Aufregendsten, was über die hiesigen Leinwände läuft. Abseits von Filmförderung, abseits von TV-Sendern hat sich vor allem in Berlin in den letzten Jahren eine lebendige Filmemacher-Szene entwickelt – am bekanntesten sicherlich die German Mumblecore-Bewegung um Axel Ranisch und die Brüder Jakob und Tom Lass: Frei improvisierte Filme, die mit viel Lust an der Sache dem Leben nachspüren.

Doch eine neue Welle im deutschen Kino ist auch anderweitig zu spüren, frisch, lebendig, lustig und wild – weil gute Filme von den Ideen und der Kreativität abhängen und nicht vom Dauerlauf durch Fördergremien!

Love Steaks

Love Steaks

DEU 2013. R: Jakob Lass. D: Lana Cooper, Franz Rogowski, Kerstin Abendroth, Ralf Winter. 90 Min. FSK: 12

Ein Luxushotel. Steaks werden gebrutzelt. Speckröllchen massiert. Clemens (zart) kommt als Frischling in den Wellnessbereich. Lara (gut durch) muss sich im Küchenrudel behaupten. Der Fahrstuhl bringt die beiden zusammen. Sie reiben sich aneinander, bis es knallt. Regie, Drehbuch, Produktion und Schauspiel: 2013 erhielt LOVE STEAKS den Förderpreis Neues Deutsches Kino in allen vier Kategorien, zudem 2014 den Max Ophüls Preis.

Damit verhalf Jakob Lass der „German Mumblecore“-Bewegung zum Durchbruch: Auf Grundlage von wenigen Seiten Handlungsentwurf improvisieren die Darsteller, während sich das gesamte Team gleichberechtigt der Herstellung des Films hingibt.

Di. 04.07.2017, 19:30 Uhr, Mi. 05.07.2017, 17:30 Uhr

Beat Beat Heart

Beat Beat Heart

DEU 2016. R: Luise Brinkmann. D: Lana Cooper, Saskia Vester, Till Wonka, Aleksandar Radenković, Jörg Bundschuh. 87 Min. FSK: 12

Auf dem Filmfest München wurde BEAT BEAT HEART mit dem spontan kreierten Spezialpreis für Ensemblegeist und Energie ausgezeichnet – völlig zurecht und absolut treffend. Denn Luise Brinkmann schafft es in ihrer leichtfüßig improvisierten Komödie, ein Panorama um allerlei Liebesnöte zu inszenieren, das an Charme und Verve nichts zu wünschen übrig lässt. Während die romantisch veranlagte Kerstin monatelang auf ihre verlorene Liebe wartet, schneit die Frau Mama, frisch getrennt und midlifekriselnd, ins Haus. Sie nistet sich im Saal nebenan ein, auf der Bühne mitten auf einer Baustelle, die irgendwann mal ein Kino werden soll – und während sich Liebeskummer und Nymphomanie, Partnersuche und Eifersucht entfalten, wartet irgendwo das wahre Leben...

Do. 06.07.2017, 21:30 Uhr, Sa. 08.07., Di. 11.07. & Mi. 12.07.2017, 19:30 Uhr

Hey Bunny

Hey Bunny

DEU 2016. R: Barnaby Metschurat, Lavinia Wilson. D: Barnaby Metschurat, Lavinia Wilson, Marie Gruber, Sabin Tambrea, Harald Schrott. 93 Min. FSK: 0

Barnaby Metschurat und Lavinia Wilson sind die Autoren dieses Films, im wahren Sinn des Wortes: Darsteller, Drehbuch, Regie, Produktion, Verleih, alles liegt in ihrer Hand – ein wahrhaft unabhängig produzierter Film, in dem Glücksforschung im Tierlabor zu einem bizarren Spaß für den Zuschauer wird. Adam ist kein sehr geselliger Hacker, der die IT-Sicherheit im Krankenhaus garantieren soll – ausgerechnet da verschwinden die Versuchskaninchen. Helen, die an ihnen soziale Glücksgene erforscht, hat direkt Adam in Verdacht – denn dessen Vater hat die Glücksforschung überhaupt angestoßen...

HEY BUNNY ist ein irrer Trip, der Kategorien wie Starkino, Romanze, Satire oder Familienfilm überwindet zugunsten von ganz eigenem, fröhlichem Filmschaffen.

Do. 13.07.2017, 21:30 Uhr, Di. 18.07. & Mi. 19.07.2017, 19:30 Uhr

Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes

Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes

DEU 2017. R: Julian Radlmaier. D: Julian Radlmaier, Deragh Campbell, Kyung-Taek Lie, Benjamin Forti, Ilia Korkashvili. 104 Min. FSK: 0

Weil er keine Förderung bekommt, muss Filmemacher Julian als Erntehelfer auf einer Apfelplantage arbeiten. Er fühlt sich stramm links, vor allem aber will er das Herz der schönen Kanadierin Camille erobern. So gibt er den Plantagenjob als Recherchereise für einen kommunistischen Märchenfilm aus, in der sie natürlich die Hauptrolle spielen soll. Dummerweise kommt Camille mit. Und Julian in Liebes- und Erklärungsnöten findet sich plötzlich tatsächlich in einem ausbeuterischen System wider, in dem die Arbeiter verschiedene linke Ideen diskutieren, in dem die Revolution ausbricht, in dem auch noch Franz von Assisi auftaucht. Und in dem der Salonkommunist Julian endgültig zum bürgerlichen Windhund mutiert.

Radlmaiers politische Farce ist kritische Selbstbefragung, ernstgemeintes Manifest und proletarische Satire in einem – und lässt in allerlei Variationen die „Internationale“ erklingen.

Fr. 21.07. & Mo. 24.07.2017, 19:30 Uhr, Mi. 26.07.2017, 17:30 Uhr

Mann im Spagat – Pace, Cowboy, Pace

Mann im Spagat – Pace, Cowboy, Pace

DEU 2017. R: Timo Jacobs. D: Timo Jacobs, Clemens Schick, Natalia Bilitski, Olli Schulz, Meret Becker, Claude-Olivier Rudolph, Rolf Zacher. 89 Min. FSK: 12

Timo Jacobs hat seine Kunstfigur „Cowboy“ schon in seinem Debütfilm KLAPPE COWBOY 2012 filmisch etabliert: Ein großsprecherischer Junge aus der Provinz, ein Loser mit großen Plänen, ein Idealist mit eingebauter Realitätsverweigerung. Cowboy verkauft levitiertes Wasser und erhofft sich Fördergelder von der Agentur für Weltatem, um der Frau Mama einen Platz im Elvis-Pflegeheim zu ermöglichen. Eine Fee evaluiert seine Ansprüche, eine Benefiz-Radrallye durch Berlin soll es richten, der Nachbar hetzt den Teufel vom Hermannplatz auf ihn – es geht mit Lust drunter und drüber, Kreuzberg wird auf den Kopf und all die Außenseiter, Verlierer und Querköpfe des Lebens werden aufs Podest gestellt. Eine lustige, lebensbejahende Farce mit Spaß an der Blödelei: Aber auch ein bitterer Kommentar über eine Gesellschaft, die viele links liegen lässt.

Fr. 28.07. & Sa. 29.07.2017, 19:30 Uhr