Die AGENDA 21-KINOWOCHE, die 2017 vom 23. bis 29. März im Cinema Quadrat stattfindet, setzt den Focus auf Filme, die dem Publikum gesellschaftlich relevante Filme nahebringen. Unter dem Motto „Grenzen(los)“ laufen aktuelle Produktionen sowie Filme der letzten Jahre, die sich mit Grenzen und Begrenzungen und deren Überwindung auseinandersetzen: Landesgrenzen und Grenzen der Identität, Abgrenzungen gegenüber anderen, Eingrenzungen des Datenschutzes oder nachhaltigen Handelns werden thematisiert.

Damit die Zuschauer mit ihren Eindrücken nicht alleine bleiben, finden im Anschluss an die Vorführungen Filmgespräche statt, in deren Rahmen die Themen des Films mit kompetenten Gesprächspartnern gemeinsam diskutiert werden können. Wie in jedem Jahr werden einige der Filme auch in vormittäglichen Schulvorstellungen um 9:00 Uhr laufen.

Grußwort des Oberbürgermeisters Dr. Peter Kurz:


Liebe Kinofreundinnen und Kinofreunde,

die diesjährige Agenda-21-Kino-Woche lädt wie jedes Jahr Schüler*innen aller Schularten und Erwachsene ein, eine Woche lang im Kino die Welt zu erleben.

Die Kinoreihe entstand vor mehr als 10 Jahren im Rahmen der Agenda 21, einem entwicklungs- und umweltpolitischen Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert, das 1992 von 172 Staaten in Rio de Janeiro beschlossen wurde. Inzwischen ist nachhaltige Entwicklung vielerorts zu einer Leitlinie öffentlichen Handelns geworden, so auch in Mannheim. Die Stadt wie auch die Zivilgesellschaft unterstützen Ziele der Nachhaltigkeit wie z.B. Bildungsgerechtigkeit, Fairer Handel, Erhaltung der natürlichen Ressourcen oder Abschaffung von Kinderarbeit weltweit.

Für die Kinowoche 2017 haben die Veranstalter*innen das Motto „Grenzen(los)“ gewählt. Wir erinnern uns: 2015 war Mannheim Zufluchtsort für tausende von Menschen. Städtische Mitarbeiter*innen und große Teile der Zivilgesellschaft stellten sich der Herausforderung und hießen die Geflüchteten willkommen. 2016 hat sich in Mannheim ein „Bündnis für Vielfalt“ gegründet, das für Offenheit gegenüber vielfältigen Lebensentwürfen auf demokratischer Grundlage eintritt. Diesem Anliegen wird auch in den Filmen der Agenda-Kino-Woche Rechnung getragen.

Die Filmreihe möchte darüber hinaus Schüler*innen und Erwachsene anregen, über Sinn und Zweck von Grenzziehungen auch in globalen Dimensionen zu reflektieren. Es geht nicht nur um echte oder vermeintliche Grenzen von Ländern oder Kulturen, sondern darüber hinaus um Grenzen der Identität, der Nachhaltigkeit, des mitmenschlichen Umgangs überhaupt – Grenzen, zu deren Überwindung wertschätzendes Handeln gehört.

Am Ende eines jeden Films besteht die Möglichkeit, mit kompetenten Diskussionspartner*innen ins Gespräch zu kommen. Ich empfehle die Filmreihe sehr herzlich, weil sie sowohl spannende Unterhaltung als auch Erkenntnisgewinn garantiert.

Ihr Dr. Peter Kurz
Oberbürgermeister

Schulvorstellungen:

Siehe Agenda 21-Kinowoche unter Schulkino

Veranstaltungsort:

Cinema Quadrat im Collini-Center
Collini-Straße 1
68161 Mannheim

Veranstalter:

Die Agenda-Kinowoche ist eine Veranstaltung von

Stadt Mannheim,
Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Mannheim Fachbereich Rat, Beteiligung und Wahlen
Cinema Quadrat e. V.,
Eine-Welt-Forum Mannheim e.V.,
Jugendkulturzentrum FORUM,
KOSI.MA – Kompetenzzentrum zu sexuell übertragbaren Infektionen Mannheim,
Kulturamt der Stadt Mannheim,
KulturQuerQuerKultur Rhein-Neckar e.V.,
PLUS – Psychologische Lesben- und Schwulenberatung Rhein-Neckar e.V.

Sworn Virgin

Grenzgängerin

Sworn Virgin

(Vergine giurata)
ITA/ALB/DEU/CHE/KOS 2016. R: Laura Bispuri. D: Alba Rohrwacher, Flonja Kodheli, Lars Eidinger. OmdtU. 87 Min. FSK: 0

Wir werden als Mensch geboren und zu Frauen und Männer gemacht. Hana darf Waffen tragen, rauchen und fluchen, und sie muss sich nicht in eine arrangierte Ehe fügen. Denn sie hat in den abgeschiedenen Bergen Albaniens den traditionellen Schwur abgelegt, als Mann zu leben und ewig Jungfrau zu bleiben. Nach Jahren beschießt Hana – die in ihrer Wahl-Geschlechtlichkeit Mark genannt wird –, sich neu mit dieser Entscheidung auseinanderzusetzen...

