiten und suchen nach emotionaler Authentizität.“ Dieses kleine filmische Meisterwerk ist nicht einfach ein Jugenddrama, nicht einfach ein JUNO-Aufguss: Hinter der einfachen Geschichte steckt eine filmische Auseinandersetzung zum Thema Verzicht.

Preview vor dem Bundesstart!

Sa. 22.04.2017, 21:30 Uhr, Mi. 26.04., Fr. 28.04.2017, 19:30 Uhr