Die deutschen Filme der Weimarer Republik gehörten zu den besten der Welt. Doch nach 1933 mussten viele Filmschaffende vor der Politik der Nationalsozialisten fliehen. Während das Kino in Deutschland zum Instrument der Nazi-Propaganda wurde, versuchten die Exilanten, im Ausland Fuß zu fassen: Viele der größten Künstler und besten Handwerker der großen Zeit des deutschen Films schufen ein „anderes“ deutsches Kino. Ein Kino, das nicht in Deutschland, sondern vornehmlich in den USA entstand, künstlerisch oft herausragend und inhaltlich häufig auf die Exilsituation bezogen.

To Be or Not to Be

Sein oder Nichtsein

(To Be or Not to Be)
USA 1942. R: Ernst Lubitsch. D: Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack, Felix Bressart. Musik: Werner Richard Heymann. 93 Min. OmdtU. FSK: 12

Warschau, 1939. Während einer „Hamlet“-Aufführung des Theaterensembles um Joseph Tura und seine Frau Maria marschieren die Deutschen ein. Fliegerleutnant Sobinski flieht nach England, lernt bei der polnischen Schwadron der Royal Air Force den polnischen Professor Siletsky kennen – und enttarnt ihn als deutschen Spion. Siletsky ist auf dem Weg nach Warschau mit einer Adressliste von Widerstandskämpfern, und Sobinski muss ihn zusammen mit den Theaterleuten um Tura aufhalten. Zum Glück befinden sich im Fundus eine Menge Naziuniformen, und eine waghalsige Verkleidungsscharade beginnt. Bis Dezember zeigen wir eine Reihe von Exilfilmen, die unter Beteiligung von Filmschaffenden entstanden, die nach 1933 vor dem NS-Regime ins Ausland fliehen mussten. Ernst Lubitsch hat zwar seine Hollywoodkarriere schon 1922 begonnen – doch an seiner meisterhaften satirischen Farce um die Menschlichkeit wider die Nazi-Ideologie arbeiteten der Komponist Werner Richard Heymann und als Darsteller unter anderem Felix Bressart mit.

Einführung: Jost Henze

Mo. 18.09.2017, 19:30 Uhr

Desire

Sehnsucht

(Desire)
USA 1936. R: Frank Borzage, Ernst Lubitsch. D: Marlene Dietrich, Gary Cooper, John Halliday, Akim Tamiroff. Musik: Friederich Hollaender. 90 Min. OmdtU. FSK: 12

In Paris stiehlt die hochstaplerische Gaunerin Madeleine de Beaupre mit einem raffinierten Trick eine wertvolle Perlenkette, indem sie dem Juwelier einen Ehemann vorgaukelt, der gar nicht vorhanden ist. Auf der Flucht Richtung Spanien trifft sie immer wieder auf den arglosen Amerikaner Tom Bradley. Vor der Grenze versteckt sie die Perlen in seinem Gepäck – und flirtet fortan immer wieder mit ihm. Sie muss ja an das Diebesgut wieder herankommen... Beispiel für den hohen Stellenwert, den der deutsche Film der Weimarer Zeit in den USA genoss: Dieses Remake der deutschen Roadmovie-Gaunerkomödie DIE SCHÖNEN TAGE VON ARANJUEZ von 1933 wurde von Ernst Lubitsch – 1922 ausgewandert – produziert (der einige Szenen auch inszenierte), mit Marlene Dietrich – 1930 ausgewandert – in der Hauptrolle. Die Filmmusik komponierte der Exilant Friedrich Hollaender.

Einführung: Harald Mühlbeyer

Mo. 23.10.2017 19:30 Uhr

Fury

Blinde Wut

(Fury)
USA 1936. R: Fritz Lang. D: Spencer Tracy, Silvia Sidney, Bruce Cabot, Walter Brennan. 89 Min. OmdtU. FSK: 12

Unterwegs zu seiner Verlobten wird Joe Wilson fälschlich festgenommen unter dem Vorwurf, ein Mädchen entführt zu haben. Alsbald bildet sich ein wütender Lynchmob, der das Gefängnis belagert und schließlich anzündet. Die Verlobte, gerade angekommen, sieht ihren Joe am Zellenfenster inmitten des Feuers. Ein Gerichtsverfahren gegen die Lynchmörder verläuft zunächst im Sande, da sich alle gegenseitig mit Alibis decken. Zudem wurde Joes Leiche nie gefunden. Tatsächlich hat er überlebt – und aus seinem Versteck tut er alles, damit die Mobteilnehmer zum Tode verurteilt werden... Fritz Lang, einer der größten Regisseure, musste 1933 Deutschland verlassen. BLINDE WUT ist sein erster Hollywoodfilm: Es geht um den Glauben an Gerechtigkeit, die Vorstellung von Zivilisation, den Stolz auf die Heimat, die nur allzu leicht zerstört werden können, weil jeder das Zeug in sich trägt, zum Gewalttäter zu werden.

Einführung: Jost Henze

So. 26.11.2017, 19:30 Uhr

A Foreign Affair

Eine auswärtige Affäre

(A Foreign Affair)
USA 1948. R: Billy Wilder. D: Jean Arthur, Marlene Dietrich, John Lund. Musik: Friedrich Hollaender. 116 Min. OmdtU. FSK: 12

Phoebe Frost, eine sittenstrenge Kongressabgeordnete, besucht die US-Truppen im zerstörten Berlin. Und ist entsetzt über den moralischen Schlendrian, auf dem Schwarzmarkt wie auch im Nachtclub „Lorelei“, wo die Sängerin Erika von Schlütow auftritt. Die hatte enge Beziehungen zur Nazi-Führung unterhalten und wird nun offenbar von einem amerikanischen Verehrer geschützt. Phoebe Frost wendet sich an Captain Pringle, der den moralischen Sumpf austrocknen soll – und verliebt sich auch prompt in ihn. Dabei ist es Pringle, der eine Affäre mit Erika von Schlütow unterhält – aus politischen Gründen... Billy Wilder, in der Weimarer Republik angesehener Drehbuchautor, wurde im US-Exil zu einem der wichtigsten Hollywoodregisseure. Wilders Mutter und Stiefvater wurden im Holocaust ermordet. 1945 kehrte er nach Deutschland zurück – als Angehöriger der Filmabteilung des US-Militärs. Einführung: Joachim Kurz

So. 17.12.2017, 19:30 Uhr