SWORN VIRGIN, ein Film der italienischen Regisseurin Laura Bispuri, zeigt, wie das patriarchalische System die Geschlechterrolle konstruiert: Rechte und Pflichten sind klar definiert, jeglicher Widerstand wird mit absoluter Isolation bestraft. Wer sich nicht mit der Rolle der untergeordneten (Ehe)Frau abgeben will, muss die Rolle des Familienoberhauptes einnehmen. Hana/Mark sucht einen anderen Weg und macht sich auf nach Italien.

Diskussionspartnerinnen:
Margret Göth, Dipl.-Psychologin, Mitglied der Geschäftsführung bei PLUS. Psychologische Lesben- und Schwulenberatung Rhein-Neckar e.V. Eva Schaab, Amt der Gleichstellungsbeauftragten Mannheim

Begrüßung und Eröffnung der Agenda-21-Kinowche durcht Stadtrat Thorsten Riehle

Do. 23.03.2017, 19:30 Uhr

Same Same But Different

Liebe überwindet jede Grenze...?

Same Same But Different

DEU 2009. R: Detlev Buck. D: David Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Stefan Konarske, Jens Harzer. 104 Min. FSK: 6

Der junge Deutsche Ben macht sich zusammen mit seinem besten Kumpel Ed auf einen abenteuerlichen Trip durch Asien. Berauschte Party-Nächte, schöne Frauen und Panzerfaustballern im Dschungel – das undurchschaubare Kambodscha lässt die jungen Männer auf dem schmalen Grat zwischen Lust und Abgrund taumeln. Doch dann lernt Ben in Phnom Penh das geheimnisvolle Bargirl Sreykeo kennen, und die erste gemeinsame Nacht verändert sein Leben. Er verschiebt seinen Heimflug und dringt mit ihr weiter vor in die faszinierende, lebensbedrohliche Wirklichkeit Kambodschas. Als sie erfahren, dass Sreykeo HIV-positiv ist, muss Ben sich entscheiden. Kann es eine gemeinsame Zukunft für sie geben? Was ist er bereit, für die Liebe seines Lebens zu tun?

Diskussionspartner*innen: Lisa Schlode, Sozialarbeiterin bei KOSI.MA Tobias Quell, Ehrenamtlicher bei KOSI.MA

Fr. 24.03.2017, 19:30 Uhr

Les sauteurs - Those Who Jump

Europas Grenzen überwinden?

Les sauteurs - Those Who Jump

(Les sauteurs)
DNK 2016. R: Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé. Dokumentarfilm. 79 Min. OmdtU. FSK: 12

Vom Berg Gurugu aus blickt man auf die spanische Enklave Melilla an der nordafrikanischen Mittelmeerküste. Afrika und die Europäische Union werden hier durch eine hochgesicherte Grenzanlage, bestehend aus drei Zäunen, voneinander getrennt. In den Wäldern des Bergausläufers leben Geflüchtete, meist aus der Subsahara-Region, die versuchen, diese direkte Landesgrenze zwischen Marokko und Spanien zu überqueren. So auch Abou Bakar Sidibé aus Mali. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, das Zaunsystem zu überwinden, beginnt Abou zu filmen – seinen Alltag, die Umgebung, das zermürbende Warten auf den nächsten „Sprung“. Sidibé ist Protagonist und Dokumentarist zugleich, er filmt seine Flucht mit einer Kamera, die ihm Moritz Siebert und Estephan Wagner zur Verfügung gestellt haben. So liefert er Einblicke in die soziale Organisation der Community, in die Situation von Menschen auf der Flucht, in die Lebensrealität am Rande einer abgeschotteten EU.

Diskussionspartner: Memet Kilic, ehemaliger MdB, Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates

Vorfilm: EIN VOGEL, R: Janna Koenen

Sa. 25.03.2017, 19.30 Uhr

Kommen Rührgeräte in den Himmel? Ein Film über Nachhaltigkeit

Grenzenlos haltbar?

Kommen Rührgeräte in den Himmel? Ein Film über Nachhaltigkeit

DEU 2016. R: Reinhard Günzler. Dokumentarfilm. 100 Min. FSK: 0

Der nagelneue Mixer ist kaputt. Carmen, Designstudentin in Thüringen mit schweizerisch- peruanischen Wurzeln, entdeckt auf einem Jenaer Flohmarkt ein Rührgerät aus DDR-Zeiten: uralt, in grellem Orange – und trotzdem noch tadellos in Form. Es heißt RG 28. Um hinter das Geheimnis der sagenhaften Langlebigkeit des Rührers aus dem „Elektrogerätewerk Suhl“ zu kommen, begibt sie sich auf eine Forschungsreise. Sie fragt Konstrukteure und Technologen, Designer und Ökonomen, Historiker, Theologen und Psychologen. Sie trifft die Menschen, die einst ihr RG 28 gebaut haben, die sich in der untergegangenen Wirtschaftsform der DDR mit „ihrem“ Betrieb und „ihren“ Produkten vollkommen identifizieren konnten. Ist die innere Verbundenheit des Schöpfers mit seinem Werk die wesentliche Voraussetzung für ein gutes Produkt? Wo und unter welchen Bedingungen wird der größte Teil unserer Gebrauchsgegenstände heute hergestellt? Warum werfen wir vieles davon schon nach wenigen Jahren wieder auf den Müll? Ihre Begegnungen und Gespräche führen Carmen schließlich zu der Frage, ob es ethisch vertretbar ist, unseren Erzeugnissen das zu verweigern, was wir für uns selbst erhoffen: ein langes Leben.

Diskussionspartnerin: Rike Schweizer, Forschungsstätte Ev. Studiengemeinschaft

So. 26.03.2017: 19.30 Uhr

Democracy - Im Rausch der Daten

Digitale Zukunft grenzenlos?

Democracy: Im Rausch der Daten

DEU 2015 R: David Bernet. Dokumentarfilm. 100 Min. OmdtU. FSK: 0

Mit DEMOCRACY: IM RAUSCH DER DATEN eröffnet uns Regisseur David Bernet einen erstaunlichen Einblick in den Gesetzgebungsprozess auf EU-Ebene. Eine fesselnde und hochbrisante Geschichte über eine Handvoll Politiker im Kampf um ein europäisches Datenschutzrecht, das jede Form von Datentransfer schützen soll. EU-Kommissarin Viviane Reding und der Abgeordnete Jan Philipp Albrecht versuchen das vermeintlich Unmögliche und stellen sich einem harten, fast undurchdringlichen politischen Machtapparat, in dem Intrigen, Erfolg und Scheitern so nahe beieinanderliegen. Zweieinhalb Jahre hat David Bernet den Gesetzgebungsprozess mit all seinen Anregungen und Einsprüchen von Aktivisten, Lobbyisten und Wirtschaftsjuristen begleitet. Er verdichtet die komplexe Mächte-Architektur sowie den Zustand der heutigen Demokratie mit Spannung und Sinnlichkeit zu einem erstaunlichen Dokumentarfilm.

Diskussionspartner: Oliver Rack, Open Data Rhein-Neckar/ IOX - Connecting Smart Societies und Dr. Barbara Sommer, Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Datenschutzrecht

Mo. 27.03.2017, 19:30 Uhr

Heute gehe ich allein nach Hause

Liebe, Freundschaft, Körper grenzenlos?

Heute gehe ich allein nach Hause

(Hoje eu quero voltar sozinho/The Way He Looks)
BRA 2014. R: Daniel Ribeiro. D: Ghilherme Lobo, Fabio Audi, Tess Amorim. 96 Min. OmdtU. FSK: 6

Für den fünfzehnjährigen Leonardo ist es äußerst schwierig, seine Unabhängigkeit zu gewinnen. Das liegt zum einen daran, dass er blind ist, aber vielmehr noch an den Menschen in seiner Umgebung. Seine überfürsorgliche Mutter lässt ihn nichts selbstständig machen. Auch seine beste Freundin Giovana versucht stets, seine Kämpfe für ihn auszutragen, wenn Mitschüler sich über ihn lustig machen. Doch dann zieht Gabriel in die Stadt. Rasch freundet sich Leo mit ihm an, und Gabriel übernimmt Giovanas Rolle, ihn auf dem Heimweg zu begleiten. Zwischen Hänseleien, Eifersucht und Freundschaft gerät Leo an die Grenzen seiner bisherigen Erfahrungen: Auf seiner Suche nach dem eigenen Weg erlebt er das Geschenk der Freundschaft und seiner wachsender Liebesgefühle. Gewinner des Teddy-Awards und des FIPRESCI-Preises als bester Film!

Diskussionspartner*innen: Andrea Lang, Dipl. Psychologin, PLUS. Psychologische Lesben- und Schwulenberatung Rhein-Neckar e.V. Christoph Leder, stud. päd., Workshopleiter bei PLUS. Psychologische Lesben- und Schwulenberatung Rhein-Neckar e.V.

Di. 28.03.2017, 19:30 Uhr

Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen

Grenzenlos engagiert!

Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen

(Demain)
FRA 2016. R: Cyril Dion, Mélanie Laurent. Dokumentarfilm. OmdtU. 120 Min. FSK: 0

Die Weltgemeinschaft steht vor gigantischen Herausforderungen: Klimawandel, Umweltverschmutzung, Überbevölkerung und Ressourcenknappheit bedrohen unsere Ökosysteme und die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen weltweit. Die Schauspielerin Mélanie Laurent und der französische Aktivist Cyril Dion haben sich auf eine Reise rund um den Globus begeben, um Menschen kennen zu lernen, die mit zukunftsweisenden Ideen den ökologischen Kollaps unseres Planeten verhindern möchten. Sie sprechen mit Expert*innen und besuchen weltweit Projekte und Initiativen, die bereits heute alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verwirklichen. Der Film ermutigt mit inspirierenden Beispielen, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und einen Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung zu leisten.

Diskussionspartnerinnen: Susanne Kammer, Eine-Welt-Forum Mannheim e.V.. Rike Schweizer, Klima-Kollekte

Mi. 29.03.2017, 19:30 Uhr